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»Zum Teufel noch mal«, protestierte Fred. »Das war doch alles Charles Frecks Fehler, nicht meiner; er hat alle damit verrückt gemacht wie ‘n Weltmeister. Ich fand die ganze Angelegenheit nur irgendwie witzig.«

BARRIS: (Steht mit einem großen, tollen, chromglänzenden Fahrrad mitten im Wohnzimmer und strahlt über das ganze Gesicht) Schaut mal, was ich für nur zwanzig Dollar gekriegt hab’!

FRECK: Was is’n das?

BARRIS: Ein Fahrrad, ein Zehn-Gang-Fahrrad, praktisch funkelnagelneu. Ich hab’s bei unseren Nachbarn im Hof stehen sehen und mich danach erkundigt, und weil die gleich vier von der Sorte hatten, haben sie’s mir für zwanzig Dollar bar auf die Hand verkauft. Farbige. Sie haben’s sogar für mich über den Zaun gehievt.

LUCKMAN: Wußte gar nicht, daß man ein fast fabrikneues Zehn-Gang-Fahrrad für zwanzig Dollars kriegen kann.

DONNA: Ich finde, es ähnelt unheimlich dem, das der Puppe, die bei mir gegenüber wohnt, vor ungefähr einem Monat geklaut worden ist. Vielleicht haben diese schwarzen Typen es geklaut.

ARCTOR: Na klar doch. Wenn sie vier davon hatten und sie so billig verscherbeln.

DONNA: Wenn es wirklich der Kleinen mir gegenüber gehört, solltest du’s ihr zurückgeben. Auf jeden Fall solltest du’s ihr mal zeigen, damit sie sehen kann, ob’s ihres ist.

BARRIS: Das ist ein Herrenfahrrad. Also kann’s gar nicht ihres sein.

FRECK: Warum behauptest du eigentlich, es sei ein Zehn-Gang-Fahrrad, wo’s doch nur sieben Gänge hat?«

BARRIS (erstaunt) Was?

FRECK: (Geht hinüber zum Rad und zeigt ihm, was er meint) Schau mal, fünf Zahnräder hier und zwei Zahnräder hier am anderen Ende der Kette. Fünf und zwei …

Wenn der optische Chiasmus einer Katze oder eines Affen sagital geteilt wird, so gelangen die vom rechten Auge aufgenommenen visuellen Daten nur noch in die rechte Hemisphäre; analog dazu informiert das linke Auge nur noch die linke Hemisphäre. Wenn ein Tier nach dieser Operation darauf trainiert wird, unter ausschließlicher Benutzung jeweils nur eines Auges zwischen zwei Symbolen zu unterscheiden, so zeigen spätere Tests, daß es diese Symbole auch mit dem anderen Auge korrekt unterscheiden kann. Wenn jedoch vor dem Training die Nervenverbindungsstränge – besonders der Corpus Callosum – durchtrennt worden sind, so müssen das ursprünglich abgedeckte Auge und seine ipsilaterale Hemisphäre ganz neu trainiert werden. Die antrainierte Fähigkeit überträgt sich, um es noch einmal anders auszudrücken, also nicht von einer Hemisphäre auf die andere, wenn die Nervenverbindungsstränge durchtrennt worden sind. Das ist der grundlegende »Spaltungsversuch« von Myers und Sperry (1953; Sperry, 1961; Myers, 1965; Sperry, 1967).

… macht zusammen sieben. Also ist das nur ein Sieben-Gang-Rad.

LUCKMAN: Yeah, aber selbst ein Sieben-Gang-Rennrad ist seine zwanzig Dollars wert. Er hat immer noch einen guten Kauf gemacht.

BARRIS: (verärgert) Diese Farbigen haben mir aber gesagt, es sei ein Zehn-Gang-Rad. Das ist Betrug!

(Alle drängen sich um das Rad, um es genauer in Augenschein zu nehmen. Sie zählen wieder und wieder die Gänge.)

FRECK: Jetzt zähle ich acht. Sechs vorne, zwei hinten. Das ergibt acht.

ARCTOR: (logisch) Aber es müßten zehn sein. Es gibt keine Sieben- oder Acht-Gang-Räder. Jedenfalls nicht, daß ich wüßte. Habt ihr ‘ne Idee, was mit den fehlenden Gängen passiert sein könnte?

BERRIS: Diese Farbigen müssen daran herumgebastelt haben. Bestimmt haben sie’s mit völlig ungeeigneten Werkzeugen auseinandergenommen, ohne auch nur einen blassen Schimmer von Fahrradmechanik zu haben, und als sie es dann wieder zusammengebaut haben, haben sie drei Gänge auf dem Boden der Garage vergessen. Vielleicht liegen sie da noch rum.

LUCKMAN: Dann sollten wir rübergehen und sie um die fehlenden Gänge bitten.

