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»Ele náo é como Jó, perfeito na coração.«

Nein, ich bin nicht so perfekt wie Hiob. Aber ich habe alles verloren, genau wie Hiob. Ein anderer Mann hat mit der Frau, die meine Frau sein sollte, Kinder gezeugt. Andere haben meine Verpflichtungen erfüllt. Und wo Hiob Mut hatte, habe ich diese schleichende Halblähmung – würde Hiob mit mir tauschen?

»Restabeleçe a ele como restabeleçeste a Jó. Em nome do Pai, é do Filho, é do Espírito Santo. Amem.« Lasse ihn auferstehen, wie du Hiob auferstehen ließest.

Miro fühlte, wie die Arme seines Bruders ihn freigaben, und als wären es jene Arme, nicht die Schwerkraft, die ihn auf der Brust seiner Bruders hielten, erhob sich Miro sofort und sah zu seinem Bruder hinab. Ein blauer Fleck wuchs auf Quims Wange. Seine Lippe blutete.

»Ich habe dich verletzt«, sagte Miro. »Es tut mir leid.«

»Ja«, sagte Quim. »Du hast mich verletzt. Und ich habe dich verletzt. Das ist hier ein beliebter Zeitvertreib. Hilf mir auf.«

Einen Augenblick lang vergaß Miro, daß er ein Krüppel war und kaum sein Gleichgewicht halten konnte. Diesen Augenblick lang hielt er seinem Bruder die Hand hin. Doch dann gab sein Gleichgewicht nach, und er schwankte und erinnerte sich wieder daran. »Ich kann es nicht«, sagte er.

»Ach, hör doch auf, mir zu sagen, daß du ein Krüppel bist, und gib mir deine Hand.«

Also spreizte Miro die Beine und bückte sich zu seinem Bruder hinab. Zu seinem jüngeren Bruder, der nun fast dreißig Jahre älter war als er. Miro streckte die Hand aus. Quim ergriff sie, und mit Miros Hilfe stand er auf. Die Anstrengung war erschöpfend für Miro; er hatte nicht die Kraft dazu, und Quim täuschte nichts vor; er verließ sich darauf, daß Miro ihm aufstehen half. Schließlich standen sie sich gegenüber, Schulter an Schulter, die Hände noch verschränkt.

»Du bist ein guter Priester«, sagte Miro.

»Ja«, sagte Quim. »Und wenn ich jemals einen Sparringspartner brauche, rufe ich dich an.«

»Wird Gott dein Gebet beantworten?«

»Natürlich. Gott beantwortet alle Gebete.«

Miro brauchte nur einen Augenblick, um zu begreifen, was Quim meinte. »Ich meine, wird er ja sagen?«

»Da bin ich mir niemals sicher. Erzähle es mir, wenn er zugestimmt hat.«

Quim ging humpelnd zu dem Baum. Er bückte sich und hob ein paar Sprechstöcke vom Boden auf.

»Worüber sprichst du mit Wühler?«

»Er hat mich benachrichtigt, ich müsse mit ihm sprechen. Es hat in einem weit entfernten Wald eine Art Ketzerei gegeben.«

»Du hast sie bekehrt, und dann drehen sie durch, was?« sagte Miro.

»Eigentlich nicht«, entgegnete Quim. »Das ist eine Gruppe, zu der ich nie gepredigt habe. Die Vaterbäume sprechen alle miteinander, so daß sich die Ideen des Christentums schon über die ganze Welt verbreitet haben. Wie üblich scheint sich die Ketzerei schneller als die Wahrheit zu verbreiten. Und Wühler fühlt sich schuldig, weil sie aufgrund einer seiner Spekulationen entstanden ist.«

»Das ist sicher eine ernste Sache für dich«, sagte Miro.

Quim zuckte zusammen. »Nicht nur für mich.«

»Es tut mir leid. Ich meinte, für die Kirche. Für Gläubige.«

»Es ist keineswegs so provinziell, Miro. Diese Pequeninos haben sich da eine wirklich interessante Ketzerei ausgedacht. Wühler spekulierte vor einiger Zeit, es ist noch gar nicht lange her, daß, wie Christus zu den Menschen kam, der Heilige Geist eines Tages zu den Pequeninos kommen könne. Es ist eine grobe Fehlinterpretation der Heiligen Dreieinigkeit, doch dieser eine Wald hat sie ziemlich ernst genommen.«

