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Flammen tänzelten in die Höhe und griffen auf das Holzstück auf dem Feuereisen über, während die Frauen vor den mit schlichten Schnitzereien verzierten Stühlen mit den niedrigen Lehnen Aufstellung nahmen, die im Halbkreis vor dem Kamin aufgestellt waren. Nun ja, Elayne und die Meervolk-Frauen nahmen Aufstellung. Elayne drapierte die Robe sorgfältig über den Knien und wünschte sich, Zaida hätte ihr eine Stunde Zeit gelassen, um sich vernünftig anzuziehen. Die Windsucherinnen warteten unbewegt darauf, dass die Herrin der Wogen Platz nahm, dann setzten sie sich neben sie. Birgitte stand mit finsterer Miene und in die Hüften gestemmten Fäusten vor dem Schreibtisch. Der Bund übermittelte das deutliche Verlangen, einer Atha'an Miere den Hals umzudrehen.

Aviendha lehnte lässig an einer Kommode, und selbst als Essande ihr die Robe brachte und sie ihr eindringlieh entgegenhielt, streifte sie sie einfach nur über und nahm mit unter den Brüsten verschränkten Armen die gleiche Pose ein. Sie hatte Saidar losgelassen, hielt aber noch immer die Schildkröte, und Elayne vermutete, dass sie bereit war, die Macht unverzüglich zu umarmen. Jedoch konnten weder Aviendhas stechender Blick noch Birgittes finstere Miene die Meervolk-Frauen auch nur im Geringsten beeindrucken. Sie waren, wer sie waren, und sie wussten, wer sie waren.

»Den Atha'an Miere wurden zwanzig Lehrerinnen versprochen«, sagte Elayne mit leichter Betonung. Zaida hatte gesagt, dass man sie ihr versprochen hatte, dass sie die Bezahlung entgegennehmen würde, aber der Handel war mit Nesta din Raes abgeschlossen worden. Natürlich war Zaida überzeugt, die nächste Herrin der Schiffe zu werden. »Vernünftige Lehrerinnen, ausgesucht vom Amyrlin-Sitz. Ich weiß, dass die Atha'an Miere stolz darauf sind, ihre Abmachungen bis in die letzte Einzelheit einzuhalten, und die Burg wird ihre Seite erfüllen. Als sich die Schwestern bereit erklärten, den Unterricht aufzunehmen, war Euch klar, dass das nur eine vorübergehende Maßnahme ist. Und eine Vereinbarung, die eigentlich nichts mit dem Handel zu tun hatte, der mit der Herrin der Schiffe abgeschlossen wurde. Das habt Ihr so gut wie zugegeben, als Ihr Euch bereit erklärt habt, Eure Windsucherinnen Wegetore weben zu lassen, um von Illian und Tear Lebensmittel nach Caemlyn zu schaffen. Sicherlich hättet Ihr Euch nicht in die Angelegenheiten der Küstenbewohner verwickeln lassen, wenn Ihr es nicht als Euren Teil dieser Vereinbarung betrachtet hättet. Aber wenn Ihr geht, ist Eure Hilfe beendet, und damit auch unsere Verpflichtung zum Unterricht. Und ich fürchte, Ihr werdet auch im Silbernen Schwan keine Lehrerinnen finden. Die Atha'an Miere werden warten müssen, bis die Amyrlin Lehrer schickt, wie es die Abmachung vorsieht, die mit der Herrin der Schiffe getroffen wurde.« Schade, dass sie von ihnen nicht verlangen konnte, sich vom Gasthof fern zu halten, aber dafür war es möglicherweise schon zu spät, und sie konnte diese Bitte sowieso nicht vernünftig begründen. Ein Argument, das mangels Masse nicht standhielt, würde Zaida nur ermutigen. Die Atha'an Miere konnten gna — denlos feilschen. Sie waren gewissenhaft, aber gnadenlos. Sie würde sehr langsam und sehr vorsichtig vorgehen müssen.

»Meine Schwester hat Euch am Ohr gepackt, Zaida din Parede«, kicherte Aviendha und schlug sich auf den Oberschenkel. »Sie hat Euch an den Füßen aufgehängt!« Das war eine Bestrafung des Meervolks, die sie aus irgendeinem Grund unglaublich amüsant fand.

Elayne unterdrückte einen gereizten Ausbruch. Aviendha genoss es, dem Meervolk in die Nase zu kneifen — sie hatte während ihrer Flucht aus Ebou Dar damit angefangen und nie mehr aufgehört —, aber jetzt war nicht der Augenblick dafür.

Chanelle versteifte sich, ihr ausdrucksloses Gesicht verzog sich zu einer finsteren Miene. Die schlanke Frau war mehr als einmal die Zielscheibe für Aviendhas Nasenkneifer gewesen, einschließlich einer bedauernswerten Episode mit Oosquai, dem sehr starken Aielgetränk. Das Leuchten Saidars hüllte sie ein! Zaida konnte das nicht sehen, aber sie wusste von dem Oosquai und dass man Chanelle ins Bett hatte tragen müssen, wobei sie sich die ganze Zeit über erbrochen hatte, und sie hob vorausschauend die Hand. Das Leuchten verblasste, und Chanelles Gesicht wurde dunkel. Es hätte ein Erröten oder auch Wut sein können.

