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Tabelle 1 – Ergebnisse der Amelogenin-Typisierung

SCHLÜSSEL:

Typen in Klammern () weisen geringere Intensität auf als Typen ohne Klammern.

– Keine eindeutigen Ergebnisse

** 0 Ergebnis, möglicherweise auf begrenzte Menge DNA zurückzuführen.

Frankie warf einen Blick auf Elis Gesicht und verdrehte die Augen. »Schnellkurs?«

»Ich bitte darum.«

»Okay. DNA für Anfänger – alles, was du hast, kommt entweder von deiner Mom oder von deinem Dad. Sie gibt dir ein Allel, und er gibt dir ein anderes. Das Ergebnis – ein Baby mit großen Füßen oder Grübchen oder Locken. Diese körperlichen Merkmale befinden sich auf deinem DNA-Strang, sie nützen aber bei kriminalistischen Ermittlungen wenig. Deshalb testen wir die DNA auf andere Merkmale hin – zum Beispiel vWA oder TH01. An diesen Genorten hat jeder Mensch einen Typus: eine Zahl von Mom und eine von Dad. Die DNA, die wir von Beweismitteln gewinnen – sogar richtig alten, schwierigen Beweismitteln wie die Sachen, die du mir geschickt hast –, engt den Kreis derjenigen ein, von denen die DNA stammen kann.« Sie strich die Ecken des Diagramms glatt, das sie Eli gegeben hatte. »Jede der Spalten hier mit der komischen Nummer oben drüber steht für eines dieser Merkmale. Für jedes Merkmal haben wir zwei Zahlen – die Allele –, die von beiden Eltern der Person stammen, die die DNA zurückgelassen hat. Klar?«

»So weit ja.«

»Schön. Bevor wir Beweismittel analysieren können, brauchen wir Kontrollproben – das heißt DNA-Profile, mit denen wir diejenigen vergleichen können, die wir vom Seil oder vom Medizinbeutel nehmen. Die erste Kontrollprobe stammt vom Blut des Opfers. Meine Ergebnisse habe ich Cecelia genannt. Was deinen fehlenden Täter angeht, da kannst du von Glück reden. Unter der Voraussetzung, dass der Speichel an der Pfeife von ihm ist, habe ich das DNA-Material konzentriert und für alle acht Genorte ein Ergebnis erhalten … Ich hab sie Gray Wolf genannt. Schließlich war das Glas dran, das du mir geschickt hast – der Speichel war die Grundlage für die acht Zahlen, die ein anderes Profil ergeben als das von Gray Wolf … ich habe sie in der Rubrik Spencer Pike aufgeführt.«

»Moment. Das heißt also, dass wir eindeutig die DNA von diesen drei Personen haben?«

»Bei zweien besteht nicht der geringste Zweifel. Nummer drei ist ein nicht ganz so klarer Fall. Ich kann nicht definitiv sagen, dass die bestimmte DNA Gray Wolf gehört hat, weil ich keine Kontrollprobe hatte.«

»Du kannst also lediglich sagen, dass die DNA an der Pfeife von einem Mann stammt und anders ist als die von Spencer Pike.«

»Ich kann auch noch ein wenig mehr sagen.« Frankie fuhr mit dem Finger an dem Blatt Papier herunter. »Durch die DNA-Tests haben wir mittlerweile Diagramme zu Subpopulationen, die zeigen, mit welcher Häufigkeit Allele in verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen auftreten.«

»Jetzt komm ich nicht mehr mit«, sagte Eli.

»Wir können Statistiken aufstellen, indem wir Menschen mit einem bestimmten Hintergrund typisieren – Weiße, Schwarze, Indianer. Mal angenommen, du hast einen weißen Rolls-Royce. Nur zwei Prozent des gesamten Pkw-Bestands sind Rolls-Royce.«

»Und das weißt du … woher?«

Frankie schüttelte den Kopf. »Klappe, Eli. Zwei Prozent. Der Anteil von weißen Pkw beträgt fünfzehn Prozent. Um einschätzen zu können, wie viele weiße Rolls-Royce auf den Straßen unterwegs sind, sagen wir, es sind fünfzehn Prozent von zwei Prozent des Pkw-Bestandes … also 0,3 Prozent oder drei von tausend Pkw. Genauso gehen wir vor, wenn wir uns die Typenhäufigkeit bei verschiedenen Subpopulationen ansehen. Zum Beispiel das Seilende – das Profil, das ich da erhalten habe, findet sich bei einem von 1,7 Millionen Weißen, aber nur bei einem von 450 Millionen Indianern. Das heißt, wenn ich ein Footballstadion mit 450 Millionen Indianern und ein weiteres Stadion mit 450 Millionen Weißen füllen würde, dann würden 264 Weiße in dem Stadion ein Profil haben, das mit dem hier übereinstimmt … aber nur ein einziger Indianer.«

