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Bis die bösen Spielsachen kamen und meine Schienen ausgegraben haben, so daß ich anhalten mußte und nicht mehr fahren konnte. Sie zerrten meine Passagiere aus den Waggons und brachten sie alle um. Ich wollte die bösen Spielsachen aufhalten, aber ich konnte nichts tun. Sie waren schnell und stark, und ich konnte doch nicht aus meinen Gleisen. Ich habe ja noch nicht einmal Hände. Ich blies den bösen Spielsachen Dampf entgegen , um sie auf Distanz zu halten, aber ich konnte nur mich selbst schützen. Zu viel Dampf hätte außerdem nur meine Passagiere verletzt.

Ich schloß die Augen, damit ich nicht sehen mußte, wie sie starben, aber ich hörte sie schreien. Sie schienen nie wieder aufhören zu wollen. Als es vorbei war, ließen die bösen Spielsachen mich allein zurück. Sie hatten Angst, ich könnte explodieren, wenn sie mir weh täten. Ich hätte auch so explodieren können und sie mit mir nehmen; aber ich tat es nicht. Ich hatte Angst. Ich war erst seit so kurzer Zeit richtig lebendig, und ich hatte große Angst vor dem Sterben.

Reineke Bär hier hat mich gerettet. Er hat meine Schienen repariert und mich wieder in Gang gesetzt. Er fand Dinge, die von einem Ort zum anderen transportiert werden mußten. Er hat meinem Leben wieder einen Sinn gegeben. Reineke Bär macht immer solche Sachen . So ist er eben. Er ist schließlich Reineke Bär.

Und jetzt habe ich sogar wieder menschliche Passagiere! Ich kann Euch gar nicht sagen, wie glücklich mich das macht. Und diesmal werde ich tapfer sein, das verspreche ich. Ich will lieber sterben als zulassen, daß einem meiner Passagiere noch einmal ein Leid geschieht.«

»Macht Euch nicht die Mühe, ihn zu trösten«, sagte der Seebock, als Edwins Stimme tränenerstickt verstummte. »Er wird nur noch trübsinniger, und Tränen bringen ihn zum Rosten.

Fahr schneller, Edwin! Je schneller wir in Spielzeugstadt sind, desto besser. Wir befinden uns hier mitten im Konfliktgebiet, und Ihr Menschen würdet nicht glauben, über welche Dinge hier Konflikte ausgetragen werden.«

»Hör nicht auf ihn, Edwin«, sagte Reineke Bär zu dem schnaufenden, schniefenden Zug. »Du bist schnell genug. Deine plötzlichen Beschleunigungsmanöver sind bei dieser Fahrt hier nicht nötig. Vergiß nicht, was beim letzten Mal passiert ist.«

»Keine Sorge, Bär« antwortete Edwin die Lokomotive. – Ich werde artig sein. Ich habe endlich wieder Menschen an Bord!«

Und er tutete und pfiff ein fröhliches Lied vor sich hin, während er durch die grasbewachsene Ebene zuckelte.

Edwin fuhr mit einer konstanten Geschwindigkeit von etwa zwanzig Meilen, und nach einer Weile hatten sich die Rebellen an die schwankenden Bewegungen der Waggons gewöhnt.

Giles wäre sogar fast eingedöst. Es gab nichts zu tun und kaum etwas zu sehen. Wer eine grasbewachsene Ebene gesehen hat, kennt eben alle. Es gab weder Bäume noch Büsche oder andere Pflanzen, und nichts deutete darauf hin, daß der Krieg jemals bis hierher vorgedrungen war. Nichts als endlose Weiten von wogendem Gras, das von einem silbernen Schienenstrang durchzogen wurde. Flynn schlug ein nettes Kartenspiel vor; doch nachdem alle gesehen hatten, wie professionell er die Karten mischte, verneinten sie höflich. Und so schwiegen die Rebellen und die Spielsachen während der Fahrt, und jeder war tief in seine eigenen Gedanken versunken. Finlay erinnerte sich plötzlich an eine Frage, die er schon die ganze Zeit über hatte stellen wollen. Er beugte sich so weit vor, daß sein Gesicht unmittelbar vor dem von Reineke Bär war.

