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»O nein, ich glaube nicht«, meinte Flint geistesabwesend. »Lord Xenoth hat gesagt, die Echse wäre ein Tylor. Oder sind Tyloren und Sla-Moris verwandt?« Er zog fragend die Augenbrauen hoch.

Der Zauberer wischte sich den Schweiß vom Gesicht und schlug seine rote Kapuze zurück. Sein blasses Gesicht wirkte hager, unter den Augen lagen dunkle Ringe. Aber seine Stimme war geduldig. »Sla-Mori heißt in der alten Sprache ›geheimer Weg‹ oder ›geheimer Durchgang‹«, erklärte er. »Der Legende nach gibt es viele in Qualinesti, aber es ist fast unmöglich, sie zu finden. Die Eiche war anscheinend der Eingang zu einem.«

Jetzt war Flints Aufmerksamkeit geweckt. »Wo führen diese… diese Sla-Mori… denn hin?« fragte der Zwerg.

»Offensichtlich zu wichtigen Orten«, sagte Miral wie beiläufig. »Schließlich bist du auf dem Podium des Sonnenturms gelandet.« Er machte eine Pause, weil er offenbar seine Gedanken ordnen mußte. Als er fortfuhr, krächzte seine normalerweise rauhe Stimme noch mehr als sonst. »Manche Elfen glauben sogar, daß in einem Sla-Mori irgendwo in Qualinesti der Graustein steckt. Aber der berühmteste Sla-Mori soll nach Pax Tarkas führen«, sagte er und erwähnte so die berühmte Festung in den Bergen südlich von Qualinesti. »Manche glauben, daß im Sla-Mori von Pax Tarkas der Körper von Kith-Kanan ruht.«

»Es gibt also mehr als einen Sla-Mori?« fragte Flint und ließ sich wieder in das wohlriechende Wasser zurückgleiten, bis sein Haar schwamm und sich wie ein Heiligenschein um sein Gesicht ausbreitete. Seufzend betrachtete er die rosafarbene Decke hoch über sich.

Miral wartete, bis der Zwerg wieder auftauchte. »Uralte Elfengeschichten berichten, daß die Gegend um Qualinost eine ganze Reihe Sla-Mori enthält, deren Eingänge gut verborgen und nur für Elfen – oder offensichtlich auch für Zwerge – zugänglich sind, die über die Macht verfügen, sie zu öffnen.« Der Zauberer unterbrach sich. »Was ist los?« fragte Miral.

Der Zwerg hatte sich aufgesetzt und suchte nervös den luxuriösen Raum mit den Augen ab.

»Ich suche den Eimer«, sagte Flint.

»Den Eimer?« fragte Miral. Auf einmal lachte der Magier. »Nein, wir leeren das Wasser nicht mit Eimern.« Er stand auf und ging zum Fußende der Badewanne.

»Also Magie? Du weißt, was ich von Magie halte«, sagte Flint unruhig. »Ist die Badewanne hier magisch?« So ein Ding schrie ja geradezu nach zauberkräftiger Hilfe, dachte er und war plötzlich traurig. Hügelzwerge mißtrauten jeder Magie.

Miral schüttelte nur den Kopf. »Ich hatte vergessen, daß du noch nicht hier warst, seit wir diese Neuerungen eingebaut haben. Sie wurden von Gnomen erfunden.«

»Gnomen?« fragte der Zwerg ungläubig nach. »Reorx!« Nichts, was Gnomen erfanden, funktionierte jemals richtig. Wahrscheinlich hatte er Glück, daß er noch am Leben war. Ohne auf das Kichern des Magiers zu achten, sprang Flint mit einem Satz aus der Badewanne und hüllte sich in ein dickes, gelbes Handtuch, das ein Diener auf eine Steinplatte gelegt hatte.

Kopfschüttelnd und lächelnd zog der Zauberer den Ärmel seiner schweren, wollenen Robe bis zum Ellbogen hoch. Er steckte den Arm ins Badewasser, tastete etwas herum und zog. Mit einem tiefen Glucksen begann sich der Wasserpegel zu senken. Miral hielt einen Korken hoch, an dem eine Kette befestigt war.

»Das Wasser läuft in den Boden ab«, erklärte Miral.

Flint sah ihn zweifelnd an. »Bei allem Respekt, das sieht aber wenig praktisch aus«, widersprach er. »Schlecht für die Fundamente. Wenig überraschend, da es von Gnomen stammt. Aber ich gebe zu, von Elfen hätte ich etwas mehr erwartet.«

Miral krempelte den Ärmel wieder herunter und reichte dem Zwerg ein frisches, weißes Hemd. »Wir haben die Erfindung etwas verändert. Die Gnome hatten den Ablauf – das Loch für diesen Korken – ursprünglich am oberen Rand«, sagte der Elf. »Das Ablaufen dauerte ewig. Man mußte warten, bis das Wasser verdunstet war.«

»Aber trotzdem…«, protestierte der Zwerg, während er in seine rostroten Hosen stieg.

