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Gemessen sagte Bolitho:»Das ist ein Unternehmen für Boote, meine Herren. So muß es auch sein, wenn wir die Chance zur Überraschung haben sollen. «Er blickte auf die Karte, achtete aber nicht auf die gekritzelten Details, sondern prüfte nur sorgfältig, ob er etwas vergessen oder, was noch schlimmer gewesen wäre, nicht ganz genau und vollständig erklärt hatte. Er sprach jetzt rasch.»Wir nehmen die Barkasse, beide Kutter, die Gig und die Jolle. Gesamtstärke: neunzig Offiziere und Matrosen. Bewaffnung: Entermesser und Pistolen, aber letztere nur für die Älteren. Ich will nicht, daß ein Übereifriger vorzeitig losknallt und alles verrät!»

Heiser fragte Gossett:»Sie sagen, am Nordarm der Bucht ist ein Leuchtfeuer, Sir?«Er beugte sich vor und tippte mit der langen

Pfeife auf die Karte.»Hier steht, daß es seit der Kriegserklärung nicht mehr brennt.»

«Ganz recht. «Vor unterdrückter Erregung zitterten Bolitho die Knie.»Das wissen wir, denn wir sahen schon kein Feuer, als wir das erstemal hier waren. Die Franzosen denken vermutlich, daß niemand dumm genug ist, bei Nacht und ohne Leuchtfeuer in die Bucht zu segeln. Aber natürlich trifft das auf uns nicht zu.»

Einige lächelten, und er wunderte sich, daß eine so oberflächliche Bemerkung anderes als Bedenken und Zweifel auslöste. Der ganze Plan war schon in seinem Anfangsstadium geplatzt, wenn sie von einem Wachtposten oder Patrouillenboot gesichtet wurden. Rasch sprach er weiter, um die Vorstellung zu verdrängen, daß seine jungen eifrigen Offiziere vielleicht in Kürze tot oder verwundet unter diesem feindlichen Himmel lagen.»Mr. Herrick, Sie wissen, was zu tun ist: Sie kreuzen vor der Einfahrt und warten auf das Feuer der Leuchtboje. Das ist das Signal für Sie, in den Hafen einzulaufen.«Über die Köpfe der anderen blickte er in Herricks Augen und sprach nur für ihn weiter.»Erscheint das Feuer nicht, versuchen Sie unter keinen Umständen, die Einfahrt zu erzwingen. Dann werden Sie das Geschwader suchen und sich bemühen, Sir Edmund zu überreden, daß er der Küste fern bleibt. «Nun sah er wieder in die anderen Gesichter.»Denn wenn alles dunkel bleibt, meine Herren, haben wir es nicht geschafft.»

«Und dann, Sir«, warf Rooke ein,»ist der Teufel los.»

Bolitho lächelte gelassen.»Und wenn wir Erfolg haben, vielleicht auch. «Er richtete sich auf.»Noch Fragen?»

Das war nicht der Fall. Sie kannten ihre Instruktionen. Vermutlich würden sie, ebenso wie er selbst, froh sein, wenn sie es hinter sich hatten, so oder so.

Als sie die Kajüte verließen und zum Oberdeck gingen, sagte Herrick leise:»Ich wünschte, Sie würden mich mitnehmen, Sir.»

«Ich weiß. «Oben wurden die angetretenen Matrosen von den Deckoffizieren kontrolliert; andere machten unter Mr. Tomlins Aufsicht die Boote zum Ausfieren klar.»Aber dieses Schiff braucht einen guten Kommandanten, Thomas. Würde ich bei einem Gefecht auf See fallen, so wäre es ohnedies in Ihren Händen. «Er hob die Schultern.»Falle ich heute nacht, dann ist es ebenso.»

Aber Herrick blieb hartnäckig.»Trotzdem, Sir. Mir wäre wohler, wenn ich bei Ihnen wäre.»

Bolitho faßte ihn am Ärmel.»Dennoch werden Sie hierbleiben und meine Befehle ausführen — eh?»

Der Bootsmann kam über das von Leuten wimmelnde Deck und tippte grüßend an die Stirn.»Alles klar, Sir.»

«Recht so, Mr. Tomlin. Bemannen Sie die Boote.»

Sekunden später wandte sich das Schiff auf ein leises Kommando der Küste zu und drehte bei. Die Geräusche der Rahen, der Segel, das Quietschen und Klappern der Taljen und Blöcke, als die Boote hoch über Deck ausgeschwungen wurden, kam Bolitho unglaublich laut vor; aber bei nur etwas Glück würde man sie in dem Brausen von Wind und See an Land nicht hören.

«Sobald wir abgelegt haben«, sagte er zu Herrick,»machen Sie klar zum Gefecht. Sie sind zwar knapp an Offizieren, aber Matrosen haben Sie reichlich.»

