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Er umrundete eine Ecke und verfiel auf den letzten Metern schließlich doch in einen verhaltenen Trab.

Er konnte nicht glauben, was er sah.

Weder Muradin noch Brann Bronzebart waren dem Ruf nach Eisenschmiede gefolgt, um die Krone zu beanspruchen. Ein anderer Bronzebart war gekommen.

Berater Beigrum machte den Eindruck, wie Magni zu Diamant erstarrt zu sein, abgesehen von seinen weit aufgerissenen, schreckerfüllten Augen. Die Wachen, die früher Magni Bronzebart gedient hatten, standen nun alle auf einer Seite des Raums und schienen verwirrt und eingeschüchtert zu sein. Ihre Positionen wurden nun von anderen Zwergen eingenommen, die lange schwarze Bärte trugen und eine Haut hatten, die so grau war wie ihre Rüstungen. Sie waren bis an die Zähne bewaffnet. Anduin warf ihnen einen raschen Blick zu und starrte dann auf die junge Zwergin.

Sie war hübsch und hatte rotbraunes Haar, das in kreisrunden Knoten zu beiden Seiten des Kopfes arrangiert war. Dazu trug sie feine, aber etwas altmodische Kleidung und hielt ein Kleinkind auf dem Schoß. Obwohl er sie nie zuvor gesehen hatte, wirkte sie merkwürdig vertraut.

Und sie saß auf Magni Bronzebarts Thron.

„Ah, Hohepriester Rohan“, sagte die Fremde in honigsüßem Tonfall und lächelte freundlich. „Es tut so gut, Euch wiederzusehen. Und dieser junge Mensch muss Prinz Anduin Wrynn sein. Was für ein höflicher junger Mann er doch ist, dass er so prompt erscheint. Euer Vater hat Euch offenbar gut in solchen Höflichkeiten unterwiesen. Oh, wir wurden uns noch gar nicht ordnungsgemäß vorgestellt, oder?“

Ihr Lächeln wurde breiter, und ihre Augen glitzerten. „Ich bin Königin Moira Bronzebart.“

Anduin konnte nicht glauben, was er da hörte und sah. Doch jetzt, da Moira ihren Namen verkündet hatte, fiel ihm die Ähnlichkeit mit ihrem Vater auf. Und er verstand, warum niemand eingegriffen hatte, obwohl sie von mehreren Zwergen mit leuchtenden Augen und grauer Haut begleitet wurde, die ganz offensichtlich Dunkeleisenzwerge waren. Moiras Anspruch auf den Thron war berechtigt, denn sie war die legitime Erbin Magnis, gefolgt von ihrem Kind. Dagegen konnte man nichts machen.

Wollen die Zwerge überhaupt etwas dagegen tun?, fragte sich Anduin, nachdem der erste Schreck nachgelassen hatte. Sie war Magnis Tochter, also saß wieder ein Bronzebart auf dem Thron von Eisenschmiede. Anduin hatte sich mittlerweile wieder ein wenig erholt und verneigte sich gerade so tief vor Moira, wie es einem Adligen gleichen Ranges zukam. Sie mochte die Erbin Magnis sein, doch sie war noch nicht zur Königin gekrönt worden, egal, was sie sagte. Bis dahin war sie eine Prinzessin und hatte denselben Rang inne wie er.

Sie hob eine rotbraune Augenbraue und neigte den Kopf. Doch sie verneigte sich nicht. Diese Geste verriet Anduin alles, was er wissen musste.

„Ich habe schon viel zu lange nicht mehr innerhalb dieser Mauern gelebt“, sagte sie. „Es war dumm von meinem lieben verstorbenen Vater, dass er diesen Streit zwischen uns aufkommen ließ. Ich habe einen Imperator geheiratet, was sicherlich keinen Ehrverlust für den Namen Bronzebart darstellt. Dieses Kind – Dagran Thaurissan, nach seinem Vater benannt – ist Magni Bronzebarts Enkel und der Erbe zweier Königreiche.“ Sie wiegte das Kind in ihren Armen, und das Lächeln, das von echter Liebe erfüllt war, machte ihr sprödes Gesicht ein wenig weicher. „Nach so langer Zeit der Trennung wird dieser Junge unseren beiden stolzen Völkern die Einheit bringen – Dunkeleisenzwerge und Bronzebärte.“ Sie sah auf, und das Bild einer liebenden Mutter wurde augenblicklich durch ihren durchtriebenen, falschen Charme wieder zunichtegemacht. „Ist er nicht wundervoll, Rohan? Ihr seid ein Zwerg des Friedens, ein Priester des Lichts. Sicherlich heißt Ihr diese neue Ära willkommen.“

Rohan erwiderte höflich: „In der Tat, Euer Hoheit, ich...“

„Majestät!“ Wieder dieses spröde Lächeln. Anduin spürte, wie es ihm kalt den Rücken hinunterlief.

