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»Sagt ihnen, sie sollen sich von diesen Altaranern fernhalten«, fuhr Perrin fort. »Alle möglichen Leute schließen sich Masema an, und selbst wenn sie Bedenken haben, wird es nicht lange dauern, bis sie wie der Rest nach Hingabe stinken. Dann würden sie nicht zögern, einem Nachbarn den Bauch aufzuschlitzen, ganz zu schweigen von jemandem, der die falschen Fragen stellt. Ich will wissen, was Masema vorhat.«

Dass der Mann einen Plan verfolgte, erschien offensichtlich. Masema behauptete, es sei Blasphemie, wenn jemand außer Rand die Eine Macht berührte, und gab vor, nichts mehr zu wollen als sich im Osten Rand anzuschließen. Wie immer ließ der Gedanke an Rand in Perrins Kopf Farben umherwirbeln, diesmal viel deutlicher als gewöhnlich, aber der Zorn zerstäubte sie. Blasphemie oder nicht, Masema akzeptierte das Schnelle Reisen, bei dem nicht nur die Macht gelenkt wurde, sondern das auch noch von Männern. Und was er auch behauptete, er hatte es getan, um so lange wie möglich im Westen bleiben zu können, nicht um bei Falles Rettung zu helfen. Perrin neigte dazu, Menschen zu vertrauen, bis sie sich als unzuverlässig erwiesen, aber ein Hauch von Masemas Geruch hatte ihm verraten, dass der Kerl so verrückt wie ein tollwütiges Tier war und bedeutend weniger vertrauenswürdig.

Er hatte über Möglichkeiten nachgedacht, diesen Plan zu verhindern und Masemas Töten und Brandschatzen ein Ende zu bereiten. Masema hatte zehn- oder zwölftausend Mann bei sich, vielleicht sogar mehr — er behielt die Zahl für sich, und die Art, wie sie sich überall ausbreiteten, wenn sie lagerten, verhinderte jede Zählung —, während Perrin weniger als ein Viertel davon zur Verfügung stand, und davon waren mehrere Hundert Fuhrleute und Pferdeknechte und andere, die bei einem Kampf mehr Behinderung als Hilfe sein würden, doch mit den drei Aes Sedai, den beiden Asha'man und nicht zu vergessen den sechs Weisen Frauen der Aiel konnte er Masema in Schach halten. Die Weisen Frauen und zwei der Aes Sedai würden ihm bereitwillig helfen. Sogar mehr als bereitwillig. Sie wollten Masema tot sehen. Aber die Auflösung von Masemas Heer würde es nur in Hunderte von kleinen Gruppen zersplittern, die sich in ganz Altara und den umliegenden Gebieten ausbreiten und weiter töten und plündern würden, nur auf eigene Rechnung statt im Namen des Wiedergeborenen Drachen. Die Zerschlagung der Shaido wird das gleiche Ergebnis haben, dachte er und verdrängte den Gedanken. Masema aufzuhalten würde Zeit erfordern, die er nicht hatte. Der Mann würde warten müssen, bis Faile in Sicherheit war. Bis die Shaido zu Kleinholz verarbeitet waren.

»Was ist die dritte Sache, die Ihr heute Nacht erfahren habt, Selande?«, fragte er grob. Zu seiner Über — raschung verstärkte sich die Sorge, die von der Frau ausging.

»Haviar hat jemanden gesehen«, sagte sie zögernd.

»Er hat es mir zuerst gar nicht gesagt.« Einen Augenblick lang verhärtete sich ihre Stimme. »Ich habe dafür gesorgt, dass sich das nicht wiederholen wird!« Sie holte tief Luft, schien mit sich zu kämpfen und platzte dann heraus: »Masuri Sedai hat Masema ... den Propheten besucht. Es ist wahr, mein Lord; glaubt mir!

