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»Das ist eine Schreibmaschine«, sagte der Mann. »Die gibt’s wohl nicht in dem Weiler, aus dem du kommst.«

Ich überhörte die Anspielung auf Williams Ford und sagte: »Sie meinen, das ist eine Druckerpresse? Machen Sie denn ein Buch?« (Ich wusste damals noch sehr wenig über die technische Seite der Herstellung von Büchern und fand, dass sie womöglich genauso gemacht wurden: von schmuddeligen Männern, die sie mit so einer Maschine Buchstabe für Buchstabe abschrieben.)

»Sehe ich aus wie ein Verleger? Du solltest nicht meine Gastfreundlichkeit benutzen, um mich zu beleidigen.«

»Ich heiße Adam Hazzard«, sagte ich.

»Theodore Dornwood«, murmelte er und wandte sich wieder seiner Tätigkeit zu.

»Eine bemerkenswerte Maschine«, bohrte ich weiter, »auch wenn es keine Druckerpresse ist. Was machen Sie damit? Schreiben Sie Schilder oder Hinweise?«

»Ich bin kein Verleger, ich bin kein Schildermaler, und ich bin auch kein Kompanieschreiber. Ich schaue auf zu diesen Leuten. Ich bin Schriftsteller.«

Jetzt war ich verblüfft — ich war noch nie einem Schriftsteller begegnet und auch noch niemandem, der sich dafür hielt. Ich bekam ganz große Augen und rief reichlich unbesonnen: »Ich auch!«

Mr. Dornwood bekam den Rauch aus seiner Pfeife in den falschen Hals und fing an zu husten.

»Das habe ich wenigstens vor. Ich meine, eines Tages Bücher zu schreiben wie die von Mr. Charles Curtis Easton — Sie haben bestimmt schon von ihm gehört.«

»Wer kennt ihn nicht? Seine Romane bevölkern die Bücherstände in der Hudson Street.«

»Wo ist die Hudson Street?« (Falls sie nämlich in Montreal war, hätte ich vielleicht etwas von meinem Sold investiert, um mit Mr. Eastons Büchern Schritt zu halten.)

»Manhattan«, sagte Mr. Theodore Dornwood mit einem wehmütigen Blick auf das Blatt in seiner Schreibmaschine.

»Dann sind Sie ein Schriftsteller aus New York?«

»Ich schreibe für den Spark

Der Spark war eine Zeitung in New York City. Ich hatte noch nie eine Ausgabe gesehen — nicht vom Spark und auch von sonst keiner Zeitung —, Julian hatte das Blatt ein- oder zweimal erwähnt und als beliebt, aber auch vulgär bezeichnet.

»Schreiben Sie gerade einen Bericht?«

»Nein! Ich verplempere meine Zeit mit einem x-beliebigen Infanteristen, der nichts Besseres zu tun hat, als hier aufzukreuzen; aber, ob du’s glaubst oder nicht, ich war tatsächlich bei der Arbeit, bevor du hier herumgeschnüffelt hast.«

Da Theodore Dornwood aus Manhattan kam, wollte ich schon fragen, ob er dort Julian Comstock begegnet oder der ihm über den Weg gelaufen sei; doch mir fiel ein, dass jede unbedachte Preisgabe von Julians richtigem Familiennamen seinem mörderischen Onkel zu Ohren kommen konnte.[33] Deshalb ließ ich Julians Namen unerwähnt und sagte: »Tja, ich wünschte. ich hätte so eine schöne Maschine. Besitzen alle New Yorker Schriftsteller eine?«

»Eine Handvoll privilegierte.«

»Wie funktioniert sie?«

»Du drückst die Tasten runter — so — siehst du? — und die Buchstaben werden auf das Papier gestempelt — vorausgesetzt, man lässt dir die nötige Ruhe zum Arbeiten.«

»Geht das nicht langsamer als mit der Hand?«

»Schneller, wenn du geübt bist, und das fertige Manuskript ist eine bessere Druckvorlage … Hazzard, wie war noch dein Name? Bist du der Soldat, der den Landeiern das Schreiben beigebracht hat?«

Der Unterricht, den ich Lymon Pugh gab, war so erfolgreich gewesen, dass noch ein paar andere Infanteristen dazugestoßen waren. Mir gefiel, dass Mr. Dornwood davon gehört hatte. »Der bin ich.«

