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»Spielt Ihr denn nicht gern?«

»Im Gegenteil.«

»Zum Beispiel Landsknecht.«

»Das ist mir noch das Liebste, und ich habe es jeden Abend in Frankreich gespielt.«

»Doch seitdem Ihr in England seid?«

»Habe ich weder einen Becher berührt noch eine Karte.«

»Ich bedauere Euch,« sprach d'Artagnan mit einer Miene tiefen Mitleids. »Höret,« rief der Engländer, »tut eines.«

»Was?«

»Morgen bin ich auf der Wache.«

»Bei dem Stuart?«

»Ja, bringt die Nacht mit mir zu.«

»Unmöglich!«

»Unmöglich?«

»Ganz unmöglich. «

»Wieso?«

»Ich spiele jede Nacht meine Partie mit Herrn du Vallon. Bisweilen gehen wir gar nicht zu Bette ... so spielten wir heute noch bei Tagesanbruch.«

»Nun?«

»Nun, er hätte Langweile, wenn ich nicht mit ihm spielte.« »Ist er ein wackerer Spieler?«

»Ich sah ihn sogar zweitausend Pistolen lachend verlieren.«

»O, so bringt ihn mit.«

»Wie ist das möglich - unsere Gefangenen?«

»Zum Teufel, das ist wahr!« rief der Offizier; »doch laßt sie von Euren Dienern bewachen.«

»Ha, daß sie entfliehen könnten!« entgegnete d'Artagnan. »Da werde ich wohl auf meiner Hut sein.«

»Sie sind also Männer von Stand, daß Ihr so viel darauf haltet?«

»Pest! Der eine ist ein reicher Edelmann aus Touraine, der andere Malteserritter von hoher Abkunft. Wir haben über ihr Lösegeld mit zweitausend Pfund Sterling für jeden abgeschlossen, zahlbar in Frankreich sogleich bei unserer Ankunft. Wir wollen uns folglich keinen Augenblick von Männern entfernen, welche, wie auch unsere Diener wissen, Millionäre sind. Wir durchsuchten sie ein bißchen bei ihrer Gefangennehmung, und ich will Euch sogar gestehen, daß es ihre Börse ist, um welche ich und Herr du Vallon jede Nacht streiten; allein sie können uns irgendeinen Edelstein, einen wertvollen Diamant verheimlicht haben, wonach wir die Geizigen sind, die von ihrem Schatze nicht weichen; wir machten uns zu beständigen Hütern unserer Männer, und wenn ich schlafe, so hält Herr du Vallon die Wache.«

»Ah, ah!« rief Groslow. »Somit werdet Ihr jetzt einsehen, was mich nötigt, Eure schmeichelhafte Einladung auszuschlagen, die mich übrigens um so mehr anlockt, als nichts langweiliger ist, als wenn man stets mit derselben Person spielt; die Glücksfälle gleichen sich beständig aus, und nach Monatsfrist sieht man, daß man sich weder weh noch wohl getan hat. »Ach,« seufzte Groslow, »es gibt noch etwas viel Langweiligeres, nämlich, gar nicht zu spielen.«

»Ich begreife das,« entgegnete d'Artagnan.

»Allein sagt,« versetze der Engländer, »sind Eure Leute gefährlich?«

»In welcher Hinsicht?«

»Sind sie imstande, einen Handstreich zu unternehmen?« D'Artagnan fing zu lachen an und sprach: »Ach, mein Gott! der eine von ihnen hat das Fieber, weil er sich nicht an Euer reizendes Land gewöhnen kann; der andere, ein Malteserritter, ist schüchtern wie ein junges Mädchen, und wir nahmen ihnen zu größerer Sicherheit sogar das Sackmesser und die Taschenscheren weg.«

»Nun denn,« sprach Groslow, »bringt sie mit.« »Wie, Ihr wollt?« fragte d'Artagnan.

»Ja, ich habe acht Mann.«

»Nun?«

»Vier sollen sie und vier den König bewachen.«

»Wirklich,« rief d'Artagnan, »auf diese Art läßt sich die Sache veranstalten, wiewohl ich Euch damit eine große Störung verursache.«

»Bah, kommt nur, Ihr werdet sehen, wie ich die Sache anordne.«

»O, da bin ich unbekümmert,« erwiderte d'Artagnan, »einem Manne, wie Euch, will ich mich mit verbundenen Augen anvertrauen. Doch,« sprach d'Artagnan, »da fällt mir ein: Was hindert uns denn, heute abend zu spielen?«

»Was?«

»Unsere Partie.«

»Ganz und gar nichts,« entgegnete Groslow.