»Es mag alles sein, wie Ihr behauptet«, sagte Zaida, was nicht weit von einer Beleidigung entfernt war, vor allem einer Aes Sedai gegenüber. »Auf jeden Fall gehört Merilille nicht dazu. Sie hat eingewilligt, als Lehrerin zu arbeiten, lange bevor sie nach Caemlyn gekommen ist, und sie wird mich begleiten, um mit ihrem Unterricht fortzufahren.«

Elayne holte tief Luft. Sie brauchte nicht einmal versuchen, Zaida das auszureden. Der Einfluss der Weißen Burg beruhte größtenteils auf der Tatsache, dass sie ihr Wort genauso unverbrüchlich hielt wie das Meervolk. Dass allgemein bekannt war, dass sie ihr Wort hielt. Oh, die Leute behaupteten, man müsse ganz genau zuhören, um sicher zu sein, dass eine Aes Sedai auch das versprochen hatte, was man annahm, und das stimmte auch oft, aber sobald das Versprechen eindeutig war, war es so bindend wie ein unter dem Licht abgelegter Schwur. Die Windsucherinnen würden Merilille niemals gehen lassen. Sie ließen sie ja kaum aus den Augen. »Vielleicht müsst Ihr sie mir zurückgeben, falls ich sie brauche.« Falls Vandene und ihre beiden Helferinnen Beweise fanden, dass sie eine Schwarze Ajah war. »Sollte das passieren, sorge ich für einen Ersatz.« Und sie hatte nicht die geringste Vorstellung, wer das wohl sein sollte.

»Sie muss den Rest ihres Jahres abdienen. Der Vereinbarung zufolge mindestens ein Jahr.« Zaida gestikulierte, als würde sie ein Zugeständnis machen. »Ihr Ersatz muss vor ihrer Abreise da sein. Ich werde sie nicht gehen lassen, ohne dass zuvor jemand ihren Platz eingenommen hat.«

»So soll es geschehen«, erwiderte Elayne ruhig. Das würde es verflucht noch mal auch müssen, da sie keine andere Wahl hatte!

Zaida lächelte flüchtig und schwieg. Chanelle scharrte mit den Füßen, aber mehr aus Ungeduld als um aufzustehen, und die Herrin der Wogen rührte sich nicht.

Vermutlich hatte sie noch einen anderen Handel im Sinn, und offensichtlich wollte sie, dass Elayne den Anfang machte. Elayne beschloss, ihr Gegenüber warten zu lassen. Das Feuer loderte mittlerweile, es schickte Funken den Kamin hinauf und strahlte eine behagliche Wärme in das Zimmer, aber Elaynes feuchte Robe schluckte die in der Luft liegende Kühle und übertrug sie auf ihre Haut. Es war schön und gut, die Kälte zu ignorieren, aber wie sollte man ignorieren, kalt und nass zu sein? Sie erwiderte Zaidas Blick ungerührt und zeigte das gleiche flüchtige Lächeln. Essande trat ein, gefolgt von Naris und Sephanie, die Tabletts trugen. Auf dem einen standen eine silberne Teekanne in der Form eines Löwen und dünne grüne Tassen aus Meervolk-Porzellan, auf dem anderen gehämmerte Silberpokale und ein hoher Weinkrug, aus dem der Duft von Gewürzen strömte. Jeder nahm Wein, mit Ausnahme von Elayne, die ihn nicht einmal angeboten bekam. Sie schaute in ihren Tee und seufzte. Sie konnte den Tassengrund deutlich sehen. Hätten sie ihn noch schwächer aufgegossen, hätten sie ihr genauso gut Wasser geben können!

Einen Moment später durchquerte Aviendha das Zimmer, um ihren Weinpokal auf dem Tablett abzustellen, das seinen Platz auf einer Kommode gefunden hatte, und schenkte sich eine Tasse Tee ein. Sie widmete Elayne ein Nicken und ein Lächeln, eine Kombination aus Mitgefühl und der Andeutung, dass sie allen Ernstes wässrigen Tee Wein vorzog. Unwillkürlich lächelte Elayne zurück. Erstschwestern teilten sowohl das Gute wie das Schlechte. Birgitte grinste über den Rand ihres Pokals und leerte ihn mit einem Schluck bis zur Hälfte. Der Bund vermittelte ihre Heiterkeit über den Missmut, der von Elayne ausging. Und er vermittelte noch immer ihre Kopfschmerzen, die nicht nachgelassen hatten. Elayne rieb sich die Schläfe. Sie hätte darauf bestehen sollen, dass Merilille die Frau Heilte, und zwar in dem Moment, in dem sie ihr über den Weg lief. Einige Kusinen übertrafen Merilille in der Kunst des Heilens, aber sie war im Palast die einzige Schwester, die halbwegs gut darin war.