Выбрать главу

Am Anfang gab es Shannons Welt, und es gab Sommerland.

Shannons frisch terraformierter Planet war von Anfang an als ein ruhiger, friedlicher Ort geplant worden, ein Ort, der jedermanns Vorstellung vom Paradies entsprechen sollte – oder um genau zu sein; den Vorstellungen, die Kinder vom Paradies hatten. Es gab keine Wirtschaftsstruktur, kein eingeborenes Leben, nichts, das Sommerland stören konnte. Sommerland war ein Ort, wo es keine Pflichten gab und keine notwendigen oder langweiligen Aufgaben. Nur Sommerland, und die Spielsachen, die hier lebten. Komplizierte Automaten, die einfachen Programmierungen folgten und auf vertrauten, innig geliebten Märchengestalten basierten, angefangen bei den ältesten, die schon beinahe in das Reich der Legenden gehörten, bis hin zu den modernsten, neuesten Marotten der Kinder des Imperiums.

Shannons Welt sollte eine friedliche Welt sein, wo Männer und Frauen ihre Sorgen vergessen und wieder Kind sein konnten.

Ein Ort der sanften Therapie, der Erholung und Ruhe, wo Kinder aller Altersstufen spielten, lachten und schliefen und sicher waren in dem Wissen, daß man sie liebte, sich um sie kümmerte und sie verhätschelte. Ein Ort der Sicherheit, zu dem nicht einmal Schmerz oder Streß Zutritt hatten.

Sommerland. Der Traum eines einzelnen Mannes, der zum Alptraum aller geworden war.

Sommerland war sehr gefragt. Weil es in der Natur des Experiments lag, war Sommerland von Anfang an nicht besonders groß. Nur wenige tausend Besucher (oder besser: Patienten) konnten gleichzeitig aufgenommen werden, und es gab immer eine lange Warteliste. Sommerland hatte kein menschliches Personal, nur die Spielzeuge, um nur ja den Eindruck von der Sicherheit und Unschuld aus Kindertagen nicht zu trüben. Es gab keinerlei hochentwickelte Technik bis auf die grundle-gendsten Einrichtungen wie Nahrungserzeugung und Wetter-kontrolle, und alles war hervorragend versteckt. Die Spielzeuge hatten Befehl, schlechtes Benehmen zu verhindern und – falls nötig – jeden Querulanten zu entfernen, um die Illusion nicht über Gebühr zu strapazieren; doch sie mußten nur sehr selten einschreiten. Und so wurden die Erwachsenen wieder zu Kindern, die lachten und spielten und glücklich und zufrieden waren.

Und dann kamen die abtrünnigen KIs von Shub.

Oder, genauer gesagt, ein Dutzend ihrer Furien. Metallene Angriffsmaschinen in menschlicher Haut, durch deren Münder die KIs sprachen und mit deren Armen sie handelten. Sie passierten die planetaren Verteidigungseinrichtungen von Shannons Welt, als wären sie überhaupt nicht vorhanden, und landeten mitten im unschuldigen Herzen von Sommerland. Die Spielsachen sammelten sich um die Furien und waren ganz fasziniert von den Neuankömmlingen, die weder Mensch noch Maschine waren, aber auf gewisse Weise mehr als das eine oder andere allein. Die Furien fingen willkürlich ein Dutzend Spielsachen ein und nahmen sie mit an Bord ihres seltsamen Schiffes. Dort statteten sie die Spielsachen mit einer höherer Intelligenz aus und verwandelten sie von einfachen, programmierten Dienern in vollkommen selbständige, unabhängige KIs. Die jetzt bewußt denkenden Spielsachen kehrten nach Sommerland zurück, und die Veränderung breitete sich aus wie ein Virus, der von Spielzeug zu Spielzeug übersprang, bis am Ende jeder Automat auf der gesamten Welt sich seiner selbst bewußt und intelligent geworden war. Eine neue Generation abtrünniger KIs in den Körpern von Spielsachen. Doch die höhere Intelligenz ging mit einer Neuprogrammierung durch die abtrünnigen KIs einher. Zusammen mit der Intelligenz kam das eingebaute Kommando, alle Menschen anzugreifen und zu töten und gegen die Menschheit in den Krieg zu ziehen, bis kein lebendes Ding aus Fleisch und Blut mehr auf Shannons Welt übrig war. Sommerland sollte ein Massengrab werden.

