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Perrin nahm noch einen Bissen, um sich einen Augenblick Zeit zu verschaffen, während er kaute und schluckte. Er war nicht an Intrigen gewöhnt, aber er war genügend Intrigen ausgesetzt gewesen, um zu wissen, dass es gefährlich sein konnte, wenn man zuviel sagte. Oder zu wenig, selbst wenn Balwer anders darüber dachte. »Annoura hatte ein Geheimtreffen mit Masema. Masuri auch.«

Berelains aufgesetztes Lächeln blieb an Ort und Stelle, aber jetzt ging auch noch Sorge von ihr aus. Sie wollte sich im Sattel umdrehen, um zu den beiden Aes Sedai hinüberzublicken, beherrschte sich aber und fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen. »Aes Sedai haben immer ihre Gründe«, war alles, was sie dazu zu sagen hatte. Nun ja, war sie besorgt, weil sich ihre Beraterin mit Masema traf oder dass Perrin davon wusste oder...? Er hasste diese ganzen Verwicklungen. Sie behinderten nur die wichtigen Dinge. Beim Licht, er hatte die zweite Keule auch schon abgenagt! In der Hoffnung, dass Berelain es nicht bemerkt hatte, warf er den Knochen hastig zur Seite. Sein Magen verlangte knurrend nach mehr.

Ihre Leute waren auf Distanz geblieben, aber Aram war ein kurzes Stück auf Perrin und Berelain zugeritten und beugte sich vor, um sie zwischen den schattenverhüllten Bäumen zu betrachten. Die Weisen Frauen standen etwas abseits und unterhielten sich, ohne anscheinend zu bemerken, dass sie bis zu den Knöcheln im Schnee standen oder dass die kalte Brise heftig genug geworden war, um die Enden ihrer Schultertücher zu bewegen. Trotzdem schaute gelegentlich auch eine von ihnen in Perrins und Berelains Richtung.

Perrins Privatsphäre hielt keine Weise Frau davon ab, ihre Nase dort hineinzustecken, wo auch immer sie wollte. In dieser Beziehung waren sie wie die Aes Sedai. Auch Masuri und Annoura schauten zu, obwohl sie sich von den anderen fern zu halten schienen. Perrin wäre jede Wette eingegangen, dass beide Schwestern ohne die Anwesenheit der Weisen Frauen mit der Einen Macht gelauscht hätten. Natürlich wußten auch die Weisen Frauen, wie man das anstellte, und sie hatten Masuris Besuch bei Masema erlaubt. Würden die Aes Sedai die Zähne zusammenbeißen, wenn sie bemerkten, dass die Weisen Frauen mit der Macht lauschten? Annoura schien die Weisen Frauen beinahe mit der gleichen Vorsicht zu behandeln wie Masuri.

Beim Licht, er hatte keine Zeit für dieses Dornengestrüpp! Aber er musste darin leben.

»Wir haben ihnen genug gegeben, worüber sie sich das Maul zerreißen können«, sagte er. Nicht, dass sie mehr brauchten, als sie ohnehin schon hatten. Er schob den Tragegriff des Korbs über den Sattelknauf und stieß Traber in die Flanken. Es konnte wohl kaum als treulos gelten, ein gebratenes Huhn zu essen.

Berelain schloss sich ihm nicht sofort an, holte ihn aber ein, bevor er Aram erreichte, und zügelte ihr Pferd neben ihm. »Ich werde herausfinden, was Annoura vorhat«, sagte sie entschlossen und schaute starr geradeaus. Ihr Blick war hart. Perrin hätte Annoura bedauert, hätte er nicht schon selbst versucht, Antworten aus ihr herauszuschütteln. Aber Aes Sedai brauchten selten Mitleid, und sie gaben selten Antworten, die sie nicht geben wollten. Im nächsten Augenblick war Berelain wieder die personifizierte Lebenslust und lächelte strahlend, auch wenn der Geruch der Entschlossenheit sie noch immer umgab und die Furcht beinahe auslöschte. »Der junge Aram hat uns erzählt, dass Herzverderber mit der Wilden Jagd durch diese Wälder reitet, Lord Perrin. Haltet Ihr das für möglich? Ich erinnere mich, diese Geschichten in meiner Kinderstube erzählt bekommen zu haben.« Ihre Stimme war hell und amüsiert. Arams Wangen färbten sich rot, und ein paar der Männer hinter ihm lachten.

Dann hörten sie auf zu lachen, als Perrin ihnen die Spuren auf der Felsplatte zeigte.

7

Scharfkantige Rätselspiele

Als das Gelächter abrupt verstummte, setzte Aram ein selbstzufriedenes Grinsen auf, und der Furchtgeruch, der zuvor von ihm ausgegangen war, war verschwunden. Jeder hätte geglaubt, dass er die Spuren bereits selbst gesehen hatte und alles wusste, was es darüber zu wissen gab. Aber alle hatten nur Augen für die riesigen Pfotenabdrücke auf dem Stein, und keiner beachtete das Grinsen oder sonst etwas, nicht einmal Perrins Erklärung, dass die Schattenhunde schon lange fort waren. Natürlich konnte er ihnen nicht verraten, woher er das wusste, aber diesen Mangel schien keiner zu bemerken. Ein schräger Sonnenstrahl fiel direkt auf die graue Platte und erhellte sie deutlich. Traber hatte sich an den vergehenden Geruch nach verbranntem Schwefel gewöhnt — zumindest schnaubte er nur und legte die Ohren an —, aber die anderen Pferde scheuten vor dem schrägen Stein. Abgesehen von Perrin konnte keiner der Menschen den Geruch wahrnehmen, und die meisten fluchten über das Verhalten ihrer Reittiere und betrachteten den seltsam gezeichneten Felsen, als wäre er eine von einem Wanderzirkus zur Schau gestellte Kuriosität.

