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»O mein Gott!« Der Präsident brachte die Worte kaum über die Lippen.

Sie schauten ihn an, weil seine Reaktion sie überrascht hatte. Er hatte sich jedoch schnell wieder im Griff. »Ich . ich war einmal mit Jackie Houston befreundet . vor langer Zeit. Das ... eine fürchterliche Nachricht. Furchtbar.«

»Selbst wenn wir nicht für die Kriminalität in Washington, D.C., verantwortlich sind«, meinte Sime Lombardo, »wird die Tribune die Sache uns anhängen und auf uns einschlagen.«

»Gibt es denn gar keine Möglichkeit«, schaltete sich Melvin Wicks ein, »um Leslie Stewart das Maul zu stopfen?«

Oliver fiel ihre Leidenschaft ein, die sie ihm an dem gemeinsamen Abend entgegengebracht hatte. »Nein«, erwiderte Oliver. »Die Freiheit der Presse, meine Herren.«

Peter Tager wandte sich an den Präsidenten. »und was ist mit der Gouverneurin?«

»Das übernehme ich.« Er drückte eine Intercomtaste. »Verbinden Sie mich bitte mit Gouverneurin Houston in Denver.«

»Wir müssen daran denken, auf Schadensbegrenzung hinzuarbeiten«, riet Peter Tager. »Ich werde Statistiken über die sinkende Kriminalität in unserem Staat zusammentragen. Und Sie haben den Kongreß aufgefordert, mehr Mittel für unsere Polizeidienste zu bewilligen, und so weiter, und so fort.« Es klang selbst in seinen eigenen Ohren hohl.

»Das ist jetzt wirklich nicht der richtige Moment«, warnte Melvin Wicks.

Das Intercom summte. Oliver nahm ab. »Ja?« Er hörte kurz zu und legte auf. »Die Gouverneurin befindet sich im Flugzeug nach Washington.« Er drehte sich zu Peter Tager um. »Finden Sie heraus, welche Maschine Sie genommen hat, Peter. Holen Sie sie vom Flughafen ab und bringen Sie sie hierher.«

»In Ordnung. Die Tribune hat übrigens auch noch einen unangenehm scharfen Leitartikel gebracht.« Peter Tager reichte Oliver die Seite der Zeitung mit dem Leitartikel.

»Leslie Stewart ist ein Miststück.« Sime Lombardo sagte es ganz leise. »Mit der sollte einer von uns mal ein Wörtchen reden.«

Matt Baker saß in seinem Büro bei der Washington Tribune und las den Leitartikel noch einmal durch, der den Präsidenten wegen einer zu weichen Haltung in punkto Kriminalität angriff, als Frank Lonergan hereinkam. Lonergan, ein cleverer Journalist in den Vierzigern mit Welterfahrung, der früher einmal bei der Polizei gearbeitet hatte, wußte, wo's langging. Er zählte zu den besten Enthüllungsjournalisten der Branche.

»Haben Sie diesen Leitartikel geschrieben, Frank?«

»Ja«, antwortete er.

»Mir macht da nur dieser Absatz über einen fünfundzwanzigprozentigen Rückgang der Kriminalitätsrate in Minnesota Probleme. Gibt es einen Grund, warum Sie hier ausschließlich auf Minnesota zu sprechen kommen?«

»Es war ein Vorschlag der Prinzessin«, sagte Lonergan.

»Einfach lächerlich«, schimpfte Matt Baker. »Ich werde sie zur Rede stellen.«

Leslie Stewart telefonierte, als Matt Baker in ihr Büro trat.

»Die Ausarbeitung der Einzelheiten überlasse ich ganz Ihnen. Mir ist nur wichtig, daß wir soviel Geld wie möglich für ihn zusammenbringen. Wie es der Zufall will, ist Senator Embry von Minnesota heute mittag bei mir zu Gast, und er wird mir eine Liste mit Namen übergeben. Vielen Dank.« Sie legte den Hörer auf. »Matt.«

Matt Baker näherte sich ihrem Schreibtisch. »Ich würde gern über diesen Leitartikel mit Ihnen sprechen.«

»Er ist ausgezeichnet, finden Sie nicht?«

»Er stinkt, Leslie. Das ist reine Propaganda. Für die Bekämpfung der Kriminalität in Washington, D.C., ist nicht der Präsident zuständig. Hier gibt es einen Bürgermeister, der sich wirklich mal darum kümmern könnte. Und die Polizei. Und was soll dieser Quatsch über die angebliche fünfundzwanzigprozentige Senkung der Kriminalitätsrate in Minnesota? Woher haben Sie diese statistischen Werte?«

