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Einige der Elfen hinter Tanis holten erschrocken Luft, andere fingen an zu lachen. Tanis merkte, wie seine Brust sich verschnürte und sich seine Hände zu Fäusten ballten. Er ging einen Schritt auf den Berater zu, der furchtsam die Augen aufriß. Hinter Xenoth fletschte Allianz wieder die Zähne.

»Tanis. Lord Xenoth.« Die Worte ertönten in einem Bariton, der keine Widerrede zuließ. Tanis drehte sich um.

Es war Porthios. »Tanis, geh zu deinem Pferd. Xenoth, Ihr werdet Image reiten, oder Ihr werdet nicht an dieser Jagd teilnehmen.«

Porthios stand wie ein Rachegott da, und seine goldgrüne Jagdkleidung glitzerte wie die offizielle Robe der Stimme. Seine Augen funkelten vor Zorn. Die anderen Höflinge wichen etwas beschämt zurück. Porthios wartete, bis Xenoth von Allianz zu Image gegangen war, die inzwischen gesattelt war. Tanis drängelte sich zwischen Ulthen und Miral hindurch und lief zur Stalltür. Porthios’ Stimme jedoch hielt ihn auf.

»Tanis«, sagte der Erbe der Stimme. »Es tut mir leid.«

Der Halbelf wartete, ob Porthios noch etwas sagen wollte. Dann zuckte er mit den Schultern und ging nach draußen zu Belthar.

Eine halbe Stunde später waren die Freiwilligen soweit. Xenoth saß auf Image. Die Roben des Beraters bauschten sich um seine Oberschenkel auf und enthüllten lange, dünne Beine in engen, schwarzen Hosen. Xenoth, der tatsächlich den Eindruck eines ganz passablen Reiters machte, hielt sich ans Ende der Gruppe. Tyresian, Porthios und Gilthanas standen vorn.

Tanis’ Hengst tänzelte auf dem taunassen Kopfsteinpflaster herum und schnaubte. In der kalten Luft war sein Atem zu sehen. »Bist du sicher, daß du nicht lieber ein Pferd reiten willst, Flint?« fragte der Halbelf.

»Du weißt genau, daß ich das nicht kann«, sagte der Zwerg mürrisch. Er hatte nur drei Stunden Schlaf gehabt und sah blaß und müde aus. »Ich habe eine fürchterliche Ang… äh, Allergie gegen Pferde.«

Zum Beweis nieste der Zwerg lautstark, um dann trompetenartig in sein Taschentuch zu schnaufen. Tanis’ Pferd wieherte, anscheinend als Antwort.

»Ja, wer hat dich denn gefragt?« meinte Flint hitzköpfig und funkelte Belthar an. Der Hengst rollte mit dem Augen, bis man das Weiße darin sah, legte die Ohren an und schnappte nach Flint.

»Schluß jetzt, ihr zwei«, sagte Tanis und zog an den Zügeln. »Das reicht.«

Das Pferd schnaubte wieder, wie um zu sagen, daß es die Eigenarten von Zwergen keineswegs verstand. Tanis ging es mitunter ebenso.

Tanis warf einen Blick auf die anderen Höflinge und jungen Adligen, die im zunehmend helleren Licht ihre Pferde bestiegen, ihm jedoch nur wenige Beachtung zollten. Höchstwahrscheinlich sahen sie seinen Streit mit Xenoth als weiteren Beweis seines menschlichen Temperaments, obwohl Tanis beim besten Willen nicht behaupten konnte, daß Xenoth selbst elfische Kühle an den Tag gelegt hatte.

Dennoch spürte er, wie seine Aufregung wuchs. Egal was in den letzten Tagen geschehen war, endlich konnte er mal mit den anderen ausreiten…

Er betrachtete die versammelten Elfen. Tyresian saß stolz und gerade auf seinem Pferd. Seine Hände, die die Zügel hielten, steckten in schwarzen Handschuhen. Porthios saß neben dem Elfenlord im Sattel seines grauen Rosses, und Gilthanas wartete gleich hinter ihnen auf einer Rostschimmelstute, einem hübschen Tier mit schönen Beinen und einem fein geschnittenen Kopf.

Dann tönte der Klang einer Trompete melodisch durch die klare Luft, und Tanis saß auf und lenkte Belthar zu den anderen hin. Tyresian blickte kurz zu ihm hin, wirkte aber nicht interessiert und konzentrierte sich wieder auf seine Begleiter.

Tanis überprüfte die Pfeile in dem Köcher an seinem Knie. Nachdem er Flint heute nacht verlassen hatte, hatte er eine ganze Stunde damit zugebracht, die stählernen Pfeilspitzen, die der Zwerg extra für ihn gemacht hatte, an Schäften zu befestigen. Das harte Metall war womöglich genau das, was man gegen die Schuppenhaut eines Tylors brauchte. Dann steckte Tanis Flints Schwert in die Scheide an seiner Seite. Es war unbequem – ein Kurzschwert oder gar ein langer Dolch waren viel üblichere Jagdwaffen, um beispielsweise einen Hirsch zu töten, den man mit einem Pfeil niedergestreckt hatte. Aber sie waren hinter einer blutrünstigen Echse her, die mehrmals so groß war wie ein Elf. Wer konnte wissen, welche Waffe die Jäger am besten gebrauchen konnten?

