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Rasoria drehte stirnrunzelnd den Kopf und fragte sich offensichtlich, was sie nicht mitbekommen hatte, aber die Worte vertrieben die Sorge aus Sareithas dunklen Augen. Vielleicht nicht vollständig, denn ihre Hände schienen unablässig ihre braunen Röcke glätten zu wollen, aber sie war bereit, dem Beispiel einer Schwester zu folgen, die einen so hohen Rang wie Elayne einnahm. Manchmal hatte es seine Vorteile, hoch genug zu stehen, dass man Einwände mit einem Satz ersticken konnte. Careane hatte ihre Gelassenheit bereits wiedergefunden, falls sie sie je verloren hatte. Sie passte zu ihr, obwohl sie trotz der Seide und dem glatten, alterslosen kupferfarbenen Gesicht eher wie eine Kutscherin aussah. Aber für gewöhnlich waren die Grünen aus härterem Holz geschnitzt als die Braunen. Merüille sah nicht einmal annähernd gelassen aus. Weit aufgerissene Augen und leicht geöffnete Lippen verliehen ihr ein überraschtes Aussehen. Allerdings war das für sie nicht ungewöhnlich.

Elayne ging weiter und hoffte, dass sie sich um ihre Angelegenheiten kümmern würden, aber Merilille hängte sich an Birgittes Fersen. Die Graue hätte unter den dreien die Führung beanspruchen müssen, aber sie hatte die Neigung entwickelt, darauf zu warten, dass ihr jemand sagte, was sie tun sollte, und sie trat wortlos auf die andere Seite, als Sareitha Birgitte höflich bat, ihr Platz zu machen. Die Schwestern begegneten Elaynes Behüterin mit tadelloser Höflichkeit, wenn sie als Generalhauptmann auftrat. Es war Birgitte die Behüterin, die sie zu ignorieren versuchten. Aviendha wurde von Careane nicht so höflich behandelt; sie drängte sich einfach zwischen sie und Elayne. Jede nicht in der Weißen Burg ausgebildete Frau war per se eine Wilde, und Careane verabscheute Wilde. Aviendha schürzte die Lippen, obwohl sie weder ihr Gürtelmesser zückte noch Anstalten in diese Richtung machte, wofür Elayne dankbar war. Ihre Erstschwester konnte manchmal ... überstürzt handeln. Bei näherer Betrachtung hätte sie Aviendha allerdings in diesem Augenblick eine kleine hastige Tat verziehen. Die Bräuche verboten Unhöflichkeiten gegenüber einer anderen Aes Sedai unter allen Umständen, aber Aviendha hätte so lange Drohungen ausstoßen und mit dem Messer herumfuchteln können, wie sie Lust hatte. Möglicherweise hätte das gereicht, um die drei zum Gehen zu veranlassen. Careane schien den kühlen grünen Blick nicht zu bemerken, der sie festnagelte.

»Ich habe Merilille und Sareitha gesagt, dass wir nichts tun können«, sagte sie beherrscht. »Aber sollten wir nicht Vorbereitungen für eine Flucht treffen, wenn es näher kommt? Es ist keine Schande, vor so etwas zu fliehen. Selbst in einem Zirkel wären wir Motten, die einen Waldbrand bekämpfen. Vandene hat nicht einmal zugehört.«

»Wir sollten wirklich ein paar Vorbereitungen treffen, Elayne«, murmelte Sareitha abwesend, als würde sie in Gedanken schon Listen erstellen. »Wenn man keine Pläne gemacht hat, dann wünscht man sich, man hätte es doch getan. In der Bibliothek gibt es ein paar Bände, die man nicht zurücklassen darf. Ich glaube, einige davon gibt es in der Burgbibliothek nicht.«

»Ja.« Merililles Stimme war atemlos und genauso besorgt wie der Blick ihrer großen dunklen Augen. »Ja, wir sollten wirklich zum Aufbruch bereit sein. Vielleicht ... Vielleicht sollten wir nicht warten. Es ist doch sicher kein Verstoß gegen das Abkommen, wenn ein Notfall eintritt. Ganz bestimmt nicht.« Allein Birgitte warf ihr einen finsteren Blick zu, aber sie zuckte zusammen.

»Sollten wir gehen«, sagte Careane, als hätte Merilille kein Wort gesagt, »müssen wir sämtliche Kusinen mitnehmen. Erlaubt man ihnen, sich in alle Winde zu zerstreuen, weiß das Licht allein, was sie tun werden oder wann wir sie jemals wieder einfangen, vor allem jetzt, da einige die Kunst des Schnellen Reisens erler nt haben.« In ihrer Stimme lag keine Bitterkeit, obwohl von den Schwestern im Palast allein Elayne das Schnelle Reisen beherrschte. Für Careane schien es einen Unterschied zu machen, dass die Kusinen in der Weißen Burg begonnen hatten, selbst wenn die meisten fortgeschickt worden und einige auch weggelaufen waren. Sie selbst hatte nicht weniger als vier von ihnen identifiziert, einschließlich einer Ausreißerin. Immerhin waren sie keine Wilden.

