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Die Stimme fuhr ungerührt fort. »Irgendwie überrascht mich dein Schweigen nicht, Tanthalas. Und ich werde dich nicht zum Reden zwingen – falls ich das überhaupt könnte. Das scheint etwas zu sein, was ihr zwei unter euch ausmachen müßt. Aber ich will dir eines sagen.« Er brach ab. »Hörst du mir zu?«

Die Gestalt nickte, sah aber nicht auf.

Die Stimme sprach weiter. »Gut. Dann laß mich dir eines sagen: So etwas kommt mir nicht noch einmal vor. Hast du verstanden? Ich werde es nicht dulden, daß mein Sohn und mein… Neffe sich im Dreck wälzen wie… wie…«

»Wie Menschen«, beendete Tanis leise den Satz. Die Worte hingen in der Nachtluft.

Solostaran seufzte und suchte nach einem anderen Weg, es auszudrücken. Dann beschloß er, daß Direktheit vielleicht das Beste war. »Ja, wenn du so willst. Wie Menschen.«

Die Gestalt auf dem Bett wartete noch ein paar Sekunden ab, und nickte dann wieder. Solostaran kam näher. Tanis hatte etwas in der Hand. Einen geschnitzten Holzfisch? Der Stimme kam ein schlimmer Verdacht.

»Jetzt sag bloß, ein kaputtes Spielzeug war an allem schuld«, meinte er.

Als Tanis nicht antwortete, seufzte Solostaran und wandte sich zum Gehen. »Ich werde Miral herschicken, damit er dich einsalbt. Schlaf ein bißchen.« Sein Ton wurde freundlicher. »Soll ich dir irgend etwas oder irgend jemand holen lassen, Tanthalas?«

Tanis flüsterte die Antwort kaum hörbar, und die Stimme konnte die Worte kaum verstehen.

»Flint Feuerschmied.«

6

Ein neuer Freund

»Du kannst das da drüben beim Schmelzofen hinschmeißen, Junge«, sagte Flint, während er sich einen Weg durch den Laden bahnte.

Mit einem erleichterten Stöhnen ließ Tanis den schweren Sack fallen. Er plumpste auf den Boden.

»Das war nicht wörtlich gemeint«, knurrte Flint den offensichtlich erschöpften Elfen an, als er selbst vorsichtig den Sack absetzte, den er auf der Schulter gehabt hatte.

»Entschuldigung«, sagte Tanis müde und rieb sich seinen schmerzenden Arm.

Die beiden waren gerade vom Erzholen zurück, obwohl sich Tanis jetzt fragte, wie es dem Zwerg eigentlich gelungen war, ihn dazu zu überreden. Vor ein oder zwei Stunden, im Schein der frühen Morgensonne, war Flint mit leeren Säcken in der Hand nach Süden aus der Stadt marschiert. Nach einem angenehmen Spaziergang von einer Meile war der Wald einer Felsnase gewichen, die mit rostig aussehenden Steinen übersät war, nach Flints Auskunft Eisenerz. Zehn Minuten später hatte Tanis schon unter dem Gewicht der Last getaumelt, die der Zwerg ihm aufgeladen hatte.

»Wäre es nicht einfacher, dafür ein Packpferd mitzubringen?« hatte Tanis durch zusammengebissene Zähne gefragt.

»Ein Pferd?« hatte Flint naserümpfend gemeint. »Bist du noch bei Trost? Bei Reorx! Kein Zwerg, der seine sieben Sinne beisammen hat, würde einem verrückten Tier zutrauen, sein Erz zu tragen.«

Tanis wußte, daß es wenig Sinn hatte, mit dem Zwerg zu streiten. Flint hatte seinen Sack geschultert – der fünfmal soviel Erz enthalten mußte wie der von Tanis –, als wäre er voll Federn, und war zur Stadt zurückgelaufen. Tanis war ihm stolpernd gefolgt, so gut er konnte, und hatte sich die ganze Zeit geschworen, nächstes Mal auf der Hut zu sein, wenn Flint »einen netten, kleinen Spaziergang« vorschlug.

Tanis und Flint hatten sich fast jeden Tag gesehen, seitdem die Stimme den Zwerg vor einer Woche spätabends noch zu einem Besuch des Halbelfen hatte holen lassen. Sie hatten sehr wenig über wichtige Dinge geredet, nur über das Wetter und Solace und Schmieden und Schnitzen, aber Tanis, der etwas verhauen aussah, schien Trost aus dem Treffen zu schöpfen. Inzwischen waren die Spuren des Faustkampfes dem Halbelfen kaum noch anzusehen, aber die Kluft zwischen ihm und dem Erben der Stimme würde sich nur sehr langsam schließen.

»Und wie verwandelst du diese Steine in Eisen?« fragte Tanis jetzt, als der Zwerg die schwere Abdeckplatte von dem Schmelzofen hinter seinem Laden entfernte.

