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Sie verließen den See und betraten nun sumpfigen Boden.

Und plötzlich waren sie da.

Vier riesige Wesen, die den kleineren Inkarnationen der Elemente ähnelten, mit denen Thrall so lange zusammengearbeitet hatte, näherten sich ihnen gemächlich. Sie waren wild und machtvoll. Selbst auf die Entfernung hin konnte Thrall ihre unglaubliche Stärke spüren. Nein, diese Wesen mussten nicht befürchten, dass jemand sie belästigte.

Mit sanfter, ehrwürdiger Stimme stellte Aggra jeden einzelnen vor. „Gordawg, Zorn der Erde, Aborius, Zorn des Wassers, Incineratus, Zorn des Feuers, und Kalandrios, Zorn der Luft. Wenn irgendjemand oder irgendetwas auf dieser Welt dir helfen kann, Go’el“, sagte Aggra mit ruhiger und ernster Stimme, „dann sind es diese Wesen. Geh und stell dich ihnen vor. Frag sie, was du sie fragen musst.“

Einen Augenblick lang fühlte sich Thrall in der Zeit zurückversetzt, zurück zu seinem ersten Aufeinandertreffen mit den Elementen. Einer nach dem anderen waren die Geister der Elemente zu ihm gekommen, hatten in seinem Geist und seinem Herzen gesprochen. Nun würden sie es auf dieselbe Weise wieder tun. An welches der Elemente sollte er sich als Erstes wenden? Er wählte Kalandrios, den Zorn der Luft, und ging auf ihn zu.

Nahezu augenblicklich spürte er, wie ihn die Kraft des Wesens durchdrang. Er taumelte, und der starke Wind riss ihn beinahe von den Beinen, aber er stemmte sich erfolgreich gegen die wirbelnde Luft.

Der große Zorn sah wie ein lebender Zyklon aus mit seinen starken Armen und den leuchtend roten Augen. Kalandrios ignorierte ihn zunächst, doch dann stemmte sich Thrall gegen den Wind, der Sand und Blätter aufwirbelte, die seine Haut aufzuscheuern drohten. Er schloss die Augen und streckte seinen Geist nach ihm aus, wie er es gelernt hatte.

Kalandrios, Zorn der Luft... Ich bin einen langen Weg gegangen, um deine Hilfe zu erbitten. Ich komme aus einem Land, das in großen Schwierigkeiten steckt, aber ich weiß nicht, warum es leidet. Ich habe es um Hilfe gebeten, doch es antwortet mir nicht. Bei meinem Ritus der Sicht sah ich mich selbst und dass ich das Land nicht retten konnte. Du, der die Schreie der Luft hier in der Scherbenwelt hört, kannst du mir helfen? Ist diese Vision wahr und unabänderlich?

Kalandrios richtete den Blick seiner roten Augen auf ihn, und Thrall spürte die Kraft darin. Er sprach, jedoch in Thralls Geist.

Was kümmern mich die Angelegenheiten der Luft in einem anderen Land? Meine Essenz leidet hier. Die Luft beherrscht die Kraft der Gedanken, Go’el, den man Thrall nennt, Sohn von Durotan und Draka. Du bist ein mächtiger Schamane, und nur aus diesem Grund höre ich mir deine Bitte überhaupt an. Das Beste, was ich dir anbieten kann, ist der Rat, darüber nachzudenken und zuzuhören. Denke darüber nach, was du auf deiner Suche gesehen hast. Mehr kann ich dir nicht bieten.

Kalandrios ging wieder, unfähig, ihm weitere Unterstützung zu gewähren. Thrall war enttäuscht, doch er unterdrückte das Gefühl. Es war sinnlos, wütend zu werden. Wenn Kalandrios hätte helfen können, dann hätte er das auch getan. Doch Thrall konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass Kalandrios’ Gedankengang einen Fehler aufwies.

Er blickte zu Aggra zurück und schüttelte den Kopf. Die Stimmen erklangen nur in seinem Herzen, die Orcfrau hatte Kalandrios’ Worte nicht hören können. Einst hätte sie über sein Versagen gelacht, das wusste er. Jetzt sah er, wie sich Betroffenheit auf ihrem Gesicht breitmachte.

Er ging zum nächsten Zorn, Incineratus, der Zorn des Feuers. Als Thrall näher trat, strömte das mächtige Wesen eine solche Hitze aus, dass er gezwungen war, sein Gesicht abzuwenden und es mit den Armen zu schützen. Wie sollte er sich dem Wesen nähern, wenn er Gefahr lief, dass ihm das Fleisch von den Knochen gebrannt wurde?

