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»Ich kann es sowieso nicht. Warum also diese Zeitverschwendung?«

»Sie ist eben eine Märtyrerin«, sagte Miro.

»Nein, bin ich nicht«, sagte Jane. »Ich denke nur praktisch.«

»Du denkst töricht«, sagte Ender. »Grego kann keine Theorie erstellen, die uns die überlichtschnelle Reise ermöglicht, indem er herumsitzt und über die Physik des Lichts oder was auch immer nachdenkt. Wenn es so funktionieren würde, hätten wir den überlichtschnellen Flug vor dreitausend Jahren entwickelt, denn es arbeiteten Hunderte von Physikern daran, damals, als man über die Philotenstränge und das Parksche Unverzüglichkeitsprinzip forschte. Wenn Grego etwas einfallen sollte, dann aufgrund eines Geistesblitzes, eines absurden Gedankenschlusses, und dazu wird es nicht kommen, wenn er sich mit aller Gewalt auf ein einziges Problem konzentriert.«

»Das weiß ich«, sagte Jane.

»Ich weiß, daß du es weißt. Hast du mir nicht gesagt, aus genau diesem Grund würdest du diese Menschen von Weg für unsere Projekte heranziehen? Weil sie unausgebildete, intuitive Denker sind?«

»Ich will nur nicht, daß ihr eure Zeit verschwendet.«

»Du willst nur nicht, daß du Hoffnung schöpfst«, sagte Ender. »Du willst dir nur nicht eingestehen, daß es eine Überlebenschance für dich gibt, denn dann würdest du anfangen, den Tod zu fürchten.«

»Ich fürchte den Tod bereits.«

»Du hältst dich bereits für tot«, sagte Ender. »Das ist ein Unterschied.«

»Ich weiß«, murmelte Miro.

»Also, liebe Jane, ist es mir völlig gleichgültig, ob du dir eine Überlebenschance einräumst oder nicht«, fuhr Ender fort. »Wir werden an dieser Sache arbeiten, und wir werden Grego bitten, darüber nachzudenken, und wenn wir schon dabei sind, du wirst unser gesamtes Gespräch hier diesen Leuten auf Weg vortragen…«

»Han Fei-tzu und Si Wang-mu.«

»Ihnen vortragen«, sagte Ender, »denn sie können auch darüber nachdenken.«

»Nein«, sagte Jane.

»Doch«, sagte Ender.

»Ich möchte, daß die echten Probleme gelöst werden, bevor ich sterbe. Ich will, daß Lusitania gerettet wird, die Gottberührten von Weg befreit werden und die Descolada gezähmt oder vernichtet wird. Und ich will nicht, daß ihr euch davon ablenken laßt, indem ihr das unmögliche Projekt betreibt, mich zu retten.«

»Du bist nicht Gott«, sagte Ender. »Du weißt nicht, ob sich überhaupt eins dieser Probleme lösen läßt, und daher weißt du auch nicht, wie sie sich lösen lassen werden, und daher hast du keine Ahnung, ob es uns bei der Lösung dieser anderen Probleme nutzt oder schadet, wenn wir herausfinden, was du bist, um dich zu retten, und du weißt bestimmt nicht, ob wir diese anderen Probleme schneller lösen können, wenn wir uns darauf konzentrieren oder jetzt ein Picknick veranstalten und bis zum Sonnenuntergang Rasentennis spielen.«

»Was, zum Teufel, ist Rasentennis?« fragte Miro.

Doch Ender und Jane funkelten einander nur stumm an.

»Du weißt nicht, ob du recht hast«, sagte Jane.

»Und du weißt nicht, ob ich mich irre«, sagte Ender.

»Es ist mein Leben«, sagte Jane.

»Das ist doch Blödsinn«, sagte Ender. »Du bist auch Teil von mir und Miro, und von dir hängt die gesamte Zukunft der Menschheit, der Pequeninos und auch der Schwarmkönigin ab. Wobei mir einfällt… während du Han Sowieso und Si Wang Sowieso…«

»Mu.«

»… an dieser philotischen Sache arbeiten läßt, werde ich mit der Schwarmkönigin sprechen. Ich glaube, ich habe noch nie eingehend mit ihr über dich gesprochen. Da sie eine philotische Verbindung mit all ihren Arbeitern hat, müßte sie mehr über Philoten als wir wissen.«

»Ich habe nicht gesagt, daß ich Han Fei-tzu und Si Wang-mu an diesem lächerlichen Rettet-Jane-Projekt arbeiten lasse.«

»Aber du wirst es«, sagte Ender.

