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Stone war noch auf New Chicago, aber was immer er dem Sicherheitsdienst der Flotte erzählt hatte, war wichtig genug, um mit einem Kurierboot überbracht zu werden. Nabils Informant wusste nicht, was der Rebellenführer gesagt hatte, aber Bury wusste es, so genau, als hätte er die Geheimcode-Bänder gelesen. Die Nachricht würde kurz sein und den Tod am Galgen für Horace Bury zufolge haben.

Das ist also das Ende. Das Imperium schreitet bei Hochverrat sehr rasch ein: ein paar Tage, ein paar Wochen noch. Mehr nicht. Eine Gelegenheit zu entkommen gibt es nicht.

Die Wachen sind höflich, aber sehr vorsichtig. Sie sind gewarnt worden, und es sind viele. Einer würde vielleicht eine Bestechung annehmen, aber nicht, wenn immer Kameraden dabei sind.

Wie Allah will. Aber es ist schade. Hätte ich mich nicht so sehr um die Fremden gekümmert, hatte ich nicht unter den Handelsleuten getan, was Aufgabe des Imperiums gewesen wäre, dann hatte ich langst fliehen können. Levant ist groß. Aber ich hatte Neuschottland verlassen müssen, und hier werden die Entscheidungen fallen — welchen Sinn hat es zu fliehen, wenn die Fremden uns vielleicht alle vernichten? Der Infanteriesergeant brachte ihn zu einem prachtvoll ausgestatteten Konferenzraum und hielt ihm die Tür auf. Als Bury eingetreten war, zogen sich die Wachen zurück — es war unglaublich. Nur zwei Männer waren noch in dem Zimmer.

»Guten Morgen, Mylord«, sagte Bury zu Rod Blaine. Seine Stimme klang ruhig und sicher, aber sein Mund war trocken, und er verspürte einen scharfen Geschmack in der Kehle, als er sich vor dem zweiten Mann verbeugte. »Ich wurde Senator Fowler noch nicht vorgestellt, aber sein Gesicht ist natürlich jedermann im Imperium bekannt. Guten Morgen, Senator.«

Fowler nickte grüßend, ohne von seinem Platz an dem großen Konferenztisch aufzustehen. »Guten Morgen, Exzellenz. Freundlich von Ihnen zu kommen. Setzen Sie sich doch.« Er deutete auf einen Platz gegenüber von seinem.

»Danke.« Bury ließ sich auf den angewiesenen Stuhl sinken. Sein Erstaunen wuchs, als Blaine ihm Kaffee brachte. Bury schnupperte vorsichtig und erkannte die Mischung, die er für Blaine an den Küchenchef des Palastes geschickt hatte.

Im Namen Allahs. Sie spielen mit mir, aber zu welchem Zweck? Er verspürte Wut und Angst zugleich, aber Hoffnung keine mehr. Ein wildes, raues Lachen lauerte in seiner Kehle.

»Nur damit wir wissen, wo wir stehen, Exzellenz«, sagte Fowler. Er winkte, und Blaine schaltete einen Wandschirm ein. Die schwammigen Züge von Jonas Stone erschienen, ein riesiges Gesicht, das den kostbar getafelten Raum beherrschte. Schweiß glitzerte auf seiner Stirn, auf den Wangen, und seine Stimme dröhnte und flehte und redete.

Bury hörte reglos zu, die Lippen verächtlich verzogen angesichts von Stones Schwäche.

Es gab keinen Zweifel mehr: die Admiralität besaß mehr als genug Beweise, um ihn als Hochverräter hinzurichten. Trotzdem verschwand das Lächeln nicht von Burys Lippen.

Er würde ihnen nicht die Genugtuung geben, zu jammern und zu flehen.

Schließlich war das Band zu Ende. Fowler gab einen Wink, und das Bild des Rebellenführers erlosch. »Das hat bis jetzt niemand außer uns dreien gesehen, Exzellenz«, sagte Fowler gedehnt.

Aber nein. Was wollen Sie nur? Gibt es vielleicht doch noch Hoffnung?

»Ich glaube, darüber brauchen wir nicht mehr zu sprechen«, fuhr der Senator fort. »Ich würde mich lieber über die Splits unterhalten.«

»Ah«, sagte Bury. Der kurze Laut blieb ihm fast in der Kehle stecken. Wollt ihr handeln, oder wollt ihr mich in meiner Lage noch verhöhnen? Er nahm einen Schluck Kaffee, um seine trockene Zunge zu befeuchten, bevor er sprach, »Ich bin sicher, dass dem Senator meine Ansicht bekannt ist. Ich halte die Splits für die größte Gefahr, der sich die Menschheit je gegenübersah.« Er beobachtete die beiden Männer, aber in ihren Mienen war nichts zu lesen.

