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»So wie man es mir erzählt hat, Kesselflicker«, sagte Elyas ruhig, »kamen bei den Zwei Flüssen die Trollocs zu euch, und es ist euch gelungen, sie in die Zange zu nehmen. Hast du irgendwelche großartigen Pläne, um die Shaido in die Zange zu nehmen?« Aram starrte ihn mürrisch an. Elyas hatte ihn schon gekannt, bevor er das Schwert ergriffen hatte, und trotz seiner hellbunten Kleidung mochte es Aram gar nicht, an diese Zeit erinnert zu werden.

»Zehn Septimen oder fünfzig«, knurrte Arganda, »es muss eine Möglichkeit geben, die Königin zu befreien. Und die anderen natürlich auch.« Sein hartes Gesicht war zu einer wütenden Grimasse verzogen, aber er roch ungestüm, wie ein Fuchs, der bereit war, sich das eigene Bein abzunagen, um aus einer Falle zu entkommen. »Würden ...? Würden sie ein Lösegeld akzeptieren?« Der Ghealdaner sah sich um, bis er Marline entdeckte, die sich an den Geflügelten Wachen vorbeischob. Trotz des Schnees schritt sie gleichmäßig daher, geriet nicht ein einziges Mal ins Stolpern. Die anderen Weisen Frauen waren nicht länger zwischen den Bäumen zu sehen, genauso wenig wie Elienda. »Würden diese Shaido ein Lösegeld annehmen ... Weise Frau?« Die Nennung ihres Titels klang wie ein nachträglicher Einfall. Arganda war nicht länger der Überzeugung, dass die sich bei ihnen befindlichen Aiel von der Entführung gewusst hatten, aber da gab es noch immer ein tiefsitzendes Misstrauen.

»Das weiß ich nicht.« Marline schien seinen Tonfall nicht zu bemerken. Mit vor der Brust verschränkten Armen stand sie da und blickte Perrin an und nicht Arganda. Es war einer jener Blicke, mit denen eine Frau einen maß und abschätzte, bis sie einem einen Anzug hätte nähen oder sagen können, wann man das letzte Mal die Unterwäsche gewaschen hatte. Als er noch Zeit für solche Dinge gehabt hatte, hätte ihm das Unbehagen bereitet. Als sie weitersprach, war ihr Tonfall keinesfalls belehrend; sie stellte lediglich die Fakten dar. Möglicherweise meinte sie es sogar so. »Die Zahlung von Lösegeld, wie ihr Feuchtländer es nennt, entspricht nicht unseren Bräuchen. Gai'schain können als Geschenk weitergereicht werden oder gegen andere Gai'schain eingetauscht werden, es sind jedoch keine Tiere, die man verkauft. Aber es hat den Anschein, als würden die Shaido nicht länger dem Ji'e'toh folgen. Sie machen Feuchtländer zu Gai'schain und nehmen jeden, statt nur jeden fünften. Vielleicht setzten sie einen Preis fest.«

»Meine Juwelen stehen Euch zur Verfügung, Perrin«, warf Berelain mit fester Stimme und unbewegtem Gesicht ein. »Falls nötig, können Grady oder Neald aus Mayene auch Gold holen.«

Gallenne räusperte sich. »Altaraner sind an Plünderer gewöhnt, meine Lady, ob es nun benachbarte Adlige oder Banditen sind«, sagte er langsam und schlug die Zügel in die Handfläche. Obwohl er zögerte, Berelain zu widersprechen, hatte er sich offensichtlich dazu entschlossen. »So weit von Ebou Dar entfernt gibt es kein Gesetz, wenn man einmal davon absieht, was die örtlichen Lords oder Ladies bestimmen. Adlige oder Gemeine, sie sind daran gewöhnt, jeden zu bezahlen, den sie nicht abwehren können, und sie sind geübt darin, schnell zu erkennen, was im Einzelfall erforderlich ist. Es ist wider jede Vernunft, dass keiner von ihnen versucht hat, sich Sicherheit zu erkaufen, und doch haben wir auf dem Pfad dieser Shaido nur Zerstörung gesehen, haben nur von Plünderungen gehört. Möglicherweise akzeptieren sie ein Lösegeld, aber kann man ihnen vertrauen, dass sie auch die Gegenleistung erbringen? Allein schon ein Angebot gibt unseren einzigen wahren Vorteil preis, nämlich dass sie nichts von uns wissen.« Annoura schüttelte kaum merklich den Kopf, aber Gallenne bemerkte es, und er runzelte die Stirn. »Ihr widersprecht, Annoura Sedai?«, fragte er höflich. Und mit einer Spur von Überraschung. Manchmal war die Graue beinahe scheu, vor allem für eine Schwester, aber sie zögerte nie, ihre Meinung zu sagen, wenn sie mit einem für Berelain bestimmten Rat nicht einverstanden war.