»Wer hat eigentlich die Pinasse des Aufklärungstrupps vergraben? Und warum?«

»Das waren wir«, antwortete Reineke Bär. »Der Bock und ich. Wir kamen zu spät, um die Menschen zu retten, aber es gelang uns, die bösen Spielzeuge zu vertreiben, bevor sie zum Schiff gelangen konnten. Der Bock kann ziemlich gewalttätig werden, wenn es sein muß. Und er war damals fast verrückt vor Wut, weil er schon wieder so viele tote Menschen hatte sehen müssen. Wir zerstörten die Maschinen des Schiffs. Dann vergruben wir es, damit bei seinem Anblick niemand in Versuchung kommen konnte. Die bösen Spielsachen wünschten sich nichts sehnlicher, als von dieser Welt zu verschwinden, versteht Ihr? Sie wollen ihren Krieg zur Menschheit tragen. Ich hätte auch Euer Schiff gerne vergraben oder wenigstens versteckt, aber dazu war keine Zeit. Vielleicht können wir das später nachholen

»Macht Euch keine Gedanken deswegen«, sagte Finlay. »Wir haben jede Menge unangenehmer Überraschungen für jeden, der nicht die richtigen Aktivierungssequenzen kennt.«

Reineke Bär schüttelte bewundernd den Kopf. »Ihr Menschen. Ihr seid so verschlagen. Trotzdem wäre ich an Eurer Stelle nicht so zuversichtlich. Einige Spielzeuge haben gelernt, ebenfalls verschlagen zu sein.«

Er schien dem nichts mehr hinzufügen zu wollen, und Finlay lehnte sich wieder in seinem Sitz zurück. Irgendwie hatte es Julian geschafft, an Stelle von Evangeline in den Sitz neben Finlay zu kommen, und jetzt lehnte sich der junge Esper zur Seite und flüsterte Finlay drängend ins Ohr:

»Bitte entschuldigt, Finlay, wenn ich paranoid wirke, aber meint Ihr nicht, daß wir vielleicht ein wenig zu vertrauensselig sind? Was ich sagen wilclass="underline" Woher wissen wir, daß die beiden dort zu den Guten gehören? Nur weil sie es sagen und so niedlich aussehen? Nur weil dieses Ding uns gegenüber aussieht wie eine Gestalt, die wir in unserer Kindheit alle kannten und liebten? Wir sollten nicht vergessen, daß dieser Reineke Bär nach seiner eigenen Aussage im Grunde genommen eine ab-trünnige KI ist, die von Shub geschaffen und programmiert wurde. Er könnte uns in Wirklichkeit zu einem Ort führen, wo wir alle geschlachtet werden.«

»Nein«, antwortete Finlay leise. »Ich glaube nicht. Reineke Bär würde so etwas nicht tun. Wenn er unseren Tod wollte, hätten er und der Seebock inzwischen schon reichlich Gelegenheiten gehabt, uns umzubringen. Statt dessen haben sie bisher nichts anderes getan, als uns zu Tode zu quatschen und zu lächeln. Außerdem: Wenn wir nicht einmal Reineke Bär vertrauen können, wem auf der Welt können wir dann überhaupt noch trauen?«

Und dann wurden sie in ihren Sitzen nach vorn geschleudert.

Edwin hatte ganz unvermittelt eine Vollbremsung hingelegt und schlich jetzt nur noch mit Schrittgeschwindigkeit dahin.

Alles blickte nach vorn, doch es war nichts zu sehen. Reineke Bär erhob sich aus seinem Sitz und schirmte die Augen mit der Pfote ab, während er in die Ferne starrte . »Was ist los, Edwin?« fragte er .

»Die Schienen sind herausgerissen. Ein Stück weit vor uns.

Irgend jemand hat sich schon wieder an meinen Gleisen zu schaffen gemacht.«

»Ich kann nichts sehen«, sagte Finlay.

»Unsere Augen sehen mehr als die von Menschen«, erklärte der Seebock. »Wir können meilenweit sehen.«

» Ich kann es sehen«, sagte der Erste Todtsteltzer. »Sieht nicht allzu schlimm aus. Können wir es nicht wieder reparieren?«