»In der Tat, heute abend kommt Ihr zu uns, und morgen wollen wir Euch den Besuch erwidern. Hat Euch irgend etwas an unseren Männern Besorgnis gemacht, welche wütende Royalisten sind, wie Ihr wißt, je nun, so scherzten wir nur, und werden jedenfalls eine recht gute Nacht zubringen.«

»Vortrefflich, heute abend bei Euch, morgen bei Stuart und übermorgen bei mir.«

»Die andern Tage dann in London; ha, bei Gott!« versetzte d'Artagnan, »Ihr seht, man kann überall ein fröhliches Leben führen.«

»Ja,« sagte Groslow, »wenn man Franzosen trifft, Franzosen, wie Ihr seid.« »Und wie Herr du Vallon; Ihr werdet sehen, was das für ein Mann ist! ein wütender Frondeur, der Mazarin fast niedergemacht hat, und den man nur fortsandte, weil man sich vor ihm fürchtet.«

»Ja,« versetzte Groslow, »sein Aussehen ist gut, und er gefällt mir, ohne daß ich ihn näher kenne.«

»Das wird ebenso sein, wenn Ihr seine Bekanntschaft gemacht habt; ah! hört, er ruft mich; vergebt, wir sind derart befreundet, daß er ohne mich nicht sein kann. Ihr entschuldigt.«

»Wie also?«

»Heute abend.«

»Bei Euch?«

»Bei mir.« Die zwei Männer begrüßten sich, und d'Artagnan kehrte zurück zu seinen Freunden, denen er das Gespräch mit Groslow wiedergab.

Wie man es verabredet hatte, so ließ man gegen fünf Uhr abends Mousqueton vorausreiten. Mousqueton sprach zwar nicht englisch, doch hatte er, seit er in England war, etwas bemerkt, daß nämlich Grimaud durch das Gebärdenspiel die Sprache vollkommen ersetzt habe. Sonach hatte er denn mit Grimaud die Zeichensprache studiert und es kraft der Geschicklichkeit seines Meisters darin zu einer gewissen Vollkommenheit gebracht. Blaifois begleitete ihn. Als nun die vier Freunde durch die Hauptstraße von Derby ritten, sahen sie Blaifois an der Schwelle eines ansehnlichen Hauses stehen, wo ihre Wohnung zubereitet wurde. Sie hatten sich den ganzen Tag über, aus Besorgnis, Verdacht zu erwecken, dem Könige nicht genähert, und statt daß sie an der Tafel des Obersten Harrison speisten, wie sie es tags vorher getan, hatten sie unter sich das Mittagmahl eingenommnen. Groslow erschien zur verabredeten Stunde. D'Artagnan empfing ihn so, wie er einen zwanzigjährigen Freund empfangen hätte. Porthos maß ihn von den Füßen bis zum Kopfe, denn er erkannte, daß er ungeachtet jenes merkwürdigen Streiches, welchen er Harrys Bruder versetzte, ihm doch an Stärke nicht gleichkäme. Athos und Aramis taten, was sie konnten, um den Widerwillen zu verbergen, den ihnen dieser rohe und plumpe Kriegsgeselle einflößte. Kurz, Groslow schien zufrieden mit dem Empfange. Athos und Aramis hielten sich an ihre Rollen; sie zogen sich um Mitternacht in ihr Zimmer zurück, dessen Türe man offen ließ unter dem Vorwande guter Bewachung. Überdies begleitete sie d'Artagnan dahin und ließ indes Porthos mit Groslow spielen. Porthos gewann Groslow fünfzig Pistolen ab und fand, daß er ein viel angenehmerer Gesellschafter sei, als er anfangs dachte. Was Groslow betrifft, so nahm er sich vor, am nächsten Tage bei d'Artagnan den Schaden, welchen er durch Porthos erlitten, wieder zu ersetzen, und schied von dem Gascogner, indem er ihn an die Zusammenkunft des Abends gemahnte. Wir sagen: des Abends, da die Spieler um vier Uhr früh auseinandergingen.

Als sie abends in Ryston ankamen, rief d'Artagnan seine Freunde zusammen. Sein Gesicht hatte den Charakter sorgloser Fröhlichkeit verloren, welche er den ganzen Tag über wie eine Maske getragen. Athos drückte Aramis die Hand und sprach zu ihm: »Der Augenblick naht.«

»Ja,« versetzte d'Artagnan, retten wir den König.« Porthos starrte d'Artagnan mit dem Gefühle tiefer Bewunderung an. Aramis lächelte wie einer, welcher hofft. Athos war blaß wie der Tod und zitterte an allen Gliedern. »Redet,« sprach Athos. Porthos machte große Augen; Aramis hing sich sozusagen an d'Artagnans Lippen. »Wir sind eingeladen, diese Nacht bei Groslow zuzubringen, das wißt Ihr.«

»Ja,« entgegnete Porthos, »er ließ uns versprechen, ihm seine Revanche zu geben.«