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Julian wollte einen PSI-Sturm heraufbeschwören, doch allein der Versuch reichte aus, um ihn halb wahnsinnig vor Kopfschmerzen werden zu lassen. Er sank auf die Knie, und Blut lief ihm aus Mund und Nase. Halloweenie packte ihn am Arm und zerrte ihn mit der Kraft der Verzweiflung in den Salon. Er verriegelte die Tür von innen und verrammelte sie anschließend mit schwerem Mobiliar gegen die anstürmenden Spielsachen. Dann drehte er sich zu Julian um und erstarrte entsetzt beim Anblick eines Menschen, der blutete und daher offensichtlich verletzt war. Schließlich packte er einen eisernen Schürhaken aus einem Gestell neben dem Kamin und postierte sich hinter der verbarrikadierten Tür, fest entschlossen, niemanden vorbeizulassen, solange noch Kraft in seinen knochigen Armen war.

Reineke Bär und der Seebock waren genauso das Ziel des Angriffs wie die Menschen, und sie kämpften Seite an Seite.

Der Bock hatte einen großen Knüppel aus irgendeiner geheimnisvollen Falte seines Mantels gezogen und führte ihn nun mit großem Geschick und einer gewissen Häme. Reineke Bär hatte einmal mehr die stählernen Klauen aus den Pfoten ausgefahren und zerriß die angreifenden Spielsachen mit kalter, berechnender Wut. Auch Poogie der freundliche Bursche zeigte mit einemmal furchteinflößende Klauen und Zähne, und er bahnte sich skrupellos einen Weg durch die dichte Masse von Spielsachen, die sich auf dem Deck drängten. Oben auf der Brücke der Missis Merry Truspott schleuderte der Kapitän den Angreifern Flüche und Herausforderungen entgegen und bemühte sich hektisch, den Schaufelraddampfer auf Fahrt zu bringen, um die Spielzeuge abzuhängen, die noch im Wasser warteten. Bis jetzt hatte noch keines der Zusammensetzspielzeuge die Brücke erreicht; doch der Kapitän hielt bereits einen schweren Säbel in der Hand.

Inzwischen war das gesamte Deck voller Spielzeuge , und noch immer enterten neue Angreifer über die Reling der Missis Merry Truspott. Sie waren zu Hunderten, und ihre Flut schien kein Ende nehmen zu wollen. Die Schwerter hatten keine große Mühe mit ihnen; aber die Spielzeuge kämpften selbst mit einem abgetrennten Glied oder einem beschädigten Rumpf mit unverminderter Wut weiter. Und wenn sie zu stark beschädigt wurden, dann kamen andere Spielzeuge und rissen sie ganz auseinander, um ihre eigenen Körper mit den Ersatzteilen zu reparieren. Überall auf dem Deck lagen verstreute Körperteile herum und wurden zertrampelt. Die Menschen kämpften mit zunehmender Verzweiflung. Nach und nach ermüdeten sie immer mehr, im Gegensatz zu ihren Feinden .

Finlay kämpfte auf dem Gipfel seiner Künste. Er war ausgeruht und stark und tödlich, und kein Spielzeug konnte ihm widerstehen. Aber es waren ihrer so viele, und nicht einmal ein Mann, der einst der unbesiegbare Maskierte Gladiator der Arena von Golgatha gewesen war, konnte lange gegen eine solche Armee bestehen. Mit der Kraft der Verzweiflung hielt Evangeline ihm den Rücken frei. Sie gab ihr Bestes, das Schwert so zu führen, wie Finlay es sie gelehrt hatte. Gleichzeitig bemühte sie sich, das Entsetzen für sich zu behalten, das in ihr aufzusteigen drohte, um Finlay nicht unnötig abzulenken.

Die Barrikade, die Tobias und Flynn rings um sich herum errichtet hatten, wurde nach und nach trotz all ihrer Anstrengungen abgetragen. Langsam wurde den beiden Nachrichtenleuten klar, daß sie sich selbst in eine Ecke manövriert hatten, aus der es kein Entkommen für sie gab. Sie zogen ihre Schwerter und wurden zögernd Bestandteil der Geschichte, über die sie eigentlich nur hatten berichten wollen. Tobias schrie Flynn zu, mit seiner guten Seite zu kämpfen, und Flynn erwiderte, daß er keine gute Seite besäße. Tobias lachte rauh und führte das Schwert mit beiden Händen. Giles Todtsteltzer stand allein am Bug der Missis Merry Truspott. Er war von wütenden, heulenden Spielzeugen umgeben, und obwohl seine Lage aussichtslos schien, kämpfte er hart und gut. Langsam wurde er müde, doch er war immer noch stark. Der Zorn raste durch seinen Körper.