Die Antwort auf diese Frage manifestierte sich langsam. Er ignorierte die sengende Hitze und kam so zur Ruhe – das Element vom Geist des Lebens, den er in sich trug, unterstützte ihn. Thrall stellte sich seine Haut unversehrt, kühl und der Hitze des mächtigen Zorns gegenüber unempfindlich vor. Als er sich umwandte, öffnete er die Augen... und die Hitze schwand. Schließlich kniete er vor dem Zorn des Feuers nieder und wiederholte seine Frage.

Incineratus wandte seine ganze Aufmerksamkeit dem Orc zu. Selbst mit seiner neu gefundenen Stärke musste Thrall die Augen wegen der Hitze schließen, die das Wesen umgab, das nur wenige Schritte vor ihm stehen blieb. Thralls Kehle war wie ausgedörrt, doch er blieb, wo er war. Er war stark genug, um mit dem Wesen zu sprechen, und würde nicht verletzt werden.

Ich bin wütend, sagte der Zorn des Feuers in seinem Geist. Ich bin wütend darüber, dass meine Artgenossen hier leiden müssen, und ich bereue es mehr, als du dir vielleicht vorstellen kannst, dass ich dir nicht helfen kann. Ohne etwas Essenz vom Feuer dieser Welt kann ich unmöglich mit den Feuern sprechen, die dort brennen. Wie kann ich wissen, warum sie leiden, Schamane? Es ist dein Land, und es sind deine Beobachtungen. Ich spüre deine Leidenschaft, und ich gewähre dir die meine – die Leidenschaft zu tun, was immer nötig ist, damit die Welt heilen kann. Mehr kann ich nicht für dich tun.

Ein kleines Flimmern löste sich und stieß zu Thralls Kehle hinab. Er schrie auf und spürte ein scharfes Brennen, als es in ihn eindrang und sich um sein Herz zu legen schien. Es verbrannte schmerzhaft, aber er wusste, dass dies keine echte Flamme war. Thrall schlug mit der Hand auf sein Herz und fiel nach vorn, den Sturz mit einer Hand abfangend.

Aggra war sofort neben ihm. Ihre Berührung war kühl, und tröstend legte sie eine Hand auf seine Schulter. „Go’el, hat er dich verletzt?“

Thrall schüttelte den Kopf. Der Schmerz verging. „Nein“, sagte er, „nicht... nicht körperlich.“

Ihr Blick suchte den seinen, und dann betrachtete sie Incinera-tus. Der große Elementarzorn hatte sich bereits wieder auf den Weg gemacht. Sie suchte in ihrer Tasche nach einer Wasserflasche, doch Thrall legte seine Hand auf ihren Arm und schüttelte den Kopf.

„Nein“, krächzte er. „Incineratus... beschenkte mich mit dem Feuer der Leidenschaft, damit ich tun kann, was ich tun muss.“

Langsam verstand Aggra und nickte. „Wie du in der vergangenen Nacht erfahren hast, brennt dieses Feuer bereits in dir. Es ist in der Tat ein Geschenk. Nur sehr wenige haben den Hauch von Incineratus’ Feuer gespürt.“

Aus dem, was sie nicht sagte, konnte er schließen, dass ihr selbst diese Ehre nicht zuteilgeworden war, und er fühlte sich verpflichtet zu sagen: „Ich glaube nicht, dass das Geschenk für mich gedacht war, sondern vielmehr für die Elemente von Azeroth, damit ich ihnen besser helfen kann.“

„Ich habe darum gebeten, hier helfen zu dürfen“, sagte sie leise, „doch ich wurde nicht für würdig erachtet.“

Thrall ergriff ihre Hand. „Du bist begabt, Aggra. Es könnte doch sein, dass das Feuer, das in dir brennt, bereits ausreicht.“

Erschreckt suchte sie erneut seinen Blick. Er erwartete, dass sie ihm ihre Hand entzog, und bereitete sich auf eine heftige Antwort vor. Aggra ließ jedoch ihre Hand in der seinen, und ihre braunen Finger umspielten einen Moment lang seine grünen, bevor sie sie sanft drückte und wieder losließ.

„Es gibt noch zwei weitere Elementare, die du befragen kannst“, sagte sie. Offensichtlich hatte sie sich wieder unter Kontrolle. „Du verfügst über eine große Gabe, und vielleicht können dir Gordawg und Aborius mehr Unterstützung bieten als Incineratus und Kalandrios. Möglicherweise verhelfen sie dir zu ein wenig mehr Klarheit. Mich verwirren ihre Geheimnisse auch oft mehr, als dass sie mich erleuchten.“