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»Seid still, Kinder, oder ihr werdet von diesem Treffen ausgeschlossen, während sich die Erwachsenen eine Meinung bilden.«

Grego funkelte Kovano an. »Sprechen Sie nicht so mit mir.«

»Ich spreche mit Ihnen, wie es mir paßt«, sagte Kovano. »Was mich betrifft, so haben Sie beide die gesetzliche Verpflichtung zur Geheimhaltung verletzt, und ich sollte Sie beide einsperren lassen.«

»Aufgrund welcher Anklage?«

»Wie Sie sich erinnern, habe ich Notstandsrechte. Ich brauche keine Anklage, bis der Notstand vorüber ist. Habe ich mich klar ausgedrückt?«

»Sie werden es nicht tun. Sie brauchen mich«, sagte Grego. »Ich bin der einzige vernünftige Physiker auf Lusitania.«

»Die Physik nutzt uns gar nichts, wenn wir in einen Konflikt mit den Pequeninos geraten.«

»Wir müssen es mit der Descolada aufnehmen«, sagte Grego.

»Wir verschwenden Zeit«, sagte Novinha.

Quim sah seine Mutter zum ersten Mal seit Beginn der Konferenz an. Sie wirkte sehr nervös, verängstigt. So hatte er sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen.

»Wir sind wegen dieser verrückten Mission Quims hier.«

»Vater Estevão«, sagte Bischof Peregrino. Er war immer darauf bedacht, daß den Trägern von Kirchenämtern mit der angemessenen Würde begegnet wurde.

»Er ist mein Sohn«, sagte Novinha. »Ich nenne ihn, wie es mir gefällt.«

»Was für eine empfindliche Gruppe haben wir doch heute hier«, sagte Bürgermeister Kovano.

Die Dinge verliefen sehr schlecht. Quim hatte seiner Mutter absichtlich keine Einzelheiten über seine Mission zu den Ketzern verraten, denn er war überzeugt, sie würde sich der Vorstellung widersetzen, daß er zu Schweinchen ging, die die Menschen offen fürchteten und haßten. Quim wußte genau, wieso sie solch einen Schrecken vor einem engen Kontakt mit den Schweinchen hatte. Als junges Kind hatte sie ihre Eltern an die Descolada verloren. Der Xenologe Pipo wurde ihr Ersatzvater – und dann der erste Mensch, der von den Schweinchen zu Tode gefoltert werden sollte. Danach hatte Novinha zwanzig Jahre damit verbracht zu verhindern, daß ihr Liebhaber, Libo – Pipos Sohn und der nächste Xenologe – dasselbe Schicksal erlitt. Sie hatte sogar einen anderen Mann geheiratet, damit Libo als ihr Ehemann nicht das Recht hatte, ihre privaten Computerdaten einzusehen, in denen sie das Geheimnis wähnte, das die Schweinchen dazu gebracht hatte, Pipo zu töten. Schließlich erwies sich alles als umsonst. Libo wurde genau wie Pipo getötet.

Obwohl Mutter mittlerweile den wahren Grund für seinen Tod erfahren hatte, obwohl die Pequeninos ernste Eide abgelegt hatten, nie mehr einen gewalttätigen Akt gegen einen anderen Menschen zu begehen, konnte Mutter ganz einfach nicht rational reagieren, wenn sich ihre geliebten Familienangehörigen unter die Schweinchen begaben. Und nun war sie – zweifellos auf ihr Beharren – zu einer Konferenz eingeladen worden, die darüber entscheiden sollte, ob Quim auf seine missionarische Reise gehen sollte. Es würde ein unerfreulicher Morgen werden. Mutter konnte auf Jahre der Übung zurückblicken, ihren Willen zu bekommen. Mit Andrew Wiggin verheiratet zu sein, hatte sie in vieler Hinsicht weicher und gelassener gemacht, doch wenn sie glaubte, eins ihrer Kinder begebe sich in Gefahr, zeigte sie die Klauen, und kein Ehemann würde einen besänftigenden Einfluß auf sie haben.

Warum hatten Bürgermeister Kovano und Bischof Peregrino diese Konferenz überhaupt gestattet?

Als habe er Quims unausgesprochene Frage gehört, setzte Bürgermeister Kovano zu einer Erklärung an. »Andrew Wiggin ist mit neuen Informationen zu mir gekommen. Mein erster Gedanke war, sie geheimzuhalten, Vater Estevão auf seine Mission zu den Ketzern zu schicken und Bischof Peregrino dann zu bitten, inbrünstig zu beten. Doch Andrew versicherte mir, daß die Gefahr immer größer werden wird und es daher um so wichtiger ist, daß Ihnen allen so viele Informationen wie möglich als Entscheidungshilfe für Ihr Verhalten zur Verfügung stehen. Sprecher für die Toten haben anscheinend ein fast pathologisches Vertrauen in die Idee, daß die Menschen sich besser benehmen, wenn sie mehr wissen. Ich bin schon zu lange Politiker, um seine Zuversicht zu teilen – aber er behauptet, älter zu sein als ich, und ich nehme Rücksicht auf seine Weisheit.«

Quim wußte natürlich, daß Kovano auf niemandes Weisheit Rücksicht nahm. Andrew Wiggins hatte ihn einfach überredet.