Die Übermacht war groß; aber der Erste Todtsteltzer hatte schon gegen schlimmere Feinde gekämpft. Wenigstens dachte er das. Doch dann erhaschte er zum ersten Mal einen Blick auf die Hunderte von Spielsachen, die sich auf dem Promenadendeck drängten, und seine Zuversicht sank. Manchmal war die Übermacht eben doch zu groß, um dagegen zu bestehen – selbst für den legendären Giles Todtsteltzer. Er kämpfte trotzdem weiter. Der Erste Todtsteltzer hatte schon früher dem Tod die Stirn geboten, und er hatte nie gezögert, ihm in die Augen zu schauen; aber er hatte nie geglaubt, daß er einmal so sterben würde. Auf eine so entehrende Weise, zur Streckegebracht von der schieren Überzahl der Feinde. In Stücke gehackt von Spielzeugen auf einer dämlichen Vergnügungswelt…

Die Spielzeuge warfen sich auf ihn. Ihre Schreie waren entsetzlich. Die künstlichen Stimmen waren voller Wut und freudiger Erwartung, und Schwerter und Äxte wurden geschwungen, die den Ersten Todtsteltzer in Stücke hacken würden, die niemand mehr zusammensetzen könnte. Plötzlich packte Giles Todtsteltzer blinder Zorn, und Verzweiflung erweckte die Kräfte, die das Labyrinth des Wahnsinns ihm geschenkt hatte.

Macht erstrahlte in seinem Unterbewußtsein, und sie strahlte hell in Teilen seines Verstandes, die er noch nie benutzt hatte, und mit einemmal war Giles Todtsteltzer an einem anderen Ort.

Er stand auf der Brücke, direkt neben einem verblüfften Kapitän, während die Spielzeuge unten am Bug die Stelle überrannten, wo er sich noch Sekundenbruchteile zuvor befunden hatte. Sie starrten dümmlich in die Gegend und wunderten sich, wohin ihre sicher geglaubte Beute so plötzlich verschwunden war. Giles lachte laut auf. Er war teleportiert! Er konnte spüren , wie die neue Fähigkeit ein Teil seines Selbst wurde , so leicht und einfach und natürlich wie das Atmen, und er fragte sich unwillkürlich, welche anderen Fähigkeiten sich in Zeiten der Not noch in ihm manifestieren würden. Er blickte nach unten auf das Gewimmel von Spielzeugen und grinste böse, während er überlegte, wie er seine neu gewonnene Fähigkeit als nächstes einsetzen sollte.

Der Kapitän wankte auf seinen Holzbeinen über die Brücke und schwang den Säbel mit mehr Kraft als Geschick. Bisher waren nur wenige Spielzeuge so weit vorgedrungen, doch er hörte bereits, wie sich weitere auf den Weg nach oben machten. Der Papagei flatterte vor ihren Gesichtern herum, kreischte Beleidigungen und irritierte die Angreifer. Niemand hatte die Hände am Ruder, und das Schiff trieb führerlos dahin. Gegenwärtig hielt es Kurs auf das Ufer.

Unten auf dem Promenadendeck hatte der Adaptor Alles seine martialischste Gestalt angenommen und bahnte sich mit rasiermesserscharfen Handkanten einen Weg durch das Ge-wühl. Die Waffen der Spielsachen prallten wirkungslos von seinem Metallkörper ab; also klammerten sie sich an seine Ar-me und Beine und versuchten, ihn durch ihr schieres Gewicht zu Fall zu bringen. Doch das Spielzeug, dessen Traum es war, eine Furie von Shub zu sein, stand wie ein Fels in der Brandung und weigerte sich zu fallen.

Poogie war ein schnarrendes Etwas aus Haß und Zerstörungswut geworden. Der freundliche Bursche besaß nicht mehr die geringste Ähnlichkeit mit einer Zeichentrickfigur. Er war außer sich vor Wut über die Spielsachen, die ihn an seiner Wiedergutmachung hindern wollten und die es wagten, Menschen anzugreifen, die unter seinem persönlichen Schutz standen. Er kämpfte unermüdlich mitten auf dem Deck, und nichts und niemand war stark genug, ihn zu Fall zu bringen und zu besiegen.

Doch die angreifenden Spielzeuge waren einfach so viele. So verdammt viele.

Im Salon stand Halloweenie hilflos über Julian und überlegte verzweifelt, was am besten zu tun sei. Draußen hämmerten böse Spielsachen gegen die verbarrikadierte Tür und warfen die Fenster ein. Der junge Esper blutete noch immer heftig aus Mund und Nase, trotz aller Anstrengungen, die der fröhliche Skelettjunge unternommen hatte, um die Blutungen zu stoppen.