»Das Wasser fließt in eine runde, röhrenartige Vorrichtung unter dem Fußboden.« Mirals Hände beschrieben das Ding in der Luft.

Flint kniete sich hin und spähte unter den Ablauf. »Wie macht ihr die Wanne voll?« wollte er wissen.

»Eimer.«

Später holte Flint Windsbraut ab. Das Maultier glänzte jetzt sauber und gestriegelt, und ein Elf in Livree mit Unfug im Kopf hatte ihm die Mähne geflochten und mit rosa Bändern geschmückt. Flint richtete für das Tier einen einfachen Unterstand neben seinem Laden und der Schmiede her und mußte dann noch zweimal zwischen Laden und Stall hin und her laufen, weil Windsbraut den Lederriemen, mit dem sie angebunden war, kurzerhand durchkaute und wenige Augenblicke nach Flint im Laden eintraf.

Schließlich sperrte er das Tier ein, indem er einen Holzklotz zwischen die Stalltür und einen kleinen Apfelbaum zwängte. Als er seine bierdurchtränkten Satteltaschen fast ausgepackt hatte, tauchte in der Tür eine Gestalt auf.

Die Silhouette der Gestalt war in der untergehenden Sonne nicht sofort zu erkennen, aber der Umriß des Behälters, den sie dabei hatte, war deutlich genug.

»Elfenblütenwein«, stellte Flint fest. »Das kann mir nur Tanis, der Halbelf, ungestraft bringen.«

Tanis lächelte breit und stellte die Flasche auf den Holztisch. »Ich dachte, du würdest das brauchen, um das Feuer in deiner Schmiede anzufachen«, sagte er. »Geht schneller als mit Zunder.«

Die beiden standen etwas voneinander entfernt. Tanis hatte seine Arme vor der muskulösen Brust verschränkt, und Flint hielt zwei Tuniken in Braun und Smaragdgrün in der Hand. Vom Standpunkt des Zwergs aus rochen sie wunderbar nach Bier, aber Flint nahm an, daß er sie wohl waschen mußte, wenn er bei Hof vorgelassen werden wollte.

Schließlich sprach der Zwerg mit schroffer Stimme.

»Ich nehme an, jetzt, wo du ein ausgewachsener Kerl bist, groß wie eine Espe und beinahe stark genug, um mich mit einer Hand hochzuheben, bist du dir zu schade, um deine Zeit mit einem mittelalterlichen Knurrhahn von Zwerg in der Schmiede zu vertun.«

Der Halbelf entgegnete: »Und ich nehme an, daß ich dir viel zu lästig bin, nachdem du durch halb Ansalon gezogen und einem wütenden Tylor entkommen bist.«

Es vergingen mehrere wortlose Minuten, während derer die beiden einander musterten. Dann nickten sie sich zu, als wären sie mit demjenigen zufrieden, den sie vor sich hatten. Tanis setzte sich auf die Granitbank, legte ein Bein hoch und stützte sich mit seinem muskulösen Arm auf das angewinkelte Knie. Sein menschliches Blut war deutlich an seinem kräftigen Körperbau zu erkennen, dachte Flint.

Der Zwerg machte sich daran, nach dem halben Jahr Winterruhe die Schmiede wieder einzurichten, und beglückwünschte sich selbst dafür, wie gründlich er den Platz aufgeräumt hatte, als er vor fünf Monaten am Ende des Herbstes fortgegangen war.

Die Esse, die einem erhöhten Kamin ähnelte, nahm den größten Teil der hinteren Mauer des winzigen Hauses ein. Ein gemauerter Kamin ging wie ein dicker Baumstamm durch die Rückwand. An der Rückseite war eine Öffnung, die groß genug war, um einen Kender aufzunehmen – auch wenn Flint lieber in den Abgrund gegangen wäre, als eine dieser unerschöpflich neugierigen Kreaturen in seine geliebte Schmiede zu lassen. Der vordere Rand der Esse war für Elfenproportionen gebaut worden und lag deshalb über der Gürtellinie des Zwergs, eine unpraktische Höhe, über die er sich oft aufregte.

»So«, sagte Flint, als er Zweige und trockene Ringe in die Vertiefung hinten in der Esse legte, »was habe ich denn in den letzten fünf Monaten verpaßt?« Er warf einen zweifelnden Blick auf die Weinflasche, um sie dann zu entkorken und einen freigiebigen Schuß auf den Zunder zu schütten. »Ich hoffe, davon fliegen wir nicht bis nach Xak Tsaroth«, murmelte er und klopfte seine Taschen nach Feuerstein und Stahl ab, bis ihm einfiel, daß er beides wahrscheinlich am Eingang zum Sla-Mori fallen gelassen hatte. »Hast du mal Feuerstein und Stahl, Junge?« fragte er.