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Er hielt seinen Blick unverwandt auf Baine gerichtet, aber aus dem Augenwinkel sah er, wie Jaina sich entspannte.

„Er hat Thrall getroffen, und sie mochten und respektierten sich“, sagte Jaina. „Ihr könntet Euch keinen besseren Fürsprecher wünschen, Baine.“

Baine nickte, wobei seine Ohren unruhig hin und her zuckten, wahrscheinlich vor Schmerz über den Tod seines Vaters. „Wäre Thrall nicht gegangen, würde ich Eure Hilfe nicht brauchen und...“, er machte eine Pause und atmete tief ein, bevor er die Luft durch die Nüstern wieder ausstieß, „... mein Vater wäre noch am Leben.“

Anduin keuchte und blickte Jaina an. Ihre Augen waren traurig, und sie nickte. „Baine hat es mir bereits erzählt“, sagte sie schnell.

„Es tut mir so leid“, sagte Anduin und meinte es ehrlich. Jeder, der die Horde kannte, wusste, dass Cairne ein fähiger, bescheidener Anführer und ein guter... Mann gewesen war. Doch sein Tod kam nicht unerwartet. Cairne war bereits alt gewesen. Es erschien Anduin merkwürdig, dass Baine so bestürzt war. Nein, es war keine Bestürzung, es war Wut. Jeder, der seinen Vater liebte, wäre bestürzt gewesen, wenn er starb... Aufgewühlt. „Was ist geschehen?“

„Nehmt Platz“, sagte Jaina freundlich. Dieses Mal kamen Anduin und Baine ihrem Wunsch nach und setzten sich auf den Boden. Jaina schenkte Tee für sie alle ein, stellte die Tassen auf ein Tablett und setzte sich mit überkreuzten Beinen zu ihnen. Anduin nahm eine Tasse, und nach einem Moment tat Baine es ihm gleich. Er betrachtete die kleine Tasse in seiner riesigen Hand und lachte. Das war wahrscheinlich das erste Lachen, vermutete Anduin, seit er vom Tod seines Vaters erfahren hatte.

Jaina blickte von einem zum anderen. „Keiner von euch weiß, wie sehr ich mir ein Treffen von uns dreien unter anderen Umständen gewünscht hätte“, sagte sie ruhig. „Aber zumindest treffen wir uns überhaupt. Vielleicht wird dieses Gespräch den Grundstein für zukünftige formalere Beratungen zwischen unseren Völkern bilden.“

Anduin erhob seine Tasse. „Auf bessere Zeiten“, sagte er. Jaina erhob die ihre ebenfalls und stieß mit ihm an. Nach einem kurzen Augenblick hielt auch Baine seine Tasse hoch und stieß mit den beiden an.

„Ich glaube... mein Vater wäre froh darüber“, sagte er. „Prinz Anduin. Lasst mich Euch berichten, welches Leid in den letzten Tagen geschehen ist.“

„Ich höre“, sagte der Prinz von Sturmwind.

„Hört Ihr mir zu?“, schrie Moira.

„Aye, Euer Exzellenz, ich...“

„Wie konnte er entkommen?“

„Das weiß ich nicht. Wir haben die Magier eingesperrt... Vielleicht hat es ein Hexenmeister von außen gemacht?“ Drukan wusste, wie dünn seine Rechtfertigung klang.

„Dagegen haben wir Sperren eingerichtet!“ Moira ging wütend auf und ab. Es war früher Morgen, und dies war nicht die Art von Neuigkeiten, mit denen sie um diese Uhrzeit behelligt werden wollte. Sie hatte sich nur ein Tuch übergeworfen, als Drukan ihr erregt die Nachricht überbracht hatte, dass ihr wertvolles Haustier entkommen war. „Nein, es muss etwas anderes gewesen sein. Vielleicht habt Ihr zu viel getrunken und tief und fest geschlafen, als er sich an Euch vorbeigeschlichen hat!“

Drukan runzelte die Stirn, erwiderte jedoch: „Ich trinke nicht im Dienst, Euer Exzellenz. Und selbst wenn er mir entwischt wäre, konnte er an den Wachen, die an jedem Eingang stehen, nicht vorbei.“

Moira legte ihre Finger auf ihre pochenden Schläfen und massierte sie. „Wie ist nicht wichtig. Wir...“ Ein listiges Lächeln umspielte plötzlich ihre Lippen. „Vielleicht irren wir uns aber auch.