»Und du schreibst auch?« Er inhalierte aus seiner Pfeife und gab eine Vesuvladung an Rauch von sich. Die beißende Luft im Zelt ließ mir allmählich Flügel wachsen, während Dornwood nichts dergleichen anzumerken war; der Mann hatte seine Laster so lange befriedigt, dass er inzwischen immun gegen sie war. (Er war nicht alt in dem Sinne, wie Sam Godwin alt war, aber er war mindestens zehn Jahre älter als ich — alt genug, um abgehärtet zu sein gegen seine schlechten Angewohnheiten.) »Woran arbeitest du gerade, Adam Hazzard?«

Ich errötete und sagte: »Na ja, ich halte Papier und Bleistift parat … aber ich habe keine Schreibmaschine mit Federn und Hebeln … ich mache mir von Zeit zu Zeit Notizen …«

»Keine Bescheidenheit zwischen Schreiberlingen«, sagte Dornwood. »Du erfindest Geschichten, oder?«

»Ja — von einem Jungen aus dem Westen, der von chinesischen Händlern gekidnappt und gegen seinen Willen aufs Meer gebracht wird, und als er seinen Wärtern entkommt, stößt er auf Piraten, aber die wissen nicht …«

»Verstehe. Und wie vielen Piraten bist du begegnet, Adam Hazzard?«

Die Frage überrumpelte mich. »Im richtigen Leben? Na ja — noch keinem.«

»Dann hast du sie aus der Entfernung beobachtet?«

»Eigentlich …«

»Bist du dir überhaupt sicher, dass es Piraten gibt — wenn du sie noch nie gesehen hast? Nein, sag jetzt nichts; aber dafür sag ich dir was: Warum schreibst du über Piraten, Adam, wo du in ein Abenteuer verstrickt bist, das mindestens so bedeutsam ist wie alles, was C. C. Easton sich jemals ausgedacht hat?«

»Was wollen Sie damit sagen — dass ich über den Krieg schreiben soll? Ich kenne ihn doch kaum.«

»Egal! Schreibe, was du weißt: Das ist ein ehernes Gesetz in unserem Metier.«

»Umso schlimmer für mich«, sagte ich benommen, »denn ich weiß herzlich wenig, wenn’s drauf ankommt.«

»Jeder weiß etwas. Die Schlacht von Mascouche zum Beispiel. Warst du nicht mittendrin?«

»Ja, aber es war meine erste.«

»Wäre es nicht eine vernünftige Übung, mit dem Bleistift festzuhalten, was an diesem Tag passiert ist? Nicht, was der Laurentischen Armee passiert ist — überlass das den Historikern —, ich meine, was dir passiert ist — was du ganz persönlich erlebt hast.«

»Wen interessiert das?«

»Es wäre auf jeden Fall eine Übung im Schreiben. Adam«, rief er, stand von seinem Hocker auf und warf mir in einer unerwartet jovialen Geste einen Arm um die Schultern, »warum verplemperst du deine Zeit hier oben? Ein Schriftsteller muss vor allen Dingen schreiben! Vergeude nicht kostbare Minuten, indem du auf meine Schreibmaschine starrst — oder schlimmer noch, sie anfasst —, jetzt, wo der Feind ruhig und das Wetter schön ist, hast du Zeit, deine literarischen Fertigkeiten zu schulen! Nimm deinen bescheidenen Bleistift, Adam Hazzard, und schreibe deine Erinnerungen an die Ereignisse der letzten paar Tage auf — und spare nicht mit Einzelheiten.«

Das leuchtete mir sofort ein — ich war Feuer und Flamme und machte mir Vorwürfe, nicht selbst darauf gekommen zu sein. »Wenn ich mit dem Aufsatz fertig bin, darf ich dann damit vorbeikommen?«

Er setzte sich, als bliebe ihm die Luft weg. »Vorbeikommen?«

»Mit meiner Beschreibung der Schlacht. Damit Sie mir sagen können, was ein erfahrener Schriftsteller anders gemacht hätte.«

Mr. Dornwood schob die Brauen zusammen, er war sichtlich verstört; dann sagte er: »Also gut … sagen wir nächsten Sonntag — wenn wir dann noch unter den Lebenden weilen.«

»Das ist sehr großzügig!«

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33

Deklan der Eroberer muss ja ein richtiges Ungeheuer sein, hatte ich mir neulich überlegt, wenn es gefährlicher war, ihm gegenüberzutreten, als einer Legion von bewaffneten und zornentbrannten Deutschen. Mit dem Unterschied, erklärte Sam, dass unsere Dienstverpflichtung nur etwa ein Jahr und die Bedrohung durch Julians Onkel mindestens eine Amtsperiode dauern würde.