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„Erzdruidin Renferal“, sagte er. „Ich bin sehr froh, dass Ihr gekommen seid, meine liebe Freundin.“

„Wir haben lange überlegt, ob wir kommen sollen“, antwortete Elrethe Renferal. Hamuul bemerkte, dass sie ihn nicht auch „Freund“ nannte. Sie war groß, anmutig, mit kurzem grünem Haar und violetter Haut. Ganz offensichtlich war auch sie im Kampf geübt. Lavendelfarbene Narben verunzierten ihre Haut. Ihr Körper war kraftvoll und muskulös, keineswegs üppig.

„Eure Seele hat Euch und Eure Begleiter zu diesem Treffen geführt wie meine Seele mich und die meinen“, sagte Hamuul.

„Das Blut der ermordeten Schildwachen ruft noch immer nach Gerechtigkeit, Hamuul“, antwortete Renferal. Während sie sprach, trat sie näher, um den Abstand zwischen ihr und Hamuul zu verkleinern.

„Sie sollen Gerechtigkeit erfahren“, versicherte ihr Hamuul. „Doch bevor es keine Gespräche gibt, Frieden und Heilung, kann es keine Gerechtigkeit geben.“ Er übernahm die Initiative und setzte sich in das weiche grüne Gras. Die anderen Taurendruiden taten es ihm gleich. Die Kaldorei tauschten untereinander Blicke, doch als Renferal sich hinsetzte, folgten sie ihrer Anführerin. Sie alle saßen nun in einer Art Kreis, doch mischten sich die Vertreter der beiden Völker nicht.

Die spürbare Kälte und die räumliche Aufteilung nach ihrer Volkszugehörigkeit schmerzten Hamuul. Dies war keine Versammlung von Fremden, sondern von ehemaligen Freunden. Sie alle hatten jahrelang als Mitglieder des Zirkels zusammengearbeitet. Zwischen ihnen hatte ein Band bestanden, das die Volkszugehörigkeit und die politischen Standpunkte überwand – ein Band des Verstehens, was es bedeutete, die Gestalt der Tiere anzunehmen und ihren Geist zu berühren. Als Druiden vereinigten sie sich mit der Natur auf eine Art, die niemand sonst beherrschte. Doch dieses Band war überdehnt worden und gerissen. Hamuul sandte ein stummes Gebet zur Erdenmutter, dass die Anstrengungen, die sie heute hier unternahmen, es ihnen erlaubten, dieses Band neu zu knüpfen, es vielleicht sogar stärker zu machen als das ursprüngliche.

„Ich bin mir sicher, Ihr wisst, dass Thrall uns für eine gewisse Zeit verlassen hat. Wahrscheinlich ist Euch auch bekannt, worin seine Mission besteht.“

Renferal runzelte die Stirn. „Ja, wir haben davon gehört und wissen, wen er zu seinem Stellvertreter ernannt hat.“

„Seid versichert, dass Thrall nicht vorhat, lange fortzubleiben, und dass er Cairne gebeten hat, den jungen Höllschrei zu beraten“, sagte Hamuul. „Ihr wisst doch, dass Thrall den Frieden will.“

„Ist das so? Wirklich?“ Ein anderer Nachtelf meldete sich zu Wort, und die Wut, die in seiner Stimme mitschwang, war nicht zu überhören. „Warum geht er dann und lässt Garrosh in seiner Abwesenheit regieren? Garrosh, der sich öffentlich gegen das Abkommen ausgesprochen hat. Wir glauben, dass er hinter diesem Angriff steckte.“

Hamuul seufzte. Es gab keinen eindeutigen Beweis dafür, dass Garrosh die brutalen Angriffe auf die Schildwachen angezettelt hatte, aber es war einfach, diesen Gerüchten Glauben zu schenken.

„Thrall ist in Nagrand, um besser verstehen zu können, was mit den Elementen nicht stimmt. Kommt schon... Wir Druiden sind der Natur näher als die meisten anderen, obwohl wir keine Schamanen sind. Ich kann nicht glauben, dass einer der hier Anwesenden bezweifelt, dass die Welt leidet.“

Hamuuls Worte schienen die Nachtelfen zu beruhigen. „Wenn Thrall tatsächlich bald zurückkehrt und etwas mitbringt, das die Elemente beruhigt, und Garrosh kein weiteres sinnloses Gemetzel veranstaltet“, sagte Renferal, „dann kann vielleicht wirklich etwas Gutes hieraus entstehen.“

„Ich muss Euch daran erinnern, dass wir nicht sicher wissen, ob Garrosh dahintersteckt oder nicht, und dank dieser Versammlung ist bereits etwas Gutes entstanden“, sagte Hamuul. „Möge der Friede hier beginnen, jetzt!“

Die Gesichter der Versammelten spiegelten die unterschiedlichsten Gefühle wider: Hoffnung, Sorge, Misstrauen, Angst und Entschlossenheit. Hamuul blickte sich um und nickte. Es lief gut, wie er es erwartet hatte, wenn auch nicht ganz so gut, wie er es sich gewünscht hätte.

