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Meister Han nickte, um die Möglichkeit einzugestehen.

»Das zweite Problem, an dem ich arbeite, ist noch komplizierter«, sagte Jane. »Ob wir nun eine überlichtschnelle Reise entwickeln oder nicht, einige Pequeninos werden Sternenschiffe haben und den Planeten Lusitania verlassen können. Das Problem ist, daß sie den heimtückischsten und schrecklichsten Virus in sich tragen, den wir jemals entdeckt haben, einen Virus, der jede Lebensform vernichtet, mit der er in Berührung kommt, abgesehen von den wenigen, die er in eine deformierte Art symbiotischen Lebens verwandeln kann, die völlig vom Vorhandensein dieser Viren abhängig ist.«

»Die Descolada«, sagte Meister Han. »Eine der Berechtigungen, daß die Flotte den Kleinen Doktor überhaupt mitführt.«

»Und vielleicht ist es tatsächlich eine Berechtigung. Vom Standpunkt der Schwarmkönigin aus ist es unmöglich, zwischen zwei verschiedenen Lebensformen zu wählen, doch wie Andrew mir oft klargemacht hat, haben die Menschen dieses Problem nicht. Wenn es auf die Wahl zwischen dem Überleben der Menschen oder der Pequeninos hinausläuft, würde er sich für die Menschheit entscheiden, und um seinetwillen würde ich mich genauso entscheiden.«

»Und ich auch«, sagte Meister Han.

»Wir können sicher sein, daß die Pequeninos genau umgekehrt empfinden«, sagte Jane. »Wenn nicht auf Lusitania, so wird es aber mit fast absoluter Sicherheit irgendwann zu einem schrecklichen Krieg kommen, in dem die Menschen das Molekular-Detachier-Gerät und die Pequeninos die Descolada als ultimate biologische Waffe einsetzen werden. Es besteht eine gute Chance, daß sich beide Spezies gegenseitig völlig vernichten. Daher muß ich dringend einen Ersatzvirus für die Descolada finden, der alle Funktionen wahrnimmt, die im Lebenszyklus der Pequeninos notwendig sind, aber nicht über seine tödliche Anpassungsfähigkeit verfügt. Eine selektiv ungefährliche Form des Virus.«

»Ich dachte, es gäbe Möglichkeiten, die Descolada zu neutralisieren. Nehmen die Bewohner Lusitanias nicht mit ihrem Trinkwasser gewisse Medikamente auf?«

»Die Descolada isoliert diese Medikamente immer wieder und paßt sich an sie an. Es ist ein unentwegtes Wettrennen. Irgendwann wird die Descolada eine Etappe gewinnen, und dann wird es keine Menschen mehr geben, gegen die sie das Rennen fortsetzen muß.«

»Soll das heißen, daß der Virus intelligent ist?« fragte Wang-mu.

»Eine Wissenschaftlerin auf Lusitania ist dieser Meinung«, erwiderte Jane. »Sie heißt Quara. Andere widersprechen ihr. Doch der Virus verhält sich mit Sicherheit, als sei er intelligent, zumindest wenn es darum geht, sich an Veränderungen der Umgebung anzupassen und andere Spezies seinen Bedürfnissen entsprechend umzuwandeln. Ich persönlich glaube, daß Quara recht hat. Ich glaube, daß die Descolada eine intelligente Spezies ist, die eine eigene Sprache hat und sie benutzt, um Informationen sehr schnell von einer Seite des Planeten auf die andere zu bringen.«

»Ich bin kein Virologe«, sagte Meister Han.

»Doch wenn du dir die Untersuchungen ansiehst, die Elanora Ribeira von Hesse durchgeführt hat…«

»Natürlich werde ich sie mir ansehen. Ich wünschte nur, ich hätte deine Hoffnung, helfen zu können.«

»Und dann das dritte Problem«, sagte Jane. »Vielleicht das einfachste von allen. Die Gottberührten von Weg.«

»Ja«, sagte Meister Han. »Die, die dich vernichten wollen.«

»Nicht aus freier Entscheidung«, sagte Jane. »Ich werfe euch nichts vor. Aber ich möchte das gern erledigt sehen, bevor ich sterbe. Ich möchte eine Möglichkeit finden, eure manipulierten Gene zu so verändern, daß zumindest zukünftige Generationen von diesem absichtlich herbeigeführten UZV frei sind, dabei aber nicht ihre außergewöhnliche Intelligenz verlieren.«

»Wo wirst du Genetiker finden, die bereit sind, eine Arbeit zu leisten, die der Kongreß mit Sicherheit als Verrat bezeichnen wird?«

»Wenn man möchte, daß jemand einen Verrat begeht«, sagte Jane, »sieht man sich am besten zuerst unter bekannten Verrätern um.«

»Lusitania«, sagte Wang-mu.