Leslie Stewart lehnte sich zurück. »Das ist hier meine Zeitung, Matt«, erwiderte sie ruhig. »Und in dieser Zeitung schreibe ich, was ich will. Oliver Russell ist ein lausiger Präsident. und Gregory Emby würde ein hervorragender amerikanischer Präsident werden. Weshalb wir ihn auch auf seinem Weg ins Weiße Haus unterstützen werden.«

Sie bemerkte den Ausdruck auf Matts Gesicht und wurde weicher. »Nun kommen Sie schon, Matt. Im nächsten Präsidentschaftswahlkampf wird die Tribune auf der Seite des siegreichen Kandidaten sein. Embry wird uns nützlich werden. Er ist übrigens gerade auf dem Weg zu uns. Würden Sie uns beim Mittagessen Gesellschaft leisten?«

»Nein. Ich mag keine Leute, die beim Essen die Hand aufhalten.« Er machte kehrt und verschwand.

Im Korridor wäre Matt Baker fast mit Senator Embry zu-sammengestoßen. Der Senator war ein aufgeblasener, wichtigtuerischer Politiker in den Fünfzigern.

»Oha! Der Senator! Meine Glückwünsche.«

Senator Embry sah ihn verständnislos an. »Vielen Dank. Äh ... wofür denn?«

»Weil Sie die Kriminalitätsrate in Ihrem Staat um fünfundzwanzig Prozent gedrückt haben.« Matt Baker ließ den Senator stehen, der ihm mit verdutzter Miene nachschaute.

Das Essen fand in Leslie Stewarts persönlichem, mit Antiquitäten eingerichtetem Eßzimmer statt. Als Leslie in Begleitung von Gouverneur Embry erschien, war der Chef in der Küche gerade mit den Vorbereitungen fertig. Der Oberkellner eilte herbei, sie willkommen zu heißen.

»Die Speisen können gereicht werden, wann immer es Ihnen genehm ist, Miss Stewart. Hätten Sie gern einen Drink?«

»Nicht für mich«, sagte Leslie. »Und Sie, Senator?«

»Also, normalerweise trinke ich ja tagsüber nicht, aber jetzt hätte ich nichts gegen einen Martini einzuwenden.

Leslie Stewart wußte, daß Senator Embry kräftig dem Alkohol zusprach, denn sie besaß ein umfassendes Dossier über ihn: Er war verheiratet, hatte fünf Kinder und hielt sich eine japanische Mätresse. Sein persönliches Hobby bestand darin, in seinem Heimatstaat heimlich eine paramilitärische Gruppierung zu finanzieren. All das war jedoch für Leslie ohne Bedeutung. Für sie fiel nur eines ins Gewicht - daß Gregory Embry der Auffassung war, die Politik solle die Konzerne und Großunternehmen in Ruhe schalten und walten lassen. Die Washington Tribune Enterprises waren ein Großunternehmen, das Leslie noch größer zu machen plante, und in diesem Zusammenhang rechnete sie mit der unterstützung eines uS-Präsidenten Embry.

Sie hatten sich am Eßtisch niedergelassen. Senator Embry gönnte sich einen Schluck von seinem zweiten Glas Martini.

»Ich möchte mich bei Ihnen für die großartige Spende für meinen Wahlkampf bedanken, Leslie. Das war eine wirklich schöne Geste.«

Sie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. »Es war mir ein Vergnügen. Ich werde alles tun, um Ihnen zu helfen, Oliver Russell zu schlagen.«

»Also, da stehen unsere Chancen gar nicht schlecht, will ich meinen.«

»Das glaube ich auch. Die Leute haben ihn und seine Skandale langsam satt. Falls er sich zwischen dem heutigen Datum und den Präsidentschaftswahlen noch eine weitere Affäre leistet, wird ihm die Bevölkerung bestimmt den Laufpaß geben.«

Senator Embry musterte sie mit einem forschenden Blick. »Glauben Sie denn, daß es noch einen Skandal geben wird?«

Leslie nickte und antwortete leise: »Es würde mich nicht überraschen.«

Das Essen war köstlich.

Der Anruf kam von Antonio Valdez, einem Mitarbeiter im Amt des Coroner. »Miss Stewart, Sie hatten mir doch gesagt, daß ich Sie im Fall Houston auf dem laufenden halten soll?«

»Ja .«

»Die Polizei hat uns angewiesen, in diesem Fall alles unterm Deckel zu halten, aber Sie sind immer fair zu uns gewesen, da habe ich mir gedacht .«

»Seien Sie ganz unbesorgt. Wir werden uns schon um Sie kümmern. Nun berichten Sie mir mal von dem Obduktionsbefund.«

»Ja, Ma'am. Todesursache war eine Droge namens Ecstasy.«