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Doch Pflanzers Tod führte nicht zu einer Pause bei den Vorbereitungen der Kolonisation anderer Welten durch die Pequeninos. Kriegmachers Fraktion hatte jetzt die Mehrheit, und als sich Gerüchte verbreiteten, die Menschen hätten ein Bakterium, das die Descolada töten konnte, setzten sie ihre Bestrebungen noch dringlicher fort. Schnell, sagten sie immer wieder zu der Schwarmkönigin. Schnell, damit wir uns von dieser Welt befreien können, bevor sich die Menschen entschließen, uns alle zu töten.

»Ich glaube, ich kann es schaffen«, sagte Jane. »Wenn das Schiff klein und einfach ist, eine Fracht so gut wie nicht vorhanden und die Besatzung so gering wie möglich, kann ich das Muster in meinem Geist halten. Wenn die Reise kurz und der Aufenthalt im Außen-Raum sehr kurz ist. Was den Start- und Zielpunkt betrifft, ist es ein Kinderspiel. Ich müßte es auf den Millimeter genau hinbekommen und könnte es sogar im Schlaf. Also sind Vorrichtungen zur Beschleunigung oder komplizierte Lebenserhaltungssysteme überflüssig. Das Sternenschiff kann ganz einfach konstruiert sein. Eine abgeschottete Umgebung, Plätze, Licht, Wärme. Wenn ich alles zusammenhalten und uns dorthin und wieder zurück bringen kann, werden wir nicht einmal lange genug im All sein, um den Sauerstoffvorrat in dem kleinen Raum aufzubrauchen.«

Sie hatten sich alle im Büro des Bischofs versammelt, um mit ihr zu sprechen – die gesamte Familie Ribeira, Jakts und Valentines Familie, die Pequeninoforscher, mehrere Priester und Filhos und vielleicht ein Dutzend anderer Anführer der Menschenkolonie. Der Bischof hatte darauf bestanden, das Treffen in seinem Büro abzuhalten. »Weil es groß genug ist«, hatte er gesagt, »und weil ich dabei sein möchte, um Gott zu bitten, gnädig mit euch zu verfahren, wenn ihr wie Nimrod ausziehen und vor dem Herren jagen, wenn ihr ein Raumschiff in den Himmel schicken wollt, das wie einst Babel das Gesicht Gottes suchen soll.«

»Wieviel Kapazität bleibt dir dann noch?« fragte Ender.

»Nicht mehr viel«, antwortete Jane. »Während des Versuchs wird sowieso schon jeder Computer auf den Hundert Welten nur noch quälend langsam arbeiten können. Ich muß ihre Speicher benutzen, um das Muster aufnehmen zu können.«

»Ich frage, weil wir ein Experiment durchführen wollen, während wir dort draußen sind.«

»Rede nicht darum herum, Ender«, sagte Ela. »Wir wollen ein Wunder durchführen, während wir dort sind. Wenn wir überhaupt ins Außen gelangen, heißt das, daß Grego und Olhado wahrscheinlich richtig vermutet haben, wie es dort aussieht. Und das heißt, daß dort andere Regeln gelten. Man kann Dinge erschaffen, indem man sich einfach ihr Muster vorstellt. Deshalb will ich mitfliegen. Es besteht die Chance, daß ich, wenn ich das Muster der Recolada im Sinn habe, sie dort tatsächlich erschaffen kann. Ich könnte einen Virus zurückbringen, den ich im Realraum nicht konstruieren kann. Kannst du mich mitnehmen? Kannst du lange genug dort bleiben, daß ich den Virus erschaffen kann?«

»Wie lange ist das?« fragte Jane.

»Es müßte praktisch ohne Zeitverlust gehen«, sagte Grego. »In dem Augenblick, in dem wir dort eintreffen, müßten alle voll ausgebildeten Muster, die wir im Kopf haben, in einem Zeitraum geschaffen werden, der zu kurz ist, als daß Menschen ihn messen könnten. Aber es wird dauern, den Virus zu analysieren, um festzustellen, ob es auch der ist, den sie haben will. Vielleicht fünf Minuten.«

»Ja«, sagte Jane. »Wenn ich es überhaupt schaffe, schaffe ich es auch fünf Minuten lang.«

»Der Rest der Crew«, sagte Ender.

»Der Rest der Crew wird aus dir und Miro bestehen«, erwiderte Jane. »Und aus niemandem sonst.«

Grego protestierte am lautesten, aber er war nicht der einzige.

