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Wieder läutete die Blechglocke an der Eichentür des Ladens, und Flint blickte hinüber, um gegebenenfalls zur Tür zu rennen und Tanis wieder rauszuschieben. Das Schwert nahm allmählich Form an. Die Klinge lag glatt gehämmert da, der Griff war ein Traum aus rundem, schimmerndem Stahl. Flint atmete erleichtert auf, als eine verhüllte Gestalt den Laden betrat.

»Ich störe dich doch nicht etwa, Meister Feuerschmied«, erkundigte sich Miral und lächelte fragend. Seine normalerweise kratzende Stimme war jetzt nur ein rauhes Flüstern. Nach einem scharfen Blick nickte er Eld Ailea zu, die gerade erwachte. Auch das Kind regte sich und schlug die blauen Augen auf.

»Eigentlich nicht«, sagte Flint, »ich dachte nur, du wärst jemand anders…« Er trat vom Schmiedefeuer weg und wischte sich mit dem Taschentuch den Schweiß von Stirn und Bart.

»Tanthalas?« fragte Miral, dessen Lächeln breiter wurde. Die alte Frau setzte sich auf und flüsterte dem Kind etwas zu. Der Kleine rutschte von ihrem Schoß und lief los, um die geschnitzten Tiere einzusammeln, die er auf dem Feldbett verstreut hatte. »Ehrlich gesagt«, fuhr der Zauberer fort, »bin ich auf der Suche nach Tanis. Es schien mir ziemlich sicher, daß er hier sein müßte, wenn er nicht auf dem Hof mit dem Bogen übte. Aber wenn du Grund hast, ihn zu meiden…«

»Ich will ihm bloß nicht die Überraschung verderben.«

Der Ausdruck auf Mirals Gesicht stellte die unausgesprochene Frage.

Flint rieb sich grinsend die Hände. »Es ist ein Geschenk«, sagte er, wobei er auf das halbfertige Schwert zeigte, das neben der Esse abkühlte.

Miral kam näher und betrachtete die Waffe. Das orange Licht der Kohlen glänzte auf seinem fahlen Haar und wurde von dem schwarzen Lederrand seiner langärmligen, blutroten Robe reflektiert. Er streckte die Hand aus – er trug Handschuhe – und berührte das warme Metall vorsichtig, beinahe ehrfürchtig.

»Und es wird ein wunderbares Geschenk sein«, sagte er, während er sich wieder zu Flint umdrehte. Seine Gedanken schienen weit entfernt zu sein. »Es ist so schön.«

»Pah, es ist überhaupt noch nicht fertig«, sagte Flint schroff, obwohl sich seine Brust vor Stolz schwellte. Er nahm ein altes Stück Stoff und warf es über die Waffe. Eld Ailea stand in der Tür, sie wollte gehen. »Ich habe auch Pfeilspitzen für ihn gemacht, im letzten Winter in Solace«, fügte Flint hinzu. »Ich dachte, ich könnte Tanis mal ein richtig großes Geschenk machen.«

»Hmm?« machte Miral. Plötzlich schüttelte er den Kopf, als kehre er aus einer ganz anderen Welt zurück. »Tut mir leid, Meister Feuerschmied. Ich fürchte, ich habe heute nacht nicht viel geschlafen. Die Stimme plant für morgen nachmittag eine wichtige Bekanntmachung – auch wenn anscheinend nur er und Lord Xenoth wissen, worum es geht –, und die Vorbereitungen halten alle auf Trab. Selbst ein kleiner Zauberer hat seine Pflichten. Und auch Tanis, falls ich ihn noch finde.«

Er würde den Halbelfen wohl auf dem Großen Markt suchen, meinte Miral und verabschiedete sich von Flint und Eld Ailea, wobei er dem Kind noch den Kopf tätschelte. Der Kleine schlug mit seinem Holzpferd nach dem Magier, der schnell auswich und zur Tür hinausrannte.

»Kleiner Zauberer«, flüsterte Eld Ailea mit gerunzelter Stirn. Sie hing ihren Gedanken nach. Der Zauberer war schon außer Hörweite, doch Eld Ailea stand immer noch auf der Schwelle. Zweimal schien sie etwas sagen zu wollen, ließ es dann aber. Das Kind war inzwischen damit beschäftigt, der Kletterrose die unteren Blätter abzureißen und sie im Eingang zu verstreuen. »Ich muß Euch etwas gestehen, Meister Feuerschmied«, vertraute sie dem Zwerg schließlich an, »Ich bin auch gekommen, weil ich Tanthalas zu finden hoffte. Ich… ich werde von einigen Leuten nicht mehr gern im Palast gesehen. Darum hoffte ich, ich würde ihn hier antreffen.«

»Oh?« fragte Flint, der immer noch dem davonschreitenden Zauberer mit seiner roten Robe nachblickte. »Warum?«

»Ich kannte seine Mutter.«

Mehr wollte sie nicht sagen, und dann war sie gleich verschwunden.

