Выбрать главу

Detective Reese beugte sich vor. »Sie befinden sich in großen Schwierigkeiten, Paul. Die Imperial Suite des Hotels Monroe Arms ist mit Fingerabdrücken von Ihnen übersät. Wie sind Sie dorthin gekommen?«

Paul Yerby war blaß geworden.

»Sie können sich die Lügen jetzt schenken. Wir haben Sie festgenagelt.«

»Ich ... Ich habe nichts getan.«

»Waren Sie die Person, die die Suite im Hotel Monroe Arms gebucht hat?« fragte Detective Bernstein.

»Nein. Das war ich nicht.« Die Betonung lag auf »ich«.

Reese setzte sofort nach. »Aber Sie wissen, wer es war?«

»Nein.« Die Antwort kam zu schnell.

»Sie geben aber zu, daß Sie in der Suite gewesen sind?« fragte Detective Hogan.

»Ja, aber ... aber als ich fortging, war Chloe am Leben.« »Warum sind Sie fortgegangen?« fragte Detective Hogan.

»Sie hat mich darum gebeten. Sie ... hat jemanden erwartet.«

»Kommen Sie, Paul. Wir wissen doch, daß Sie Chloe umgebracht haben«, sagte Detective Bernstein.

»Nein!« Er zitterte am ganzen Körper. »Ich schwöre, daß ich damit nichts zu tun habe. Ich habe Sie bloß nach oben in die Suite begleitet. Und ich bin nur ganz kurz dageblieben.«

»Weil sie jemanden erwartet hat?« fragte Detective Reese.

»Ja. Sie ... sie war irgendwie sehr aufgeregt.«

»Hat Sie Ihnen gesagt, wen sie dort treffen würde?« fragte Detective Hogan.

Er leckte sich die Lippen. »Nein.«

»Sie lügen. Sie hat es Ihnen gesagt.«

»Sie haben gesagt, daß Chloe aufgeregt war. Weshalb?« wollte Detective Reese wissen.

Paul leckte sich erneut die Lippe. »Wegen dem Mann, den sie zum Abendessen treffen würde.«

»Wer war dieser Mann?«

»Das darf ich nicht sagen.«

»Warum nicht?« fragte Detective Hogan.

»Ich habe es Chloe versprochen, daß ich es niemandem verraten würde.«

»Chloe ist tot.«

Paul Yerbys Augen füllten sich mit Tränen. »Ich kann es einfach nicht glauben.«

»Nennen Sie uns den Namen des Mannes«, verlangte Detec-tive Reese.

»Das kann ich nicht. Ich habe ihr ein Versprechen gegeben.«

»Ich will Ihnen sagen, was geschehen wird. Sie werden die Nacht im Gefängnis verbringen. Falls Sie uns morgen früh den Namen des Mannes nennen, mit dem Chloe verabredet war, werden wir Sie freilassen. Ansonsten werden wir Sie wegen Mordes ersten Grades unter Anklage stellen.«

Sie warteten, daß er etwas sagte.

Schweigen.

Nick Reese gab Bernstein ein Zeichen mit dem Kopf. »Führen Sie ihn ab.«

Detective Reese kam ins Büro von Captain Miller zurück.

»Ich habe eine schlechte Nachricht, und ich habe eine noch schlechtere Nachricht.«

»Für solche Spielchen habe ich wirklich nichts übrig, Nick.«

»Die schlechte Nachricht ist die, daß ich mir nicht sicher bin, daß der Junge ihr das Rauschgift gegeben hat. Die schlimmere Nachricht ist die, daß die Mutter des toten Mädchens Gouverneur von Colorado ist.«

»O Gott! Da wird die Presse jubilieren.« Captain Miller rang nach Luft. »Warum glauben Sie nicht daran, daß der Junge schuldig ist?«

»Er gibt zu, daß er mit dem Mädchen zusammen in der Suite war, behauptet jedoch, daß sie ihn weggeschickt hat, weil sie jemanden erwartete. Ich halte den Jungen einfach für zu intelligent, um eine solch dumme Geschichte zu erfinden. Was ich jedoch glaube, ist folgendes: Der Junge weiß, wen Chloe Houston erwartet hat. Er will aber nicht sagen, wer es war.«

»Haben Sie da irgendeine Vermutung?«

»Das Mädchen war zum erstenmal in Washington und nahm mit einer Gruppe ihrer Schule an einer Besichtigung des Weißen Hauses teil. Sie hat hier in Washington keine Menschenseele gekannt. Sie hat ihren Mitschülern erklärt, daß sie zur Damentoilette ginge. Es gibt aber im Weißen Haus keine öffentlichen Toiletten. Da hätte sie nach draußen zum Besucherpavillon an der Ellipse bei der 15th Street und E Street oder ins Besucherzentrum des Weißen Hauses laufen müssen. Sie war ungefähr eine Viertelstunde lang weg. Ich stelle mir die Sache so vor, daß sie auf der Suche nach einer Damentoilette jemandem über den Weg gelaufen ist - jemandem, den sie vielleicht wiedererkannt hat, eventuell jemand, den sie im

