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Ich nickte.

»Das ist im Grunde alles ...«, sagte Kotja. Nach einer kurzen Pause fügte er noch hinzu: »Also, manchmal bitten die aus Arkan mich, eines der Funktionale im Auge zu behalten. Das lade ich dann auch bei dem Polizisten ab, der für den entsprechenden Bezirk zuständig ist. Oder, wenn es in einem Bezirk keinen Polizisten gibt, an die Hebammen, die sind ja auch ohne Leine ... Einmal pro Quartal schreibe ich meine Berichte für Arkan. Dabei handelt es sich praktisch um die Zusammenfassung der Berichte, die ich von den Hebammen erhalten habe. Wer wo und zu welchem Funktional geworden ist. Wenn es Probleme mit der Adaption oder Klagen gibt, informiere ich sie darüber. Außerdem lege ich in den Berichten dar, wie sich die Menschheit nach meinem Dafürhalten weiter entwickeln sollte ...«

»Und das ist alles?«

»Ja, das ist alles.« Kotja breitete die Arme aus. »Glaubst du etwa, ich hätte in Moskau gesessen, wäre Frauen hinterhergestiegen und hätte allerlei Geschichtchen geschrieben, nur um dich auf eine falsche Fährte zu locken? Ich hatte wirklich nichts zu tun! Drei Jahre habe ich die Erde kreuz und quer bereist. Das war schon toll. Die anderen Welten des Multiversums habe ich mir selbstverständlich auch angesehen. Aber irgendwann hing mir das alles zum Hals raus! Mir irgendwelchen Unsinn auszudenken, zu trinken und Bräute aufzureißen war dann weitaus ...«

Illan beugte sich vor und gab Kotja einen leichten Schlag auf den Hinterkopf. »Die Bräute schminkst du dir jetzt bitte ab«, verlangte sie. »Betrachte das als endgültig durchlaufene Phase deiner Biografie.«

Kotja schielte zu ihr rüber und nickte - zu meiner großen Verwunderung. Noch dazu machte er eine relativ ehrliche Miene.

»Die Arbeit eines Kurators«, nahm er den Faden wieder auf, »gleicht der Arbeit eines Verwalters auf einem großen und gut funktionierenden Landgut. Die Bauern wissen selbst, wann sie säen und wann sie das Korn dreschen müssen. Der Schmied bessert seine Werkzeuge aus, die Bräu... die Frauen machen Quark aus Milch und bieten ihn auf dem Markt zum Verkauf an, der Priester spricht das Gebet. Alles läuft von selbst, der Verwalter sitzt bloß auf der Vortreppe, nippt an einem Likör und ...« Kotja hüstelte und führte den Satz unbeholfen zu Ende: »... na, und isst einen Happen ...«

Illan brach überraschend in Gelächter aus. »Ich nehme meine Worte zurück, Kotja«, bot sie an. »Wenn du ohne deine Bräute nur noch stammeln kannst, dann sprich lieber wie immer. Und krieg doch bei Gelegenheit mal heraus, wie man Quark macht und wie Butter.«

»Ich bin sowieso fertig«, erklärte Kotja mürrisch. »Ich habe alles aufgezählt. Darin erschöpft sich meine Arbeit nämlich schon. Jetzt kommt das Nächste: Was kann ich als Kurator? Ich habe dieses Quartier in Tibet. Mir ist schleierhaft, wie jemand es geschafft hat, diese Mönche abzurichten, was er ihnen für einen Unsinn vorgebetet hat, aber es sind fanatische Bedienstete. Ich bin nicht häufig hier, bei Bedarf ist das jedoch ein sicherer Schlupfwinkel für einen Kurator. Ich kann reisen ... also ...« Kotja zögerte und suchte nach dem richtigen Wort. »... sozusagen durch den Raum. Ich kann zu jedem Ort gelangen, an dem ich schon einmal war und an den ich mich erinnere. Ich muss mir einen Namen für ihn ausdenken, ein Codewort - und dann kann ich ein Portal dorthin öffnen.«

»Nur an jeden Ort?«, hakte ich nach.

»Oder zu jedem Menschen.« Kotja sah verlegen aus. »Den ich persönlich kenne. Dich behalt ich gewissermaßen ständig im Visier, und ich habe immer mal wieder nach dir geschaut ... nachdem wir uns zerstritten hatten ... Bei Illan ist es genauso ...«

»Verstanden. Welche Fähigkeiten hast du noch?«

»Keine«, antwortete Kotja wütend. »Über irgendwelche ausgefallenen Fähigkeiten verfüge ich nicht. Nicht über das Weltwissen eines Zöllners, nicht über die Superkräfte eines Polizisten, nicht über Heilkräfte. Irgendwie ist das alles zwar angelegt, aber viel schwächer als bei den anderen.«

»Erzähl doch keinen Scheiß!«, explodierte ich. »Du bist der Chef! Du überwachst die ganze Erde!«

