Oliver folgte Ali al-Fulani nach unten in einen luxuriösen Salon. Als Oliver eintrat, erhob sich eine eindrucksvolle Gestalt von der Couch.
»Mr. President«, sagte Ali al-Fulani, »darf ich Sie mit Seiner Majestät König Hamad von Ajman bekanntmachen.«
Die zwei Männer reichten einander die Hand. »Eure Majestät.«
»Ich danke Ihnen für Ihr Kommen, Mr. President. Wäre Ihnen eine Tasse Tee genehm?«
»Nein, danke.«
»Sie werden erkennen, daß Ihr Besuch sich lohnt, wie ich meine.« König Hamad begann, im Salon auf und ab zu schreiten. »Mr. President, es ist seit Jahrhunderten schwierig, wenn nicht gar unmöglich gewesen, das uns Trennende - sei es philosophischer, sprachlicher, religiöser oder kultureller Natur - zu überbrücken. Aus diesem Grund haben in unserem Teil der Welt so viele Kriege stattgefunden. Wenn die Juden das Land der Palästinenser konfiszieren, tut das in Omaha oder in Kansas keinem weh. Das Leben geht weiter wie zuvor. Wenn in Jerusalem ein Bombenanschlag auf eine Synagoge verübt wird, schenken die Italiener in Rom und Venedig dem Vorfall keine Beachtung.«
Oliver fragte sich, worauf sein Gastgeber wohl hinaus wollte. Sollte das etwa eine Warnung vor einem bevorstehenden Krieg sein?
»Es gibt nur einen Teil der Welt, der unter all den Kriegen und dem Blutvergießen im Nahen und Mittleren Osten leidet: nämlich der Nahe und Mittlere Osten.«
Er nahm gegenüber Oliver Platz. »Es wird Zeit, daß wir diesem Wahnsinn ein Ende machen.«
Jetzt kommt's, dachte Oliver.
»Die Führer der Arabischen Staaten und der Mailis haben mich ermächtigt, Ihnen ein Angebot zu unterbreiten.«
»Was für ein Angebot?«
»Ein Friedensangebot.«
Oliver machte große Augen. »Ein Friedensangebot?«
»Wir möchten mit Ihrem Verbündeten, mit Israel, Frieden schließen. Ihre Wirtschaftssanktionen haben uns unzählige Milliarden von Dollar gekostet. Wir wollen Schluß damit machen. Die Arabischen Staaten - einschließlich Iran, Libyen und Syrien - sind übereingekommen, sich für den Fall, daß die USA die Schirmherrschaft übernimmt, mit Israel an einen Tisch zu setzen und einen dauerhaften Friedensvertrag auszuhandeln.«
Oliver war fassungslos. Als er die Stimme wiederfand, erklärte er: »Der Grund für Ihr Angebot besteht darin -«
»Ich versichere Ihnen, daß wir es nicht aus Liebe für die Israelis oder für die Amerikaner tun. Es liegt in unserem eigenen Interesse. Dieser Wahnsinn hat schon zu viele unserer Söhne getötet. Er muß ein Ende finden. Es reicht. Wir möchten wieder die Freiheit haben, der Welt unser Öl zu verkaufen. Wir sind bereit, Krieg zu führen, falls es erforderlich ist; aber wir ziehen einen Frieden vor.«
Oliver holte tief Luft. »Ich hätte doch gern eine Tasse Tee -«
»Ich wünschte, Sie wären dabeigewesen«, sagte Oliver zu Peter Tager. »Es war unglaublich. Sie sind bereit, Krieg zu führen, aber sie wollen nicht Krieg führen. Sie denken pragmatisch und wollen der Welt ihr Öl verkaufen, und dazu brauchen sie Frieden.«
»Das ist ja großartig«, rief Tager begeistert. »Wenn das bekannt wird, sind Sie ein Held.«
»Und diese politische Tat kann ich ganz allein vollbringen«, meinte Oliver. »Sie bedarf nicht der Billigung des Kongresses. Ich werde Gespräche mit dem israelischen Ministerpräsidenten führen. Wir werden ihm dabei helfen, eine Vereinbarung mit den arabischen Ländern zu finden.« Er warf Tager einen Blick zu und sagte traurig: »Und ich war überzeugt, daß ich entführt werden sollte.«
»Ausgeschlossen«, beruhigte ihn Peter Tager. »Ich hatte dafür gesorgt, daß Ihnen ein Schiff und ein Helikopter folg-ten.«
»Bei mir steht Senator Davis und möchte Sie sprechen, Mr. President. Er hat keinen Termin. Er sagt aber, es sei dringend.«
»Bitten Sie den nächsten Besucher zu warten, und schicken Sie den Senator herein.«
Die Tür ging auf, und Todd Davis betrat das Oval Office.