Möglicherweise ist mein kleiner eingesperrter Prinz gar nicht geflohen.“ Drukan schaute sie verwirrt an. Sie seufzte. „Er hat eindeutig seine Unterkunft verlassen, aber vielleicht ist er noch in Eisenschmiede und versteckt sich hier. Es gibt viele Orte, an denen man sich in dieser Stadt verbergen kann.“

„Die gibt es tatsächlich...“

Sie lächelte süßlich. „Ich schicke Euch so viele Männer, wie Ihr braucht, um ihn zu suchen. Aber Ihr dürft keine Aufmerksamkeit erregen! Niemand darf wissen, dass er fort ist. Habt Ihr den alten tatterigen Diener befragt?“

Drukans Gesichtsausdruck hellte sich ein wenig auf. „Oh ja, in der Tat.“

„Achtet darauf, dass er nicht misshandelt wird. Wir wollen doch, dass Anduin... kooperativ ist.“

„Natürlich.“

„Das alles muss so unauffällig wie möglich geschehen. Wir sollten die Nachricht verbreiten, dass Anduin krank ist... Nein, nein, dann wird dieser lästige Rohan darauf bestehen, ihn zu besuchen. Was sollen wir tun, was sollen wir tun...“ Moira ging im Raum auf und ab, blieb an der Wiege ihres Sohnes stehen und schaukelte sie gedankenverloren.

„Ah... Wir sollten sagen, dass er zu einem Besuch nach Dun Morogh aufgebrochen ist. Ja! Das ist es.“ So würden sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen wäre es eine plausible Erklärung für Anduins Abwesenheit, zum anderen würde es den Eindruck erwecken, dass es in Eisenschmiede weiterhin möglich war, in Kontakt mit der Außenwelt zu treten, sofern Moira dies gebilligt hatte. Während sie weiter die Wiege schaukelte, bedeutete sie Drukan mit einem Wink ihrer Hand, sich an die Arbeit zu machen. „Husch! Kümmert Euch darum. Oh, einen Moment noch, Drukan!“ Sie betrachtete ihn kalt. „Ihr müsst sichergehen, dass niemand etwas von Anduins Verschwinden und davon, was hier geschehen ist, erfährt. Ich werde meine Pläne zu gegebener Zeit enthüllen, aber auf meine Art. Ist das klar?“

Drukan schluckte hörbar. „J-ja, Euer Exzellenz.“

Palkar kam mit frischem Fleisch zurück, um sein und Drek’Thars Abendmahl zuzubereiten, und stellte überrascht fest, dass ein stark verschmutzter Taurenbote auf ihn wartete. Es war einer von Cairnes Weitläufern, was bedeutete, dass die Botschaft, die er zu überbringen hatte, von einiger Bedeutung war. Palkar konnte getrocknetes Blut auf der Kleidung des wettergegerbten Boten erkennen. Er wusste nicht, ob es das Blut des Tauren war oder von jemand anderem stammte.

„Seid gegrüßt, Weitläufer“, sagte er. „Ich bin Palkar. Kommt herein und esst mit uns. Danach könnt Ihr uns die Botschaft mitteilen, die Euch hierher geführt hat.“

„Ich bin Perith Sturmhuf“, antwortete der Weitläufer, „und die Botschaft kann nicht warten. Ich werde sie jetzt Eurem Meister überbringen.“

Palkar zögerte. Er mochte es nicht, mit jemandem über Drek’Thars schwindende Gesundheit zu sprechen. „Ihr könnt sie mir mitteilen. Ich sorge dafür, dass sie ihn erreicht. Ihm geht es in letzter Zeit nicht besonders gut, und...“

„Nein“, sagte Perith geradeheraus. „Ich habe Anweisung, die Botschaft an Drek’Thar persönlich zu überbringen, und nichts anderes werde ich tun.“

Es gab keinen Ausweg. „Drek’Thars Geist ist nicht mehr das, was er einmal war. Ich kümmere mich um ihn. Wenn Ihr nur mit ihm sprecht, werden Eure Worte verloren sein.“

Der Taure zuckte mit den Ohren. Sein abweisender Gesichtsausdruck wurde etwas milder. „Ich bedauere, das zu hören. Unter diesen Umständen solltet Ihr Euch die Botschaft ebenfalls anhören. Aber ich muss mit ihm sprechen.“

„Ich verstehe. Kommt herein.“

Palkar schlug die Zeltplane zurück. Perith musste sich ducken, weil die Klappe nicht für ein Lebewesen seiner Größe gemacht war. Drek’Thar war wach und schien aufmerksam und aufnahmebereit zu sein. Er saß gute sechs Fuß von seiner Schlafstatt entfernt.

„Drek’Thar, wir haben einen Gast. Es ist einer von Cairnes Weitläufern, Perith Sturmhuf.“