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Sie alle trugen Waffen – Würgeschlingen, Messer, Schwerter, Äxte, Bogen-, jedoch keine Gewehre, nichts, das Lärm verursachte. Geräusche bedeuteten Entdeckung, Entdeckung wiederum bedeutete Widerstand, und den galt es nach dem Willen ihrer Matriarchin unbedingt zu vermeiden. Ihr Auftrag war es, lautlos zu töten und sofort zum nächsten Opfer zu eilen.

Sie hielten sich in den Schatten, schlichen auf der untersten Ebene des Tafelbergs hinter die Zelte, und warteten, bis alle ihre Position bezogen hatten. Leise Rufe, die, wenn sie denn gehört wurden, die Tauren nicht alarmierten, drangen durch die Nacht. Die Grimmtotems schlugen zu.

Rasch stürmten die Meuchelmörder in die Zelte der Tauren. Einige Ziele waren ihnen gut bekannt – geübte Kämpfer oder besonders mächtige Druiden oder Schamanen. Doch wem nützt die Kraft eines Bären, wenn er nicht rechtzeitig aufwacht, um sich zu verwandeln? Wem hilft es, geübt im Umgang mit dem Schwert zu sein, wenn die Brust bereits durchbohrt ist? Wie leicht kann man Kehlen durchtrennen, wenn es keinen Widerstand gibt?

Am Ufer des kleinen Sees kamen sie wieder zusammen, vergewisserten sich, dass alle Krieger noch wohlauf waren, und gaben sich Handzeichen. Nachdem sie sich in zwei Gruppen aufgeteilt hatten, lief die erste Gruppe zur Anhöhe der Geister, die zweite zur Anhöhe der Jäger. Die Anhöhe der Ältesten ignorierten sie. Dort hatte Magatha bis zu dieser Nacht gelebt. Ihre loyalen Untergebenen, die in Donnerfels zurückgeblieben waren, hatten zweifelsohne bereits die unglücklichen Druiden getötet, die das Pech hatten, sich in Donnerfels aufzuhalten. Die alten Bohlen der Brücken knarrten leise unter dem Gewicht der Angreifer, doch da die Brücken im Wind stets Geräusche verursachten, befürchteten sie nicht, entdeckt zu werden.

Sie rannten zu ihren Opfern. Einer der Grimmtotems beugte sich über einen Schamanen, der gerade noch rechtzeitig erwachte, um erschreckt nach Luft zu schnappen, bevor er starb. Er gehörte zur Familie der Himmelsjäger, die nun bis auf das letzte Mitglied ausgelöscht war. Die Grimmtotems mussten sich keine Sorgen um die Verlassenen und den Teich der Visionen machen, der unterhalb der Hauptebene der Anhöhe der Geister gelegen war, denn der größte Teil der Verlassenen unterstützte Magatha. Die, die das nicht taten, hatten zumindest keine enge Bindung zu den Tauren oder ihrem Anführer.

Auf der Anhöhe der Jäger stießen die Grimmtotems bei ihrem mörderischen Tun auf einigen Widerstand, denn die Jäger erwachten sofort. Sie waren äußerst stark und setzten sich zur Wehr. Doch für die Grimmtotems waren sie keine Gegner, denn diese hatten das Überraschungsmoment auf ihrer Seite und Gift auf ihren Klingen. Schon bald herrschte wieder Ruhe auf der Anhöhe, und die Meuchelmörder kehrten in das Herz von Donnerfels zurück.

Diejenigen, die die größte Bedrohung für die Ältestengreisin Magatha dargestellt hatten, waren ausnahmslos getötet worden. Jetzt war es an der Zeit, wahllos vorzugehen, um Angst in die Herzen all der Tauren zu pflanzen, die das Massaker überlebt hatten. Sie mussten wissen, dass die Herrschaft der Grimmtotems keinen Spielraum für Fehler ließ und Vergebung oder Mitleid nicht zu erwarten waren.

Donnerfels würde wie ein Kind im Blut wiedergeboren werden.

„Wartet“, sagte ein Schamane der Grimmtotems und streckte die Hand aus. Obwohl sein Geburtsname Jevan lautete, wurde er wegen seiner Vorliebe für die Elemente Wasser und Luft Sturmlied genannt. Als die von ihm geführte Gruppe das Dorf der Bluthufe umzingelte, verkündete er seinen Leuten, seine speziellen Kräfte erst im letzten Moment einsetzen zu wollen. Tarakor, sein Stellvertreter, wartete jedoch ungeduldig auf das Signal zum Angriff.

