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»Du wirst dir wegen der Morgenkrankheit keine Sorgen machen müssen«, fuhr Monaelle fort, »aber das Lenken der Macht wird dir manchmal Schwierigkeiten bereiten. Die Stränge können dir entgleiten, als wären sie eingefettet oder wie Nebel, und du wirst auch die einfachsten Gewebe immer wieder von vorn beginnen müssen. Das kann mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft schlimmer werden, und während der Wehen und der Geburt selbst wirst du die Macht überhaupt nicht lenken können, aber das gibt sich sofort wieder, nachdem die Kinder da sind. Du wirst auch bald launisch werden, falls das nicht schon angefangen hat, im einen Augenblick weinerlich, im nächsten gereizt. Der Vater deines Kindes wird klug beraten sein, dir so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen.«

»Wie ich gehört habe, hat sie ihm heute Morgen schon den Kopf abgerissen«, murmelte Sumeko. Sie ließ das Gewebe los, richtete sich auf und rückte den roten Gürtel zurecht. »Das ist erstaunlich, Monaelle. Ich wäre nie darauf gekommen, dass es ein Gewebe gibt, das nur bei schwangeren Frauen angewandt werden kann.«

Elaynes Mund verzog sich, aber dann sagte sie nur: »Das alles könnt Ihr mit diesem Gewebe sagen, Monaelle?« Es war besser, wenn die Leute Doilan Mellar für den Vater ihrer Kinder hielten. Die Kinder Rand al'Thors würden Ziele darstellen, denen man aus Hass oder Furcht oder um des Vorteils willen nachstellte, aber niemand würde einen Gedanken an sie verschwenden, wenn sie von Mellar stammten, vermutlich nicht einmal Mellar selbst. Es war besser so, und damit war das Thema erledigt.

Monaelle warf den Kopf in den Nacken und lachte so heftig, dass sie sich mit der Spitze des Schultertuchs die Augen trocknen musste. »Ich weiß das, weil ich sieben Kinder zur Welt gebracht und drei Ehemänner hatte, Elayne Trakand. Das Lenken der Macht beschützt dich vor der Morgenkrankheit, aber dafür ist dann ein anderer Preis zu entrichten. Komm, Aviendha, du musst es auch versuchen. Vorsichtig, jetzt. Genau, wie ich es gemacht habe.«

Eifrig umarmte Aviendha die Quelle, aber bevor sie einen Strang weben konnte, ließ sie Saidar los und wandte den Kopf, um auf die holzgetäfelte Wand zu starren. In Richtung Westen. Elayne, Monaelle und Sumeko schlössen sich ihr an. Das Fanal, das so lange gebrannt hatte, war verschwunden. In dem einen Augenblick war es noch da gewesen, wild loderndes Saidar, dann war es verschwunden, als hätte es nie existiert.

Sumekos massiger Busen hob sich, als sie tief Luft holte. »Ich glaube, heute ist entweder etwas sehr Wunderbares oder sehr Schreckliches geschehen«, sagte sie leise. »Und ich glaube, ich habe Angst zu erfahren, was es ist.«

»Etwas Wunderbares«, sagte Elayne. Es war vollendet, was auch immer es war, und Rand lebte. Das allein war schon wunderbar genug. Monaelle sah sie fragend an. Da sie über den Bund Bescheid wusste, konnte sie den Rest erraten, aber sie spielte gedankenverloren an einer ihrer Ketten herum. Sie würde es sowieso aus Aviendha herausholen.

Ein Klopfen an der Tür ließ alle zusammenzucken.

Jedenfalls alle bis auf Monaelle. Sie tat so, als würde sie nicht sehen, wie die anderen zusammenzuckten, konzentrierte sich aber zu übertrieben darauf, ihr Schultertuch zu richten, was den Kontrast nur noch größer machte. Sumeko hustete, um ihre Verlegenheit zu überspielen.

»Herein«, sagte Elayne laut. Selbst ohne Schutzgewebe musste man fast schreien, um durch die Tür gehört zu werden.

Caseille schob den Kopf durch die Tür, den Hut mit der Feder in der Hand, dann folgte der Rest von ihr, und sie schloss die Tür sorgfältig hinter sich. Der Spitzenbesatz am Hals und an den Handgelenken war blütenweiß, die Spitze und die Löwen auf ihrer Schärpe glänzten, und ihr Harnisch funkelte wie frisch poliert, aber offensichtlich hatte sie ihren Dienst sofort wieder aufgenommen, nachdem sie sich nach ihrem Ausflug frisch gemacht hatte. »Verzeiht die Störung, meine Lady, aber ich fand, Ihr solltet es sofort erfahren. Das Meervolk ist in Aufruhr, jedenfalls die, die noch da sind. Anscheinend wird ein Lehrling vermisst.«

»Und was noch?«, fragte Elayne. Ein vermisster Lehrling war schon schlimm genug, aber etwas an Caseilles Gesicht verriet ihr, dass da noch mehr war.