»Klingt für mich ziemlich provinziell.«

»Für mich auch, bis Wühler mir die Einzelheiten verriet. Verstehst du, sie sind überzeugt, daß der Descolada-Virus die Inkarnation des Heiligen Geistes ist. Es ergibt in einer sonderbaren Art und Weise Sinn – da sich der Heilige Geist immer anderswo befunden hat, in der gesamten Schöpfung Gottes, ist es nur angemessen, daß seine Inkarnation der Descolada-Virus ist, der auch in jeden Teil eines jeden Lebewesens eindringt.«

»Sie beten den Virus an?«

»Allerdings. Schließlich habt ihr Wissenschaftler doch herausgefunden, daß die Pequeninos als bewußte Rasse von dem Descolada-Virus geschaffen wurden. Also ist der Virus mit der Schöpfungskraft ausgestattet, und das bedeutet, daß er göttlicher Herkunft ist.«

»Ich glaube, es gibt genauso viele wortwörtliche Beweise dafür wie für die Inkarnation Gottes in Christus.«

»Nein, wesentlich mehr. Doch wenn das alles wäre, Miro, würde ich es als Kirchenangelegenheit betrachten. Kompliziert, schwierig, aber, wie du sagtest, eigentlich unbedeutend.«

»Es ist nicht alles?«

»Die Descolada ist die zweite Taufe. Die Feuertaufe. Nur die Pequeninos können diese Taufe überstehen, und sie trägt sie ins dritte Leben. Sie stehen Gott damit eindeutig näher als die Menschen, denen das dritte Leben verweigert wurde.«

»Die Mythologie der Überlegenheit. Damit mußten wir wohl rechnen«, sagte Miro. »Die meisten Gemeinschaften versuchen, unter dem unwiderstehlichen Druck einer dominanten Kultur zu überleben, indem sie einen Mythos entwickeln, der es ihnen erlaubt, sich als ein irgendwie besonderes Volk zu sehen. Auserwählt. Von den Göttern begünstigt. Zigeuner, Juden – jede Menge historische Beispiele.«

»Versuche es mal damit, Senhor Zenador. Da die Pequeninos vom Heiligen Geist erwählt wurden, ist es ihre Aufgabe, diese zweite Taufe unter jeder Sprache und jedem Volk zu verbreiten.«

»Die Descolada verbreiten?«

»Auf jede Welt. Sie treffen ein, die Descolada breitet sich aus, paßt sich an, tötet sie – und alle treten vor ihren Schöpfer.«

»Gott stehe uns bei.«

»Das hoffen wir.«

Dann stellte Miro eine Verbindung zu etwas her, das er erst am Vortag erfahren hatte. »Quim, die Krabbler bauen ein Schiff für die Pequeninos.«

»Ender hat es mir gesagt. Und als ich Vater Tagmacher darauf ansprach…«

»Er ist ein Pequenino?«

»Eins von Menschs Kindern. ›Natürlich‹, sagte er, als wisse das jeder. Vielleicht dachte er das auch – wenn die Pequeninos es wissen, ist es bekannt. Er hat mir auch erzählt, daß diese ketzerische Gruppe versucht, das Kommando über das Schiff zu bekommen.«

»Warum?«

»Natürlich, damit sie eine bewohnte Welt anfliegen können. Anstatt sich einen unbewohnten Planeten zu suchen, ihn zu terraformen und zu kolonisieren.«

»Der richtige Begriff wäre wohl eher Lusiforming.«

»Wie komisch.« Quim lachte jedoch nicht. »Vielleicht bekommen sie ihren Willen. Diese Vorstellung, die Pequeninos seien eine überlegene Rasse, ist populär, besonders bei den nicht christlichen Pequeninos. Die meisten von ihnen sind nicht sehr gebildet. Sie verstehen nicht, daß sie von Xenozid sprechen. Davon, die menschliche Rasse auszulöschen.«

»Wie können sie so einen kleinen Tatbestand einfach übersehen?«

»Weil die Ketzer die Tatsache betonen, Gott liebe die Menschen so sehr, daß er ihnen seinen einzigen geliebten Sohn geschickt habe. Du erinnerst dich an die Inschrift.«

»Wer an ihn glaubt, wird nicht untergehen.«

»Genau. Den Gläubigen wird das ewige Leben gewährt. Wie sie es sehen, das dritte Leben.«

»Also müssen die, die sterben, ungläubig sein.«

»Nicht alle Pequeninos drängen sich danach, sich als herumziehende Racheengel zu verdingen. Aber genug von ihnen, daß man sie aufhalten muß. Nicht nur um der Mutter Kirche willen.«