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»Da müsst Ihr Siuan schon selbst fragen.« Egwenes Lächeln hatte Biss. So wie ihr Tonfall, was das anging. Sie verstand selbst nicht genau, warum Gareth Bryne ihr seine Loyalität angeboten hatte, aber der Saal der Burg hatte Besseres mit seiner Zeit anzufangen, als wie Dorfweiber zu klatschen. »Ihr könnt wem auch immer Ihr wollt sagen, dass ich mit keinem den Bund eingegangen bin, Delana. Lord Gareth verbringt Zeit mit mir, wie Ihr es ausgedrückt habt, weil ich die Amyrlin bin und er mein General ist. Daran könnt Ihr übrigens alle erinnern.« Also betrachtete Delana sie als Grüne. Das war die Ajah, die sie gewählt hätte, obwohl sie sich in Wahrheit nur einen Behüter wünschte. Aber Gawyn war entweder in Tar Valon oder auf dem Weg nach Caemlyn, und was auch zutreffen mochte, sie würde ihn in absehbarer Zeit nicht zu sehen bekommen. Sie tätschelte Daishars Hals unnötigerweise und bemühte sich, dass ihr Lächeln nicht zu einer finsteren Grimasse wurde. Es war angenehm gewesen, eine Zeit lang nicht an den Saal und an anderes denken zu müssen. Der Saal ließ sie verstehen, warum Siuan oft wie eine Bärin mit Zahnschmerzen ausgesehen hatte, als sie noch die Amyrlin gewesen war.

»Ich würde nicht sagen, dass es zu einem allgemeinen Thema geworden ist«, murmelte Delana. »Bis jetzt. Aber es besteht ein gewisses Interesse daran, ob Ihr mit einem Behüter einen Bund eingeht oder nicht, und wer es sein wird. Ich bezweifle, dass man Gareth Bryne für eine kluge Wahl halten würde.« Sie drehte sich im Sattel um und schaute über die Schulter. Vermutlich in Richtung von Lord Gareth, aber als sich die Sitzende wieder nach vorn wandte, sagte sie sehr leise: »Sheriam war natürlich nie Eure Wahl als Behüterin der Chroniken, aber Ihr müsst wissen, dass die Ajahs den Rest von dem Haufen dazu veranlasst haben, Euch ebenfalls im Auge zu behalten.« Ihre graue Stute war kleiner als Daishar, daher musste sie zu Egwene aufsehen, was sie versuchte, nicht so aussehen zu lassen. Die blassen blauen Augen blickten plötzlich sehr scharf. »Manche glaubten, Siuan würde Euch... zu gut beraten, so wie Ihr die Kriegserklärung gegen Elaida zustande gebracht habt. Aber sie ist noch immer verärgert wegen ihrer veränderten Lebensumstände, nicht wahr? Jetzt betrachtet man Sheriam als die Schuldige. Wie dem auch sei, die Ajahs wollen eine kleine Warnung, bevor Ihr mit der nächsten Überraschung kommt.«

»Ich danke Euch für den Hinweis«, sagte Egwene höflich. Schuldige? Sie hatte dem Saal bewiesen, dass sie nicht seine Marionette sein würde, und doch beharrten die meisten weiterhin darauf, dass sie die eines anderen sein musste. Wenigstens ahnte niemand die Wahrheit über ihren Rat. Jedenfalls konnte man das nur hoffen.

»Es gibt einen weiteren Grund, warum Ihr misstrauisch sein solltet«, fuhr Delana fort, und die Intensität in ihrem Blick strafte die Teilnahmslosigkeit in ihrer Stimme Lügen. Das hier war ihr wichtiger, als sie Egwene wissen lassen wollte. »Ihr seid Euch vielleicht sicher, dass jeder Rat, den eine von ihnen gibt, direkt von der Führung ihrer Ajah kommt, und wie Ihr wisst, sind die Führung einer Ajah und ihre Sitzenden nicht immer einer Meinung. Zu sehr darauf zu hören könnte Euch Probleme mit dem Saal bescheren. Nicht jede Entscheidung betrifft den Krieg, das dürft Ihr nicht vergessen, aber Ihr wollt doch sicherlich, dass einige davon Eurem Willen entsprechen.«

»Eine Amyrlin sollte jede Seite anhören, bevor sie eine Entscheidung trifft«, erwiderte Egwene, »aber ich werde an Eure Warnung denken, wenn sie mich beraten, Tochter.« Hielt Delana sie für eine Närrin? Vielleicht versuchte die Frau auch nur, sie wütend zu machen. Wut führte zu hastigen Entscheidungen und groben Worten, die man manchmal nur schwer wieder zurücknehmen konnte. Sie hatte keine Ahnung, worauf Delana eigentlich hinauswollte, aber wenn die Sitzenden sie nicht auf eine Weise gefügig machen konnten, versuchten sie es auf eine andere. Seit man sie zur Amyrlin erhoben hatte, hatte sie viel Übung darin, solchen Bestrebungen aus dem Weg zu gehen. Sie nahm tiefe, regelmäßige Atemzüge und fand das Gleichgewicht der Ruhe. Auch darin hatte sie in letzter Zeit zu viel Übung.

