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»Von solch einem Treffen ist mir nichts bekannt.«

»Könnten Sie es für mich überprüfen?«

»Welches Datum haben Sie gesagt?«

»Den fünfzehnten Oktober.« Lonergan beobachtete Deborah, die aus einer Schublade einen Terminkalender zog und durchblätterte.

»Der fünfzehnte Oktober? Und um welche Uhrzeit soll dieses Treffen stattgefunden haben?«

»Um zehn Uhr abends. Hier im Oval Office.«

Sie schüttelte den Kopf. »Nein. An diesem Abend war der Präsident für zweiundzwanzig Uhr zu einer Unterredung mit General Whitman verabredet.«

Lonergan runzelte die Stirn. »Da habe ich aber etwas anderes gehört. Könnte ich mal einen Blick in dieses Buch werfen?«

»Bedaure. Das ist vertraulich, Frank.«

»Vielleicht habe ich ja auch eine Fehlinformation bekommen. Vielen Dank, Deborah.« Er verließ den Raum.

Eine halbe Stunde später saß Frank Lonergan General Steve Whitman gegenüber.

»General, die Tribune würde gerne etwas über die Unterredung bringen, die Sie am fünfzehnten Oktober mit dem Präsidenten hatten und bei der meines Wissens einige wichtige Themen besprochen wurden.«

Der General schüttelte den Kopf. »Ich weiß nicht, woher Sie Ihre Informationen haben, Mr. Lonergan. Diese Unterredung ist abgesagt worden, weil der Präsident einen anderen Termin wahrnehmen mußte.«

»Sind Sie sicher?«

»Ja. Wir werden unsere Sitzung neu verabreden müssen.«

»Ich danke Ihnen, General.«

Frank Lonergan kehrte noch einmal zum Weißen Haus und ins Büro von Deborah Kanner zurück.

»Was ist es nun schon wieder, Frank?«

»Das gleiche«, erwiderte Lonergan zerknirscht. »Mein Informant schwört, daß der Präsident hier am Abend des fünfzehnten Oktober mit einem chinesischen Emissär ein Gespräch über Tibet geführt hat.«

Sie schaute ihn mit einem Ausdruck der Verärgerung an. »Wie viele Male muß ich Ihnen noch versichern, daß es keine derartige Sitzung gegeben hat?«

Lonergan seufzte. »Ehrlich, ich weiß nicht, was ich machen soll. Mein Chef will unbedingt etwas über diese Sache bringen, es ist wichtig. Da werden wir sie eben einfach so publizieren müssen.« Er ging zur Tür.

»Warten Sie!«

Er drehte sich zu ihr um. »Ja?«

»Das dürfen Sie nicht berichten. Es ist nicht wahr. Der Präsident wird außer sich sein vor Zorn.«

»Die Entscheidung liegt nicht bei mir.«

Deborah zögerte. »Werden Sie diese Geschichte vergessen, wenn ich Ihnen beweisen kann, daß er zu dem Zeitpunkt mit General Whitman zusammengetroffen ist?«

»Klar. Ich möchte doch schließlich keine Schwierigkeiten verursachen.« Lonergan sah zu, als Deborah noch einmal den Terminkalender hervorholte und durchblätterte. »Hier haben Sie eine Aufstellung mit den Terminen des Präsidenten für diesen Tag. Schauen Sie - der fünfzehnte Oktober.« Da gab es zwei Spalten. Deborah zeigte auf einen Eintrag für zweiundzwanzig Uhr. »Da haben Sie's schwarz auf weiß.«

»Sie haben recht«, sagte Lonergan, und beeilte sich, die ganze Seite zu überfliegen. Es gab einen Eintrag für fünfzehn Uhr: Chloe Houston.

19

Die eilig einberufene Sitzung im Oval Office war erst seit wenigen Minuten im Gange, und schon war die Atmosphäre wegen der heftigen Meinungsverschiedenheiten wie elektrisch geladen.

»Wenn wir weiterhin zögern«, erklärte der Außenminister, wird die Situation völlig außer Kontrolle geraten. Dann wird es zu spät sein, um dieser Geschichte ein Ende zu machen.«

»Wir dürfen uns aber nicht zu unüberlegten Handlungen hinreißen lassen.« General Stephen Gossard wandte sich an den cia-Direktor. »Wie zuverlässig sind Ihre Informationen?«

»Schwer zu sagen. Wir sind jedoch ziemlich sicher, daß Libyen im Iran und in China verschiedene Waffensysteme einkauft.«

Oliver richtete das Wort an den Außenminister: »Libyen dementiert?«

»Selbstverständlich. China und der Iran ebenso.«

»Und was ist mit den übrigen arabischen Staaten?« wollte Oliver wissen.