»Ich bin Pilot«, sagte Jakt.

»Ich bin der einzige Pilot dieses Schiffes«, sagte Jane.

»Olhado und ich sind auf die Idee gekommen«, sagte Grego.

»Ender und Miro werden mitfliegen, weil es ohne sie nicht geht. Ich existiere in Ender – er nimmt mich mit, wohin er auch geht. Miro hingegen steht mir mittlerweile so nahe, daß er womöglich Teil des Musters ist, das ich bin. Ich will ihn dabeihaben, weil ich ohne ihn vielleicht nicht vollständig bin. Sonst kann niemand mitkommen. Ich kann niemanden mehr in das Muster aufnehmen. Ela ist die einzige Ausnahme.«

»Dann ist das die Mannschaft«, sagte Ender.

»Ohne Diskussion«, fügte Bürgermeister Kovano hinzu.

»Wird die Schwarmkönigin das Schiff bauen?« fragte Jane.

»Ja«, sagte Ender.

»Dann möchte auch ich um einen Gefallen bitten. Ela, kannst du dir auch das Muster für einen weiteren Virus einprägen, wenn ich dir diese fünf Minuten gebe?«

»Den Virus für Weg?« fragte sie.

»Wir sind es ihnen für die Hilfe schuldig, die sie uns geleistet haben.«

»Ich glaube schon«, sagte sie. »Zumindest kann ich mir die Unterschiede zwischen diesem Virus und der normalen Descolada einprägen. Das ist sowieso alles, was ich mir merken kann – die Unterschiede.«

»Und wann wird das alles stattfinden?« fragte der Bürgermeister.

»Sobald die Schwarmkönigin das Schiff gebaut hat«, erwiderte Jane. »Uns bleiben nur noch achtundvierzig Tage, bis die Hundert Welten ihre Verkürzer ausschalten werden. Wir wissen mittlerweile, daß ich diesen Tag überleben werde, doch er wird mich verkrüppeln. Es wird eine Weile dauern, bis ich all meine verlorenen Erinnerungen zurückbekommen habe, wenn mir das überhaupt jemals möglich sein sollte. Und bis dahin kann ich mir unmöglich das Muster eines Schiffes einprägen, das ins Außen fliegen soll.«

»Die Schwarmkönigin kann ein so primitives Schiff lange vorher fertig haben«, sagte Ender. »Mit einem so kleinen Schiff besteht keine Chance, alle Menschen und Pequeninos vor der Ankunft der Flotte von Lusitania wegzubringen, einmal ganz davon abgesehen, daß das Ausschalten der Verkürzer verhindern wird, daß Jane das Schiff weiterhin fliegen kann. Aber es bleibt genug Zeit, um neue, Descolada-freie Pequenino-Gemeinschaften auf ein Dutzend Planeten zu bringen. Zeit genug, um ebenfalls die neuen, bereits für ihre ersten paar hundert Eier fruchtbar gemachten Schwarmköniginnen in ihren Kokons auf ein Dutzend Welten zu bringen. Falls es funktioniert, falls wir nicht nur Verrückte sind, die sich wünschen, fliegen zu können, werden wir mit Frieden für diese Welt zurückkehren, mit der Freiheit von der Gefahr der Descolada und sicherem Unterschlupf für die genetischen Erbanlagen der anderen Ramänner-Spezies auf diesem Planeten. Vor einer Woche sah es noch unmöglich aus. Jetzt haben wir Hoffnung.«

»Gracas a deus«, sagte der Bischof.

Quara lachte.

Alle sahen sie an.

»Es tut mir leid«, sagte sie. »Ich habe nur gedacht… ich habe vor ein paar Wochen ein Gebet gehört. Ein Gebet an Os Venerados, an Großvater Gusto und Großmutter Cida. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, die unmöglichen Probleme zu lösen, denen wir gegenüberstehen, sollten sie Gott bitten, uns den Weg zu zeigen.«

»Kein schlechtes Gebet«, sagte der Bischof. »Und vielleicht hat uns Gott den Wunsch gewährt.«

»Ich weiß«, sagte Quara. »Das habe ich auch gedacht. Und wenn diese Sache mit dem Außen-Raum und dem Innen-Raum vorher ganz einfach nicht real gewesen wäre? Wenn es nur wegen dieses Gebets Wirklichkeit wurde?«

»Was dann?« fragte der Bischof.

»Nun, meint ihr nicht auch, daß das ungeheuer komisch wäre?«

Anscheinend war niemand dieser Meinung.