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Beinahe hätte sie aufgestöhnt, als er die Kohlenpfannen unter dem Tisch abstellte. Wärme flutete durch die Spalten zwischen den Holzbohlen. Ihre Muskeln kreischten noch immer vor Krämpfen, aber ach, diese gesegnete Wärme ... Dann stöhnte sie doch auf, als der Mann einen Arm um ihre Brust und den anderen unter ihre gebeugten Knie legte. Plötzlich wurde ihr bewusst, dass der Druck von den Ellbogen genommen worden war. Er hatte sie ... zusammengedrückt. Eine seiner Hände fing an, ihren Oberschenkel zu bearbeiten, und sie schrie beinahe auf, als sich seine Finger in verknotete Muskeln gruben, aber dann spürte sie, wie sich die Knoten zu lösen begannen. Sie schmerzten noch immer, seine Massage schmerzte, aber der Schmerz in diesem Oberschenkelmuskel veränderte sich. Er nahm zwar nicht gerade ab, aber ihr war klar, dass das passieren würde, wenn er weitermachte.

»Du hast doch nichts dagegen, wenn ich mich beschäftige, während ich darüber nachdenke, wie ich dich zum Lachen bringen kann, oder?«

Plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie lachte, und zwar nicht hysterisch. Nun ja, nicht wirklich. Sie war verschnürt wie eine Gans, die in den Ofen sollte, und wurde das zweite Mal von einem Mann vor der Kälte gerettet, den sie vielleicht doch nicht erstechen würde. Sevanna würde sie von jetzt an wie ein Falke im Auge behalten, und Therava würde sie vielleicht töten, um ein Exempel zu statuieren. Aber sie wusste, dass sie entkommen würde. Eine Tür schloss sich nie/ ohne dass sich eine andere öffnete. Sie würde fliehen. Sie lachte, bis sie weinte.

10

Ein flammendes Fanal

Die Dienerin mit den weit aufgerissenen Augen war eher darin geübt, Brotteig zu kneten statt Reihen winziger Knöpfe zu schließen, aber irgendwann hatte sie Elaynes dunkelgrünes Reitkleid zugeknöpft, machte einen Knicks und trat schwer atmend zurück, aber es war nur schwer zu sagen, ob das von der benötigten Konzentration kam oder von der Ehre, sich in Gegenwart der Tochter-Erbin zu befinden. Der Große Schlangenring an Elaynes linker Hand mochte ebenfalls etwas damit zu tun haben. Nur zwanzig Meilen in gerader Linie würden einen vom Herrenhaus des Hauses Matherin zum Erinin mit seinem Flusshandel bringen, aber tatsächlich war die Entfernung viel größer, da man die Chishen-Berge überqueren musste, und die Menschen hier waren eher an die Besuche von Viehdieben aus Murandy gewöhnt, welche die nahe Grenze überquerten, als an andere Besucher, insbesondere wenn die Besucherin Tochter —Erbin und Aes Sedai in einer Person war. Diese Ehre schien mehr zu sein, als die Dienerschaft ertragen konnte. Elsie hatte das blaue Seidennachthemd, das Elayne in der Nacht getragen hatte, mit übertriebener Gewissenhaftigkeit zusammengefaltet und in eine große Reisetruhe aus Leder gepackt. Davon standen zwei im Ankleidezimmer des Gemachs. Sie hatte es so gewissenhaft gemacht, dass Elayne es ihr beinahe aus den Händen genommen hätte, um es selbst zu tun. Sie hatte zuerst schlecht geschlafen und war immer wieder aufgewacht, dann hatte sie verschlafen, und sie war außer sich, dass sie sich noch nicht auf dem Rückweg nach Caemlyn befand.

Dies war die fünfte Nacht, die sie seit der Nachricht von den anrückenden Heeren außerhalb von Caemlyn verbracht hatte, und bei jeder Reise hatte sie jeweils einen Tag darauf verwandt, drei oder vier Herrenhäuser zu besuchen — einmal sogar fünf —, die alle Männer und Frauen gehörten, die durch Blut oder Eide mit dem Haus Trakand verbunden waren, und jeder Besuch kostete Zeit. Gerade der Zeitdruck lastete schwer auf ihr, aber es war unumgänglich, das richtige Bild zu präsentieren. Wenn sie nicht wie eine Flüchtige aussehen wollte, brauchte sie Reitkleidung, um von einem Herrenhaus zum nächsten zu reisen, aber sie musste sich vor den Empfängen umziehen, ob sie nun dort übernachtete oder nur wenige Stunden blieb. Zwar wurde die Hälfte dieser Stunden davon in Beschlag genommen, die Reitkleidung gegen ein Gewand einzutauschen, aber Reitkleidung kündete von Hast und Bedürftigkeit, vielleicht sogar von Verzweiflung, während die Adelskrone der Tochter —Erbin und ein mit viel Spitze gesäumtes und mit aufwändigen Stickereien verziertes Gewand, das man aus einer Reisekiste holte und anlegte, nachdem man sich gewaschen hatte, der Welt Zuversicht und Stärke zum Ausdruck brachte. Sie hätte gern ihre Zofe mitgenommen, um den Eindruck noch zu verstärken, aber für Essande war die winterliche Reise zu anstrengend; außerdem hätte die Bedächtigkeit der weißhaarigen Frau sie vor Ungeduld vermutlich in die eigene Zunge beißen lassen. Andererseits hätte Essande niemals so langsam sein können wie die zaghafte und verschreckte junge Elsie.

