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»Ja, durchaus«, bestätigte der Abt.

»Darüber hinaus ist Fidelma von Hibernia eine Anwältin bei den hohen Gerichten ihres Königreichs und wird dafür gerühmt, dass ihre Darlegungen sich aus logischem Denken herleiten.«

»Ein Anwalt gemäß unseren Gesetzen ist sie nicht«, fauchte Bischof Britmund. »Ich lege Widerspruch ein!«

»Ist das der einzige Grund für deinen Widerspruch?«, fragte Radoald. »Ich habe mich des Längeren mit Lady Fidelma unterhalten und gefunden, dass sie in höchst bemerkenswerter Weise an strittige Fragen herangeht. Ich lege Wert darauf, dass sie bei uns bleibt, und wenn sie uns helfen kann, unsere Probleme zu lösen, dann hat keine der beiden Seiten etwas zu verlieren.«

Bischof Britmund musste einsehen, dass es ihm nicht gelang, Fidelma zu vertreiben, und murmelte nur: »Meinen Widerspruch habe ich mit aller Deutlichkeit vorgebracht und begründet.«

»Und ich habe ihn zur Kenntnis genommen und für unwesentlich befunden«, erwiderte Radoald lächelnd. »Prinzessin Fidelma, hast du etwas dagegen einzuwenden, an unserer Beratung teilzunehmen und auf Grund deiner Erfahrungen aus vorangegangenen Debatten deine Meinung darzulegen?«

Fidelma überlegte kurz, ob sie sich der Aufforderung entziehen konnte oder nicht, und sagte: »Wenn ich in irgendeiner Weise behilflich sein kann, will ich das gern tun.«

Sie rückte sich in ihrem Armsessel neben Bruder Wulfila zurecht, bereit, den Gang der Verhandlung zu verfolgen, und war es zufrieden, dass alle Latein sprachen.

»Als Seigneur von Trebbia bekümmert es mich, dass Glaubensbrüder meines Landes miteinander im Streit liegen«, begann Radoald. »Die Geistlichen können sich mit Worten bekämpfen, doch oft greifen die einfachen Leute, die durch eben diese Worte angestachelt werden, zu Waffen, die ihre vermeintlichen Gegner verwunden und ihnen Schmerz bereiten. Wir sind hier zusammengekommen, um nach einer Lösung der verworrenen Situation zu suchen, auf dass mein Volk in Eintracht leben kann. Das ist der Zweck dieser Zusammenkunft. Stimmst du dem zu, Abt Servillius?«

Der Abt neigte das Haupt vor Radoald. »Ich stimme dem zu.«

»Und du, Bischof Britmund, stimmst du dem zu?«

Der halsstarrige Bischof verneigte sich zwar ebenfalls andeutungsweise, äußerte aber streitsüchtig: »Aus dem Grunde habe ich zugestimmt, in dieses Haus der Ketzerei zu kommen.«

Empört zischte der Abt, doch der Ehrwürdige Ionas packte ihn am Arm und hinderte ihn daran, sich zu einer Erwiderung zu erheben.

»Wir sollten unsere Debatte in versöhnlichem Ton führen«, tadelte Radoald den Bischof.

»Bevor wir mit der Debatte beginnen, müssen die Meinungsverschiedenheiten zwischen uns klar herausgestellt werden«, verlangte der Bischof barsch. Es zeigte sich bald, dass er die entnervende Gewohnheit hatte, niemandem zu gestatten, seinen Redefluss zu unterbrechen. Mit tiefer, dröhnender Stimme übertönte er jeden, bis er zu Ende gebracht hatte, was er gerade sagen wollte.

»Unsere Meinungsverschiedenheiten sind doch hinlänglich bekannt«, wandte Abt Servillius ein. »Wir verstehen die Heilige Dreieinigkeit als Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den Heiligen Geist. Die Lehren des Arius von Alexandria sind als Ketzereien verworfen worden.«

»Er wurde auf dem Konzil von Tyrus freigesprochen«, erwiderte der Bischof.

»Und auf dem Konzil von Konstantinopel abermals als Ketzer verdammt«, hielt ihm der Abt entgegen.

