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»Ich hoffe es«, antwortete Reineke Bär. »Er ist ein Automat, nicht wahr? Wir haben zwar keine Ersatzteile an Bord; aber es sollten sich genügend Splinte und Klammern finden lassen, um ihn zusammenzuhalten, bis wir wieder zurück in der Spielzeugstadt sind.«

»Wenn wir denn je wieder zurückkommen«, bemerkte der Seebock zweifelnd.

»Halt die Klappe, Bock!« fuhr ihn der Bär an. »Jetzt ist nicht die Zeit für so etwas.« Er wandte sich an Finlay und blickte ihn aus seinen großen, intelligenten Augen an. »Euer Freund liegt im Sterben, nicht wahr?«

»Ja«, antwortete Finlay leise. »Ich glaube, daß er sterben wird. Er hat uns alle gerettet, aber wir können hier auf dem Schiff nichts für ihn tun.«

»Der Todtsteltzer hat ihm das angetan«, sagte der Bär. »Er besitzt ungewöhnliche mentale Kräfte. Ich habe ihn teleportieren sehen. Vielleicht kann er seine Kräfte einsetzen, um die Schäden wiedergutzumachen, die er dem jungen Esper zugefügt hat.«

Finlay drehte sich zu Giles um, der den Blick des Feldglöcks fest erwiderte. »Nun?« fragte Finlay. »Man sagt, Ihr wärt durch das wunderbare Labyrinth von Haden gegangen. Zeigt uns, zu was Ihr fähig seid! Schließlich seid Ihr deshalb ja hier, nicht wahr? Um Eure ganz speziellen Kräfte einzusetzen. Heilt ihn!«

»Ich weiß nicht, ob ich das kann«, antwortete Giles. »Ich ha-be so etwas noch nie zuvor versucht.«

»Dann versucht es eben jetzt«, sagte Finlay und richtete seinen Disruptor auf Giles’ Brust. »Oder ich werde Euch töten, so wahr ich hier stehe und Finlay Feldglöck heiße. Jetzt auf der Stelle.«

»Nein, das werdet Ihr nicht«, entgegnete der Erste Todtsteltzer gelassen. »Ihr braucht mich noch. Ohne mich werdet Ihr Harker niemals erreichen, und unsere Mission wird scheitern.«

»Scheiß auf die Mission! Heilt Julian, oder Ihr seid ein toter Mann!«

»Ich werde das hier nicht vergessen«, sagte der Todtsteltzer.

Seine Stimme klang ruhig und kalt.

»Was meint Ihr, was für einen Dreck ich darauf gebe?« höhnte Finlay.

Giles nickte und kniete neben Evangeline nieder. Sie funkelte ihn an; doch schließlich ließ sie es zu, daß er ihr Julian aus den Armen nahm. Der Todtsteltzer hielt den jungen Esper mit überraschender Sanftheit, und Julians Kopf sank kraftlos gegen seine Brust. Blut tropfte von seinem Kinn.

Julians Atem ging sehr schwach . Giles schloß die Augen und konzentrierte sich auf eine Art und Weise, die noch neu und ungewohnt war, und sein Bewußtsein griff hinaus in eine Richtung, die er nicht zu benennen vermochte. Er wußte nur, daß sie da war. Dann erblickte er Julian als ein schwaches Licht in der Dunkelheit, eine flackernde Kerze, deren Flamme im Begriff stand zu erlöschen. Giles richtete seinen mentalen Blick auf sich selbst und erkannte ein Licht, das zu grell war, um hin-zusehen. Und plötzlich war es die einfachste Sache der Welt für ihn, einen Teil dieses Lichts zu nehmen und es Julian zu schenken.

Plötzlich richtete sich der junge Esper in den Armen des Todtsteltzers auf. Er riß die Augen auf und atmete tief durch wie ein Schwimmer, der von einem langen Tauchgang an die Wasseroberfläche zurückkehrt. Die Blutungen hatten aufgehört, und seine Gesichtsfarbe war wieder normal . Er sah sich verblüfft um .

»Was zur Hölle war das?« fragte er . »Mir war, als hätte Gott persönlich meinen Namen gerufen.«

»Glaubt mir«, sagte Finlay, »Gott hatte nichts damit zu tun.«

»An was könnt Ihr Euch erinnern?« erkundigte sich Evangeline, während sie ihm half aufzustehen .

»Ich… ich bin nicht sicher. Wir wurden angegriffen. Ich versuchte, mein ESP zusammenzunehmen, aber… und dann war Giles bei mir. Danach erinnere ich mich an gar nichts mehr.«

»Wahrscheinlich ist es so am besten«, sagte Finlay. Er blickte zu Giles, der sich inzwischen ebenfalls wieder erhoben hatte .