Haviar hat sie mehr als einmal gesehen. Sie schleicht mit hochgeschlagener Kapuze in sein Lager und verlässt es auch auf die gleiche Art, aber er hat zweimal einen guten Blick auf ihr Gesicht werfen können. Sie wird jedes Mal von einem Mann begleitet, und manchmal auch von einer anderen Frau. Haviar hat den Mann nicht gut genug sehen können, um sicher zu sein, aber die Beschreibung passt auf Rovair, Masuris Behüter, und Haviar ist davon überzeugt, dass die zweite Frau Annoura Sedai ist.«

Sie verstummte abrupt, ihre Augen funkelten dunkel im Mondlicht, während sie ihn beobachtete. Beim Licht, sie war genauso wegen seiner Reaktion besorgt wie über das, was diese Nachricht bedeutete! Er zwang seine Fäuste dazu, sich zu entspannen. Masema verabscheute Aes Sedai so sehr wie Schattenfreunde; fast betrachtete er sie als Schattenfreunde. Also warum sollte er zwei Schwestern empfangen? Warum sollten sie ihn besuchen? Annouras Meinung über Masema lag hinter Geheimnistuerei und zweideutigen Kommentaren verborgen, die alles bedeuten konnten, aber Masuri hatte geradeheraus gesagt, dass man den Mann wie einen tollen Hund erschlagen müsste.

»Sorgt dafür, dass Haviar und Nerion die Schwestern im Auge behalten, vielleicht können sie ja eines ihrer Treffen mit Masema belauschen.« Konnte sich Haviar geirrt haben? Nein, es gab nur wenige Frauen in Masemas Lager, relativ gesprochen, und es war kaum vorstellbar, dass der Tairener eine dieser ungewaschenen, verrückten Schreckschrauben mit Masuri verwechseln konnte. Jene Frauen, die bereit waren, Masemas Heer zu begleiten, ließen die Männer für gewöhnlich wie Kesselflicker aussehen. »Aber sagt ihnen, sie sollen vorsichtig sein. Es ist besser, wenn sie eine Gelegenheit verstreichen lassen, als dabei ertappt zu werden. An einem Baum aufgeknüpft nutzen sie niemandem.« Perrin wusste, dass er grob klang, und versuchte seine Stimme zu mäßigen. Seit Failes Entführung schien das schwieriger geworden zu sein. »Das war gute Arbeit, Selande.« Wenigstens klang er nicht so, als würde er sie anbrüllen. »Von Euch und Haviar und Nerion. Faile wäre stolz auf Euch, wenn sie es wusste.«

Ein Lächeln erhellte ihr Gesicht, und sie stand etwas aufrechter da, falls das überhaupt möglich war. Reiner Stolz, der Stolz einer vollbrachten Leistung, überwältigte beinahe jeden anderen Geruch, der von ihr ausging! »Danke, mein Lord. Danke!« Man hätte glauben können, er hätte ihr einen Preis überreicht. Vielleicht hatte er das sogar, wenn man es näher bedachte. Obwohl — wenn man darüber nachdachte, konnte es durchaus sein, dass Faile nicht besonders darüber erfreut sein würde, dass er ihre Augen-und-Ohren benutzte oder überhaupt von ihnen wusste. Früher hätte der Gedanke an eine verärgerte Falle ihm Unbehagen bereitet, aber das war gewesen, bevor er von ihren Spionen erfahren hatte. Und diese kleine Sache mit der Zerbrochenen Krone, die Elyas versehentlich herausgerutscht war. Alle behaupteten immer, Ehefrauen würden ihre Geheimnisse für sich behalten, aber es gab Grenzen!

Balwer richtete mit einer Hand seinen Umhang auf den schmalen Schultern und hustete in die andere hinein. »Gut gesagt, mein Lord. Sehr gut gesagt. Meine Lady, Ihr wollt gewiss Lord Perrins Anweisungen so schnell wie möglich weitergeben. Es wäre nicht gut, wenn es da Missverständnisse gäbe.«

Selande nickte, ohne den Blick von Perrin zu wenden. Ihr Mund öffnete sich, und Perrin war davon überzeugt dass sie ihrer Hoffnung Ausdruck verleihen wollte, dass er Wasser und Schatten fand. Beim Licht, Wasser war das eine, was sie im Überfluss hatten.

Selbst wenn es hauptsächlich gefroren war, und zu dieser Jahreszeit brauchte man nicht einmal am Mittag Schatten! Vermutlich hatte sie es vorgehabt, denn sie zögerte, bevor sie schließlich sagte: »Die Gnade sei Euch gewogen, mein Lord. Wenn ich so offen sein darf, die Gnade ist Lady Faile gewogen gewesen, da sie Euch gefunden hat.«