Berelains mollige Dienerin schrie auf, als sie die Spuren sah, und schwankte so auf ihrer dickbäuchigen, nervös tänzelnden Stute herum, dass sie hinunterzufallen drohte, aber Berelain bat Annoura lediglich gedankenverloren, auf sie aufzupassen, und starrte die Pfotenabdrücke so regungslos an, als wäre sie selbst eine Aes Sedai. Aber ihre Hände verkrampften sich um die Zügel, bis sich das dünne rote Leder um ihre Knöchel spannte. Bertain Gallenne, der Lordhauptmann der Geflügelten Wachen, dessen roter Helm mit den herausgehämmerten Flügeln von drei dünnen roten Federn gekrönt wurde, hatte an diesem Morgen persönlich das Kommando über Berelains Leibwache, und er trieb seinen großen schwarzen Wallach an den Felsen heran, schwang sich aus dem Sattel in den knietiefen Schnee und nahm seinen Helm ab, um die Platte mit seinem einen Auge zu betrachten. Die leere Augenhöhle wurde von einer scharlachroten Klappe bedeckt, deren Riemen durch sein schulterlanges graues Haar führte. Seine Grimasse verkündete, dass er Ärger sah, aber er sah immer zuerst die Probleme. Perrin vermutete, dass das bei einem Soldaten besser war, als immer nur das Gute zu sehen.

Auch Masuri stieg ab, aber sobald sie auf dem Boden stand, blieb sie mit den Zügeln in der einen behandschuhten Hand stehen und sah unsicher zu den drei sonnenverbrannten Aielfrauen hinüber. Ein paar mayenische Soldaten murmelten unbehaglich, aber mittlerweile hätten sie sich daran gewöhnen müssen. Annoura verbarg ihr Gesicht tiefer in der grauen Kapuze, als wollte sie den Felsen nicht sehen, und schüttelte Berelains Dienerin energisch; die Frau starrte sie erstaunt an. Masuri andererseits wartete scheinbar geduldig neben ihrem Pferd, aber ihr unablässiges, unbewusstes Glätten des rotbraunen Seidenreitrocks verriet ihre Nervosität. Die Weisen Frauen wechselten so ausdruckslos wie die Schwestern stumme Blicke. Carelle stand zwischen Nevarin, einer dürren Frau mit grünen Augen, und Marline, deren Augen das Blau des Zwielichts aufwiesen und deren schwarzes Haar — eine Seltenheit unter den Aiel — unter dem Tuch hervor schaute. Alle drei waren hochgewachsene Frauen, so groß wie Männer, und keine von ihnen schien mehr als ein paar Jahre älter als Perrin zu sein, aber ihre ruhige Gelassenheit wäre nicht möglich gewesen, ohne mehr Jahre gelebt zu haben, als ihre Gesichter verkündeten. Abgesehen von den langen Ketten und schweren Armreifen aus Gold und Elfenbein hätten ihre schweren dunklen Röcke und die dunklen Schultertücher auch zu Bäuerinnen gepasst, aber es bestand nicht der geringste Zweifel, wer hier das Kommando hatte, die Aes Sedai oder sie. Wenn man ehrlich war, schienen manchmal sogar Zweifel zu bestehen, wer den Oberbefehl hatte, Perrin oder sie.

Schließlich ruckte Nevarin und zeigte ein warmes und zustimmendes Lächeln. Perrin hatte sie noch nie lächeln gesehen. Nevarin ging nie mit finsterer Miene umher, aber für gewöhnlich schien sie nach jema ndem Ausschau zu halten, den sie ausschimpfen konnte.

Masuri hatte auf das Nicken gewartet, bevor sie ihre Zügel einem Soldaten gab. Ihr Behüter war nirgendwo in Sicht, und das musste das Werk der Weisen Frauen sein. Für gewöhnlich klebte Rovair an ihr wie Pech. Sie hob ihren Reitrock und stapfte durch den Schnee, der in der Nähe des Steins immer tiefer wurde, dann strich sie mit den Händen über die Pfotenabdrücke und lenkte offensichtlich die Macht, obwohl nichts passierte, das Perrin sehen konnte. Die Weisen Frauen beobachteten sie genau, aber sie konnten Masuris Gewebe sehen. Annoura zeigte kein Interesse. Die Enden ihrer schmalen Zöpfe zuckten, als würde sie in der Kapuze den Kopf schütteln, und die Graue Schwester lenkte ihr Pferd von der Dienerin fort und aus der Sichtweite der Weisen Frauen, obwohl sie das auch weiter von Berelain fortbrachte, die vielleicht gerade jetzt ihren Rat gebraucht hätte. Annoura ging den Weisen Frauen so gut aus dem Weg, wie sie nur konnte.