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Han Fei-tzu lachte. »Ich bin der einzige auf diesem Planeten, der sich solch ein Bakterium wünscht. Die Gottberührten haben kein Mitleid mit sich selbst. Ihr Leid erfüllt sie mit Stolz. Es gibt ihnen Ehre und Macht.«

»Dann will ich Ihnen sagen, was wir noch gefunden haben. Einer meiner Assistenten, ein Pequenino namens Glas, hat es herausgefunden – ich gestehe ein, daß ich diesem Projekt keine große Aufmerksamkeit widmete, da es mir im Vergleich mit dem Descolada-Problem, an dem wir arbeiten, relativ einfach vorkam.«

»Entschuldigen Sie sich nicht«, sagte Fei-tzu. »Wir sind für jede Freundlichkeit dankbar. Und sie ist unverdient.«

»Ja.« Sie schien durch seine Höflichkeit verwirrt. »Jedenfalls hat Glas herausgefunden, daß sich alle bis auf eine der genetischen Proben, die Sie uns geschickt haben, sauber in die Kategorien gottberührt und nicht-gottberührt aufteilen lassen. Wir führten den Test blind durch und verglichen die Ergebnisse erst später mit der Namensliste, die Sie uns gegeben haben. Die Übereinstimmung war perfekt. Jeder Gottberührte hat das veränderte Gen. Keiner, bei dem das Gen nicht auftrat, steht auf Ihrer Liste der Gottberührten.«

»Bis auf eine Ausnahme, haben Sie gesagt.«

»Das hat uns verblüfft. Glas geht sehr methodisch vor – er hat die Geduld eines Baums. Er war überzeugt, daß es sich bei dieser Ausnahme um einen Schreibfehler oder einen Fehler bei der Auswertung der Daten handelte. Er überprüfte die Sache mehrmals und ließ sie auch von anderen Assistenten überprüfen. Es besteht kein Zweifel. Bei dieser einen Ausnahme handelt es sich eindeutig um eine Mutation des Gottberührten-Gens. Dort fehlt das UZV auf natürliche Art und Weise, während alle anderen Eigenschaften, die die Genetiker des Kongresses so sorgfältig eingegeben haben, erhalten geblieben sind.«

»Also ist diese Person schon das, was Ihr Spleißbakterium schaffen soll.«

»Es gibt noch ein paar weitere mutierte Regionen, bei denen wir uns im Augenblick noch nicht ganz sicher sind, aber sie haben nichts mit dem UZV oder den Verbesserungen zu tun. Und sie berühren auch keinerlei lebenswichtige Prozesse, so daß diese Person gesunden Nachwuchs bekommen wird, der diese Verbesserungen weitervererben kann. Falls diese Person sich mit einer paart, die mit dem Spleißerbakterium behandelt wurde, werden sämtliche Kinder mit fast hundertprozentiger Sicherheit über die Verbesserungen verfügen, und es besteht keine Gefahr, daß eins davon am UZV leidet.«

»Dann kann er sich glücklich schätzen«, sagte Han Fei-tzu.

»Wer ist es?« fragte Wang-mu.

»Du«, erwiderte Ela. »Si Wang-mu.«

»Ich?« Sie schien fassungslos.

Aber Han Fei-tzu war nicht verblüfft. »Ha!« rief er. »Ich hätte es wissen müssen! Ich hätte darauf kommen müssen! Kein Wunder, daß du so schnell gelernt hast wie früher meine Tochter. Kein Wunder, daß du Einsichten hattest, die uns weitergeholfen haben, obwohl du kaum verstanden hast, um welches Thema es ging. Du bist auch eine Gottberührte, Wang-mu – aber du allein bist frei von den Ketten des Säuberungsrituals.«

Si Wang-mu kämpfte um eine Antwort, doch statt Worten kamen Tränen. Sie weinte stumm.

»Nie wieder werde ich dir erlauben, mich wie einen Höherstehenden zu behandeln«, sagte Han Fei-tzu. »Von nun an bist du keine Dienerin in meinem Haus, sondern meine Schülerin, meine junge Kollegin. Sollen die anderen von dir denken, was sie wollen. Wir wissen, daß du so fähig wie alle anderen bist.«

»Wie Herrin Qing-jao?« flüsterte Wang-mu.