»Und warum?«

»Weil sowohl Miro als auch ich dich lieben und brauchen und du kein Recht hast, einfach zu sterben, ohne dich wenigstens um dein Überleben zu bemühen.«

»Ich kann mich nicht durch solche Dinge beeinflussen lassen.«

»Doch, das kannst du«, sagte Miro. »Denn gäbe es solche Dinge nicht, hätte ich mir schon vor langer Zeit das Leben genommen.«

»Ich werde keinen Selbstmord begehen.«

»Wenn du uns nicht hilfst, eine Möglichkeit zu finden, dich zu retten, tust du genau das«, sagte Ender.

Janes Gesicht verschwand von dem Display über dem Terminal.

»Davonlaufen hilft auch nicht«, sagte Ender.

»Laßt mich in Ruhe«, sagte Jane. »Ich muß eine Weile darüber nachdenken.«

»Mach' dir keine Sorgen, Miro«, sagte Ender. »Sie wird es tun.«

»Allerdings«, sagte Jane.

»Schon wieder zurück?« fragte Ender.

»Ich denke sehr schnell.«

»Und du wirst auch daran arbeiten?«

»Ich betrachte es als mein viertes Projekt«, entgegnete Jane. »Ich werde Han Fei-tzu und Si Wang-mu sofort darüber informieren.«

»Sie will es uns zeigen«, sagte Ender. »Sie kann zwei Gespräche gleichzeitig führen und gibt gern damit an, damit wir uns unterlegen fühlen.«

»Du bist unterlegen«, sagte Jane.

»Ich bin hungrig«, sagte Ender. »Und durstig.«

»Jetzt gibst du an«, sagte Jane. »Du führst mir deine Körperfunktionen vor.«

»Ernährung«, sagte Ender. »Respiration. Ausscheidung. Wir können Dinge tun, die du nicht kannst.«

»Mit anderen Worten, ihr könnt nicht sehr gut denken, aber ihr könnt wenigstens essen und atmen und schwitzen.«

»Genau«, sagte Miro. Er holte das Brot und den Käse hervor, während Ender das kalte Wasser einschenkte, und sie aßen. Einfache Nahrung, aber sie schmeckte gut, und die beiden waren zufrieden.

Kapitel 14

Virenschöpfer

›Ich habe darüber nachgedacht, was die Reise zwischen den Sternen für uns bedeuten könnte.‹

›Abgesehen vom Überleben der Spezies?‹

›Wenn du deine Arbeiter ausschickst, siehst du selbst Lichtjahre entfernt noch durch ihre Augen, nicht wahr?‹

›Und schmecke durch ihre Fühler und fühle den Rhythmus jeder Vibration. Wenn sie essen, fühle ich, wie die Nahrung zwischen ihren Kiefern zermalmt wird. Deshalb spreche ich im Zusammenhang mit mir auch immer von wir, wenn ich meine Gedanken in eine Form umwandle, die ihr verstehen könnt, Andrew oder du, denn ich lebe mein Leben in der ständigen Gegenwart von allem, was sie sehen und schmecken und fühlen.‹

›Bei den Vaterbäumen ist es nicht ganz so. Wir müssen uns anstrengen, wollen wir das Leben eines anderen wahrnehmen. Aber wir können es. Zumindest hier auf Lusitania.‹

›Ich sehe nicht, warum die philotische Verbindung bei euch nicht funktionieren sollte.‹

›Dann werde auch ich alles fühlen, was sie fühlen, und das Licht einer anderen Sonne auf meinen Blättern schmecken und die Geschichten einer anderen Welt hören. Es wird wie die Verwirrung sein, die entstand, als die Menschen hier eintrafen. Wir hätten niemals geglaubt, etwas könnte anders sein als die Welt, wie wir sie bis dahin gesehen haben. Doch sie brachten seltsame Geschöpfe mit, und sie waren selbst seltsam, und sie hatten Maschinen, die Wunder vollbrachten. Die anderen Wälder konnten kaum glauben, was unsere Vaterbäume ihnen damals berichteten. Ich erinnere mich sogar, daß unsere Vaterbäume kaum glauben konnten, was die Brüder des Stammes ihnen über die Menschen erzählten. Wühler trug die schwerste Last, überzeugte sie, daß es keine Lüge, Wahnsinn oder ein Scherz war.‹