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»Während deiner Abwesenheit sind zwei weitere Schwestern eingetroffen. Sie wohnen im Silbernen Schwan.« Birgitte ließ es klingen, als würden sie lediglich im Gasthaus wohnen, weil im Palast jedes Bett belegt war. »Eine Grüne mit zwei Behütern und eine Graue mit einem. Sie kamen getrennt voneinander. Am gleichen Tag sind eine Gelbe und eine Braune aufgebrochen, also sind es noch immer zehn. Die Gelbe ist nach Süden gereist, in Richtung Far Madding. Die Braune ging nach Osten.«

Sephanie, die geduldig neben Aviendhas Wanne stand und nichts zu tun hatte, wechselte über Elaynes Kopf hinweg einen Blick mit ihrer Schwester und grinste. Wie so viele in der Stadt wusste sie, dass die Anwesenheit von Aes Sedai im Silbernen Schwan die Unterstützung der Weißen Burg für Elayne und das Haus Trakand bedeutete. Essande, die die beiden Mädchen wie ein Raubvogel beobachtete, nickte ebenfalls; auch sie wusste das. Jeder Straßenfeger und Müllsammler wusste, dass die Burg gespalten war, aber der Name hatte noch immer Gewicht und vermittelte das Bild einer Stärke, die nie versagte. Jeder wusste, dass die Weiße Burg jede rechtmäßige Königin von Andor unterstützt hatte. Tatsächlich warteten die meisten Schwestern auf eine Monarchin, die gleichzeitig eine Aes Sedai war; es wäre die erste seit tausend Jahren und die erste seit der Zerstörung der Welt gewesen, von der öffentlich bekannt war, dass sie eine Aes Sedai war, aber es hätte Elayne nicht überrascht, wenn es in Arymillas Lager eine Schwester gegeben hätte, die sich diskret zurückhielt. Die Weiße Burg setzte niemals alle Münzen auf ein Pferd, es sei denn, der Ausgang des Rennens stand bereits fest.

»Das genügt«, sagte sie und wich gereizt den Borsten aus. Das gut ausgebildete Mädchen legte die Bürste auf einen Stuhl und reichte ihr einen großen illianischen Schwamm, mit dem sie sich die Seife abspülte.

Sie wünschte, sie hätte gewusst, was die Schwestern hier wollten. Sie waren wie ein Sandkorn in ihrem Pantoffel, ein so winziges Ding, dass man sich schwer vorstellen konnte, dass es einen störte, aber je länger es da war, desto größer erschien es. Die Schwestern im Silbernen Schwan wurden allein dadurch zu einem Stein von beträchtlicher Größe, weil sie da waren.

Schon vor ihrem Eintreffen in Caemlyn hatte sich die Anzahl im Gasthof häufig geändert, jede Woche reisten ein paar Schwestern ab, während andere eintrafen, um sie zu ersetzen. Die Belagerung hatte nichts daran geändert; die Soldaten um Caemlyn würden genauso wenig versuchen, eine Aes Sedai aufzuhalten, wie die aufrührerischen Adligen in Tear. Eine Zeit lang hatte es in der Stadt auch Rote gegeben, die sich nach Männern auf dem Weg zur Schwarzen Burg erkundigten, aber je mehr sie erfuhren, desto offener hatten sie Verärgerung gezeigt, und das letzte Paar war einen Tag nach Arymillas Aufmarsch vor den Mauern aus der Stadt geritten. Jede Aes Sedai, die die Stadt betrat, wurde sorgfältig überwacht, und keine der Roten war auch nur in die Nähe des Silbernen Schwans gekommen, darum erschien es unwahrscheinlich, dass Elaida die Schwestern geschickt hatte, um sie zu entführen. Aus irgendeinem Grund stellte sie sich kleine Gruppen von Aes Sedai vor, die von der Fäule bis zum Meer der Stürme verstreut waren und zwischen denen sich ein beständiger Strom von Schwestern bewegte, die Informationen sammelten und teilten. Ein seltsamer Gedanke. Schwestern benutzten Augen-und-Ohren, um die Welt zu beobachten, und teilten nur selten, was sie erfahren hatten, es sei denn, es handelte sich um eine Bedrohung für die Burg. Vermutlich gehörten die Frauen im Silbernen Schwan zu den Schwestern, die angesichts der Spaltung der Burg abwarteten, ob am Ende Egwene oder Elaida auf dem Amyrlin-Sitz saß, bevor sie Partei ergriffen. Das war falsch — eine Aes Sedai sollte für das eintreten, was sie für richtig hielt, ohne sich darüber Sorgen machen zu müssen, ob sie die Gewinnerseite unterstützte! —, aber diese Schwestern bereiteten ihr noch aus einem anderen Grund Unbehagen.

