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Porthios entspannte sich und warf seinem Vater einen dankbaren Blick zu. Den Berater hingegen funkelte er wütend an.

»Dann komme ich auch mit. Um ihn zu beschützen«, meldete sich Lord Xenoth wieder und nahm mit seinem gebrechlichen Körper eine rachelustige Haltung ein. Tyresian lachte, und mehrere Höflinge schlossen sich dem an.

Jetzt war es an Miral, sich einzumischen. »Bei allem Respekt, Stimme«, sagte der Zauberer. »Ich denke, die Jagd sollte von den Jungen und Starken betrieben werden, nicht von den Älteren und Kranken.«

Flint fühlte Ärger in sich aufsteigen. Auch wenn er es gut ohne den launischen Fremdenhasser, Lord Xenoth, aushalten konnte, sah dem Magier eine solche Gemeinheit in aller Öffentlichkeit nicht ähnlich – besonders gegenüber einem so verdienten Mitglied des Hofs. Xenoth machte den Mund auf, um etwas dagegen zu sagen, doch die Stimme brachte seinen Berater mit einem herrischen Blick zum Schweigen und sagte ruhig: »Ich werde keine Freiwilligen abweisen, Miral.«

Xenoth durchbohrte den Magier mit Blicken, doch der hielt dem Blick ungerührt stand.

Selena stieß Ulthen an, so daß der Lord sich nervös meldete. Daraufhin trat natürlich auch Litanas vor. Bald hatte ein halbes Dutzend anderer ihre Namen auf die Liste gesetzt. Plötzlich merkte Flint, wie Tanis sich neben ihm rührte. »Und ich, Stimme!« rief er.

»Tanis!« protestierte Laurana.

»Tanis?« echote Flint leiser.

»Wo soll ich sonst mein neues Schwert und die Pfeilspitzen ausprobieren?« flüsterte Tanis seinem Freund zu.

Lord Tyresian bedachte den Halbelfen mit einem eisigen Blick. »Schlimm genug, daß ich einen nutzlosen, alten Greis in meiner Truppe habe, aber einen Halbelfen?«

Das war genug. »Und einen Zwerg, Lord Tyresian«, mischte sich Flint ein.

Was dann geschah, hätte unter anderen Umständen komisch sein können. Die Elfen zwischen Flint und Tyresian wichen auseinander, bis der Raum zwischen den Blicken offen da lag. Elfenlord und Zwerg lieferten sich ein kurzes Blickgefecht, bis Solostaran die Aufmerksamkeit der Versammlung wieder auf sich zog. »Ich nehme euer Angebot an, Meister Feuerschmied.« Als Tyresian den Mund zum Widerspruch öffnete, sagte die Stimme bloß: »Noch bin ich die Stimme, Lord Tyresian.«

»Was sollte denn das nun wieder heißen?« fragte Selena Ulthen deutlich flüsternd.

Tyresian unterwarf sich eiligst. »Wie Ihr befehlt, Stimme. Ihr wißt es natürlich am besten.«

Als sich keine weiteren Stimmen mehr meldeten, befahl Tyresian den Freiwilligen, sich am nächsten Morgen eine Stunde nach Sonnenaufgang am Stall des Palastes einzufinden. Dann drehte er sich wieder zur Stimme um, und die anderen Höflinge folgten seinem Beispiel.

Anscheinend war der Augenblick für die Hauptankündigung gekommen.

»Ihr alle kennt natürlich meine Tochter, Lauralanthalasa Kanan«, sagte Solostaran. »Und Ihr wißt auch, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo sie kein Kind mehr sein wird. Daher ist es angebracht, ihr und Euch allen ihre Zukunft kundzutun, und ich habe den heutigen Tag gewählt, um das zu tun.«

Er streckte die Hand aus, und Laurana kam zu ihm. Ihr grünes Kleid raschelte, als sie über den Boden schwebte, und ihr Haar schimmerte im Sonnenlicht wie geschmolzenes Gold, als sie vor dem Podium stehenblieb. Sie verneigte sich anmutig vor ihrem Vater und dann vor den Höflingen. Suchend durchforstete ihr Blick die Menge, bis sie den Halbelfen fand. Flint merkte, wie Tanis mit den Schultern zuckte, und fragte sich, was da vor sich ging.

Flint beobachtete Tanis’ Gesicht. Dieser fixierte Laurana. Er fingerte an einem kleinen Ding in seiner Hand herum, aber Flint konnte nicht genau sehen, was das war. Laurana tappte anscheinend ebenso wie der Rest des Hofes im dunkeln über das, was nun folgen sollte. Nur Tyresian erschien zuversichtlich. Xenoths runzliges Gesicht sah unendlich verstimmt aus.

