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Die tapfer kämpfenden Dörfler waren jetzt nicht mehr das Ziel des Angriffs, sondern vielmehr ein Hindernis, als die Grimmtotems versuchten, sich aus dem Dorf zurückzuziehen. Plötzlich bebte die Erde. Tarakor wirbelte herum, die Axt zum Hieb erhoben, und starrte ungläubig nach vorn.

Nahezu ein Dutzend Kodos stürmten auf ihn und seine Männer zu. Einige der Tiere wurden von Bewohnern Bluthufs geritten, manche trugen lediglich Sattel und Zaumzeug und einige wenige, die noch nicht zugeritten worden waren, nicht einmal das. Sie bellten und ihre Augen rollten wütend in ihren Höhlen hin und her. Die Tiere waren voller Panik und schienen keineswegs langsamer werden zu wollen.

Den Grimmtotems blieb nur eine Möglichkeit. „Lauft!“, schrie Tarakor. „Lauft!“

Genau das taten sie nun, während die Kodos ihnen folgten und immer schneller wurden. Die Grimmtotems rannten um ihr nacktes Leben. Vor ihnen lag der Steinbullensee. Tarakor sprang aus vollem Lauf in das kalte Wasser und ging wegen seiner schweren Rüstung sofort unter. Die Kodos folgten den Grimmtotems in den See, verloren im Wasser jedoch rasch an Tempo. Tarakor kämpfte sich, so schnell er konnte, an die Wasseroberfläche zurück, doch seine Rüstung drohte ihn immer wieder unter Wasser zu ziehen. Die Kodos kehrten zurück an Land, schnaubten wild und schüttelten sich das Wasser aus dem Fell. Während die Grimmtotems sich mühselig über Wasser hielten, zählte Tarakor ihre Köpfe. Einige Krieger waren aus den Tiefen des Sees nicht wieder aufgetaucht, andere hatten es nicht einmal mehr bis ins Wasser geschafft. Sie würden später betrauert werden. Jetzt galt es, aus dem Wasser zu kommen und sich in Sicherheit zu bringen. Die überlebenden Grimmtotems schwammen auf die andere Seite des Sees und kletterten erschöpft an Land. Völlig durchnässt, zitternd und entmutigt machten sie sich auf den Rückweg.

Sie hatten versagt. Baine war entkommen. Sturmlied hatte sie verraten. Tarakor war alles andere als erfreut, Magatha diese Neuigkeit überbringen zu müssen.

Baine beobachtete die vorwärtsstürmenden Tiere und nickte. Es war eine gute Idee gewesen, die Herde in Panik zu versetzen. Das hatte ihm ausreichend Zeit verschafft, dem Angriff der Grimmtotems zu entkommen. Obwohl sie in freier Wildbahn ein eher friedliches Verhalten an den Tag legten, waren aufgeschreckte Kodos nicht aufzuhalten. Die Tiere trieben den Feind nach Westen, wo ihm die Berge eine weitere Flucht unmöglich machten. Die Grimmtotems konnten nirgendwo hin. Einige von ihnen würden sicherlich getötet werden, aber andere würden entkommen und Baine nachstellen. Es war eine Verzögerung, doch auch wenn sie nur kurz war, würde sie Baine und seinen Gefährten zugutekommen.

„Camp Taurajo ist nicht an die Grimmtotems gefallen, oder, Sturmlied?“

Der Grimmtotem schüttelte den Kopf. „Nein. Unsere Hauptziele waren Donnerfels, das Dorf der Bluthufe, der Sonnenfels und Camp Mojache.“

„Dann gehen wir nach Camp Taurajo und hoffen, dass es nicht doch noch angegriffen wurde. Von dort aus können wir die Weiterreise angehen.“

„Welche Reise, und wohin soll sie gehen?“, fragte Sturmlied.

Baines Blick war undurchdringlich, als er seinen Kodo antrieb. Sein Herz war schwer durch den Verlust seines Vaters und die Wut auf die Grimmtotems, die ihn angesichts des Blutbads beseelte.

„Das weiß ich nicht“, sagte er ehrlich. „Aber ich weiß, dass mein Vater gerächt wird. Ich werde nicht ruhen, bis die Grimmtotems als Verräter gebrandmarkt sind. Mein Vater erlaubte ihnen, mit uns zu leben, obwohl sie sich immer wieder weigerten, der Horde beizutreten. Jetzt verbanne ich sie aus der Gemeinschaft der Tauren. Das schwöre ich.“

Baine hatte Mulgore in den vergangenen Jahren nicht oft verlassen und beinahe vergessen, wie offen und frei das so treffend benannte Brachland war. Jörn Himmelsdeuter hatte ihn begrüßt und sie in das Lager gebracht, sorgfältig darauf achtend, dass die Orcwachen davon nichts mitbekamen. Baine wusste nicht, wem er noch vertrauen konnte. Als sie sich im hinteren Bereich einer der großen Hütten versammelten, war neben Baine auch Hamuul Runentotem anwesend, der die bittere Geschichte des Angriffs auf die friedliche Versammlung der Druiden berichtete. Offenbar erholte er sich nur langsam von dem Erlebten. Hinzu kamen die vier Wachen, die aus dem Dorf der Bluthufe mit ihm hergekommen waren, und Sturmlied, der Überläufer. Jörn trat zu ihnen und brachte einen Korb voller Nahrungsmittel mit: Äpfel und Wassermelonen, Gewürzbrot aus Mulgore und gekochtes Fleisch.

