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«Wenn ich in der Nähe gewesen wäre«, sagte Gifford heftig,»dann hätte ich lieber beide Schiffe versenkt, als so etwas zugelassen.»

«Aber Sie waren eben nicht da, junger Freund«, näselte Fourneaux,»und somit kann Ihnen erfreulicherweise niemand einen Vorwurf machen — eh?»

«Das genügt, meine Herren. «Bolitho spürte die plötzliche Spannung und trat dazwischen.»Was geschehen ist, ist geschehen, und es gibt nichts mehr darüber zu sagen, höchstens, daß wir in Zukunft besser aufpassen müssen. «Er sah einen nach dem anderen bedeutsam an.»Wir werden in Kürze eine Menge zu tun bekommen, also sparen Sie Ihre Kräfte.»

Die Tür ging auf, Broughton kam herein, hinter ihm Draffen und der Flaggleutnant.

«Nehmen Sie Platz, Gentlemen«, sagte Broughton mit kurzem Nik-ken. Der Steward bot ihm ein Glas an, aber er lehnte ab und schickte ihn hinaus.

Bolitho fiel auf, daß Draffen sich ans Heckfenster gestellt hatte. Interessierte ihn nicht, was jetzt kam, oder wollte er so stehen, daß er die anderen, diese aber nicht sein Gesicht sehen konnten?

Broughton räusperte sich, blickte zu Draffens untersetzter Gestalt hin, die sich fast schwarz von den sonnenhellen Fenstern abhob, und begann:»Wie Sie wissen, ist das Mittelmeer unserer Flotte seit Ende vorigen Jahres verschlossen. Bonapartes Vormarsch und seine Eroberungen in Italien und Genua haben uns alle Häfen gesperrt, und wir waren genötigt, uns zurückzuziehen.»

Draffen verließ seinen Platz am Fenster und trat herzu. Es war eine rasche behende Bewegung. Offenbar wurde er ungeduldig; das merkte man auch an seinem Ton.

«Wenn ich unterbrechen darf, Sir Lucius?«Er wartete Broughtons Antwort nicht ab, sondern drehte ihm den Rücken zu.»Wir wollen uns kurz fassen. Von der Langmut, mit der die Marine ihre Angelegenheiten betreibt, halte ich nicht viel. «Er lächelte, und die Fältchen um seine Augen wurden scharf wie Krähenfüße.»England führt Krieg gegen einen von seiner Sache überzeugten und, wenn Sie mir den Ausdruck verzeihen wollen, professionellen Gegner. Angesichts der Massierung französischer und spanischer Schiffe in Brest zu einem Großangriff auf England mit anschließender Invasion scheint es nicht nur klug, sondern höchst notwendig, unsere Schiffe zurückzuziehen und mit ihnen die Kanal- und Atlantikflotte zu verstärken.»

Bolitho beobachtete Broughton genau auf Anzeichen von Ärger oder Unmut, aber dessen Gesicht war wie aus Stein.

Munter fuhr Draffen fort:»Jervis' Sieg bei St. Vincent hat jedoch die Möglichkeit einer Invasion Englands fürs erste, wenn nicht überhaupt, zunichte gemachte. Außerdem hat er die Brüchigkeit der französisch-spanischen Zusammenarbeit auf See bewiesen. Somit muß man logischerweise annehmen, daß Bonaparte seinen Einfluß anderswo geltend machen wird, und zwar bald.»

«Soll ich fortfahren?«fragte Broughton unvermittelt dazwischen.

«Wenn Sie wünschen. «Draffen zog seine Uhr.»Aber bitte rasch.»

Broughton schluckte mühsam.»Unser Geschwader ist der erste britische Verband von nennenswerter Größe, der das Mittelmeer wieder befahren wird. «Weiter kam er nicht.

«Sehen Sie auf diese Karte, Gentlemen«, unterbrach ihn Draffen, riß Leutnant Calvert die Rolle aus der Hand und breitete sie auf dem Tisch aus.

Während die anderen herbeidrängten, warf Bolitho einen raschen Blick auf Broughton. Der war bleich geworden und starrte sekundenlang mit wutglühenden Augen Draffens breiten Rücken an.

«Hier, zweihundertfünfzig Meilen die spanische Küste aufwärts, liegt Cartagena, wo zahlreiche Schiffe, die jetzt in Brest sind, ihre Basis hatten. «Bolitho folgte dem spatelförmigen Finger, der jetzt quer übers Mittelmeer zu der zerrissenen Linie der algerischen Küste fuhr.»Südöstlich von Spanien, bloß hundertfünfzig Meilen entfernt, liegt Djafou.»

Bolitho fuhr zusammen, denn auf einmal sah Draffen ihn an, sehr ruhig und durchdringend.»Kennen Sie es, Captain?»