12

Das Schwert

Es war still in Qualinost. Die Nacht lag wie ein dunkler Mantel über der Stadt. Mitternacht war vorbei, und der Morgen nicht mehr fern, doch noch immer flackerte ein orangeroter Schein hinter den Fenstern von Flints kleinem Laden. Drinnen sank der Zwerg müde auf einen Holzstuhl und betrachtete das Werk seiner Hände. Das Schwert war fertig.

Makellos glänzte es im roten Licht der Esse. Die rasiermesserscharfe Klinge funkelte, und Lichtstrahlen umspielten die Zwergenrunen der Macht, die Flint in die flache Seite der Klinge eingraviert hatte. Der Handschutz war aus weichen Rundungen und zarten Stahlbögen, die wie Ranken von Schlingpflanzen aus dem Heft des Schwerts zu wachsen schienen. Selbst Flint – bescheiden, wie der Zwerg doch war – spürte, daß etwas Besonderes an diesem Schwert war. Er konnte nur hoffen, daß es Tanis gefallen würde.

Er machte dem Halbelfen gern eine Freude. Vielleicht würde er Tanis eines Tages in Solace herumführen und ihm zeigen, daß Elfen nicht die einzigen Bewohner Krynns waren. Das würde Tanis noch besser gefallen als das Schwert, dachte er.

Flint seufzte und erhob sich. Er schob die Kohlen unter die Asche des Schmelzofens zurück und blies die letzte Talgkerze aus, die die Dunkelheit noch erhellte. Im silbernen Mondlicht suchte er sich seinen Weg in das kleine Zimmer hinter dem Laden, wo er nur noch seine Stiefel auszog und dann erschöpft ins Bett fiel und einschlief. Bald erklang das Schnarchen des Zwergs so rhythmisch wie noch Augenblicke zuvor seine Hammerschläge.

Es war die dunkelste Zeit der Nacht. Die Tür zum Laden ging langsam und vorsichtig auf, damit die Glocke nicht bimmelte. Eine Gestalt trat ein und schloß sorgfältig die Tür hinter sich. Sie blieb stehen, legte den Kopf schief und huschte dann befriedigt lautlos zur Werkbank.

Das Schwert glänzte leicht im kalten Licht von Solinari, das durchs Fenster fiel. Die dunkle, verhüllte Gestalt erhob die Hand mit dem Handschuh und fuhr mit dem Finger die Klinge entlang, als würde sie ihre Schärfe prüfen. Dann hielt sie beide Hände über die Waffe und murmelte Worte der alten Sprache eines Volkes, das schon vor Urzeiten untergegangen war und an dessen Name sich längst niemand mehr erinnerte. Nur wenige außer den Zauberern waren dieser Sprache heute noch mächtig, denn es war die Sprache der Magie.

Das Gemurmel endete. Die letzten Silben hingen noch wie Staubflocken in der Luft. Das Schwert begann zu glänzen, doch nicht vom Mondlicht, sondern von innen heraus. Es war ein rotes Licht, das immer heißer wurde, bis das Schwert einen wilden, feuerroten Schein ausstrahlte. Ein kleiner Haufen Pfeilspitzen daneben strahlte genauso. Plötzlich schien sich ein Schatten aus der Dunkelheit jenseits des Lichtscheins zu lösen und auf das Schwert zuzuschweben. Der Schatten trotzte dem roten Licht, bis es plötzlich in die Klinge zurückwich, als wäre es hineingesaugt worden. Die Waffe zuckte kurz, dann ließ das Licht nach.

Die Ladentür schwang im sanften Nachtwind leicht hin und her. Das Schnarchen ging ungestört weiter. Der Fremde war fort.

13

Die Bekanntmachung

Am anderen Morgen traf Flint Tanis auf dem Großen Markt; der Halbelf stand gerade vor einem Zelt mit dem Schild »Lady Kyanna, Seherin aller Ebenen«. Darunter stand auf einem kleineren Schild: »Sonderpreise möglich.« Das mitternachtsblaue Zelt war mit silbernen Umrissen von Monden und Sternbildern geschmückt. Ein paar junge Elfen, die den Kinderschuhen gerade erst entwachsen waren, kramten kichernd ihre Geldstücke heraus, schlüpften an Tanis und Flint vorbei und betraten das Zelt. Weihrauchduft drang aus dem Zelt, als sie die Plane zurückschlugen und eine tiefe Stimme ertönte: »Willkommen zu einem Blick in die Zukunft, schöne Elfen.«