»Gardistin Azeri hat mir erzählt, dass sie gesehen hat, wie Merilille Sedai vor drei Stunden den Palast verließ«, sagte Caseille zögernd. »Merilille und eine Frau in Umhang und hochgeschlagener Kapuze. Sie haben Pferde genommen und ein beladenes Maultier. Yurith sagte, die Hände der anderen Frau seien tätowiert gewesen. Meine Lady, niemand hatte einen Grund ...«

Elayne winkte ab. »Caseille, keiner hat etwas falsch gemacht. Niemand wird zur Verantwortung gezogen werden.« Jedenfalls keine der Gardistinnen. Das war ja ein schöner Schlamassel. Talaan und Metarra, die beiden Lehrlinge der Windsucherinnen, waren stark in der Macht. Wenn Merilille eine von ihnen dazu hatte überreden können, eine Aes Sedai zu werden, dann hatte sie sich möglicherweise auch selbst davon überzeugen können, dass sie, wenn sie das Mädchen dorthin brachte, wo man sie in das Novizinnenbuch eintragen konnte, einen ausreichenden Grund hatte, um ihr Versprechen zu brechen, die Windsucherinnen zu unterrichten. Und die würden mehr als aufgebracht sein, Merilille zu verlieren, und außer sich vor Zorn über den Verlust ihres Lehrlings. Sie würden jedem die Schuld geben, und vor allem Elayne.

»Ist Merililles Abreise schon allgemein bekannt?«, fragte sie.

»Noch nicht, meine Lady, aber wer auch immer die Pferde gesattelt und das Maultier beladen hat, wird nicht den Mund halten. Stallburschen haben nicht viel, worüber sie klatschen können.« Also mehr ein Buschfeuer als ein Schlamassel, und es bestand kaum eine Chance, es zu löschen, bevor es die Scheune erreichte.

»Ich hoffe, Ihr esst nachher mit mir, Monaelle«, sagte Elayne, »aber jetzt müsst Ihr mich entschuldigen.« Ob sie ihrer Hebamme nun gegenüber verpflichtet war oder nicht, sie wartete nicht die Zustimmung der anderen Frau ab. Der Versuch, das Feuer zu löschen, würde vielleicht verhindern, dass die Flammen auf die Scheune übersprangen. Vielleicht. »Caseille, informiert Birgitte und sagt ihr, sie soll den Wächtern am Tor sofort den Befehl übermitteln, nach Merilille Ausschau zu halten. Ich weiß, ich weiß, vermutlich hat sie die Stadt schon längst verlassen, und die Torwächter würden sowieso keine Aes Sedai aufhalten, aber vielleicht können sie ihre Abreise verzögern oder ihrer Begleiterin so viel Angst einjagen, dass sie zurück in die Stadt eilt und sich da versteckt. Sumeko, würdet Ihr Reanne bitten, jede Kusine, die nicht Reisen kann, in die Stadt zu schicken und die Straßen zu durchkämmen? Es ist kaum der Hoffnung wert, aber vielleicht war Merilille der Meinung, dass es zu spät war, um heute noch aufzubrechen. Überprüft jedes Gasthaus, den Silbernen Schwan eingeschlossen ...«

Sie hoffte, dass Rand heute etwas Wunderbares getan hatte, aber im Moment konnte sie keine Zeit darauf verschwenden, auch nur darüber nachzudenken. Sie musste einen Thron erobern und sich mit wütenden Atha'an Miere auseinander setzen, und zwar hoffentlich, bevor sie ihren Ärger an ihr ausließen. Kurz gesagt, es war ein Tag wie jeder andere seit ihrer Rückkehr nach Caemlyn, und das bedeutete, sie hatte alle Hände voll zu tun.

15

Heraufziehende Dunkelheit

Die Abendsonne hing wie eine blutrote Kugel über den Baumwipfeln und warf ihr fahles Licht auf das Lager, die weit verstreute Masse aus Pferdehalteseilen, Planwagen und hochrädrigen Karren und Zelten jeder Art und Größe. Der Schnee am Boden war zu Matsch zertrampelt. Weder die Tageszeit noch der Ort, an dem Elenia Sarand auf einem Pferderücken sein wollte. Der Geruch von siedendem Rindfleisch, der aus den schwarzen Kesseln emporwallte, reichte aus, um ihr den Magen umzudrehen. Die kalte Luft verwandelte ihren Atem in Nebel und versprach eine bittere Nacht, und der Wind schnitt durch ihren besten roten Umhang, ohne sich an der dicken Schicht aus weißem Pelz zu stören. Angeblich sollte Schneefuchs wärmer als andere Pelze sein, aber das hatte sie noch nie feststellen können.