»Ja. Mit eurer Hilfe kann ich Elanora das Problem anvertrauen.«

»Arbeitet sie nicht an dem Descolada-Problem?«

»Niemand kann jeden wachen Augenblick an ein und derselben Sache arbeiten. Diese Abwechslung wird ihr vielleicht sogar helfen, sich inspirierter mit der Descolada zu befassen. Außerdem läßt sich euer Problem auf Weg wohl relativ leicht lösen. Schließlich wurden eure veränderten Gene ursprünglich von völlig normalen Genetikern geschaffen, die für den Kongreß arbeiteten. Es lagen nur politische, keine wissenschaftlichen Hindernisse vor. Ela dürfte keine größeren Schwierigkeiten haben. Sie hat mir bereits gesagt, wie wir anfangen müssen. Wir brauchen ein paar Gewebeproben. Ein Medizintechniker muß hier ein paar Computeranalysen auf Molekularebene durchführen. Ich kann sämtliche Maschinen so lange übernehmen, bis die Daten vorliegen, die Ela braucht, und sie ihr dann übermitteln. So einfach ist das.«

»Wessen Gewebe brauchst du?« fragte Meister Han. »Ich kann ja schlecht die Besucher hier bitte, mir Proben zur Verfügung zu stellen.«

»Eigentlich habe ich genau darauf gehofft«, sagte Jane. »Hier kommen und gehen so viele. Wir können auch totes Gewebe gebrauchen. Vielleicht sogar Stuhl- oder Urinproben, die Körperzellen enthalten.«

Meister Han nickte. »Das ist kein Problem.«

»Für die Stuhlproben werde ich sorgen«, sagte Wang-mu.

»Nein«, sagte Meister Han. »Ich bin mir nicht zu gut, jede notwendige Hilfe zu leisten, selbst mit bloßen Händen.«

»Ihr selbst?« fragte Wang-mu. »Ich habe mich freiwillig gemeldet, weil ich befürchtete, Ihr würdet andere Diener erniedrigen, indem Ihr ihnen diesen Auftrag gebt.«

»Ich werde nie wieder jemanden bitten, etwas so Niedriges und Entwürdigendes zu verrichten, daß ich mich weigern würde, es selbst zu tun.«

»Dann werden wir es gemeinsam tun«, sagte Wang-mu. »Bitte vergeßt nicht, Meister Han – Ihr werdet Jane helfen, indem Ihr Berichte lest und bewertet, während ich nur durch manuelle Arbeit helfen kann. Besteht nicht darauf, etwas zu tun, was auch ich tun kann. Nutzt diese Zeit statt dessen für etwas, das nur Ihr könnt.«

Jane unterbrach, bevor Meister Han antworten konnte. »Wang-mu, ich möchte, daß auch du die Berichte liest.«

»Ich? Aber ich bin überhaupt nicht gebildet.«

»Trotzdem«, sagte Jane.

»Ich werde sie nicht einmal verstehen.«

»Dann werde ich dir helfen«, sagte Meister Han.

»Das ist nicht rechtens«, sagte Wang-mu. »Ich bin nicht Qing-jao. Es wäre eine Aufgabe für sie, nicht für mich.«

»Ich habe dich und Qing-jao während des gesamten Prozesses beobachtet, der zu meiner Entdeckung führte«, sagte Jane. »Viele der wesentlichen Einsichten kamen von dir, Si Wang-mu, und nicht von Qing-jao.«

»Von mir? Ich habe nicht einmal versucht…«

»Du hast es nicht versucht. Du hast beobachtet. Du hast Schlüsse gezogen. Du hast Fragen gestellt.«

»Törichte Fragen«, sagte Wang-mu. Doch in ihrem Herzen war sie froh: Jemand hatte es gesehen!

»Fragen, die kein Experte jemals gestellt hätte«, erklärte Jane. »Doch es waren genau die Fragen, die Qing-jao zu ihren wichtigsten Erkenntnissen führten. Vielleicht sprechen die Götter nicht zu dir, Wang-mu, doch du hast deine eigenen Begabungen.«

»Ich werde lesen und Fragen stellen«, sagte Wang-mu, »doch ich werde auch Gewebeproben sammeln. Alle Gewebeproben, damit Meister Han nicht mit diesen gottberührten Besuchern sprechen und ihnen zuhören muß, wie sie ihn für eine schreckliche Sache loben, die er nicht getan hat.«

Meister Han war noch immer dagegen. »Ich weigere mich, dich…«