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»Ich bin mir nicht sicher. Ich glaube, wir müßten in das neue Gen eine Methode einbauen, die bewirkt, daß es sich selbst vernichtet, sobald die Arbeit getan ist. Doch wir müßten Wang-mus Gene als Modell benutzen. Kurz gesagt, Wang-mu, du würdest gewissermaßen ein genetisches Elternteil der gesamten Bevölkerung deiner Welt werden.«

Sie lachte. »Was würden wir ihnen damit für einen schönen Streich spielen! Sie sind so stolz darauf, Auserwählte zu sein, und doch wird ihre Heilung von einer wie mir kommen!« Doch augenblicklich klaffte ihr Mund auf, und sie schlug die Hände vors Gesicht. »Wie konnte ich so etwas nur sagen. Ich bin so hochmütig und arrogant wie die Schlimmsten von ihnen geworden.«

Fei-tzu legte die Hand auf ihre Schulter. »Sei nicht so hart zu dir. Solche Gefühle sind ganz natürlich. Sie kommen und gehen schnell. Nur diejenigen, die eine Lebensart aus ihnen machen, sind dafür zu verdammen.« Er wandte sich wieder an Ela. »Es gibt gewisse ethische Probleme.«

»Ich weiß. Und ich meine, wir sollten jetzt auf diese Probleme zu sprechen kommen, obwohl es uns vielleicht niemals möglich sein wird, diese Manipulation durchzuführen. Wir sprechen von der genetischen Veränderung einer ganzen Planetenbevölkerung. Es war eine Ungeheuerlichkeit, als der Kongreß es ohne Wissen oder Zustimmung der Bevölkerung tat. Können wir diese Ungeheuerlichkeit aufheben, indem wir uns derselben Methode bedienen?«

»Mehr als das«, sagte Han Fei-tzu. »Unser gesamtes soziales System hier beruht auf den Gottberührten. Die meisten Menschen werden solch eine Verwandlung als Plage der Götter interpretieren, die uns bestrafen wollen. Wenn bekannt würde, daß wir dafür verantwortlich sind, würde man uns töten. Doch wäre auch noch etwas anderes möglich. Wenn bekannt wird, daß die Gottberührten die Stimme der Götter verloren haben, könnte sich das Volk gegen sie wenden und sie töten. Wenn sie tot sind, haben wir ihnen nicht damit geholfen, indem wir sie vom UZV befreit haben.«

»Wir haben darüber gesprochen«, sagte Ela. »Und wir haben nicht die geringste Ahnung, wie das richtige Vorgehen aussieht. Im Augenblick ist die Frage noch nicht von Belang, denn wir haben die Descolada noch nicht dekodiert, und vielleicht wird es uns nie gelingen. Doch sollten wir einmal dazu imstande sein, möchten wir euch die Wahl überlassen, ob und wie ihr die Methode einsetzen wollt.«

»Dem Volk von Weg?«

»Nein«, sagte Ela. »Die erste Wahl obliegt euch, Han Fei-tzu, Si Wang-mu und Han Qing-jao. Nur ihr wißt, was euch angetan wurde, und selbst wenn Ihre Tochter es nicht glauben will, repräsentiert sie die Auffassung der Gläubigen und der Gottberührten von Weg. Sollten wir einmal dazu imstande sein, müßt ihr diese Frage stellen. Und euch selbst. Gibt es eine Möglichkeit, diese Verwandlung nach Weg zu bringen, die nicht destruktiv wäre? Und falls es möglich ist, sollte man es auch tun? Nein – sagt jetzt nichts, entscheidet nichts. Denkt darüber nach. Wir gehören nicht dazu. Wir werden euch nur informieren, ob es möglich ist, sobald – und falls – wir es herausgefunden haben. Von da an hängt es von euch ab.«

Elas Gesicht verschwand.

Jane blieb noch einen Augenblick länger. »War es das wert, euch geweckt zu haben?« fragte sie.

»Ja!« rief Wang-mu.

»Schön, wenn man herausfindet, daß man in Wirklichkeit viel mehr ist, als man jemals für möglich gehalten hat, nicht wahr?«

»O ja«, sagte Wang-mu.

»Dann leg dich wieder schlafen, Wang-mu. Und du, Meister Han – deine Erschöpfung zeigt sich sehr deutlich. Du bist nutzlos für uns, wenn du deine Gesundheit verlierst. Wie Andrew es mir immer und immer wieder gesagt hat – wir müssen alles tun, was in unseren Kräften steht, ohne unsere Fähigkeit zu zerstören, es auch weiterhin zu tun.«

Dann war auch sie fort.