Aber diesmal zögerte Annoura und verbarg es, indem sie ihren Umhang enger zog und die Falten sorgfältig richtete. Das war unbeholfen von ihr; wenn sie wollten, konnten Aes Sedai Hitze oder Kälte ignorieren und blieben unberührt, während alles um sie herum schweißgebadet war oder darum kämpfte, ein Zähneklappern zu unterdrücken. Eine Aes Sedai, die der Temperatur Aufmerksamkeit schenkte, schindete Zeit zum Nachdenken, für gewöhnlich, um zu verbergen, was sie gerade dachte. Sie schenkte Marline ein leises Stirnrunzeln und kam endlich zu einer Entscheidung, und die paar Falten auf ihrer Stirn verschwanden.

»Verhandeln ist immer besser als kämpfen«, sagte sie in ihrem kühlen tarabonischen Akzent, »und bei Verhandlungen ist das Vertrauen stets eine Sache der Vor — sichtsmaßnahmen, oder? Wir müssen sorgfältig die Vorsichtmaßnahmen bedenken, die sie ergriffen haben müssen. Und es ist die Frage, wer sich ihnen nähert. Die Weisen Frauen sind vielleicht nicht länger unberührbar, seit sie an der Schlacht bei den Quellen von Dumai teilgenommen haben. Eine Schwester oder eine Gruppe von Schwestern könnte da besser sein, aber selbst das sollte sorgfältig vorbereitet sein. Ich biete mich an ...«

»Kein Lösegeld«, sagte Perrin, und als alle ihn anstarrten, die meisten verblüfft, Annoura mit unleserlichem Gesicht, wiederholte er es mit harter Stimme.

»Kein Lösegeld.« Er würde diese Shaido nicht auch noch dafür bezahlen, dass sie Faile hatten leiden lassen. Sie würde Angst haben, und dafür mussten sie bezahlen und nicht profitieren. Nichts von dem, was Perrin in Altara oder Amadicia oder davor in Cairhien gesehen hatte, wies auch nur im mindesten darauf hin, dass man den Shaido vertrauen konnte, einen Handel einzuhalten. Da konnte man genauso gut den Ratten im Kornspeicher vertrauen. »Elyas, ich will ihr Lager sehen.« Als Junge hatte er einen blinden Mann gekannt. Nat Torfinn mit seinem faltigen Gesicht und dem dünnen weißen Haar konnte jedes Rätselspiel allein durch seinen Tastsinn lösen. Jahrelang hatte Perrin versucht zu lernen, wie man dieses Bravourstück nachahmen konnte, aber es war ihm nie gelungen. Er musste sehen, wie die Stücke zusammenpassten, bevor er sie begriff. »Aram, findet Grady und sagt ihm, er soll so schnell wie möglich an der Reisestelle zu mir kommen.« So nannten sie mittlerweile die Stelle, an der sie nach jedem Sprung ankamen und von der sie auch wieder aufbrachen. Es fiel den Asha'man leichter, ein Wegetor an einem Ort zu weben, der bereits von einem früheren Tor berührt worden war.

Aram nickt knapp, dann zog er seinen Grauen herum und galoppierte in Richtung Lager, aber Perrin konnte von den ihn umgebenden Gesichtern Einwände, Fragen und Forderungen ablesen. Marline musterte ihn noch immer, so als wäre sie sich plötzlich nicht mehr genau darüber im Klaren, was er war, und Gallenne betrachtete mit finsterer Miene die Zügel in seiner Hand; zweifellos malte er sich schon aus, dass die Dinge schlimm ausgehen würden, ganz egal, was Perrin auch machte. Aber Berelain zeigte einen beunruhigten Ausdruck, der ihre Einwände deutlich zutage treten ließ, und Annouras Lippen waren zu einem schmalen Strich verzogen. Aes Sedai mochten es gar nicht, wenn man sie unterbrach, und ob sie nun für eine Aes Sedai scheu war oder nicht, sie sah bereit aus, ihrem Ärger Luft zu machen. Argandas Gesicht verfärbte sich rot, und er öffnete den Mund mit der klaren Absicht, sofort loszubrüllen. Arganda hatte oft herumgebrüllt, seit seine Königin entführt worden war. Es war sinnlos, sich das wieder anzuhören.

Perrin stieß Traber die Fersen in die Flanken, ließ ihn die Reihe der Geflügelten Wachen durchbrechen und hielt auf die Bäume zu. Nicht im Galopp, aber auch nicht in gemütlichem Tempo — ein schneller Trab durch den Wald, die Zügel fest in der Hand, mit dem Blick bereits auf der Suche nach Grady. Elyas schloss sich ihm wortlos auf seinem Wallach an. Perrin war davon überzeugt gewesen, in seinem Inneren keinen Platz mehr für auch nur eine weitere Unze Furcht zu haben, aber Elyas' Schweigen machte die Last noch schwerer, die auf ihm ruhte. Elyas sah nie ein Hindernis, ohne zugleich einen Weg zu sehen, wie man es umgehen konnte. Sein Schweigen schrie geradezu von unpassierbaren Bergen. Aber es musste einen Weg geben. Als sie den Ort des Tors erreichten, führte Perrin seinen Hengst durch die Sonnenstrahlen an den umgestürzten Bäumen vorbei und zwischen den stehenden hindurch, nicht dazu in der Lage, einfach stehen zu bleiben. Er musste in Bewegung bleiben. Es musste einen Weg geben. Seine Gedanken schössen hin und her wie eine Ratte im Käfig.