»Während die Beziehungen zwischen Pequeninos und Menschen… äh… problematischer werden und unsere unsichtbare Mitbewohnerin, die Schwarmkönigin, dem Start ihrer Sternenschiffe anscheinend immer näher kommt, hat es den Anschein, daß Dinge, die sich außerhalb unseres Planeten abspielen, auch immer dringlicher werden. Der Sprecher für die Toten hat von seinen außerplanetaren Quellen erfahren, daß auf einer Welt namens Weg jemand davorsteht, herauszufinden, wer unsere Verbündeten sind, die bislang verhindern konnten, daß der Kongreß der Flotte den Befehl geben kann, Lusitania zu vernichten.«

Quim stellte mit Interesse fest, daß Andrew dem Bürgermeister anscheinend nichts von Jane gesagt hatte. Bischof Peregrino wußte auch nichts von ihr; und Grego oder Quara? Und Ela? Mutter wußte mit Sicherheit davon. Warum hat Andrew es mir gesagt, während er es vor so vielen anderen zurückhielt?

»Es besteht eine sehr große Möglichkeit, daß der Kongreß in den nächsten Wochen – oder Tagen – die Kommunikation mit der Flotte wiederherstellen kann. Dann ist unsere letzte Verteidigung hinfällig. Nur ein Wunder wird uns vor der Vernichtung retten.«

»Unsinn«, sagte Grego. »Wenn dieses… Ding draußen in der Prärie ein Raumschiff für die Schweinchen bauen kann, kann es auch eins für uns bauen und uns von diesem Planeten wegschaffen, bevor er in die Luft gesprengt wird.«

»Vielleicht«, sagte Kovano. »Ich habe so etwas ähnliches vorgeschlagen, wenn auch in weniger farbigen Begriffen. Vielleicht können Sie, Senhor Wiggin, uns sagen, warum Gregos ausgeklügelter kleiner Plan nicht funktionieren wird.«

»Die Schwarmkönigin denkt nicht so wie wir. Obwohl sie sich alle Mühe gibt, nimmt sie das Leben von einzelnen Menschen nicht besonders ernst. Wenn Lusitania vernichtet wird, befinden sie und die Pequeninos sich in der größten Gefahr…«

»Der Chirurg jagt den ganzen Planeten in die Luft«, wandte Grego ein.

»… in der größten Gefahr, als Spezies ausgelöscht zu werden«, fuhr Wiggin fort, ohne sich von Gregos Unterbrechung stören zu lassen. »Sie wird kein Schiff dafür verschwenden, Menschen von Lusitania zu bringen, weil es Billionen von uns auf ein paar hundert Welten gibt. Uns droht kein Xenozid.«

»Wenn diese Ketzerschweinchen ihren Willen bekommen, doch«, sagte Grego.

»Und das ist ein anderer Punkt«, sagte Wiggin. »Wenn wir keine Möglichkeit finden, die Descolada zu neutralisieren, können wir nicht guten Gewissens die menschliche Bevölkerung Lusitanias auf eine andere Welt bringen. Wir würden dann genau das tun, was die Ketzer wollen – andere Menschen zu zwingen, sich mit der Descolada zu befassen, und sie wahrscheinlich zu töten.«

»Dann gibt es keine Lösung«, sagte Ela. »Dann können wir gleich alle viere von uns strecken und auf den Tod warten.«

»Nicht unbedingt«, sagte Bürgermeister Kovano. »Es ist möglich – eher wahrscheinlich –, daß die menschliche Bevölkerung des Planeten verloren ist. Doch wir können zumindest zu verhindern versuchen, daß die Kolonistenschiffe der Pequeninos die Descolada auf andere menschliche Welten tragen. Es scheint zwei Möglichkeiten zu geben – die biologische und die theologische.«

»Wir sind dem Ziel so nahe«, sagte Mutter. »In ein paar Monaten oder sogar Wochen werden Ela und ich einen Ersatz für die Descolada gefunden haben.«

»Das behaupten Sie«, sagte Kovano und wandte sich an Ela. »Und was sagen Sie

Quim hätte fast laut aufgestöhnt. Ela wird sagen, daß sich Mutter irrt, daß es keine biologische Lösung gibt, und dann wird Mutter sagen, daß sie mich umbringen will, indem sie mich auf diese Mission schickt. Das hat der Familie gerade noch gefehlt – Ela und Mutter in einem offenen Krieg. Dank des Menschenfreunds Kovano Zeljezo.