«Vom Hörensagen, Sir. War früher ein Schlupfwinkel der BerberPiraten, glaube ich. Guter Naturhafen, sonst ohne Bedeutung.»

Draffen lächelte, aber seine Augen blieben unbewegt.»Die Dons[22] haben Djafou vor ein paar Jahren übernommen, um ihren Küstenhandel zu schützen. Jetzt, da sie mit den Franzosen alliiert sind, muß man diesen Hafen vielleicht in einem ganz anderen Licht sehen.»

«Als Flottenbasis, Sir?«fragte Raffles mit seiner groben Stimme.

«Vielleicht. «Draffen richtete sich auf.»Aber meine Agenten haben mir von einem regen Kommen und Gehen in Cartagena berichtet. Es wäre gut, wenn unser Wiedereintritt ins Mittelmeer mit einer Aktion verbunden wäre, mit etwas Positivem. «Wieder tippte er auf die Karte.»Ihr Admiral weiß bereits, worum es sich handelt; aber Ihnen, Gent-lemen, will ich jetzt verraten, daß ich unsere Flagge über Djafou zu sehen wünsche, und zwar möglichst bald.»

«Mein Geschwader hat nicht seine volle Sollstärke, Sir«, warf

Broughton ein. In der plötzlichen Stille klangen seine Worte beinahe ablehnend. Doch dann wandte er die Augen ab und fuhr fort:»Aber natürlich, wenn Sie meinen…»

Draffen nickte mit Nachdruck.»Jawohl, das meine ich, Sir Lucius. Ich habe Bombenwerferschiffe aus Lissabon angefordert. Sie werden in ein oder zwei Tagen eintreffen. «Sein Ton wurde härter.»Wenn die Flotten von Spithead und der Nore nicht so sehr mit ihren internen Angelegenheiten zu tun hätten, hätte Ihr Geschwader fünfzehn oder sogar zwanzig Linienschiffe statt vier. «Er zuckte die Achseln.»Und jetzt hat es nur eine Fregatte.»

Mit neuerlichem Achselzucken ließ er das Thema fallen.»Aber das ist Ihre Sache. «Er schnippte mit den Fingern.»Jetzt wäre ein Schluck Wein angebracht, also rufen Sie den Steward wieder herein. «Grinsend sah er in die Gesichter der Offiziere, in denen sich recht gemischte Gefühle spiegelten.»Anschließend haben wir noch eine Menge zu tun.»

Wieder sah er Bolitho an.»Sie sagen sehr wenig, Captain.»

Ärgerlich fuhr Broughton dazwischen:»Ich werde meinen Flaggkapitänselbst informieren, wenn Sie nichts dagegen haben.»

«So gehört es sich auch. Immerhin — ich werde mich Ihrem Geschwader auf einige Zeit anschließen. «Draffen nahm dem Steward ein Glas ab und fuhr unentwegt lächelnd fort:»Nur um sicherzustellen, daß Ihr Weg auch der meine ist — wie?»

Bolitho wandte sich ab. In Gedanken war er bereits mit Draffens munter vorgebrachten, aber außerordentlich mageren Informationen beschäftigt.

Daß britische Schiffe aufs neue die südlichen Verbindungswege von Bonapartes wachsendem Imperium angreifen sollten, war in der Tat eine gute Nachricht. Eine neue, strategisch günstig gelegene Basis für die Flotte zu erobern und zu halten, war gewiß ein Plan, zu dem sowohl Können als auch Phantasie gehörte.

Aber wenn andererseits Broughtons Geschwader nur die Kastanien aus dem Feuer holen, als Mittel zu dem Zweck dienen sollte, den Feind zur Verlegung bedeutender Streitkräfte aus dem Atlantik ins Mittelmeer zu veranlassen, dann konnte es für sie alle sehr übel ausgehen. Daß Draffen eine ganze Menge zu sagen hatte, daran war wohl nicht zu zweifeln; aber sein genauer Status blieb noch immer im dunkeln. Vielleicht wußte er schon etwas über eine Verschlimmerung der Lage in der Nore? Ein kleines Geschwader zu opfern, um den starken feindlichen Druck auf die Kanalflotte zu mildern, das mußte den Lords der Admiralität nicht mehr Skrupel verursachen als Taylors Tod Broughton belastet hatte.

Eins wußte Bolitho ganz genau: was auch bereits entschieden sein mochte, er würde in jeder Phase direkt und persönlich beteiligt sein. Diese Aussicht hätte ihn eigentlich freuen müssen; aber der Gedanke, daß der Oberbefehl in den Händen Broughtons und Draffens liegen würde, gab der Sache einen ganz anderen Aspekt.

Broughton war zu Fourneaux getreten und sprach mit ihm. Draffen kam zu Bolitho herüber, offenbar im Begriff, sich zu verabschieden.

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Spitzname für Spanier