Radoald hob die Hand. »Meine Freunde, eine Aufzählung der Beschlüsse von Konzilen in den verschiedenen Teilen der Welt dürfte kaum zu unserem Verständnis der gegenwärtigen Lage beitragen.«

»Dennoch müssen wir uns darüber im Klaren sein«, fuhr Bischof Britmund fort, »es gibt nur einen Gott, der alles erschaffen hat. Er war ewig, hat von aller Ewigkeit an bestanden. Doch Jesus war der eingeborene Sohn Gottes und kann nicht vor aller Ewigkeit dagewesen sein, wurde nicht geboren vor dem Beginn aller Zeit und bevor Gott alle Dinge erschuf. Da er der Sohn Gottes ist, muss auch er von Gott erschaffen worden sein. Sagt nicht der heilige Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther: ›Wir haben nur einen Gott, den Vater, von welchem alle Dinge sind‹? Hat nicht der heilige Johannes darauf hingewiesen, dass Jesus selbst gesagt hat, ›denn der Vater ist größer als ich‹?«

»Wir sind nicht hier, um über Fragen der Auslegung der Bibel zu streiten«, entgegnete der Abt ungehalten. »Unser Glaube wurde auf dem Konzil von Nicäa verkündet, auf dem das Werk des Arius als ketzerisch verurteilt wurde. Wir glauben an die Gottgegebenheit der Heiligen Dreieinigkeit. Gott als Drei in Einem. Von Nicäa stammt unser Glaubensbekenntnis, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist wesensgleich sind – homoousios – das heißt eines Wesens sind.«

»Es gibt genügend Beweise für unsere Ansicht in den Evangelien und der Apostelgeschichte des Lukas«, erwiderte der Bischof nicht weniger beharrlich. »Wir glauben an einen Gott. Wir glauben, dass Christus, da er der Sohn Gottes ist, Gott, seinem Vater, in allen Dingen untergeordnet und ihm gehorsam ist. Wir glauben, der Heilige Geist ist Jesu und Seinem Vater in allen Dingen untergeordnet und gehorsam. Der Sohn und der Heilige Geist wurden von Gott erschaffen. Gott ist ewig und nicht erschaffen worden, hat immer existiert.«

Fidelma war verblüfft. Auf ihr logisches Denken hielt sie sich einiges zugute, und sie empfand die Beweisführung von Bischof Britmund verständlich und nachvollziehbar.

Radoald hob abermals die Hand, um Ruhe zu gebieten. »Ihr habt die Auffassungen in der Auslegung der Heiligen Schrift benannt, die unversöhnlich zwischen euch bestehen. Und wir sind uns dessen sehr wohl bewusst. Doch der Zweck dieser Zusammenkunft besteht darin, in unserem Tal zu einer praktischen Toleranz dieser beiden Ansichten zu gelangen, auf dass sich niemand fürchten muss vor dem, der anderer Meinung ist.«

»Wir wollen unserem Glauben und unserem Bekenntnis nicht abschwören, denn beides hat der Heilige Vater in Rom gebilligt«, erklärte Abt Servillius standhaft.

»Noch wollen wir der Wahrheit abschwören«, wehrte sich Bischof Britmund ebenso entschlossen.

Der Landesherr stöhnte ungehalten auf. »Niemand verlangt von euch, einer Auffassung abzuschwören oder sie gutzuheißen. Es geht lediglich darum, einen Weg zu finden, auf dem ihr euch in gegenseitiger Duldung und nicht voller Hass begegnet.«

»Dann sollen, bitte schön, die Mitglieder dieser Abtei damit beginnen«, forderte der Bischof. »Sollen sie doch aufhören, in Placentia gegen uns zu predigen, aufhören, zu den umliegenden Ortschaften und Kirchen zu pilgern und unser Glaubensbekenntnis als Ketzerei anzuprangern.«

»Ebenso gut müssen die Prälaten und Verkünder eurer Ketzerei damit aufhören, den Leuten vorzugaukeln, sie würden Gottes Segen empfangen, wenn sie sich gegen uns erheben und uns und die Abtei vernichten«, rief Abt Servillius.

Bischof Britmund schwieg einen Moment, ehe er warnend die Stimme erhob. »Was soll diese Beschuldigung, Servillius?«

»Willst du etwa leugnen, dass ein solches Kriegsgeschrei von euren Kanzeln ertönt?«, höhnte der Abt. »Es dringt sogar bis hinter die ehrwürdigen Mauern hier.«

Hochrot im Gesicht wandte sich Bischof Britmund an Seigneur Radoald. »Ich bin nicht hierhergekommen, um mich fälschlich beschuldigen zu lassen.«

Alle warteten schweigend, dann schaute Radoald hinüber zu Fidelma. Ein Lächeln lag auf seinen Lippen. »Was hältst du von dem Ganzen, edle Dame? Ist es auf dem Konzil, dem du in Streonshalh beigewohnt hast, auch zu derart entgegengesetzten Ansichten gekommen?«