Die Frage wurde vom Direktor der cia beantwortet. »Mr. President, nach den mir vorliegenden Informationen würde ein ernsthafter Angriff auf Israel den arabischen Ländern genau den Vorwand liefern, auf den alle nur gewartet haben. Dann würden sich alle engagieren, um Israel auszulöschen.«

Die Blicke richteten sich auf Oliver. »Verfügen Sie in Libyen über sichere Quellen?« hakte er nach.

»Ja.«

»Ich brauche einen aktuellen Lagebericht. Halten Sie mich auf dem laufenden. Falls es Anzeichen für einen Angriff gibt, bleibt uns keine andere Wahl, als aktiv zu werden.«

Die Sitzung wurde vertagt.

Durch die Gegensprechanlage tönte die Stimme von Olivers Sekretärin: »Mr. Tager würde Sie gern sprechen, Mr. President.«

»Schicken Sie ihn herein.«

»Wie ist die Sitzung gelaufen?« erkundigte sich Peter Tager.

»Ach, so wie diese Sitzungen über das Thema, ob ich einen Krieg jetzt anfangen will oder erst später, eben immer laufen«, erwiderte Oliver verbittert.

»Das gehört nun mal zu Ihrem Job«, meinte Tager mitfühlend.

»Genau.«

»Es gibt eine interessante neue Entwicklung.«

»Setzen Sie sich doch.«

Peter Tager zog einen Stuhl heran. »Was wissen Sie über die Vereinigten Arabischen Emirate?«

»Nicht sehr viel«, gestand Oliver. »Nur, daß sich vor ungefähr zwanzig Jahren fünf oder sechs arabische Staaten zusammengetan und eine Allianz gebildet haben.«

»Es waren sieben Staaten, die sich 1971 vereinigt haben. Abu Dhabi, Fujaira, Dubai, Scharjah, Ras al-Kahimah, Umm al-Qaiwan und Ajman. Anfangs waren sie nicht besonders mächtig. Die Emirate sind jedoch hervorragend geführt worden, und der Lebensstandard dort ist inzwischen einer der höchsten der Welt. Ihr Bruttoinlandsprodukt betrug im vergangenen Jahr neununddreißig Milliarden Dollar.«

Oliver wurde ungeduldig. »Ich nehme doch an, daß Sie auf etwas Bestimmtes hinauswollen, Peter?«

»Ja, Sir. Der Vorsitzende des Rates der Vereinigten Arabischen Emirate bittet um eine Zusammenkunft mit Ihnen.«

»In Ordnung. Dann werde ich den Außenminister ...«

»Heute. Geheim.«

»Ist das Ihr Ernst? Ich kann unmöglich .«

»Oliver, der Mailis - ihr Rat - ist eines der bedeutendsten arabischen Machtzentren in der Welt. Er genießt die Achtung aller übrigen arabischen Staaten. Die Zusammenkunft könnte sich als ein großer Durchbruch erweisen. Ich bin mir durchaus bewußt, daß ein solches Vorgehen von den üblichen Regeln abweicht, glaube jedoch, daß Sie den Vorschlag der Emire annehmen sollten.

»Der Außenminister würde ausrasten, falls ich .«

»Ich werde die notwendigen Vorkehrungen treffen.«

Es folgte ein längeres Schweigen. »Und welchen Ort schlagen Sie für die Begegnung vor?«

»Sie befinden sich auf einer Jacht, die in der Chesapeake Bay, in der Nähe von Annapolis, vor Anker liegt. Ich kann es einrichten, daß Sie unbemerkt hingelangen.«

Oliver hatte den Blick an die Decke gerichtet. Schließlich beugte er sich vor, um die Taste der Sprechanlage zu drücken. »Sagen Sie meine sämtlichen Termine für den heutigen Nachmittag ab.«

Die Jacht war am Pier festgemacht, und Oliver Russell wurde erwartet. Die Besatzung bestand ausschließlich aus Arabern.

»Willkommen, Mr. President.« Es war Ali al-Fulani, Legationssekretär aus einem der Vereinigten Arabischen Emirate. »Kommen Sie bitte an Bord.«

Oliver ging an Bord. Ali al-Fulani gab einem der Männer ein Zeichen, und gleich darauf setzte sich die Jacht in Bewegung. »Gehen wir nach unten?«

Genau. Damit ich umgebracht oder entführt werden kann. Etwas so Dummes habe ich mein ganzes Leben noch nicht getan, dachte Oliver. Vielleicht haben sie mich nur hergelockt, um ihren Angriff auf Israel anzufangen, während ich außerstande bin, den Befehl für einen Vergeltungsschlag zu geben. Warum habe ich mich bloß von Tager dazu überreden lassen?