Außerdem war Tanis einfach stolz auf das Schwert. Die Glocke, der Schutz für die Hand, glänzte kühl im Licht der Morgendämmerung und glich silbernen Rauchfäden, die plötzlich erstarrt waren. In der Mitte der Glocke…

»Flint!«

Der Zwerg blickte auf.

»Du hast ja das Amulett meiner Mutter an der Glocke des Schwertes befestigt«, sagte Tanis. Tyresian und Miral sahen zu dem Halbelfen hin.

Der Zwerg klang verdrießlich. »Nun, das habe ich Ailea schließlich versprochen, oder? Hat mich mitten in der Nacht zwei Stunden Arbeit gekostet. Löcher in den Griff und in den Anhänger bohren – muß schon sagen, das hat mir bald das Herz gebrochen – und dann ein Kettenglied durch beide ziehen.« Er schnaufte. »Erstaunlich, was ich alles für eine Maid in Bedrängnis tue.«

Tanis lächelte achselzuckend. Die Hebamme war schon geraume Zeit keine »Maid« mehr, aber er vermutete, daß der Zwerg sich ein bißchen in Eld Ailea verguckt hatte, obwohl sie mehrere hundert Jahre trennten.

Tyresians Stimme unterbrach das Gespräch. »Sind alle fertig?« fragte er ruhig. Tanis mußte es dem Elfenlord lassen; er war der geborene Anführer.

Der Halbelf legte die Hand auf sein Schwert. Außer dem Schwert und dem Köcher voll Pfeile, der griffbereit bei seinem rechten Knie hing, trug er seinen Kurzbogen auf dem Rücken und hatte eine Feldflasche mit Wein dabei, falls das Untier jemanden verletzte. Tanis überprüfte alles und nickte dann. Er war fertig.

Ein Elfenlord, der zu denen gehörte, deren Namen Tanis entfallen waren, lenkte sein Pferd vor die versammelte Gruppe, um einen Segen für die Jagd zu sprechen. Es war ein dünner Elf mit scharfen Zügen und harten, grauen Augen.

»Wir beten heute zu Kiri-Jolit, dem Kriegsgott des Guten«, sagte der grauäugige Elfenlord, während die Freiwilligen die Köpfe senkten. »Wir bitten ihn, uns beizustehen, wenn wir jetzt auf die Suche gehen und dieses schreckliche Tier stellen, das unser Land bestohlen und so viele unserer lieben Elfen getötet hat.«

Tanis hörte Flint neben sich schnauben. »Das Tier hätte auch beinahe einen ihrer ›lieben Zwerge‹ getötet, erst vor vier Tagen«, murrte er. Tanis brachte den Zwerg zum Schweigen.

»Wir bitten auch um die Gunst von Habbakuk, Gott der Tierwelt. Möge Deine Kenntnis der Wildnis und Dein Wissen um die Harmonie der Natur heute mit uns sein. Und wenn einer von uns nicht heimkehrt, so mögest Du, Habbakuk, seine Seele zu dir nehmen. So sei es.«

»So sei es«, wiederholten die anderen.

Dann wiederholte der Trompeter sein Zeichen, und die Jäger setzten ihre Reittiere in Gang und lenkten sie durch die Straßen von Qualinost zum Westrand der Stadt. Sie passierten den Wachturm an der Südwestecke der Stadt, wo zwei der Brücken, die Qualinost begrenzten, sich zur Erde neigten, und ritten dann an dem riesigen Bauwerk vorbei zum Fuß der langen Brücke, die den Abgrund mit dem Ithal-Inen, dem Fluß der Hoffnung, überspannte. Genau am Rand der Schlucht machten sie halt. Weit rechts und außer Sichtweite war, wie Tanis wußte, das Plateau, der Kentommenai-Kath, wo er und Flint erst vor kurzem gepicknickt hatten. Tanis sah, wie Flint einen Blick in den fünfhundert Fuß tiefen Abgrund rechts von sich warf und Windsbraut ans Ende der Truppe zurückzerrte. Das Gesicht des Zwergs glänzte vor Schweiß.

Tyresian nickte dem Hauptmann der Palastwache zu, der sein Pferd einen Schritt nach vorn lenkte und die versammelten Freiwilligen laut mit den wichtigsten Informationen versorgte. Das Echo seiner Stimme kam aus der Schlucht zurück, während die Pappeln rauschten. Der Morgenwind war kühl, aber Tanis war vor Aufregung trotzdem warm.

»Der Tylor wurde zuletzt weit im Süden auf der Westseite der Schlucht gesichtet«, sagte der Hauptmann der Wache. Er zeigte nach links, und ein Dutzend Augenpaare folgte seiner Bewegung, als ob sie erwarteten, daß das Monster jeden Moment durch die Büsche brechen würde.