»Wie gut war Eure Arbeit, Todtsteltzer? Ist er gesund? Ist es möglich, daß er wieder ganz gesund ist?«

»Das bezweifle ich«, antwortete Giles. »Ich kenne mich nicht aus in Medizin. Was auch immer vorher nicht in Ordnung war, ist es auch jetzt nicht. Ich habe ihm nur… Starthilfe gegeben.

Seine Batterien ein wenig aufgefüllt. Nein, wahrscheinlich ist er genauso krank, wie er vor meinem… Eingriff war.«

»Macht das nie wieder!« drohte Finlay. »Ihr seid derjenige mit den erstaunlichen Kräften. Ihr werdet uns in Zukunft verteidigen.«

»Ihr seid stark genug, um Euch selbst zu verteidigen«, konterte Giles. »Ich vergesse niemals eine Drohung.«

»Ich glaube, wir sollten uns alle wieder ein wenig beruhigen«, meldete sich Tobias nervös zu Wort. »Schließlich stehen wir auf der gleichen Seite. Das tun wir doch, oder nicht? Und der Esper ist auch wieder normal.«

»Ich denke, ich werde einen Spaziergang auf dem Deck machen«, sagte Giles, ohne Finlays Blick auszuweichen. »Einer muß schließlich sicherstellen, daß keine Körperteile von bösen Spielsachen an Bord zurückgeblieben sind. Außerdem kann ich ein wenig frische Luft gebrauchen. Hier drin ist es stickig.« Er ging auf die Salontür zu, und alle traten ihm nervös aus dem Weg. Der Bär sah ihn nachdenklich an.

»Ihr seid nicht länger menschlich«, sagte er. »Ich kann es spüren. Was seid Ihr, Giles Todtsteltzer?«

»Ich will verdammt sein, wenn ich das wüßte«, entgegnete Giles und trat durch die Tür nach draußen .

»Wie fühlt Ihr Euch, Julian?« erkundigte sich Finlay.

Der Esper zuckte unbehaglich die Schultern. »Müde. Ausge-laugt. Und mein Hals brennt wie Feuer. Ist der Angriff vorüber? Sind die Spielsachen wieder weg?«

»Es ist vorbei«, sagte Evangeline. »Warum legt Ihr Euch nicht eine Weile hin? Wir kümmern uns schon um die Aufräumarbeiten.«

»Ja«, sagte Julian. »Ausruhen. Gute Idee.« Er verließ den Salon auf unsicheren Beinen.

»Typisch«, knurrte Alles wütend. »Halloweenie wurde fast umgebracht bei dem Versuch, ihn zu schützen, und der Mensch sagt noch nicht einmal danke.«

»Halt die Klappe«, sagte Halloweenie. »Er kann sich an nichts mehr erinnern. Wenn du dich nützlich machen willst, dann schaff mich hier raus und in die Werkstatt. Ich brauche eine Zehntausenderinspektion. Mindestens.« Alles nickte, hob den übel zugerichteten kleinen Skelettjungen hoch und trug ihn nach draußen. Poogie, Reineke Bär und der Seebock schlossen sich den beiden an, und bald waren die Menschen allein. Tobias nickte Flynn zu, und die Kamera schwebte auf Flynns Schulter und schaltete sich aus.

»Ihr habt vielleicht Nerven, Feldglöck!« sagte Tobias. »Einen Todtsteltzer zu bedrohen! Zur Hölle, den Todtsteltzer! Das war der Mann, der den Dunkelzonen-Projektor aktiviert hat, oder habt Ihr das vergessen? Jedes lebende Ding auf tausend Planeten starb, und er hat nie auch nur Entschuldigung gesagt.

Ich persönlich würde eher einem Grendel einen Zungenkuß geben.«

»Er hätte Julian sterben lassen«, erwiderte Finlay. »Ich konnte das nicht zulassen. Ich habe Julian Skye nicht aus den Verhörzellen unter der Erde von Golgatha gerettet , um ihn sterben zu sehen, weil der Todtsteltzer eine Verwendung für ihn hatte.

Außerdem hoffte ich insgeheim, daß der antike Bastard Julian heilen könnte und alles wieder ins Lot bringen, was nicht mit dem Jungen stimmt. Entweder er hat es geschafft, oder der ar-me Bursche stirbt noch immer Stück für Stück vor sich hin. Die Chancen stehen nicht schlecht, daß er so oder so hier auf Shannons Welt stirbt, weit weg von zu Hause, und ich kann verdammt noch mal überhaupt nichts tun, um ihn zu retten.«

»Du bist eben nicht allmächtig«, bemerkte Evangeline.

»Ich konnte ihn noch nicht einmal trösten«, sagte Finlay.