»Pah!« Kotja platzte ebenfalls der Kragen. »Glaubst du etwa, der Barackenälteste in einem Lager hätte viele Rechte gehabt? Seine Essensration ist etwas üppiger ausgefallen, sein Bett ein bisschen weicher gewesen. Außerdem hatte er noch das Recht, mit den Aufsehern zu reden. Und damit basta! Du solltest meine Fähigkeiten nicht überschätzen. Ich bin nur ein Vermittler. Ein Spezialist mit breitem Profil, aber ein Breitbandprofil ist nie sehr tief. Leider.«

»Je größer die Pfütze, desto flacher ist sie«, brachte Illan in lehrhaftem Ton hervor.

Kotja und ich sahen sie erstaunt an.

»Ein Aphorismus«, sagte Illan unsicher. »Oder?«

»Kein guter«, entschied ich. »Gut, vergessen wir das. Welche Fähigkeiten hast du in der letzten Zeit eingebüßt, Kotja?«

»Ich kann keine Portale in bewohnte Welten mehr öffnen.« Kotja fuchtelte mit den Händen. »Zunächst war mir nur Arkan versperrt, dann auch die anderen Welten mit zivilisiertem Leben. Du hast ein Wahnsinnsglück gehabt, dass ich noch nach Janus gekommen bin ... Ich wollte den Postboten kontaktieren, aber das klappte schon nicht mehr. Entweder ist er nicht auf unserer Erde aufgetaucht oder aber er hat sich geschickt vor mir verborgen. Ich hätte einen Brief aus Arkan kriegen müssen, aber der kam nie an. Von den Hebammen sind irgendwann auch keine Berichte mehr eingetroffen. Als ob ... ich ihr Vertrauen verspielt hätte.« Er setzte ein schiefes Lächeln auf.

»Oder ... als ob sie erst mal abwarten würden, wer von uns beiden das Rennen macht.«

»Warum haben sie mich eigentlich überhaupt zum Funktional gemacht?«, fragte ich ganz direkt. »Und spar dir bitte sämtliche Geschichten à la: Da kam der Befehl, ich habe mich natürlich gesträubt, aber mir sind ja die Hände gebunden ...«

Kotja seufzte. Anscheinend war der Moment erreicht, wo die Karten auf den Tisch kamen.

»Ich selbst habe der Iwanowa deinen Namen gegeben«, gestand er verdrossen ein. »Ich habe so getan, als ob eine entsprechende Anweisung von oben vorläge ... Wenn du so willst, habe ich mein Amt zu persönlichen Zwecken missbraucht.«

»Weshalb?«

»Weil mir langweilig war!«, sagte Kotja traurig. »Ich wollte, dass einer meiner Freunde zum Funktional wird. Damit ich den völlig unbeteiligten Idioten spielen konnte, der rein zufällig in diese Geschichte stolpert ... Mich kannte ja niemand persönlich. Nicht mal diese dämliche Iwanowa! Ein Kurator, das ist der bescheidenste Herrscher auf der Welt ...«

»Klar«, schnaubte ich, »bescheidener geht’s gar nicht.«

Im Kamin prasselte das Feuer. Illan, die mit untergeschlagenen Beinen im Sessel saß, sah Kotja aufmerksam an. Was für ein idyllisches Bild!

»Was hast du jetzt vor, Kotja?«

»Ich? Nichts. Ich habe Angst, Kirill. Sie haben mir meine Fähigkeiten gegeben, sie können sie mir auch wieder wegnehmen. Es ist ein Wunder, dass ich dich noch habe retten können. Aber vermutlich observiert mich jemand, schließlich bin ich immer noch ein Funktional.«

Ich brauchte ein paar Sekunden, um all das zu begreifen.

»Heißt das etwa, ich soll auf eigene Faust handeln, Kotja?«, fragte ich schließlich.

»Was denn sonst?!« Er wunderte sich wirklich. »Natürlich werde ich dir helfen. So gut es geht. Solange ich es noch vermag.«

»Vielen Dank auch!« Ich linste zu Illan rüber, die jedoch schwieg. »Nein, ich bin dir wirklich dankbar. Allerdings hat bisher alles, was ich tu, nur ein Zieclass="underline" meinen eigenen Hintern zu retten. Mir sind diese Supermänner aus Arkan auf den Fersen, jeder Polizist ist scharf darauf, mich zu schnappen, mir sind meine Fähigkeiten abhandengekommen ...«

»Nein! Du musst noch welche haben.« Verärgert verzog Kotja das Gesicht. »Wenn auch sehr seltsame, bei denen nicht klar ist, wann sie durchbrechen ... Glaub nicht, dass wir dich im Regen stehen lassen, Kirill. Illan und ich haben gestern den ganzen Abend zusammengesessen und einen Plan ausgearbeitet.«