»Dann war die Person, die das Seilende berührt hat, also eher ein Weißer als ein Indianer?«

»Richtig. Aber jetzt sieh dir mal die Zahlen von der Pfeife an. Die Chance, am Genort D5S818 die Kombination 11;11 vorzufinden, beträgt bei der weißen Bevölkerung vierzehn Prozent, bei der afroamerikanischen Bevölkerung sieben Prozent und bei der hispanischen zwölf Prozent. Bei der indianischen Bevölkerung liegt die Chance dagegen bei fünfunddreißig Prozent. Die Kombination 11;11 ist also mehr als doppelt so häufig wie bei den Weißen. Sieht man sich das Gesamtprofil der DNA von der Pfeife an, dann stammt die DNA mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu 320 Millionen von einem Weißen, von eins zu 520 Millionen von einem Afroamerikaner, von eins zu 41 Millionen von einem Hispanier. Aber die Chance, dass sie von einem Indianer stammt, beträgt immerhin eins zu 330 000.«

»Dann hat also ein Indianer die Pfeife geraucht.«

»Das wäre meine inoffizielle Vermutung.«

Eli nickte. »Was noch?«

»Die Untersuchung der Seilschlinge mit den Hautzellen vom Hals des Opfers hat keine Überraschung ergeben – die entsprechende Reihe ist identisch mit der von Cecelias Kontrollprobe. Bei der Untersuchung der Schlinge habe ich zwar nur sieben von den acht Systemen erhalten, aber ich würde es trotzdem als Erfolg verbuchen. Dann hab ich das Ende des Seils getestet. Ich habe nicht viel erwartet, und ich habe auch keine Hautzellen gefunden. Dann habe ich mittels der PCR-Methode Milliarden Kopien einzelner DNA-Abschnitte erzeugt und sechs Genorte erhalten, was schon an ein Wunder grenzt. Und alle sechs Systeme stimmen mit der DNA überein, die ich von Spencer Pikes Glas genommen habe.«

Das bedeutete zwar nicht zwingend, dass Pike seine Frau aufgehängt hatte, aber es bedeutete zumindest, dass er das Seil in der Hand gehabt hatte. Eli blickte auf die leere Reihe in dem Diagramm. »Was ist denn mit dem Medizinbeutel passiert?«

Frankie kniff die Augen zusammen. »Das will ich dir sagen: Deine Lieblings-DNA-Expertin wäre fast hergekommen und hätte eine Straftat an dem Detective verübt, der sie um Hilfe gebeten hatte. Du kannst dir ja nicht vorstellen, wie sehr dieses Teil mich geschlaucht hat. Ich hätte den Beutel in die Tonne gehauen, wenn du nicht so knapp an Beweismitteln wärst.«

»Ich lad dich zum Essen ein.«

»Nein, du kaufst mir eine Jacht«, sagte Frankie. »Der erste Test hat überhaupt nichts ergeben. Dann hab ich eine zweite Probe von dem Riemen genommen, der mit dem Hals in Berührung gekommen war. Ich habe zwei Profile erhalten – beide ähnlich, beide stimmten mit einer Mischung überein.«

»Was heißt das?«

»Dass es in den meisten Systemen mehr als ein oder zwei Typen gegeben hat. Guck dir die Reihe in dem Diagramm an … siehst du die Stellen mit den drei statt zwei Zahlen?«

»Ja.« Eli runzelte die Stirn. »Was ist damit?«

»Wie gesagt, wir bekommen je ein Allel von Mom und von Dad. Wenn jemand nun drei oder vier hat, dann ist er entweder ein Freak – oder wir haben es mit einer DNA-Mischung von mindestens zwei Menschen zu tun. Und angesichts der genetischen Ausstattung von beiden ist nicht auszuschließen, dass entweder Cecelia Pike oder Gray Wolf zu dieser Mischung beigetragen haben.«

Eli stieß einen Pfiff aus. »Aber nicht Spencer Pike?«

»Nein. Sieh dir den Genort D7S820 an. Pike hat da 10;10. Aber der Medizinbeutel ist eine 11, (12) oder eine 11;11. Das ist nicht Pikes genetisches Profil … also kommt er nicht infrage.«

Eli atmete schwer aus. Das machte seine Theorie zunichte, weil es jetzt einen DNA-Beweis gab, dass Gray Wolf auch am Tatort war. Aber vielleicht gehörte der Medizinbeutel ja gar nicht zu Pikes Inszenierung des Tatorts. Vielleicht hatte Gray Wolf ihn aus welchem Grund auch immer eine Zeit lang getrag en und dann Cecelia als Liebespfand geschenkt. Und sie hatte sich den Beutel vom Hals gerissen, als sie am Seil hing …