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Eine Königin schlüpfte aus. Sie hatte ihm das schon einmal gezeigt, in einer sorgfältig geplanten Vision, als er ihr das erste Mal begegnet war und sie versuchte, ihm etwas zu erklären. Nun jedoch handelte es sich nicht um eine geordnete, sorgfältig orchestrierte Präsentation. Die Klarheit war verschwunden. Das Bild wirkte verschwommen, verzerrt, echt. Es war eine Erinnerung, keine Kunst.

›Du siehst, daß wir den Königinkörper haben. Wir wissen, daß sie eine Königin ist, weil sie schon als Larve nach den Arbeitern greift.‹

»Also kannst du mit ihr sprechen?«

›Sie ist sehr dumm. Wie ein Arbeiter.‹

»Sie entwickelt ihre Intelligenz erst, wenn sie sich im Kokon befindet?«

›Nein. Sie hat ihre Intelligenz – wie dein Gehirn. Das Erinnerungsdenken. Es ist nur leer.‹

»Also mußt du sie lehren.«

›Was hätte es für einen Zweck, sie zu unterweisen? Der Denker ist nicht da. Das Wesentliche. Der Verknüpfer.‹

»Ich weiß nicht, was du meinst.«

›Dann schaue und versuche zu sehen und zu denken. Das wird nicht mit den Augen gemacht.‹

»Dann höre auf, mir etwas zu zeigen, wenn es von anderen Sinnen abhängt. Die Augen sind für die Menschen zu wichtig; was ich sehe, überlagert alles bis auf klare Sprachen, und bei der Schaffung einer Königin wird wohl nicht gesprochen.«

›Wie ist es damit?

»Ich sehe noch immer etwas.«

›Dein Gehirn verwandelt es in Bilder.‹

»Dann erkläre es. Hilf mir, es zu verstehen.«

›So fühlen wir einander. Wir finden den ausgreifenden Ort im Königinkörper. Alle Arbeiter haben es auch, doch es greift nur nach der Königin, und wenn es sie findet, ist das Greifen vorbei. Die Königin hört niemals auf zu greifen. Zu rufen.‹

»Und dann findest du sie?«

›Wir wissen, wo sie ist. Der Königinkörper. Der Arbeiterrufer. Der Erinnerungshalter.‹

»Wonach sucht ihr dann?«

›Nach dem Uns-Ding. Dem Verbinder. Dem Bedeutungs-Macher.‹

»Du meinst, da ist noch etwas? Außer dem Körper der Königin?«

›Ja, natürlich. Die Königin ist nicht nur ein Körper wie die Arbeiter. Hast du das nicht gewußt?‹

»Nein, ich habe es nie gesehen.«

›Du kannst es nicht sehen. Nicht mit Augen.‹

»Ich habe nicht gewußt, daß ich nach etwas anderem suchen muß. Ich sah, wie eine Königin entsteht, als du es mir vor vielen Jahren gezeigt hast. Ich dachte, ich hätte es verstanden.«

›Auch wir dachten, du hättest verstanden.‹

»Wenn die Königin also nur ein Körper ist, wer bist du dann?«

›Wir sind die Schwarmkönigin. Und alle Arbeiter. Wir kommen und machen eine Person aus allem. Der Königinkörper gehorcht uns wie die Arbeiterkörper. Wir halten sie alle zusammen, schützen sie, lassen sie perfekt arbeiten, wie jeder gebraucht wird. Wir sind der Mittelpunkt. Jeder von uns.‹

»Aber du hast immer gesprochen, als wärest du die Schwarmkönigin.«

›Wir sind es auch. Auch alle Arbeiter. Wir sind alle zusammen.‹

»Aber dieses Ding im Mittelpunkt, das alles verbindet…«

›Wir rufen es, damit es kommt und den Königinkörper übernimmt, damit sie klug sein kann, unsere Schwester.‹

»Du rußt es. Was ist es?«

›Das Ding, das wir rufen.‹

»Ja, aber was ist es?«

›Was fragst du? Es ist das Ding, das gerufen wird. Wir rufen es.‹

Ein Großteil von dem, was die Schwarmkönigin tat, geschah rein instinktiv. Sie hatte keine Sprache und daher nie klare Erklärungen für etwas entwickeln müssen, das bis heute nie erklärt zu werden brauchte. Also mußte er ihr helfen, eine Möglichkeit zu finden, klar zu beschreiben, was er nicht direkt wahrnehmen konnte.