Endlich reichte ihr Elsie den pelzgefütterten roten Umhang mit einem Knicks, und Elayne schwang ihn sich hastig über die Schultern. Im Kamin prasselte ein Feuer, aber der Raum war alles andere als warm, und in letzter Zeit schien sie einfach nicht dazu fähig zu sein, die Kälte verlässlich zu ignorieren. Das Mädchen senkte den Kopf, während sie fragte, ob es ihrer Majestät recht sei, wenn sie nach den Männern schickte, die die Kisten runtertrugen. Beim ersten Mal hatte Elayne ihr in aller Ruhe erklärt, dass sie noch nicht die Königin war, aber Elsie schien die Vorstellung, sie einfach nur als Lady oder auch nur als Prinzessin anzusprechen — obwohl das Letztere in Wahrheit als überaus altmodisch galt —, schlichtweg zu entsetzen. Ob es sich nun gehörte oder nicht, für gewöhnlich freute es Elayne, wenn jemand ihr Recht auf den Thron anerkannte, aber an diesem Morgen war sie zu müde, als etwas anderes als Ungeduld zu empfinden. Sie unterdrückte ein Gähnen und befahl Elsie kurz angebunden, die Männer zu holen und sich dabei zu beeilen, dann wandte sie sich der holzgetäfelten Tür zu. Das Mädchen eilte los, um sie zu öffnen, was mehr Zeit in Anspruch nahm, als hätte sie es selbst getan, und sie machte einen Hofknicks, bevor sie sie öffnete und auch danach. Elaynes seidener Reitrock knisterte laut, als die Beine bei jedem ihrer energischen Schritte aneinander scheuerten, während sie die roten Reithandschuhe ungeduldig zurechtzupfte. Hätte Elsie sie noch eine Sekunde länger aufgehalten, hätte sie vermutlich laut geschrien.

Aber es war das Mädchen, das aufschrie, bevor Elayne drei Schritte weit gekommen war, ein furchterfülltes Heulen, das sich ihrer Kehle entrang. Der Umhang bauschte sich auf, als Elayne herumfuhr, während sie die Wahre Quelle umarmte und fühlte, wie das überwältigende Saidar durch sie hindurchflutete. Elsie stand auf dem Teppich, der die hellbraunen Bodenfliesen bedeckte, und starrte mit vor den Mund gepressten Händen in den Gang auf der gegenüberliegenden Seite. Dort öffneten sich die Durchgänge von zwei sich kreuzenden Korridoren, aber es war niemand zu sehen.

»Was ist denn, Elsie?«, wollte Elayne wissen. Mehrere verschiedene Gewebe waren fast vollendet, von einem einfachen Netz aus Luft bis zu einem Feuerball, der die vor ihr befindlichen Wände pulverisiert hätte, und in ihrer derzeitigen Stimmung wollte sie eine n von ihnen benutzen, wollte mit der Macht zuschlagen. In letzter Zeit waren ihre Stimmungen etwas unberechenbar, um es höflich auszudrücken.

Das Mädchen schaute zitternd über die Schulter, und wenn ihre Augen zuvor weit aufgerissen gewesen waren, quollen sie jetzt förmlich hervor. Ihre Hände krallten sich noch immer vor ihren Mund, als wollte sie einen weiteren Schrei verhindern. Sie hatte schwarze Augen und schwarze Haare, war hoch gewachsen mit einem üppigen Busen und trug die graublaue Livree des Hauses Matherin; eigentlich war sie gar kein Mädchen mehr — Elsie mochte vier oder fünf Jahre älter als Elayne sein —, aber so, wie sie sich benahm, fiel es schwer, sie für etwas anderes zu halten.

»Was ist denn, Elsie? Und erzähl mir nicht, dass es nichts war. Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.«

Das Mädchen zuckte zusammen. »Das habe ich auch«, sagte sie unsicher. Dass sie Elaynes Titel unter schlug, zeigte, wie durcheinander sie war. »Lady Nelein, Lord Aedmuns Großmutter. Sie starb, als ich noch klein war, aber ich kann mich noch daran erinnern, dass sich selbst Lord Aedmun wegen ihres Temperaments in ihrer Umgebung auf Zehenspitzen bewegte, und die Dienerschaft sprang, wenn sie sie nur anschaute, und die zu Besuch kommenden Ladys auch, genau wie die Lords. Jeder hatte Angst vor ihr. Sie stand direkt vor mir, und sie hat so wütend dreingeschaut ...« Sie verstummte und wurde dunkelrot, als Elayne lachte.