Выбрать главу

»Im Moment wären mir trockene Füße und ein warmes Feuer lieber«, murmelte Bashere ohne Nachzudenken und wünschte sofort, er hätte das nicht gesagt. Beleidige die Bräuche eines Mannes, und er konnte einen töten, und die Aiel waren von ihrem Brauchtum besessen; außerdem waren sie seltsam.

Aber Bael warf den Kopf zurück und lachte. »Die Feuchtländer stellen alles auf den Kopf, Davram Bashere.« Eine unauffällige Geste seiner rechten Hand brachte die anderen Aiel auf die Füße, und sie liefen in langen, mühelosen Schritten nach Osten. Der Schnee schien sie nicht im mindesten zu behindern.

Bashere schob das Fernglas in das Lederfutteral an Schnellhufs Sattelknauf, stieg auf und lenkte den Braunen nach Westen. Seine Eskorte hatte auf der anderen Hügelseite gewartet, und die Männer schlössen sich ihm nur mit dem leisen Ächzen von Leder und nicht dem geringsten Klirren ungesicherten Stahls an. Sie war zahlenmäßig geringer als Baels Eskorte, aber es waren harte Männer von seinem Grundbesitz in Tyr, und er hatte sie viele Male in die Fäule geführt, bevor er sie in den Süden gebracht hatte. Jeder Mann hatte seinen Teil der Umgebung, den er überwachen musste, voraus oder hinter ihnen, links oder rechts, oben oder unten, und ihre Köpfe befanden sich in ständiger Bewegung. Bashere hoffte, dass sie es auch mit der nötigen Aufmerksamkeit taten. Der Wald war hier recht spärlich und die Äste kahl — abgesehen bei Eichen, Zwerglorbeer, Kiefern und Fichten —, aber die schneebedeckte Landschaft war so hügelig, dass keine fünfzig Schritte weit weg hundert Reiter ungesehen warten konnten. Nicht, dass er damit rechnete, andererseits war es immer das Unerwartete, das einen umbrachte. Unbewusst lockerte er das Schwert in seiner Scheide. Man musste immer mit dem Unerwarteten rechnen.

Tumad hatte das Kommando über die Eskorte, so wie an den meisten Tagen, an denen Bashere für den jungen Leutnant nichts Wichtigeres zu tun hatte. Er baute ihn auf. Der junge Mann konnte klar denken und über das hinaus sehen, was sich vor seiner Nase befand; er war für die höheren Ränge bestimmt, falls er lange genug lebte. Er war hochgewachsen, wenn auch ein paar Handbreit kleiner als Bael, und heute trug er überdeutlich Verstimmung zur Schau.

»Was ist, Tumad?«

»Der Aielmann hatte recht, mein Lord.« Tumad zupfte ärgerlich mit einer behandschuhten Faust an seinem dichten schwarzen Vollbart. »Diese Andoraner spucken vor unsere Füße. Es gefällt mir nicht, wegreiten zu müssen, während sie uns eine lange Nase drehen.«

Nun ja, er war noch jung.

»Findet Ihr unsere Situation langweilig?« Bashere lachte. »Ihr braucht mehr Aufmerksamkeit? Tenobia ist nur fünfzig Meilen nördlich von uns, und falls man den Gerüchten Glauben schenken darf, hat sie Ethenielle von Kandor, Paitar von Arafel und sogar diesen Schienarer Easar mitgebracht. Die versammelte Macht der Grenzländer sucht nach uns, Tumad. Ich habe gehört, dass diesen Andoranern unten in Murandy nicht gefällt, dass wir in Andor sind, und falls dieses Heer aus Aes Sedai, dem sie gegenüberstehen, sie nicht in Stücke haut oder es bereits getan hat, könnten sie aufbrechen und nach uns Ausschau halten. Die Aes Sedai übrigens auch, früher oder später. Wir sind für den Wiedergeborenen Drachen geritten, und ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur eine Schwester das jemals vergessen wird. Und dann sind da die Seanchaner, Tumad. Glaubt Ihr wirklich, dass wir sie das letzte Mal gesehen haben? Sie kommen zu uns, oder wir werden zu ihnen gehen müssen; das eine oder das andere ist gewiss. Ihr jungen Männer habt keinen Blick für Aufregung, und wenn sie euch in den Schnurrbart kriecht!«

Leises Gelächter ging durch die folgenden Männer, die größtenteils in Basheres Alter waren, und selbst Tumad ließ die weißen Zähne zu einem Lachen aufblitzen. Sie alle hatten schon zuvor an Feldzügen teilgenommen, wenn auch noch keiner so seltsam wie dieser gewesen war. Bashere wandte den Kopf nach vorn und musterte den Weg, der zwischen den Bäumen vorbeiführte, aber seine Gedanken schweiften ab.