Fernsehen gesehen hat. Es muß auf jeden Fall ein bedeutender Mensch gewesen sein, und der hat sie zu einer privaten Toilette im Weißen Haus begleitet und auf sie einen hinreichend großen Eindruck gemacht, daß sie zustimmte, sich mit ihm in Monroe Arms zu treffen.

Captain Miller war nachdenklich geworden. »Da sollte ich besser das Weiße Haus anrufen. Man hat mich gebeten, sie in dieser Angelegenheit auf dem laufenden zu halten. Aber lassen Sie bei dem Jungen nicht locker. Ich muß diesen Namen wissen.«

»In Ordnung.«

Als Detective Reese durch die Tür verschwunden war, griff Captain Miller nach dem Telefon und wählte eine Nummer. Wenige Minuten später erklärte er: Jawohl, Sir. Wir haben einen wichtigen Zeugen in Gewahrsam genommen. Er befindet sich in der Polizeistation an der Indian Avenue in Gewahrsam ... Bestimmt nicht, Sir. Ich nehme an, daß der Junge uns morgen den Namen des Mannes nennen wird . Ja, Sir, ich verstehe.« Die Verbindung wurde unterbrochen.

Captain Miller seufzte und widmete sich wieder den Papierbergen auf seinem Schreibtisch.

Als Detective Nick Reese am nächsten Morgen darauf um acht Uhr Paul Yerbys Zelle betrat, hing Yerby tot an einem der obersten Gitterstäbe.

18

TOTE SECHZEHNJÄHRIGE IDENTIFIZIERT ALS TOCHTER DER GOUVERNEURIN VON COLORADO.

FREUND ERHÄNGT SICH IN POLIZEIHAFT.

POLIZEI JAGT NACH MYSTERIÖSEM ZEUGEN.

Sein Blick fiel auf die Schlagzeilen, und ihm wurde auf einmal ganz schwach. Eine Sechzehnjährige! Sie war ihm viel älter vorgekommen. Wessen hatte er sich schuldig gemacht? Eines Mordes? Eines Totschlags? und obendrein einer Vergewaltigung.

Er hatte sie beobachtet, als sie aus dem Badezimmer der Suite kam, mit nichts am Leib als einem scheuen Lächeln. »Ich habe es noch nie gemacht.«

Er hatte sie in die Arme genommen und gestreichelt. »Ich bin ja so glücklich, daß du es das erste Mal mit mir erlebst, Honey. Er hatte zuvor ein Glas Ecstasy mit ihr geteilt. »Trink das mal. Da wirst du dich wohl fühlen.« Sie hatten sich geliebt, und anschließend hatte sie über Unwohlsein geklagt. Sie war dann aus dem Bett gestiegen, gestolpert und mit dem Kopf gegen den Tisch geschlagen. Ein Unfall. Nur daß die Polizei es selbstverständlich mit anderen Augen betrachten würde.Aber sie wird nichts finden, um mich mit ihr in Verbindung bringen zu können. Gar nichts.

Die ganze Episode hatte eine Aura des unwirklichen gehabt, wie ein Alptraum, der einen anderen Menschen heimgesucht hatte, bis es jetzt schwarz auf weiß in der Zeitung stand. Durch das Lesen der Schlagzeilen gewann der Vorfall irgendwie an Realität.

Er konnte plötzlich das Rauschen des Verkehrs draußen vor dem Weißen Haus auf der Pennsylvania Avenue durch seine

Bürowände hören. In wenigen Minuten sollte eine Kabinettssitzung stattfinden. Er holte tief Luft. Reiß dich zusammen.

Vizepräsident Malvin Wicks, Sime Lombardo und Peter Tager warteten im Oval Office.

Oliver trat ein und nahm hinter seinem Scheibtisch Platz.

»Einen guten Morgen den Herren.«

Allgemeine Begrüßung.

»Haben Sie heute morgen schon die Tribune gelesen, Mr. President?« fragte Peter Tager.

»Nein.«

»Man hat das Mädchen identifiziert, das im Hotel Monroe Arms gestorben ist - leider eine unangenehme Nachricht.«

Oliver wurde, ohne es selber zu merken, plötzlich ganz starr. »Ja?«

»Der Name des Mädchens lautet Chloe Houston. Sie ist die Tochter von Jackie Houston.«