Vorsichtig griff er in eine seiner Taschen und zog ein langes dünnes Objekt daraus hervor, das in kunstvoll verziertes Leder eingeschlagen war. Er hob es für einen Moment an, stand dann auf, legte es in die Mitte des Kreises und packte es aus.

„Dies ist eine zeremonielle Pfeife“, sagte er. „Sie wird unter den Teilnehmern zu Beginn der Friedensgespräche herumgereicht. Mein Volk macht das schon seit Urzeiten so. Ich habe sie einst zu meinem ersten Treffen im Zirkel des Cenarius mitgebracht. Einige von Euch werden sich noch daran erinnern. Ich bringe sie wieder mit, um so förmlich mein Verlangen nach Heilung und Einheit zum Ausdruck zu bringen.“

Renferal beobachtete ihn aufmerksam und nickte dann stumm mit ihrem grünhaarigen Kopf. Auch sie griff in ihre Tasche und nahm einen Kelch und einen Wasserbeutel heraus.

„Scheinbar denken wir beide gleich“, sagte sie ruhig und hob den Kelch hoch. Er war aus Keramik und blau glasiert. Mehrere Runen, die in ihn eingeritzt waren, bildeten seinen einzigen Schmuck. Hamuul lächelte sanft. Vor langer Zeit hatte sie diesen Kelch mitgebracht, so wie er seine Pfeife. „Dieser Kelch ist alt. Wir kennen seinen ersten Besitzer nicht mehr, doch er existiert seit der Großen Teilung und wurde von Hand zu Hand mit Liebe und Sorge weitergegeben. Das Wasser stammt aus dem Tempel von Elune. Es ist rein und köstlich.“ Ehrfürchtig goss sie etwas Wasser in den Kelch, dann stand auch sie auf und stellte ihn in die Mitte.

Hamuul nickte zufrieden. Die Nachtelfen nahmen das Treffen so ernst wie die Tauren. Er konnte spüren, wie die Spannung von den Anwesenden abfiel, und hoffte, den Widerstand und die Feindschaft aus der Welt schaffen zu können.

Er erhob sich, verneigte sich vor Renferal und bückte sich dann, um die Pfeife aufzuheben. Während er sie mit Kräutern füllte, begann er zu sprechen.

„Einmal angezündet, wird die Pfeife von einem zum anderen weitergereicht“, erklärte er vor allem den jüngeren Nachtelfen, die diese Taurenzeremonie noch nie miterlebt hatten. „Wenn sie zu Euch kommt, haltet sie für einen Moment. Denkt daran, was Ihr hier erreichen wollt. Dann nehmt sie...“

Er erstarrte.

Der Wind hatte sich gedreht, und mit seiner empfindlichen Taurennase witterte er etwas – einen starken, vertrauten, nicht unangenehmen Geruch. Ihm war klar, dass er in diesem kritischen Augenblick den Tod für sie alle und alles bedeuten konnte.

Orcs.

Nein! Wartet!“, schrie Hamuul in der Sprache der Orcs. Doch es war bereits zu spät. Noch bevor die Worte seinen Mund verlassen hatten, waren die Pfeile auf ihrem tödlichen Flug. Zwei Nachtelfen fielen zu Boden, ihre Kehlen von den Spitzen durchstoßen.

Tauren wie Nachtelfen schrien gleichermaßen auf vor Wut und Enttäuschung. Renferal wirbelte herum und warf Hamuul einen wütenden Blick zu, der sein Herz wie ein Speer traf.

„Wir sind in gutem Glauben gekommen!“, war alles, was sie sagte, bevor sie sich in eine Raubkatze verwandelte und sich auf den nächsten Orc stürzte, einen großen, glatzköpfigen, stummelzahnigen Krieger mit einem riesigen zweihändigen Schwert. Er stürzte zu Boden, und sein Schwert wurde ihm aus der Hand geschlagen. Es lag nutzlos im Gras, als ihre Krallen seinen Bauch zerfetzten.

„Holt euch die Violetthäutigen!“, zischte der Anführer der Orcs. Wo waren sie hergekommen? Und warum? War dies Garroshs Werk? Es war gleichgültig. Ob die Orcs unabsichtlich auf sie gestoßen waren oder nicht, die Friedenskonferenz war gescheitert.