Wang-mu begann augenblicklich wieder zu weinen. Han Fei-tzu glitt zu ihr hinüber, setzte sich neben ihr zu Boden, drückte ihren Kopf gegen seine Schulter und schaukelte sie sanft hin und her. »Still, meine Tochter, meine Süße, in deinem Herzen wußtest du schon immer, wer du bist, und ich auch. Man hat dir deinen Namen fürwahr mit Weisheit gegeben. Wenn sie auf Lusitania ihre Wunder vollbringen, wirst du die Königliche Mutter der ganzen Welt sein.«

»Meister Han«, flüsterte sie. »Ich weine auch um Qing-jao. Ich habe mehr bekommen, als ich je erhofft habe. Aber wer wird sie sein, wenn man ihr die Stimme der Götter nimmt?«

»Ich hoffe«, sagte Fei-tzu, »daß sie dann wieder meine wahre Tochter sein wird. Dann wird sie so frei sein wie du, die Tochter, die zu mir gekommen ist wie ein Blumenblatt auf dem Winterfluß, aus dem Land des ewigen Frühlings zu mir getragen.«

Er hielt sie noch viele Minuten lang, bis sie an seiner Schulter einschlief. Dann legte er sie wieder auf ihre Matte und zog sich in seine eigene Ecke zurück, zum ersten Mal seit vielen Tagen mit Hoffnung im Herzen.

Als Valentine zum Gefängnis ging, um Grego zu besuchen, sagte Bürgermeister Kovano ihr, daß Olhado bei ihm war. »Hat Olhado denn keine Schicht?«

»Das meinen Sie doch nicht ernst«, sagte Kovano. »Er ist ein guter Schichtleiter in der Ziegelei, doch die Rettung der Welt dürfte schon wert sein, daß ein anderer ihn einen Nachmittag lang vertritt.«

»Schrauben Sie Ihre Erwartungen nicht zu hoch«, sagte Valentine. »Ich wollte, daß er sich beteiligt. Ich hoffe, daß er uns helfen kann. Aber er ist kein Physiker.«

Kovano hob die Schultern. »Ich bin auch kein Kerkermeister, handle aber, wie die Situation es verlangt. Ich habe keine Ahnung, ob es damit zu tun hat, daß Olhado bei ihm ist oder Ender vor kurzem bei ihm war, aber ich habe noch nie lautere Stimmen und größere Aufregung in der Zelle vernommen – jedenfalls nicht, wenn die Insassen nüchtern waren. Natürlich werden in dieser Stadt die meisten Menschen wegen Trunkenheit eingesperrt.«

»Ender war hier?«

»Direkt nach seinem Besuch bei der Schwarmkönigin. Er möchte mit Ihnen sprechen. Er wußte nicht, wo Sie waren.«

»Na schön, ich gehe zu ihm, wenn ich hier fertig bin.« Sie war bei ihrem Mann gewesen. Jakt schickte sich an, mit dem Shuttle ins All zurückzukehren, sein eigenes Schiff für einen schnellen Aufbruch vorzubereiten und festzustellen, ob das ursprüngliche Kolonieschiff Lusitanias nach so vielen Jahrzehnten ohne Wartung des Sternenantriebs für einen weiteren Flug wiederhergestellt werden konnte. Es war lediglich zur Unterbringung von Samen, Genen und Embryos erdgeborener Spezies benutzt worden. Jakt würde mindestens eine Woche lang fort sein, vielleicht sogar länger, und Valentine konnte ihn schlecht gehen lassen, ohne vorher etwas Zeit mit ihm zu verbringen. Er wußte natürlich, unter welch schrecklichem Druck alle standen, und hätte Verständnis gehabt – doch Valentine wußte auch, daß sie keine der Schlüsselfiguren dieser Ereignisse war. Sie würde erst später nützlich sein, wenn sie alles niederschrieb.

Doch nachdem sie Jakt verlassen hatte, war sie nicht direkt zum Büro des Bürgermeisters gegangen, um Grego zu besuchen. Sie hatte einen Spaziergang durch die Stadt gemacht. Kaum vorstellbar, daß sich hier vor kurzer Zeit wütend und betrunken der Mob gebildet und in einen mörderischen Zorn gesteigert hatte. Jetzt war es so still hier. Sogar das Gras hatte sich erholt und wieder aufgerichtet, abgesehen von einem Schlammloch, wo es nicht mehr wachsen wollte.

Doch es war nicht friedlich hier. Ganz im Gegenteil. Als Valentine hier eingetroffen und die Stadt wirklich friedlich gewesen war, hatte es hier im Herzen der Kolonie den ganzen Tag über vor Leben und Geschäftigkeit geradezu gesummt. Nun waren nur ein paar Menschen unterwegs, doch sie wirkten verdrossen, fast wie Flüchtlinge. Sie hielten die Köpfe gesenkt und richteten die Blicke auf den Boden vor ihren Füßen, als habe jeder Angst, auf die Nase zu fallen, wenn er nicht aufpaßte, wohin er ging.