Die Graue schaute sie am Rand ihrer Kapuze vorbei an; ihr Gesicht war völlig ausdruckslos. Aber ihre blauen Augen blickten jetzt bohrend scharf. »Ihr könntet sie fragen, was sie davon halten, mit Elaida Verhandlungen aufzunehmen, Mutter.«

Beinahe hätte Egwene gelächelt. Die Pause war sehr künstlich gewesen. Anscheinend missfiel es Delana, von einer Frau Tochter genannt zu werden, die jünger als die meisten Novizinnen war. Jünger als die meisten, die aus der Burg stammten. Andererseits war Delana selbst zu jung, um eine Sitzende zu sein. Und sie konnte ihr Temperament nicht so gut zügeln wie eine Wirtstochter. »Und warum sollte ich sie das fragen?«

»Weil das Thema in den letzten Tagen im Saal aufgekommen ist. Nicht als Vorschlag, aber es ist erwähnt worden, sehr verstohlen, und zwar von Varilin und Takima, und auch von Magla. Und Faiselle und Saroiya schienen daran interessiert zu sein, was sie zu sagen hatten.«

Ruhe oder nicht, plötzlich wand sich Zorn wie ein Wurm in Egwenes Innerem, und es war keine leichte Aufgabe, ihn zu zerquetschen. Diese fünf waren vor der Spaltung der Burg Sitzende gewesen, aber was noch wichtiger war, sie gehörten den beiden Hauptfraktionen an, die um die Vorherrschaft des Saals kämpften. Tatsächlich teilten sie sich zwischen Romanda und Lelaine auf, aber die beiden würden einander auch dann noch bekämpfen, wenn es bedeutete, dass sie beide ertranken. Und sie hatten ihre Anhängerinnen eisern im Griff.

Egwene hätte sich vielleicht vorstellen können, dass die anderen von den Ereignissen in Panik versetzt worden waren, aber nicht Romanda oder Lelaine. Seit mehreren Tagen waren die Debatten über Elaida oder die Zurückeroberung der Burg beinahe vollständig von besorgten Unterhaltungen über diese unglaublich mächtige, unmöglich lange Eruption der Einen Macht überschattet worden. Fast jeder wollte wissen, was sie verursacht hatte, und fast jeder hatte Angst vor der Antwort. Erst gestern hatte Egwene den Saal davon überzeugen können, dass es für eine kleine Gruppe möglich sein musste, gefahrlos an den Ort zu Reisen, an dem diese Eruption stattgefunden hatte — sogar die Erinnerung war für jeden stark genug, um die Stelle genau zu lokalisieren —, und die meisten Schwestern schienen kollektiv den Atem anzuhalten, bis Akarrin und die anderen zurückkehrten. Jede Ajah hatte eine Repräsentantin dabei haben wollen, aber Akarrin war die einzige Aes Sedai gewesen, die den Vorstoß wagte.

Doch weder Lelaine noch Romanda wirkten besorgt. So gewalttätig und lange anhaltend das Schauspiel auch gewesen war, es hatte sich auch in weiter Ferne abgespielt, und soweit sie sehen konnten, war kein Schaden entstanden; wenn es das Werk der Verlorenen war, was als sehr wahrscheinlich erschien, dann war die Chance, etwas zu erfahren, verschwindend gering, und die Möglichkeit, etwas dagegen auszurichten, sogar noch kleiner. Zeit und Mühe für Unmöglichkeiten zu verschwenden war sinnlos, wenn eine wichtige Aufgabe direkt vor ihnen lag. Das sagten sie und knirschten mit den Zähnen, weil sie derselben Ansicht waren. Aber sie stimmten auch darin überein, dass man Elaida Stola und Stab abnehmen musste, Romanda mit fast der gleichen Leidenschaft wie Lelaine, und wenn es Lelaines Zorn erregt hatte, dass Elaida eine ehemalige Blaue vom Posten der Amyrlin gestürzt hatte, dann hatte Elaidas Edikt, mit dem sie die Blaue Ajah auflöste, sie beinahe tollwütig gemacht. Wenn sie Gespräche über Verhandlungen zuließen... Es ergab keinen Sinn.

Das Letzte, was Egwene wollte, war, dass Delana oder andere auf die Idee kamen, Sheriam und die anderen wären mehr als ein paar Wachhunde, die auf sie aufpassen sollten, aber sie rief sie mit einem scharfen Ruf herbei. Sie waren verschlagen genug, die Geheimnisse zu bewahren, die bewahrt werden mussten, denn ihre eigenen Ajahs würden ihnen die Haut abziehen, wenn auch nur die Hälfte herauskam, und sie würden sich Zeit dabei lassen. Sie ritten heran und drängten sich in einer engen Gruppe um sie, ihre Gesichter waren Masken der Gelassenheit und Geduld. Dann bat Egwene Delana, das zu wiederholen, was sie ihr gesagt hatte. Trotz ihrer ursprünglichen Bitte um ein Gespräch unter vier Augen zögerte die Graue nicht lange, bevor sie dies tat. Und das war dann das Ende der Ruhe und Gelassenheit.