Baine nickte dem Jäger dankbar zu. Er biss in eine Frucht und betrachtete Hamuul. „Ich vertraue Eurem Wort, Hamuul, und dem von Sturmlied, auch wenn er ein Grimmtotem ist. Es ist grausam, dass der Anführer der Horde uns derart verrät und ich einem alten Feind vertrauen muss.“

Peinlich berührt verzog Sturmlied die Mundwinkel nach unten. Es war ihm sichtlich unangenehm, in dieser Runde zu sitzen, doch gewann er zunehmend den Respekt und das Vertrauen Baines und seiner Gefährten.

„Ich weiß nicht, ob und wie viel Garrosh von dem Angriff wusste. Mir ist jedoch klar geworden, dass ich es nur der Nachlässigkeit der Orcs verdanke, dass ich überlebt habe“, sagte Hamuul.

„Die Orcs hielten mich für tot, und beinahe war ich das auch. Was das Duell angeht“, sagte er und beobachtete Sturmlied aufmerksam, „so mag Garrosh dem Einsatz des Giftes zugestimmt haben oder auch nicht. Das ist vollkommen gleichgültig. Magatha hat, was sie wollte: Die Kontrolle über Donnerfels, das Dorf der Bluthufe und vielleicht auch Camp Mojache, wenn wir sie nicht bald aufhalten.“

„Den Sonnenfels hat sie nicht erobern können“, sagte Jorn ruhig. „Eben kam ein Bote. Man konnte den Angriff glücklicherweise abwehren.“

Baine nickte. Das waren gute Neuigkeiten, doch bei Weitem nicht zufriedenstellend. Er knurrte leise und zwang sich, noch etwas zu essen, obwohl sein Magen rebellierte. Er musste darauf achten, bei Kräften zu bleiben.

„Erzdruide, mein Vater hat Eurem Rat immer vertraut, und ich habe ihn nie mehr gebraucht als jetzt. Was sollen wir tun? Wie können wir sie bekämpfen?“

Hamuul seufzte und dachte nach. Eine lange Pause entstand. „Nach allem, was wir wissen, wird der Großteil der Tauren jetzt von Magatha kontrolliert – ob sie das nun wollen oder nicht. Garrosh ist vielleicht nicht verantwortlich für den Verrat, aber er ist ein Hitzkopf und hatte großes Interesse am Tod Eures Vaters.“ Baine atmete tief ein, und Hamuul warf ihm einen mitfühlenden Blick zu, bevor er fortfuhr. „Die Unterstadt ist nicht sicher für Euch, da sie von Orcs kontrolliert wird, die Garrosh treu ergeben sind. Die Dunkelspeertrolle sind wahrscheinlich vertrauenswürdig, jedoch ist ihre Zahl sehr begrenzt. Was die Blutelfen angeht, so sind sie zu weit entfernt, um uns Unterstützung leisten zu können. Garrosh erreicht sie wahrscheinlich noch vor uns.“

Baine lachte freudlos und wies auf Sturmlied. „Also sind unsere Feinde nun vertrauenswürdiger als unsere Freunde“, sagte er trocken.

Zu seinem Bedauern sah Hamuul sich gezwungen, dieser Bemerkung zuzustimmen. Er nickte. „Zumindest sind sie zugänglicher.“

Ein gewagter und gefährlicher Gedanke durchzuckte Baine. Wie sein Vater es ihm beigebracht hatte, dachte er einen Moment lang darüber nach und ließ ihn in seinem Kopf herumwandern, statt ihn sofort auszusprechen.

„Ich schätze einen ehrenhaften Feind höher als einen unehrenhaften Freund“, sagte er schließlich leise. „Also sollten wir zu einem ehrenhaften Feind gehen. Wir werden diejenige aufsuchen, der Thrall vertraute.“

Er blickte die Anwesenden einen nach dem anderen an und sah, wie sie langsam verstanden, worauf er hinauswollte.

„Wir gehen zu Lady Jaina Prachtmeer.“

23

„Hast du je an einem Ritual der Sicht teilgenommen, Go’el?“, fragte Geyah eines Abends, als sie gemeinsam ein einfaches Mahl aus Grollhufeintopf und Brot zu sich nahmen. Thrall hatte großen Appetit, denn der Tag war lang und sehr ermüdend gewesen, sowohl emotional als auch physisch. Er hatte ihn nicht damit verbracht, mit den Elementaren dieses Landes zu kommunizieren oder ihnen zu helfen, sondern damit, sie zu vernichten.