»Wo findet ihr es?«

›Es hört unsere Rufe und kommt.‹

»Doch wie rufst du?«

›Wie du uns gerufen hast. Wir stellen uns vor, was es werden muß. Die Muster des Schwarms. Die Königin und die Arbeiter und das Zusammenbinden. Dann kommt jemand, der das Muster versteht und halten kann. Wir geben ihm den Königinkörper.‹

»Also ruft ihr, damit ein anderes Geschöpft kommt und Besitz von der Königin ergreift.«

›Damit es Königin und Schwarm und alles wird. Damit es das Muster zusammenhält, das wir uns vorgestellt haben.‹

»Und woher kommt es?«

›Von dem Ort, an dem es war, als es uns rufen hörte.‹

»Aber wo ist das?«

›Nicht hier.‹

»Schön, ich glaube dir. Aber woher kommt es?«

›Ich kann mir den Ort nicht denken.‹

»Du hast es vergessen?«

›Wir meinen, daß wir uns den Ort, wo es ist, nicht denken können. Wenn wir uns den Ort denken könnten, hätten sie schon selbst daran gedacht, und keiner von ihnen müßte das Muster nehmen, das wir zeigen.‹

»Was hat es mit diesem Verbinden auf sich?«

›Können es nicht sehen. Können es nicht kennen, bis es das Muster findet, und dann, wenn es da ist, ist es wie wir.‹

Ender erschauderte unwillkürlich. Die ganze Zeit über hatte er geglaubt, daß er mit der Schwarmkönigin selbst sprach. Nun begriff er, daß das Ding, das mit seinem Geist sprach, nur diesen Körper benutzte, wie es die Krabbler benutzte. Symbiose. Ein beherrschender Parasit, der Besitz vom gesamten System der Schwarmkönigin ergriffen hatte und es benutzte.

›Nein. Was du denkst, ist schrecklich und häßlich. Wir sind kein anderes Ding. Wir sind dieses Ding. Wir sind die Schwarmkönigin, genau wie du der Körper bist. Du sagst mein Körper, und doch bist du der Körper, aber du bist auch der Besitzer des Körpers. Die Schwarmkönigin ist wir selbst, dieser Körper bin ich, nicht etwas anderes darin. Ich war nichts, bis ich die Vorstellung fand.‹

»Das verstehe ich nicht. Wie war es?«

›Wie kann ich mich daran erinnern? Ich hatte kein Gedächtnis, bis ich der Vorstellung folgte und an diesen Ort kam und die Schwarmkönigin wurde.‹

»Woher weißt du dann, daß du nicht einfach die Schwarmkönigin bist?«

›Weil sie mir die Erinnerungen gegeben haben, nachdem ich kam. Ich sah den Königinkörper, bevor ich kam, und dann sah ich den Königinkörper, nachdem ich darin war. Ich war stark genug, um das Muster in meinem Geist zu halten, und so konnte ich den Körper in Besitz nehmen. Ihn werden. Es dauerte viele Tage, doch dann waren wir ein Ganzes, und sie konnten uns die Erinnerungen geben, weil ich das ganze Gedächtnis hatte.‹

Das Bild, das die Schwarmkönigin ihm zeigte, verblich. Es half ihm sowieso nicht, zumindest nicht auf eine Art und Weise, die er erfassen konnte. Trotzdem bekam Ender jetzt eine geistige Vorstellung, die aus seinem eigenen Geist wuchs, um alles zu erklären, was sie gesagt hatte. Die anderen Schwarmköniginnen waren zumeist nicht körperlich gegenwärtig, sondern philotisch mit der einen Königin verbunden, die existieren mußte. Sie hielten das Muster der Beziehung zwischen Schwarmkönigin und Arbeitern in ihrem Geist, bis eins dieser geheimnisvollen, gedächtnislosen Geschöpfe das Muster in seinen Geist aufnehmen und damit Besitz davon ergreifen konnte.