Herrick grinste mühsam.»Ich habe den Master und Mr. Caswell, Sir. Den ältesten und den jüngsten. Und natürlich die >Bullen<.«[10]

Bolitho hielt die Arme hoch und ließ sich von Allday den Degen umgürten. Kurz faßte er nach dem abgewetzten Griff an seiner Seite und sagte dann:»Die Hyperion gehört jetzt Ihnen. Passen Sie gut auf sie auf. «Damit stieg er auf den Decksgang und spähte zu den längsseits festgemachten Booten hinab. Sie füllten sich mit Männern, und selbst in der Finsternis konnte er die karierten Hemden der Matrosen, das Glitzern der Waffen und hier und da die dunklere Gestalt eines Offiziers unterscheiden.

«Also dann, Mr. Rooke«, rief er,»ablegen!»

Er beobachtete, wie die große Barkasse und der erste Kutter mit bereits eingesetzten Riemen von der Bordwand wegtrieben. Rooke und ein Midshipman hatten das Kommando, und in Sekunden waren beide Boote in der Nacht verschwunden. Als nächster legte Inch mit dem zweiten Kutter ab und pullte, eigentlich mit mehr Geräusch als nötig, um den Bug herum. Nun warteten nur noch die Kommandantengig und die kleine Jolle, unter Fowler, dem Dritten Offizier, und Midshipman Piper.

Bolitho atmete tief ein und sah sich rasch auf der Hyperion um. Herrick und Gossett blickten vom Achterdeck herüber, ebenso

Hauptmann Ashby, der achtern an der Kampanjeleiter stand und vermutlich darüber wütend war, daß seine Seesoldaten den Überfall nicht mitmachen durften.

Allday sagte:»Wenn Sie soweit sind, Captain?«In der Finsternis schimmerten seine Zähne sehr weiß.

Bolitho nickte und schwang sich in die Großrüsten hinunter, wartete, bis die Jolle sich mit einer Welle hob, und sprang dann zu den anderen ins Boot.

Er beugte sich über das Dollbord und winkte zur Gig hin.»Mr. Fowler, halten Sie sich dicht hinter mir!«Dann befahl er Midship-man Piper, der neben ihm saß:»Legen Sie ab, Mr. Piper! Wir haben einen langen Pull vor uns.»

Die Jolle kam schwankend klar von der glitzernden Bordwand der Hyperion, ihre Riemen bissen in das wirbelnde Wasser, sie wendete und nahm Kurs auf die Küste. Das kleine Boot hatte außer den Männern an den Riemen noch zehn Matrosen, dazu Allday und die Offiziere an Bord. Die Männer würden schwer zu pullen haben.

Zu Bolithos Füßen hockte Seton. Woran mochte der wohl denken? Das jetzt war etwas anderes als sein erster Besuch in St. Clar!

Achteraus konnte Bolitho sein Schiff kaum noch ausmachen. Bis auf den milchigen Schaum unter dem Steven war es schon völlig mit dem dunklen Himmel verschmolzen.

Stetig folgte die Gig in ihrem Kielwasser, taktmäßig hoben und senkten sich die Riemen, die schwarzen Köpfe bewegten sich wie Teile einer Maschine. Von den anderen Booten war nichts zu entdecken, und Bolitho erwischte sich dabei, daß er sie in Gedanken beschwor, leise und sicher ihre vorbestimmten Ziele anzufahren und nicht etwa einem französischen Wachtboot in die Arme zu laufen.

Er hörte Alldays groben Befehclass="underline" »Lenzen! Sonst haben wir bald mehr Wasser im Boot als unterm Kiel!«Und zu Bolitho gewandt:»Wir werden mindestens zwei Stunden brauchen, bis wir auf Position sind, Captain.»

«Das werden wir. «Mit vorgebeugtem Oberkörper glich Bolitho die heftigen Schwankungen des Bootes aus.»Wenn es stimmt, was Mr. Inch sagt, werden wir die Kirchturmuhr schlagen hören, sobald wir um die Landzunge sind. «Er sprach etwas lauter, damit de Männer an den Riemen ihn verstanden.»Die werden wir den ganzen Weg lang hören, bis zum Hafen, Jungs. In England würdet ihr um diese Zeit im Bett liegen.»

Er wandte sich ab, um den dunkleren Schatten der Küste zu studieren, und hörte ein paar Männer über seine Bemerkung lachen. Gebe Gott, daß sie die Uhr noch die Morgenstunden schlagen hören, dachte Zu seinen Füßen hörte er Seton würgen. Der war noch schlimmer dran als die anderen — außer Angst hatte er auch die Seekrankheit.

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Marine-Infanteristen