BARRIS: (wütend) Aber eben da liegt ja der Betrug: Wahrscheinlich werden sie uns anbieten, mir die Gänge extra zu verkaufen, statt sie umsonst rauszugeben, wie es eigentlich ihre Pflicht wäre. Ich frage mich, was sie wohl sonst noch alles kaputtgemacht haben. (Inspiziert das gesamte Rad)

LUCKMAN: Wenn wir alle zusammen hingehen, rücken sie die Gänge bestimmt raus; darauf kannst du Gift nehmen, Mann. Wir gehen alle, richtig? (Blickt sich beifallheischend um)

DONNA: Seid ihr sicher, daß das Rad nur sieben Gänge hat?

FRECK: Acht.

DONNA: Sieben, acht. Ich meine jedenfalls, ihr solltet jemanden fragen, bevor ihr rübergeht. Irgendwie, find’ ich, sieht es nicht so aus, als hätten sie’s auseinandergenommen oder sonst was in der Richtung. Bevor ihr da rübergeht und denen Feuer unter dem Arsch macht, müßt ihr das doch erst mal rausfinden. Kapiert ihr das?

ARCTOR: Sie hat recht.

LUCKMAN: Aber wen könnten wir fragen? Kennt einer von euch jemanden, der Ahnung von Rennrädern hat?

FRECK: Fragen wir doch einfach den ersten, den wir treffen. Wir schieben es vor die Tür, und wenn dann irgend so ein Freak daherkommt, fragen wir ihn. Auf diese Weise kriegen wir wenigstens ein neutrales Urteil.

(Gemeinsam schieben sie das Rad nach draußen und treffen auch sofort einen jungen Schwarzen, der gerade aus seinem Wagen steigt. Sie deuten auf die sieben – acht? – Gänge und fragen ihn, wie viele Gänge das Rad denn nun habe, obwohl sie doch ganz deutlich sehen können – außer Charles Freck natürlich –, daß es nur sieben sind: fünf Zahnräder am einen Ende der Kette, zwei am anderen. Fünf und zwei macht zusammen sieben. Das können sie mit eigenen Augen feststellen. Wo liegt denn nun der Hund begraben?)

JUNGER FARBIGER: Sie müssen die Zahl der Zahnräder vorne mit der Zahl der Zahnräder hinten malnehmen, um die Zahl der Gänge zu erhalten. Nicht addieren, sondern multiplizieren. Verstehen Sie? Die Kette springt nämlich bei jedem Schaltvorgang von einem Zahnrad zum nächsten weiter, so daß jeweils eine andere Übersetzung entsteht. Zunächst koppelt die Kette jedes der fünf Zahnräder hinten (er deutet mit dem Finger auf diese fünf Zahnräder) mit einem der beiden vorne (er zeigt auch darauf), was einmal fünf und damit fünf verschiedene Übersetzungsverhältnisse ergibt – fünf Gänge. Wenn Sie dann diesen Hebel hier an der Lenkstange ziehen, springt die Kette hinüber auf das andere der beiden vorderen Zahnräder und koppelt nun dieses mit jedem der fünf Zahnräder hinten, was weitere fünf plus fünf und damit zehn Gänge. Verstehen Sie jetzt, wie das funktioniert? Die Zahl der Gänge wird nämlich immer berechnet, indem man –

(Sie bedanken sich bei ihm und rollen schweigend das Rad ins Haus zurück. Der junge Schwarze, den sie noch nie vorher gesehen haben und der kaum älter als siebzehn sein kann und einen unglaublich alten, vermackelten Wagen – so eine Art Lieferwagen – fährt, schließt jetzt die Wagentür endgültig ab, und sie machen die Haustür hinter sich zu und stehen da wie begossene Pudel.)

LUCKMAN: Hat irgendwer von euch Dope dabei? Where there’s dope there’s hope.«[2] (Keiner…

Alle Befunde deuten darauf hin, daß eine Trennung der Hemisphären zwei voneinander unabhängige Bewußtseinssphären innerhalb desselben Kraniums erschafft, will heißen: innerhalb eines einzigen Organismus. Diese Schlußfolgerung mag manche Leute – nämlich jene, die das Bewußtsein als eine unteilbare Eigenschaft des menschlichen Gehirns betrachten – beunruhigen. Andere Kritiker mögen sie als voreilig abtun, weil sie darauf beharren, daß sich die bisher entdeckten Fähigkeiten der rechten Hemisphäre auf einer quasi automatenhaften Ebene bewegen. Unzweifelhaft ist, daß sich bei allen bisher untersuchten Fällen eine deutliche Ungleichheit der Hemisphären hat zeigen lassen, aber es ist durchaus möglich, daß dies nur ein Charakteristikum gerade jener Individuen ist, die wir studiert haben. Wenn das Gehirn eines sehr jungen Menschen auf die oben beschriebene Weise »geteilt« würde, läßt es sich keineswegs ausschließen, daß in der Folge beide Hemisphären dieses Gehirns getrennt und unabhängig voneinander mentale Funktionen einer höheren Ordnung entwickeln würden – und das auf einem Level, das sonst bei normalen Individuen nur in der linken Hemisphäre erreicht wird.

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Anm. d. Übers.: Etwa: »Wo es Stoff gibt, da gibt es auch noch Hoffnung.«