In Wahrheit bereitete ihm Tenobia Sorgen. Das Licht allein wusste, warum Easar und die anderen den Entschluss gefasst hatten, die Grenze zur Großen Fäule zu verlassen, ganz zu schweigen davon, dort so viele Soldaten abzuziehen, wie sie angeblich mit nach Süden gebracht hatten. Selbst wenn man die Zahl der Gerüchte noch halbierte. Zweifellos hatten sie Gründe, die sie als ausreichend betrachteten, und zweifellos teilte Tenobia sie. Aber er kannte sie; er hatte ihr das Reiten beigebracht, hatte sie aufwachsen gesehen und ihr die Zerbrochene Krone aufgesetzt, als sie den Thron bestieg. Sie war eine gute Herrscherin, ihre Hand war weder zu streng noch zu lasch, sie war intelligent, wenn auch nicht immer klug, mutig, ohne leichtsinnig zu sein, aber impulsiv war ein zu schwaches Wort für sie. Manchmal traf es nicht einmal hitzig. Und er war so sicher, wie er nur sein konnte, dass sie abgesehen von den Zielen der anderen — was auch immer sie erstrebten — ihr eigenes Ziel verfolgte. Der Kopf von Davram Bashere. Wenn dem so war, würde sie sich kaum mit einigen weiteren Jahren im Exil zufrieden geben, nicht, nachdem sie so weit gereist war.

Je länger Tenobia an einem Knochen herumkaute, desto schwerer war es, sie davon zu überzeugen, ihn loszulassen. Es war ein hübsches Problem. Eigentlich sollte sie in Saldaea sein und die Grenze zur Fäule bewachen, er aber auch. Sie konnte ihn wegen dem, was er seit seiner Ankunft im Süden getan hatte, mindestens zweimal wegen Verrats verurteilen lassen, aber ihm war noch immer nicht eingefallen, was er hätte anders machen können. Rebellion — wenn Tenobia wollte, konnte sie den Begriff großzügig auslegen —, es war schrecklich, Rebellion in Betracht zu ziehen, aber er hatte fest vor, seinen Kopf noch eine Weile auf den Schultern zu tragen. Ein hübsches und dorniges Problem.

Das Lager, das die etwa achttausend Mann umfassende leichte Kavallerie beherbergte, über die er noch verfügte, nachdem er Illian verlassen und gegen die Seanchaner gekämpft hatte, breitete sich über eine größere Fläche aus als das Lager auf der Straße nach Tar Valon, aber man konnte nicht behaupten, dass es in alle Richtungen wucherte. Die Halteseile der Pferde bestanden aus gleich großen Reihen, an deren beiden Enden die Öfen der Hufschmiede aufgebaut waren; sie erstreckten sich zwischen gleichermaßen geraden Reihen großer grauer oder muschelweißer Zelte, die größtenteils Flicken aufwiesen. Jeder Mann konnte nach einem Trompetensignal in der Zeit, in der man bis fünfzig zählte, aufgesessen und kampfbereit sein, und seine Wachen waren so aufgestellt, dass gewährleistet war, dass sie diese Zeit und mehr auch hatten. Selbst das Lager des Trosses mit seinen Zelten und Wagen einhundert Schritte weiter südlich war ordentlicher als das der Soldaten, die die Stadt belagerten, so als wären sie dem Beispiel der Saldaeaner gefolgt. Jedenfalls bis zu einem gewissen Punkt.

Als er mit seiner Eskorte angeritten kam, strömten Männer schnell und grimmig zu den Pferdeseilen, so als wäre das Signal zum Aufsitzen ertönt. Mehr als einer hatte das Schwert gezogen. Stimmen riefen ihm entgegen, aber beim Anblick einer großen Menge Männer und Frauen — es waren hauptsächlich Frauen —, die in der Lagermitte versammelt war, verspürte er plötzlich ein taubes Gefühl in seinem Inneren. Er stieß mit den Fersen zu, und Schnellhuf verfiel in Galopp. Er wusste nicht, ob ihm jemand folgte oder nicht. Er hörte nichts außer dem Pochen seines Bluts in den Ohren, sah nichts außer der Menge vor seinem eigenen hoch aufragenden Zelt. Das Zelt, das er mit Deira teilte.

Er zügelte nicht einmal das Pferd, als er die Menge erreichte, sondern sprang einfach aus dem Sattel und landete laufend auf dem Boden. Er hörte die Leute sprechen, ohne wahrzunehmen, was sie sagten. Sie wichen vor ihm zurück und öffneten einen Pfad zu seinem Zelt; er hätte sie sonst über den Haufen gelaufen.

Hinter der Schwelle kam er zum Stehen. Das Zelt war groß genug, um zwanzig Soldaten einen Schlafplatz zu gewähren, aber nun drängten sich Frauen bis zu den Wänden, die Ehefrauen von Adligen und Offizieren, aber sein suchender Blick fand schnell seine eigene Frau. Deira saß auf einem Klappstuhl in der Mitte des Teppichs, und das Gefühl der Taubheit verschwand. Ihm war klar, dass sie eines Tages sterben würde — das würden sie beide —, aber er fürchtete nur eines: ohne sie leben zu müssen. Dann sah er, dass einige der Frauen ihr halfen, das Gewand bis zur Taille abzustreifen. Eine andere drückte ein zusammengefaltetes Tuch gegen Deiras linken Arm, und der Stoff verfärbte sich rot, während Blut den Arm hinunterströmte und von ihren Fingern in eine auf den Teppich gestellte Schüssel tropfte. In der Schüssel befand sich bereits eine beträchtliche Menge dunkles Blut.