»Das lernt man nur, indem man es macht«, erklärte ihm Flint. »Das jedenfalls hat der Vater meines Vaters, der alte Regar Feuerschmied, immer gesagt. Sagte meine Mutter jedenfalls immer.«

Der Schmelzofen war rund, so hoch wie der Zwerg und bestand aus vom Feuer geschwärzten Lehmziegeln. Der Boden war trichterförmig mit einem kleinen Loch, worunter ein helmgroßer Schmelztiegel stand. Nach Flints Anweisungen füllte Tanis den Ofen zur Hälfte mit Schichten aus Eisenerz, Steinkohle und kreideartigen Felsstücken, die Flint Kalkstein nannte. Durch eine kleine Tür am Boden des Schmelzofens zündete Flint die Kohle an. Dann half Tanis ihm, den Deckel wieder aufzusetzen.

»Was jetzt?« fragte Tanis.

»Wir warten«, meinte Flint, der sich die rußigen Hände abstaubte. »Wenn die Kohle schließlich richtig heiß ist, schmilzt das Eisen aus dem Stein, läßt die Schlacken zurück und tropft in den Schmelztiegel. Aber das dauert gut einen Tag, also können wir uns jetzt getrost anderen Dingen widmen.«

Flint zeigte Tanis, wie das Eisen aussehen würde, wenn es in der Schale aufgefangen war: ein schwerer, schwarzer Klumpen, den er »Schweineeisen« nannte, auch wenn Tanis fand, daß er überhaupt keine Ähnlichkeit mit einem Schwein hätte.

»Und da draus machst du Schwerter und Messer?« fragte Tanis, woraufhin Flint schallend lachte.

»Du brauchst doch ein paar Lektionen, was das Schmiedehandwerk angeht, Bursche«, war sein Kommentar.

»Ich?« fragte Tanis. Er hatte dem Zwerg bei der Arbeit am Amboß zugesehen und wußte, wieviel Kraft und Willen Flint aufwandte, um das Metall in die gewünschte Form zu zwingen. Wie sollte Tanis jemals etwas so Hartes wie Eisen dazu bringen, das zu tun, was er wollte?

Das Funkeln in Flints Augen verriet Tanis, daß Widerspruch zwecklos war. Aufmerksam lauschte der Elf dem Zwerg, als dieser ihm erklärte, daß Schweineeisen zu brüchig war für eine gute Klinge. Es mußte noch einmal geschmolzen werden. Flint zeigte Tanis, wie das ging. Er legte das Schweineeisen in einen Schmelztiegel und plazierte es mitten in den Kohlen der Feuergrube, die sich neben seinem schweren Eisenamboß befand. Tanis mußte die Blasebälge treten, bis die Kohlen wie flüssige Edelsteine leuchteten. Als das Eisen schmolz, entwichen schwarze Rauchkringel. Beim Abkühlen würde es Schmiedeeisen sein, erläuterte Flint, und damit nicht halb so brüchig wie Schweineeisen.

»Aber wenn es zu weich ist, gibt es doch unmöglich ein gutes Schwert«, wandte Tanis ein.

Flint nickte. Mit einer schweren Zange hielt er den Klumpen Schmiedeeisen in die Kohlen, bis er glühend heiß war. Dann legte er ihn auf den Amboß und besprenkelte ihn mit einem feinen, schwarzen Staub, der fast wie Kohlenstaub aussah, nur viel mehr glänzte. Flint nannte ihn ›Atem von Reorx‹.

»Weißt du, vor langer Zeit«, erzählte Flint, »da hat einmal ein böser Lehnsherr seinem Schmied befohlen, ein Eisenschwert zu schmieden, das nie stumpf werden würde. Wenn der Schmied versagte, sollte er zum Tode verurteilt werden. Die Aufgabe erschien unmöglich, doch der Schmied war ein Liebling von Reorx, und der Gott blies über das weiche Eisenschwert des Schmieds, wodurch es stark und hart wurde, so daß seine Schneide lange heil und unversehrt bleiben würde.«

Flint begann, den glühenden Metallklumpen mit dem Hammer flachzuschlagen. Wieder erhitzte er ihn in den Kohlen, streute mehr von dem schwarzen Staub darüber und hämmerte dann weiter. Das wiederholte sich einige Male.

»Was wir jetzt haben«, sagte Flint befriedigt, als er den heißen Metallklumpen mit der Zange hochhielt, »ist ein Metallstück, das hart und stark ist, aber nicht so brüchig, daß es leicht kaputtgeht. Das ist Stahl, Tanis.«

Tanis betrachtete das glühende Metall mit neuen Augen. Gold war schön, und Elfen liebten Silber, doch in diesen finsteren Zeiten war Stahl das Wertvollste auf Krynn.

»Was machst du jetzt damit?« fragte Tanis.

»Ich mache gar nichts damit«, gab Flint zurück. »Du machst.«

»Ich kann keinen Stahl schmieden!«

»Konnte ich auch nicht, bis ich es versuchte«, sagte Flint barsch und drückte Tanis einen schweren Hammer in die Hand.