„Warum warten?“, fragte Tarakor verwirrt. „Wir haben unsere Befehle, Sturmlied. Wir greifen an!“

Der Schamane hielt seine Nase schnuppernd in die Luft, und seine schwarzen Ohren zuckten nervös. „Etwas stimmt hier nicht. Es ist möglich, dass sie uns bereits bemerkt haben.“

Tarakor schnaubte. „Das ist doch völlig unwahrscheinlich. Wir haben für diese Nacht jahrelang geübt.“

Sturmlied sah ihn durchdringend an. „Wenn wir Spione haben und geheime Botschaften übermitteln können, dann könnt Ihr davon ausgehen, dass Cairne dazu ebenfalls in der Lage ist.“

Ihr Auftrag hatte darin bestanden, in Donnerfels jeden zu töten, der eine Gefahr für die Matriarchin darstellen konnte. Es war eine lange Liste, und einige, die an dieser Mission teilnahmen, würden ihren Teil nicht vollständig erfüllen können. Doch im Dorf der Bluthufe gab es nur ein Ziel, nur einen, der sterben musste. Dieses Attentat musste gelingen, da sonst die ganze blutgetränkte Nacht umsonst gewesen wäre.

Baine Bluthuf, Cairne Bluthufs Sohn und einziger Erbe, lebte hier und nicht bei seinem Vater in Donnerfels.

Die Tauren, die friedlich in ihren Zelten oder im Freien im Mondlicht schliefen, hatte die Nachricht vom Tod ihres Häuptlings noch nicht erreicht. Die Weitläufer, die den Kampf in Orgrimmar miterlebt hatten und Baine davon berichten wollten, waren ohne Ausnahme still und heimlich eliminiert worden. Zauberer und andere, die auf magischem Wege die Nachricht nach Donnerfels hätten übermitteln können, wurden heimlich beobachtet – oder man nahm sich ihrer auf andere Weise an. Die Straßen waren blockiert. Magatha hatte alles gut geplant und nicht die geringste Kleinigkeit dem Zufall überlassen.

Bluthuf war die erste Taurensiedlung gewesen, die auf offener Ebene gegründet worden war und nicht auf dem geschützten Tafelberg. Das Dorf war der Beweis dafür, wie sicher die Tauren sich in dem Land fühlten, das ihnen einst so fremd erschienen war.

Sie waren tatsächlich sicher vor Jägern und den Angriffen anderer Völker.

Sie waren jedoch nicht sicher vor den Grimmtotems.

„Wenn jemand in Bluthuf über Cairnes Tod in der Arena Bescheid weiß, dann ist das sicherlich sein Sohn“, sagte Sturmlied. „Vielleicht ist es ja einem Boten gelungen, durch die Maschen unseres Netzes zu schlüpfen! Ich werde mich ins Dorf schleichen und die Lage auskundschaften, damit wir nicht in eine Falle laufen. Wenn es nicht sicher ist, müssen wir unsere Taktik ändern. Unternehmt nichts, bis Ihr von mir hört! Habt Ihr das verstanden?“

Sturmlied war so alt wie Cairne, und wie der verstorbene Bulle war er noch immer stark und schlau, trotz der grauen Haare, die sein schwarzes Fell durchzogen. Tarakor ging unruhig auf und ab. Er war jünger und heißblütiger als Sturmlied und hatte seit langer Zeit von dieser Nacht geträumt. Er wollte keine Minute länger warten, doch schließlich nickte er widerstrebend.

„Ihr seid der Anführer bei dieser Mission“, sagte er mit einer Stimme, die deutlich erkennen ließ, dass er es lieber gesehen hätte, selbst dazu ernannt worden zu sein. „Ich werde Euch gehorchen. Aber beeilt Euch! Meine Klinge dürstet nach Baines Blut.“

„Die meine nicht minder, mein Freund. Doch ich würde mein Blut nicht gerne vergießen, wenn ich es vermeiden kann“, entgegnete Sturmlied. Die zwei Dutzend Grimmtotemkrieger, die sich um sie versammelt hatten, lachten leise. „Ich bin so schnell wie möglich wieder zurück.“

Tarakor blickte Sturmlied nach. Der Anführer bewegte sich leise vorwärts und wurde kurze Zeit später von den Schatten verschluckt.

Tarakor wartete.

Und wartete und wartete. Mit wachsender Unruhe trat er von einem Huf auf den anderen. Auch die Krieger, die neben ihm standen, wurden immer ungeduldiger. Sie konnten den Kampf kaum noch erwarten, und diese unerwartete Pause gefiel ihnen ganz und gar nicht. Tarakor wusste nicht, wie lange er hier schon stand und seine Augen sich mühten, etwas in der Finsternis zu erkennen, als es in seinem Kopf plötzlich Klick machte.

„Jetzt sollte er aber langsam zurückkommen“, knurrte er. „Irgendwas muss schiefgegangen sein. Wir können nicht länger warten. Grimmtotems, greift an! Für die Ältestengreisin!“