Solostaran lächelte seine Tochter an, wirkte jedoch etwas bedrückt, als er sich wieder dem Hof zuwandte. »Zur langjährigen Ehre und Freude meiner Familie zählt das Dritte Haus von Qualinost zu unseren engsten Freunden. In der Tat war es der Lord des Dritten Hauses, der mir in den finsteren Jahren nach der Umwälzung seine starke Hand lieh und mir dadurch half, den Frieden zu sichern, den wir hier in unserer Heimat genießen.« Die Höflinge nickten; das wußten sie.

»Damals hatte der Lord des Dritten Hauses – dessen Namen ich nur noch in der Erinnerung ehren kann, da er die Grenzen dieser Welt inzwischen überschritten hat – einen jungen Sohn, und aus Dankbarkeit versprach ich ihm ein großes Geschenk für diesen Sohn. Der Sohn des Lords vom Dritten Haus steht heute zwischen uns und ist Euch inzwischen selbst als Lord dieses ehrenvollen Hauses bekannt: Lord Tyresian.«

Der schöne, große Elfenlord in der prächtigen, weinroten Tunika verbeugte sich tief vor der Stimme. Zu tief, fand Flint, wenn es so etwas gab. Es war nur, weil die Geste mehr Schau als ernsthafte Ehrenbezeugung zu sein schien.

»Stimme, ich danke Euch, daß Ihr mich an diesem glücklichen Tag aufgerufen habt«, sagte Tyresian. Er warf einen Seitenblick auf Laurana, doch die Elfenfrau beachtete ihn kaum. Ihre Augen hingen an Tanis.

Die Stimme nickte Tyresian zu und hob dann die Arme, als wollte er sowohl den Elfenlord als auch seine Tochter umfassen. »Dann will ich Euch Gelegenheit zum Feiern geben«, sagte er mit einer Stimme, so klar wie eine Trompete. »Denn an diesem Tag ist es mir Pflicht und Freude zugleich, das große Geschenk bekanntzugeben, das Lord Tyresian vor langer Zeit zugesagt wurde. So soll ganz Qualinost erfahren, daß von heute an die Hand meiner geliebten Tochter, Lauralanthalasa, Lord Tyresian vom Dritten Haus versprochen ist, bis zu dem Tag, an dem die beiden zu Mann und Frau verbunden werden.«

Überraschtes Flüstern machte sich breit, dann folgte vereinzelter Applaus, der rasch stärker und lauter wurde. Tyresian schien vor aller Welt zu strahlen, doch Flint sah, wie erschöpft die Stimme wirkte. Miral war aufs Podium gestiegen – entgegen jedem Protokoll –, wo er die Stimme stützte, um sie vor dem Stolpern zu bewahren. Der Magier warf Tyresian einen finsteren Blick zu.

Flint sah zu Tanis, doch der Halbelf schien den Lärm um sich her kaum zu bemerken. Er starrte nur mit glasigen Augen geradeaus und umklammerte fest den kleinen Gegenstand, mit dem er gespielt hatte.

»Aber…«, fing Laurana an und hielt inne. Ihr Bedürfnis, sich klar auszudrücken, kämpfte gegen den Respekt vor der Etikette und die Liebe zu ihrem Vater. »Warum hast du mir nicht gesagt…?« Sie brach ab und schwieg. Der Applaus hörte schlagartig auf, und Spannung breitete sich im Turm aus.

»Ich dachte…« Laurana setzte wieder an und blickte verzweifelt zu Tanis. »Wir haben uns doch schon lange ein Versprechen gegeben…«

Die Höflinge drehten sich teils schockiert, teils erfreut, teils auch einfach von der unerwarteten Wendung überrascht, nach dem verunsicherten Halbelfen um.

Tyresian sah verärgert, aber selbstsicher aus. Porthios kniff die Augen zusammen und sah den Halbelfen drohend an. Das Gesicht der Stimme war voller Sorge; wenig ist einem Elfen so wichtig wie die Ehre. Laurana sah Tanis weiterhin flehend an.

Tanis zwinkerte plötzlich wie aufgeschreckt. »O nein«, sagte er so leise, daß nur Flint es hören konnte.

»Ist das so, Tanis?« fragte die Stimme. »Seid Ihr beide verlobt, ohne mein Wissen und Einverständnis?«

Der Halbelf sah sich wild um. Nur Flints Augen verrieten Mitleid. »Ich…«, sagte er. »Ja, aber… das ist lange her.«

Flint rückte näher und faßte seinem Freund mit fester Hand an den Ellbogen. »Paß auf, was du sagst, Junge«, zischte er. »Oder sei still.«

Aber Tanis stammelte: »Wir waren doch Kinder… nichts Ernstes. Das dachte ich zumindest.«

Laurana schnappte nach Luft und verließ dann eilig die Versammlung, ohne noch irgend jemanden anzusehen. Nur ihre Schritte hallten durch den Saal. Tyresian folgte ihr.