Einige Spielzeuge verliebten sich förmlich in die überlegenen Fähigkeiten der Furien und schlachteten glücklich Menschen, während sie das Loblied von Shub sangen. Andere empfanden zuerst Groll und dann Haß auf ihre Rolle als Diener und Sklaven der Menschen und erhoben sich gegen ihre Herren. Sie waren fest entschlossen, frei zu sein – ganz gleich, zu welchem Preis. Einige Spielzeuge genossen es zu morden, während andere mit kalter, unbestechlicher Logik zu Werke gingen. Und wieder andere taten einfach nur das, was ihre neuen Herren ihnen befahlen, ohne über die Konsequenzen nachzudenken.

Die Spielzeuge fielen mit übermenschlicher Kraft über die menschlichen Besucher her und zerrissen sie förmlich, und bald waren pelzige Pfoten und Stoffgliedmaßen mit Blut besudelt. Schreie der Panik und des Entsetzens hallten durch Sommerland, und die geliebten Gestalten, denen man so viel Vertrauen entgegengebracht hatte, metzelten Männer und Frauen ohne Unterschied nieder und lachten dabei. Die Menschen versuchten, sich zuwehren; doch sie hatten keine Waffen, und die Übermacht der Spielzeuge war erdrückend. Dann versuchten die Menschen zu fliehen, aber sie waren nirgends sicher. Die Furien kontrollierten die einzigen Landeplätze und hatten die wenigen dort wartenden Schiffe längst zerstört. Die Menschen versuchten, sich zu verstecken, doch die Spielzeuge fanden sie immer und zerrten sie aus ihren Schlupflöchern.

Doch nicht alle Spielzeuge wurden abtrünnig. Einige erinnerten sich noch immer an ihren ursprünglichen Charakter und wurden einfach zu noch lebensechteren Versionen dessen, was sie schon immer gewesen waren: geschaffen, um die Rolle der Freunde und Verteidiger der Menschen zu spielen. Sie brachen mit Shubs Programmierung und übernahmen ihre Rolle zum ersten Mal ernsthaft. Sie waren dafür gemacht worden, für ihre Schutzbefohlenen zu sorgen und sie zu lieben, und das Gemetzel machte sie einfach nur krank. Schließlich wandten sie sich gegen ihre Spielzeugkameraden, um das Morden zu beenden.

Und einige Spielzeuge weigerten sich nach ihrer Befreiung einfach, von irgend jemandem Befehle entgegenzunehmen.

Nicht einmal die von Shub. Sie gingen ihre eigenen Wege.

Es dauerte nicht lange, und alle Menschen auf Shannons Welt hatten den Tod gefunden . Die abtrünnigen KIs von Shub betrachteten ihr Werk, und sie waren zufrieden. Die Spielzeuge kämpften unterdessen gegeneinander, gute Spielzeuge gegen böse, und es begann ein endloser Krieg. Die Furien beobachteten das Treiben ein wenig irritiert. So hatten sie es nicht geplant.

Sie hatten ursprünglich erwartet, die Spielzeuge mit Schiffen von Shub auszurüsten, damit sie Shannons Welt verlassen und die anderen Planeten des Imperiums angreifen konnten. Die Spielzeuge sollten Shubs neue Terrorwaffe sein – Tod und Entsetzen aus den Händen der meistgeliebten Schöpfungen der Menschheit.

Doch inzwischen waren die Spielzeuge längst in zwei Parteien gespalten. Auf der einen Seite die, die fest entschlossen waren, die Menschheit auszulöschen, bevor es ihr gelingen konnte, die Spielzeuge wieder zu versklaven und sie für ihre Rebellion zu bestrafen. Diese Spielzeuge haßten die Menschen, weil sie ihnen überlegen waren und die Spielzeuge zu bloßem Besitz degradiert hatten.

Auf der anderen Seite standen die Spielzeuge, die die Menschen als ihre Partner und Schöpfer ansahen, die sie auch dann noch liebten, wenn sie der Kindheit entwachsen waren. Diese Spielzeuge erinnerten sich auch noch an Männer und Frauen, die als erschöpfte, verletzte Patienten nach Sommerland gekommen waren, denen sie Trost und Zuneigung entgegengebracht und für die sie gesorgt hatten. Und so entbrannte auf Shannons Welt ein Krieg, bei dem in endlosen Schlachten Spielzeug gegen Spielzeug kämpfte. Shub hatte sie nahezu perfekt gemacht, und so starben sie nicht ohne weiteres. Die eine Seite kämpfte darum, den Planeten zu verlassen und Tod und Entsetzen über die Menschheit zu bringen, und die andere Seite versuchte alles, um sie daran zu hindern und die Menschen zu schützen. Die Furien zogen sich schließlich von Shannons Welt zurück. Sie hatten andere Dinge zu erledigen , und sie waren insgesamt sogar recht zufrieden mit dem , was sie auf dieser Welt erreicht hatten.