»Das ist aber eine schöne Überraschung, Todd. Alles in Ordnung?«
Senator Davis setzte sich hin. »Gewiß, Oliver. Ich hielt es nur für richtig, daß wir beide uns mal unterhalten.«
Oliver lächelte. »Ich habe heute zwar einen vollen Terminkalender, aber für dich ...«
»Es wird auch nur wenige Minuten dauern. Ich bin zufällig Peter Tager begegnet. Er hat mir von deiner Zusammenkunft mit den Arabern berichtet.«
Oliver strahlte. »Ist das nicht wunderbar? Es sieht ganz so aus, als ob es im Mittleren Osten endlich zum Frieden kommt, nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen und Krisen. Dafür wird meine Präsidentschaft in die Geschichte eingehen, Todd.«
»Hast du das auch gründlich durchdacht, Oliver?« fragte Senator Davis mit leiser Stimme.
Oliver legte die Stirn in Falten. »Wie bitte? Was soll das heißen?«
»Frieden ist so ein schönes, einfaches Wort, das jedoch viele Konsequenzen hat. Der Frieden bringt keine finanziellen Vorteile. Wenn es Krieg gibt, kaufen die kriegführenden Parteien für Milliarden von Dollar Rüstungsmaterial, das hier in den Vereinigten Staaten hergestellt wird. In Friedenszeiten wird dagegen kein Rüstungsmaterial benötigt. Und weil der Iran sein Öl nicht verkaufen kann, ist der Ölpreis gestiegen, und davon profitieren die Vereinigten Staaten.«
Oliver hörte ihm ungläubig zu. »Todd ... das ist die Chance einer ganzen Generation!«
»Nun sei nicht so naiv, Oliver. Wenn es uns wirklich auf einen Frieden zwischen Israel und den Arabischen Ländern ankäme, hätten wir ihn längst herbeiführen können. Israel ist ein kleines Land, und vom letzten halben Dutzend amerikanischer Präsidenten hätte jeder einzelne Israel dazu zwingen können, sich mit den Arabern zu verständigen. Sie zogen es jedoch vor, die Dinge so zu belassen, wie sie waren. Du darfst mich nicht mißverstehen: Die Juden sind prima Leute, und ich arbeite im Senat mit einigen zusammen.«
»Ich kann es einfach nicht fassen, daß du fähig bist .«
»Glaub, was du willst, Oliver. Ein Friedensvertrag zum gegenwärtigen Zeitpunkt würde nicht im Interesse unseres Landes sein. Ich will nicht, daß du ihn weiterverfolgst.«
»Ich werde ihn aber weiterverfolgen müssen.«
»Nun erzähle mir bitte nicht, was du tun mußt, Oliver.« Senator Davis beugte sich vor. »Ich will dir mal etwas sagen: Vergiß bitte nicht, wer dich auf diesen Stuhl gesetzt hat.«
»Du mußt mich ja vielleicht nicht respektieren, Todd«, entgegnete Oliver ruhig, »aber diesem Amt mußt du Achtung erweisen. Und ich bin nun mal der Präsident - ganz unabhängig davon, wer mir den Weg geebnet hat.«
Senator Davis war aufgesprungen. »Du der Präsident? Ein gottverdammter aufgeblasener Spielball bist du! Du bist mein Strohmann, Oliver. Du nimmst Befehle entgegen - und mir gibst du keine.«
Oliver schaute ihn lange an. »Wie viele Ölfelder gehören dir und deinen Freunden eigentlich, Todd?«
»Das geht dich überhaupt nichts an. Wenn du diese Sache durchziehst, bist du erledigt. Hast du mich verstanden? Ich gebe dir vierundzwanzig Stunden, um zur Vernunft zu kommen.«
»Vater hat mich darum gebeten, mit dir zu sprechen, Oliver«, sagte Jan beim Abendessen. »Er ist sehr verärgert.«
Er musterte seine Frau, die ihm gegenübersaß, und dachte, Und nun muß ich auch noch gegen dich ankämpfen. »Er hat mir alles erzählt.« »Ach ja?«
»Ja.« Sie lehnte sich über den Tisch. »Ich finde deine Pläne einfach großartig.«
Oliver brauchte einen Moment, bis er begriff. »Aber dein Vater ist dagegen.«
»Ich weiß, und er hat Unrecht. Falls sie wirklich dazu bereit sind, Frieden zu schließen - dann mußt du helfen.«