»Wie jeder andere auch«, sagte Fei-tzu. »Die Höflichkeit wird von dir verlangen, dich vor vielen zu verbeugen. Doch im Herzen mußt du dich vor niemandem verbeugen.«

»Ich bin unwürdig«, sagte Wang-mu.

»Jeder ist seiner eigenen Gene würdig. Bei so einer Mutation bestand eine hohe Chance, daß sie dich geschädigt zurückläßt. Doch statt dessen hat sie dich zum gesündesten Menschen auf der ganzen Welt gemacht.«

Aber sie hörte nicht auf, still vor sich hinzuweinen.

Jane mußte es Ela gezeigt haben, denn sie schwieg eine Weile. Schließlich ergriff sie jedoch das Wort. »Verzeihung, aber ich habe viel zu tun«, sagte sie.

»Ja«, sagte Han Fei-tzu. »Sie dürfen gehen.«

»Sie verstehen mich falsch«, sagte Ela. »Ich brauche nicht Ihre Erlaubnis, um zu gehen. Ich habe noch einiges zu sagen, bevor ich gehe.«

Han Fei-tzu verbeugte sich. »Bitte. Wir hören.«

»Ja«, flüsterte Wang-mu. »Ich höre auch.«

»Es gibt eine entfernte Möglichkeit, daß wir, falls wir den Descolada-Virus dekodieren und zähmen können, auch eine Variante herstellen können, die auf Weg nützlich sein könnte.«

»Warum sollten wir diesen schrecklichen künstlichen Virus hier auf Weg haben wollen?« fragte Han Fei-tzu.

»Die Descolada dringt in die Zellen eines Wirtkörpers ein, liest den genetischen Kode und reorganisiert ihn entsprechend ihrer eigenen Programmierung. Wenn wir die Descolada verändern – falls wir das können –, werden wir diese Programmierung entfernen. Wir werden auch die meisten Selbstverteidigungsmechanismen entfernen, falls wir sie finden. Dann könnte es möglich sein, sie als Super-Spleißer zu benutzen, die nicht nur die Fortpflanzungszellen, sondern alle Zellen eines Lebewesens beeinflussen.«

»Verzeihung«, sagte Han Fei-tzu, »aber ich habe kürzlich über dieses Thema nachgelesen, und die Vorstellung eines Super-Spleißers wurde zurückgewiesen, da der Körper seine eigenen Zellen abstößt, nachdem sie genetisch verändert wurden.«

»Ja«, sagte Ela. »So tötet die Descolada. Der Körper selbst stößt sich bis zum Tode ab. Aber dazu kann es nur kommen, da die Descolada nicht auf den Umgang mit Menschen programmiert wurde. Sie traf zufällig auf den menschlichen Körper, studierte ihn, nahm willkürliche Veränderungen vor und wartete ab, was passierte. Sie hatte keine Programmierung für uns, und so endete ein jedes Opfer mit vielen verschiedenen genetischen Codes in seinen Zellen. Aber was passiert, wenn wir einen Super-Spleißer schaffen, der nach einer Programmierung vorgeht und jede Körperzelle entsprechend einem einzigen neuen Muster verwandelt? Unsere Studien der Descolada lassen schließen, daß in so einem Fall die Veränderung in jedem Individuum in etwa sechs Stunden herbeigeführt werden kann – höchstens in einem halben Tag.«

»So schnell, daß der Körper sich nicht mehr selbst abstoßen kann…«

»Er wird eine so perfekte Einheit darstellen, daß er das neue Muster als sich selbst erkennt.«

Wang-mu hatte aufgehört zu weinen. Sie schien jetzt genauso aufgeregt wie Fei-tzu auch, und trotz all ihrer Selbstdisziplin konnte sie es nicht verbergen. »Ihr könnt alle Gottberührten verändern? Sogar die befreien, die jetzt schon leben?«

»Falls wir imstande sind, die Descolada zu dekodieren, könnten wir nicht nur bei den Gottberührten das UZV entfernen, wir könnten auch bei den normalen Menschen alle Verbesserungen installieren. Es wäre bei den Kindern natürlich am wirksamsten – ältere Menschen haben die Wachstumsstadien schon hinter sich, in denen die neuen Gene die größten Auswirkungen hätten. Doch von dieser Zeit an würde jedes Kind, das auf Weg geboren wird, über diese Verbesserungen verfügen.«

»Und was dann? Würde die Descolada wieder verschwinden?«