Kürzlich hatte einer ihrer Beobachter im Silbernen Schwan einen beunruhigenden Namen aufgeschnappt, der gemurmelt worden war, und man hatte die Sprecherin schnell zum Schweigen gebracht, so als befürchte man Lauscher. Cadsuane. Kein gewöhnlicher Name. Und Cadsuane Melaidhrin hatte Rand in Cairhien eng umgarnt. Vandene hielt nicht viel von der Frau, sie hatte sie als engstirnig bezeichnet, aber Careane war bei der Erwähnung des Namens beinahe vor Ehrfurcht in Ohnmacht gefallen. Anscheinend waren die Geschichten, die Cadsuane umgaben, fast schon so etwas wie Legenden. Den Wiedergeborenen Drachen ganz allein zu bezwingen schien genau die Art von Unternehmen sein, die Cadsuane Melaidhrin in Angriff nehmen würde. Nicht, dass sich Elayne Sorgen wegen Rand und einer Aes Sedai machte, er würde sie höchstens so in Rage bringen, dass sie die Kontrolle verlor — manchmal war der Mann sogar zu stur, um zu erkennen, wo seine Vorteile lagen! —, aber warum sollte eine Schwester in Caemlyn ihren Namen erwähnen?

Und warum hatte eine andere sie zum Schweigen gebracht?

Trotz des heißen Badewassers fröstelte sie und dachte an all die Netze, die die Weiße Burg im Laufe der Jahrhunderte gesponnen hatte und die so fein waren, dass sie keiner wahrnehmen konnte — abgesehen von den Schwestern, die sie gesponnen hatten —, und die so kompliziert waren, dass auch nur diese Schwestern sie wieder auflösen konnten. Die Burg webte ihre Netze, die Ajahs webten ihre Netze, sogar einzelne Schwestern webten Netze. Manchmal verschmolzen diese Gewebe miteinander, als wären sie von einer einzigen Hand geführt worden. Manchmal hatten sie einander auch zerrissen. Auf diese Weise war die Welt dreitausend Jahre lang geformt worden. Jetzt hatte sich die Burg sauber in Drittel von annähernd gleicher Größe gespalten, ein Drittel für Egwene, eines für Elaida und eines, das auf der Seitenlinie stand. Wenn das letzte miteinander in Verbindung stand, Informationen austauschte — Pläne schmiedete? —, waren die Implika — tionen ...

Ein plötzlicher Tumult von Stimmen, gedämpft von der geschlossenen Tür, ließ sie sich gerade aufsetzen. Naris und Sephanie kreischten auf und sprangen aufeinander zu, um sich aneinander festzuklammern und mit weit aufgerissenen Augen auf die Tür zu starren.

»Was zur verdammten ...?« Birgitte schoss knurrend von der Truhe hoch und aus dem Zimmer heraus und knallte die Tür hinter sich zu. Die Stimmen wurden noch lauter.

Es hörte sich nicht so an, als würden die Gardistinnen kämpfen, sondern nur mit voller Lautstärke debattieren, und der Bund übermittelte zusammen mit den verdammten Kopfschmerzen hauptsächlich Zorn und Empörung, aber Elayne stieg aus der Wanne und streckte die Arme aus, damit Essande ihr die Robe überstreifen konnte. Die Ruhe der weißhaarigen Frau und vielleicht auch Elaynes beruhigte die beiden Zofen so weit, dass sie erröteten, als Essande sie ansah, aber Aviendha sprang aus der Wanne, verspritzte überall Wasser und stürmte tropfend in das Ankleidezimmer. Elayne rechnete damit, dass sie mit ihrem Gürtelmesser zurückkam. Aber stattdessen umgab sie das Glühen Saidars, während sie die Bernsteinschildkröte in der Hand hielt. Mit der anderen gab sie Elayne das Angreal, das in ihrer Gürteltasche gewesen war, die alte Elfenbeinschnitzerei einer Frau, die nur mit ihrem Haar bekleidet war. Abgesehen von dem Handtuch auf ihrem Kopf trug Aviendha nur einen feuchten Schimmer am Leib, und sie winkte Sephanie ärgerlich fort, als sie versuchte, ihr die Robe anzulegen. Messer oder nicht, Aviendha neigte noch immer dazu, so zu denken, als würde sie mit der Klinge kämpfen und sich plötzlich bewegen müssen.