Aber Sareitha verzog den Mund. Ihr machte es zu schaffen, dass mehrere Kusinen Wegetore weben konnten, und sie hatte andere Vorstellungen, was diese Frauen betraf. Normalerweise beschränkte sie ihre Einwände auf ein gelegentliches Stirnrunzeln oder eine geringschätzige Grimasse, seit Elayne ihren Standpunkt klargemacht hatte, aber die Belastungen des Morgens schienen ihre Zunge gelöst zu haben. »Wir müssen sie mitnehmen«, sagte sie scharf, »sonst behaupten sie alle, Aes Sedai zu sein, sobald wir außer Sichtweite sind. Eine Frau, die behauptet, vor über dreihundert Jahren von der Burg fortgeschickt worden zu sein, wird alles behaupten! Wenn ihr mich fragt, muss man sie unter strenger Aufsicht halten, statt sie gewähren zu lassen, und vor allem jene, die das Schnelle Reisen beherrschen. Bis jetzt mögen sie ja dorthin gegangen sein, wohin Ihr sie befohlen habt, Elayne, und auch wieder zurückgekehrt sein, aber wie lange wird es noch dauern, bis eine von ihnen nicht zurückkehrt? Denkt an meine Worte, sobald eine von ihnen entkommt, werden ihr andere folgen, und wir werden ein Chaos haben, das wir niemals bewältigen können.«

»Es gibt für uns keinen Grund, irgendwohin zu gehen«, sagte Elayne entschieden, sowohl an die Schwestern gerichtet wie auch an die Gardistinnen. Das ferne Fanal befand sich noch immer an derselben Stelle, an der sie es zuerst gespürt hatte, und sollte es sich bewegen, erschien es unwahrscheinlich, dass es sich in Richtung Caemlyn bewegte oder sogar herkam, aber das Gerücht, dass die Aes Sedai eine Flucht planten, mochte genügen, um eine Massenhysterie auszulösen, ein wilder Mob, der die Tore stürmte, um vor dem zu fliehen, was Aes Sedai Angst einjagte. Ein Heer, das die Stadt stürmte, würde nicht so viele töten. Und diese drei schnatterten so unbekümmert, als könnten nur die Wandbehänge sie hören! Merilille konnte man vielleicht noch entschuldigen, aber nicht die anderen.

»Wir werden hier bleiben, wie es der Amyrlin-Sitz befohlen hat, bis die Amyrlin einen anderen Befehl gibt.

Die Kusinen werden weiterhin mit jeder Höflichkeit behandelt, bis man sie wieder in der Burg willkommen heißen kann, wie Ihr ganz genau wisst. Und Ihr werdet die Windsucherinnen weiterhin unterrichten und Euer Leben so führen, wie es sich für Aes Sedai gehört. Von uns wird erwartet, mit den Ängsten der Menschen umzugehen und sie zu lindern, und nicht sinnlose Furcht zu verbreiten und Gerüchte in die Welt zu setzen.«

Nun, vielleicht war das etwas zu energisch gewesen. Sareitha schaute wie eine zurechtgewiesene Novizin zu Boden. Merilille zuckte bei der Erwähnung der Windsucherinnen zusammen, aber das war zu erwarten gewesen. Die anderen gaben Unterricht, aber das Meervolk hielt Merilille so fest an der Leine wie einen ihrer Lehrlinge. Sie schlief in ihren Quartieren, und normalerweise sah man sie nie ohne zwei oder drei von ihnen, und sie ging demütig hinter ihnen her. Etwas anderes als völlige Demut kam für sie nicht in Frage.

»Natürlich, Elayne«, sagte Careane hastig. »Natürlich. Keine von uns würde vorschlagen, der Amyrlin nicht zu gehorchen.« Zögernd richtete sie ihre mit grünen Fransen versehene Stola auf ihren Armen und schien sich ganz darauf zu konzentrieren. Allerdings hatte sie einen mitleidigen Blick für Merilille übrig.

»Da wir gerade vom Meervolk sprechen, könntet Ihr Vandene sagen, sie soll ihren Teil des Unterrichts übernehmen?« Als Elayne schwieg, trat ein Ton in ihre Stimme, den man bei jedem anderen als einer Aes Sedai als verdrossen bezeichnet hätte. »Sie sagt, sie hat zu viel mit diesen beiden Ausreißerinnen zu tun, aber sie hat genug Zeit, um sich an manchen Abenden so lange mit mir zu unterhalten, bis ich fast einschlafe.