Rohan zögerte gerade so lange, dass sein Missfallen offensichtlich wurde. „Majestät. Friede ist sicherlich das Ziel, nach dem man streben sollte.“

Der alte Priester, so schien es, war auch Politiker. Seine Antwort war ausgesprochen geschickt.

Moira wandte ihren Blick Anduin zu, und ihr Lächeln wurde breiter. Anduin dachte, dass sie ihn an einen Fuchs erinnerte, bereit, das Kaninchen zu töten.

„Mein lieber Anduin“, sagte sie beinahe säuselnd, „welch großartige Freunde wir zweifellos werden! Zwei Königskinder hier in Eisenschmiede. Ich will Euch so gerne kennenlernen. Ihr müsst einfach eine Weile hierbleiben.“

„Mein Vater bat mich, in Eisenschmiede zu bleiben, bis der rechtmäßige Erbe für den Thron gefunden ist“, sagte Anduin und bemühte sich, seine Stimme ruhig und höflich klingen zu lassen. Das stimmte sogar. „Zu Hause erwarten mich verschiedene Angelegenheiten, nachdem diese ernste Aufgabe nunmehr erledigt ist.“

Dies entsprach ebenfalls der Wahrheit, doch die unausgesprochene Folgerung – dass er von seinem Vater heimgerufen worden war – hatte er frei erfunden.

„Ich glaube, dass...“

Gebieterisch hob Moira eine Hand. „Davon möchte ich nichts hören, Prinz Anduin. Ihr seid mein Gast, und Ihr werdet Eisenschmiede einen schönen, langen Besuch abstatten.“ Sie lächelte und nickte, als sei dies damit beschlossene Sache.

Mit einem unguten Gefühl im Magen erkannte Anduin, dass das auch zutraf.

Er murmelte etwas Höfliches, und sie entließ ihn mit einem herablassenden Wink. Gemeinsam mit Beigrum und Rohan verließ er den Raum. Anduin war wie benebelt.

„War... das gerade... ein Putsch!“, fragte er und senkte die Stimme.

„Es ist völlig legal und einwandfrei“, sagte Beigrum. „Durch das Fehlen eines männlichen Erben hat die Frau das Recht, den Thron für sich zu beanspruchen. Moira sticht dabei sogar Muradin und Brann aus, weil sie eine direkte Erbin ist. Also ist es kein Putsch, sondern eine legitime Inanspruchnahme des Throns.“

„Aber... Sie und Magni waren entfremdet. Und es sind Dunkeleisenzwerge bei ihr!“ Anduin versuchte, das Ganze zu verstehen.

„Nun, Magni hat sie nie enterbt, Junge“, sagte Rohan. „Er wollte immer, dass sie wieder heimkommt. Selbst, wenn er... nun, das ist jetzt auch egal. Obwohl ich mir sicher bin, dass er fuchsteufelswild würde, wenn er wüsste, dass Dunkeleisenzwerge in seiner Stadt hausen. Aber sie sind unsere Vettern... Vielleicht entsteht ja doch etwas Gutes da...“

Er unterbrach sich mitten im Wort. Sie waren gerade aus dem Hohen Sitz herausgetreten und in den Bereich der Großen Schmiede gelangt. Die Schmiede war kurz nach Magnis Beerdigung wieder in Betrieb genommen worden, und genau hier war der Ort, wo die Greifen nach Eisenschmiede hinein- und wieder hinausflogen.

Normalerweise. Doch jetzt waren sie fort.

Das Gleiche galt auch für ihre Flugmeister. Die mit Stroh gepolsterten Schlafstellen, bei denen immer mehrere Greifen auf ihre Reiter gewartet hatten, um sie an die verschiedenen Orte in den Östlichen Königreichen zu bringen, waren leer. Anduin blickte sich um und sah einen gefiederten Schwanz samt dem gelben, löwenartigen Hinterteil in Richtung der Tore verschwinden. Ohne nachzudenken, rannte er los und ignorierte die Aufforderung seiner Begleiter, stehen zu bleiben.

Er holte einen Flugmeister mit einem der Greifen ein. „Gryth!“, rief er und legte eine Hand auf die breite Schulter des Zwergs. „Was ist hier los? Warum sind die Greife fort?“

Gryth Thurden wandte sich zu Anduin um. „Kommt ihm besser nicht zu nah, Junge, sonst könntet Ihr krank werden!“

Für gewöhnlich löste eine solche Warnung einige Sorge aus, doch die Art, wie Gryth sie geäußert hatte, klang eher nach einem schlechten Scherz. Seine Stimme troff vor Sarkasmus.