Выбрать главу

„Meine Felle... Warum hast du sie weggelegt? Du bringst immer meine Dinge durcheinander, Palkar“, sagte Drek’Thar, und seine Worte kündeten von seiner Verwirrung.

Palkar half dem alten Orc behutsam auf, brachte ihn zu seinen Fellen hinüber und stützte ihn, als er sich wieder hinsetzte.

„Nun“, sagte Palkar zu Perith, „könnt Ihr Eure Botschaft überbringen.“

Perith nickte. „Sie ist ernst. Der Kern der Sache ist, dass unser geliebter Führer Cairne Bluthuf ermordet wurde und die Grimmtotems bei einem blutigen Putsch viele unserer Städte übernommen haben.“

Drek’Thar und Palkar starrten ihn erschrocken an. Die Botschaft schien Drek’Thar in einer seiner lichten Phasen zu erreichen.

„Wer hat den mächtigen Cairne erschlagen? Wer ist dafür verantwortlich?“, wollte der alte Orc mit einer Stimme wissen, die überraschend klar und kräftig klang.

Perith berichtete von dem Angriff auf die Druiden im Eschental und von Hamuul Runentotems knappem Entkommen. „Als Cairne von dieser Gräueltat erfuhr, forderte er Garrosh zum Mak’gora in der Arena heraus. Garrosh akzeptierte, jedoch nur unter der Bedingung, dass Cairne sich mit der Anwendung der alten Regeln einverstanden erklärte. Er verlangte einen Kampf bis zum Tod, und Cairne stimmte zu.“

„Dann fiel er in einem ehrlichen Kampf, und die Grimmtotems nutzten ihre Möglichkeit“, sagte Drek’Thar.

„Nein. Es sind Gerüchte aufgekommen, die besagen, dass Magatha Garroshs Klinge mit Gift behandelt hat, sodass der ehrenwerte Cairne nach einem noch so unbedeutenden Treffer sterben musste. Ich sah, wie sie die Klinge einölte, und ich sah Cairne fallen. Ich weiß nicht, ob Garrosh davon wusste oder selbst betrogen wurde, aber ich weiß, dass die Grimmtotems alles taten, was in ihrer Macht stand, damit die Kunde von Cairnes Tod Donnerfels nicht erreichte. Nur mit äußerster Mühe und dem Segen der Erdenmutter bin ich ihnen entwischt.“

Palkar starrte den Boten an, und sein Geist raste. Cairne war von der Matriarchin der Grimmtotems ermordet worden? Garrosh war entweder betrogen worden oder ein williger Mittäter... Beides war gleich schrecklich. Die Grimmtotems beherrschten nun die Tauren.

Er versuchte, seine Gedanken zu ordnen, doch Drek’Thar war offenbar völlig bei Sinnen und ganz bei der Sache. Er kam Palkar zuvor: „Was ist mit Baine? Gibt es Nachrichten von ihm?“

„Es erfolgte ein Angriff auf das Dorf der Bluthufe, doch Baine konnte entkommen. Niemand hat seitdem mehr von ihm gehört. Aber wir sind überzeugt, dass er lebt. Wenn er tot wäre, hätte Magatha das verkündet und mit der Zurschaustellung seines Kopfes bewiesen.“

Etwas störte Palkar, etwas, das Perith gesagt hatte...

„Dann gibt es noch Hoffnung. Wird Garrosh die Thronräuber unterstützen?“

„Dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkt.“

„Wenn er tatsächlich an diesem ehrlosen Mord an Cairne beteiligt war“, fuhr Drek’Thar fort, „würde er vermutlich alles tun, um Baine zum Schweigen zu bringen. Er würde dafür sorgen, dass seine Verbündeten weiterhin Macht ausüben könnten. Der Kriegshäuptling muss augenblicklich von dieser Entwicklung unterrichtet werden.“

Der Kriegshäuptling muss unterrichtet werden...

Ich muss mit Thrall sprechen...Er muss wissen...

Ahnen...Er hatte recht gehabt!

Schweißtropfen rannen über Palkars Gesicht. Vor vielen Monden hatte Drek’Thar eine wilde fiebrige Vision gehabt, nach der er verkündete, dass in Kürze eine friedliche Versammlung von Druiden, Nachtelfen und Tauren angegriffen würde. Palkar hatte ihm geglaubt und Wachen ausgesandt, um die Versammlung zu „beschützen“, doch nichts war geschehen. Er hatte angenommen, dass diese „Vision“ nichts anderes gewesen war als ein Ausdruck von Drek’Thars zunehmendem geistigen Verfall.