»Wir sind derselben Ansicht« erklärte Blaine.

Während etwas wie Hoffnung in Burys Augen trat, fuhr Fowler rasch fort: »Es ist ziemlich offensichtlich. Sie machen gezwungenermaßen eine permanente Bevölkerungsexplosion durch, auf die unausweichlich Krieg und totaler Zusammenbruch folgen. Wenn sie je aus ihrem System herauskämen — Bury, sie haben eine Soldaten-Unterart, die die Sauronier harmlos wirken lässt. Aber verdammt, Sie haben sie ja gesehen.«

Blaine tippte einige Daten in seinen Taschencomputer ein, und ein anderes Bild erschien auf dem Wandschirm: die Zeitmaschinen-Plastik.

»Die? Aber mein Split sagte, das seien …« Bury unterbrach sich, als er begriff. Dann lachte er: das Lachen eines Menschen, der nichts mehr zu verlieren hat. »Mein Split.«

»Genau.« Der Senator lächelte schwach. »Ich kann nicht behaupten, dass wir Ihrem Split besonders trauen. Bury, selbst wenn nur die Minis durchkamen und sich ausbreiten, könnten wir ganze Welten verlieren. Sie vermehren sich wie die Bakterien. Der Weltraum ist nicht groß genug, um einer solchen Rasse Platz zu bieten. Aber Sie wissen das alles.«

»Ja.« Bury riss sich zusammen. Seine Miene war ruhig, aber er sah immer noch viele kleine glitzernde Augen vor sich. Bei der Herrlichkeit Allahs! Beinahe hatte ich sie selbst herausgebracht! Ehre und Ruhm dem Einen, der Gnade übt …

»Verdammt, hören Sie auf zu zittern«, befahl Fowler.

»Ich bitte um Entschuldigung. Sie werden zweifellos von meiner Begegnung mit den Minis erfahren haben.« Er warf einen Blick auf Blaine und beneidete ihn um seine Ruhe.

Für den Kommandanten der Mac Arthur konnten die Minis kaum weniger schrecklich sein. »Es freut mich zu hören, dass das Imperium die Gefahren erkennt.«

»Ja. Wir werden die Splits durch eine Blockade in ihrem System einsperren.« »Wäre es nicht besser, sie zu vernichten, solange wir noch dazu imstande sind?« fragte Bury leise. Seine Stimme war ruhig, aber in seinen dunklen Augen flammte der Hass.

»Wie?«

Bury nickte. »Es gäbe natürlich politische Schwierigkeiten. Aber ich könnte Männer finden, die eine Expedition nach Splitter Alpha unternehmen, und mit den geeigneten Anweisungen …«

Fowler verzog abwehrend das Gesicht. »Ich habe meine eigenen Provokateure, wenn ich sie brauche.«

»Aber die meinen wären wesentlich weniger wertvoll.« Bury blickte vielsagend zu Blaine hin.

»Ja.« Fowler sagte einen Moment lang nichts weiter, und Blaine versteifte sich unübersehbar. Dann fuhr der Senator fort: »Wie dem auch sei, Bury, wir haben uns für die Blockade entschieden. Die Regierung hat genug Sorgen, ohne noch des Völkermords beschuldigt zu werden. Außerdem gefallt mir der Gedanke nicht, ohne Anlass über intelligente Wesen herzufallen. Wir werden die Angelegenheit ohne Gewalt erledigen.«

»Aber die Gefahr!« Bury beugte sich vor und vergaß, das fanatische Glühen in seinen Augen zu unterdrücken. Er wusste wohl, dass in dieser Richtung nur Hysterie und Wahnsinn lagen, aber jetzt kümmerte es ihn nicht mehr. »Glauben Sie wirklich, dass der Dschinn nicht mehr gefährlich ist, weil der Korken wieder in der Flasche steckt? Was ist, wenn eine andere Generation die Splits mit anderen Augen sieht als wir? Wenn sie den Dschinn wieder frei lässt? Bei der Herrlichkeit Allahs! Stellen Sie sich die Schwärme ihrer Schiffe vor, die in das Imperium einfallen, voller Bestien, die wie das da aussehen und wie Admiral Kutuzov denken! Spezialisierte Krieger, die den sauronischen Totenkopftruppen überlegen, mehr als überlegen sind! Und Sie wollen sie am Leben lassen? Sie müssen vernichtet werden, sehen Sie das doch endlich ein …«