Drek’Thar hatte jedoch recht gehabt. Während er mit Perith Sturmhuf sprach, schien sich der alte Schamane nicht an die Vision zu erinnern. Doch sie hatte sich bewahrheitet, und zwar genau so, wie er es vorausgesagt hatte. Eine friedliche Versammlung von Nachtelfen und Tauren war tatsächlich angegriffen worden und hatte in einem Massaker geendet. Es war lediglich viel später geschehen als erwartet.

Verzweifelt erinnerte sich Palkar an Drek’Thars letzte Träume, bei denen er laut geschrien hatte. „Das Land wird weinen, und die Welt wird auseinanderbrechen!“ Konnte es sein, dass dieser „Traum“ ebenfalls eine Vision gewesen war? Dass er wahr würde, so wie der Traum von der Versammlung der Druiden Wahrheit geworden war?

Palkar war ein Narr gewesen. Er hätte Thrall von dem Traum berichten müssen und den Kriegshäuptling entscheiden lassen sollen, ob er tätig werden wollte oder nicht. Palkar ballte seine Hände zu Fäusten. Er war nicht wütend auf Drek’Thar, sondern auf sich selbst.

„Palkar?“, sagte Drek’Thar.

„Tut mir leid... ich habe nachgedacht. Was hast du gesagt?“

„Ich habe gefragt, ob du eine Botschaft niederschreiben kannst“, sagte Drek’Thar in einem Tonfall, als habe er diese Bitte bereits mehrere Male äußern müssen – was gut sein konnte, wie Palkar wusste. „Wir müssen Thrall sofort davon berichten. Selbst einen Weitläufer wird es einige Zeit kosten, ihn zu finden. Wir können nur hoffen, dass wir noch die Möglichkeit haben, Baine zu helfen.“

„Natürlich“, antwortete Palkar und eilte davon, um sein Schreibzeug zu holen. Er würde schreiben, was auch immer Drek’Thar und der Weitläufer wollten. Und dann, am Ende des Schreibens, würde er dem Kriegshäuptling gestehen, dass er all das vor ihm verborgen hatte. Er würde seine Gründe erläutern und dann die Dinge ihren Lauf nehmen lassen.

Keinesfalls würde er riskieren, dass Drek’Thar ein zweites Mal recht behielt.

25

Thrall war überrascht, wie viel Aufwand betrieben wurde und wie viele Orcs an den Vorbereitungen für den Ritus der Sicht beteiligt waren. Er verstand nun Geyahs Kommentar über Drek’Thar besser, der als einer der letzten Schamanen der Orcs sein Bestes gegeben hatte. Offenbar wurde für den „richtigen“ Ritus der Sicht beinahe die ganze Gemeinschaft eingebunden.

Jemand kam, um ihm das rituelle Gewand anzupassen. Ein anderer bot ihm die Kräuter für den Ritus an. Ein dritter Orc erschien, um den Tanz- und Trommelzirkel zu leiten, und sechs weitere stellten ihre Trommeln und Stimmen zur Verfügung. Thrall war überrascht und bewegt. Schließlich sagte er zu Aggra: „Ich möchte keine Gefälligkeiten erhalten, die nur meiner Position geschuldet sind.“

Sie lächelte ihn verschmitzt an. „Go’el, all das geschieht, weil es für den Ritus der Sicht nötig ist, nicht weil du der Anführer der Horde bist. Du brauchst dir keinerlei Gedanken um die Horde zu machen.“

Das erleichterte ihn gleichermaßen, wie es ihn verlegen machte. Er fragte sich nicht zum ersten Mal, wie Aggra es fertigbrachte, dass ihm ihre Spitzen so unter die Haut gingen. Vielleicht ist es ein Geschenk der Elemente, vermutete er trocken, während sie mit hoch erhobenem Kopf davonging.

Er ärgerte sich wegen der Verzögerung, doch er konnte nichts dagegen unternehmen. Etwas in ihm sehnte das Ritual herbei. So vieles war für die Orcs verloren gewesen in den Jahren, bevor er zum Schamanen wurde. Ihm war klar, dass seine Erfahrung mit gemeinschaftlichen Riten lückenhaft war.

Drei Tage später war schließlich alles bereit, und unzählige Fackeln wurden in der Dämmerung entzündet. Thrall wartete bei Garadar, um zum Ort der Zeremonie geleitet zu werden. Aggra holte ihn ab, doch er musste zweimal hinschauen, bevor er sie erkannte.

In ihr langes, dichtes, rötlich braunes Haar waren Federn eingeflochten. Sie trug eine Lederweste und einen Kilt, die mit Federn und Perlen bestickt waren. Weißgrüne Symbole prangten auf ihrem Gesicht und überall auf ihrer braunen Haut. Aufrecht und stolz stand sie da. Das braune Leder setzte sich perfekt von dem dunkleren Braun ihrer Haut ab. Auf den Armen trug sie ein Bündel aus Kleidungsstücken, die so braun waren wie ihre Haut.