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»Weg damit, du Affe«, sagte sein Herr und schlug ihm das Glas herunter: »Ist das eine Art, deinesgleichen zu behandeln? Mir scheint, Dolf«, setzte er hinzu und legte prüfend seine Finger auf die elegant gemusterte Seidenweste, in der Adolf prunkte, »mir scheint, das ist meine Weste.«

»Oh, Herr, diese Weste war voller Weinflecke! Der Herr konnte eine solche Weste doch nicht länger tragen! Ich dachte, ich könnte sie nehmen. Für einen armen Niggerknaben reicht sie noch.«

Und Adolf warf seinen Kopf zurück und fuhr mit zierlichen Fingern durch sein parfümiertes Haar.

»So, so«, sagte St. Clare. Er war nicht entrüstet. »Also jetzt führe ich Tom seiner Herrin vor, und du nimmst ihn dann mit in die Küche, aber wehe, wenn du dich noch weiter aufspielst! Er ist zweimal soviel wert wie ein Affe wie du.«

»Der Herr muß immer spaßen«, sagte Adolf lachend. »Ich bin entzückt, daß der Herr so guter Dinge ist.«

»Komm, Tom«, rief St. Clare und winkte ihm.

Tom kam ins Zimmer herein. Er blickte verwirrt auf die samtenen Teppiche und die nie geschaute Pracht der Spiegel, Bilder, Statuen und Vorhänge, und wie die Königin von Saba vor Salomon verließ ihn aller Mut. Er traute sich nicht mehr, den Fuß zu heben.

»Sieh hier, Marie«, sagte St. Clare zu seiner Frau, »ich habe dir einen Kutscher nach deinem Geschmack gekauft. Ich kann dir sagen, ein wahres Wunder an Schwärze und Gesittung. Er wird dich fahren wie zu einem Begräbnis, du brauchst es bloß zu sagen. Mach deine Augen auf und sieh ihn dir an. Und sage nicht mehr, ich dächte nicht an dich, wenn ich unterwegs bin.«

Marie öffnete die Augen und heftete sie prüfend auf Tom.

»Ich weiß, er wird sich betrinken«, sagte sie.

»Nein, nein. Er wurde mir als ein frommes und nüchternes Stück empfohlen.«

»Na, hoffentlich macht er sich«, erwiderte die vornehme Dame; »wenn ich es auch kaum erwarte.«

»Dolf«, befahl St. Clare, »führe Tom nach unten und nimm dich zusammen. Denke dran, was ich dir gesagt habe.«

Adolf tänzelte zierlich davon, während Tom ihm mit schwerem Schritt folgte.

»Er ist der reine Elefant!« sagte Marie.

»Nun, Marie, sei gnädig«, bat St. Clare und setzte sich auf einen Stuhl neben ihrem Ruhelager. »Spende deinem Mann ein freundliches Wort.«

»Du bist vierzehn Tage länger geblieben, als du vorhattest«, sagte die Gnädige schmollend.

»Gewiß, aber ich schrieb dir die Ursache.«

»In einem so kurzen, kalten Brief«, entgegnete sie.

»Nun, ja doch. Die Post ging gerade ab, sonst hätte ich es lassen müssen.«

»So geht es immer«, antwortete sie. »Du hast immer einen Anlaß, deine Reisen auszudehnen und deine Briefe abzukürzen.« »Schau einmal her«, lenkte er ab und zog ein elegantes Etui aus der Tasche und öffnete es, »ich habe dir ein Geschenk aus New Orleans mitgebracht.« Es war ein Daguerrotyp[1], klar und weich wie ein Kupferstich, und stellte Eva mit ihrem Vater dar, die Hand in Hand zusammensaßen.

Marie betrachtete es unzufrieden.

»Warum habt ihr euch so unvorteilhaft hingesetzt?« fragte sie.

»Nun, die Stellung mag Ansichtssache sein; aber was hältst du von der Ähnlichkeit?«

»Wenn du im ersten Fall keinen Wert auf meine Ansicht legst, wirst du es in diesem Fall auch nicht tun«, sagte sie und schloß das Etui.

»Soll sie der Henker holen«, dachte St. Clare im stillen. Aber laut sagte er: »Ach, komm. Marie, sag, ob du es ähnlich findest. Sei doch nicht kindisch.«

»Es ist rücksichtslos von dir, St. Clare«, versetzte Marie, »daß du mich zum Sprechen und Betrachten verleitest. Du weißt doch, daß ich den ganzen Tag mit Migräne liege. Seit deiner Ankunft herrscht hier ein solcher Trubel, ich bin halbtot davon.«

»Sie leiden an Migräne, Madam?« fragte Miß Ophelia und erhob sich plötzlich aus den Tiefen eines Sessels, wo sie still gesessen und ein Verzeichnis der Einrichtungsgegenstände aufgenommen hatte, heimlich die Kosten überschlagend.

»Ja, ich leide Qualen.«

»Wacholderbeerentee ist gut gegen Migräne«, sagte Miß Ophelia. »Auguste, die Frau von Pfarrer Abraham Percy, behauptete es wenigstens, und sie verstand sich darauf.«

»Ich werde die ersten Wacholderbeeren, die im Garten am See reif werden, zu diesem Zweck ernten lassen«, sagte St. Clare und zog mit todernstem Gesicht die Klingel. »Inzwischen, teure Kusine, wirst du dich auf dein Zimmer zurückziehen und nach der Reise ein wenig erfrischen wollen. Dolf«, setzte er hinzu, »ich lasse Mammy bitten.« Kurz darauf trat die nette Mulattin ein, die Eva so stürmisch begrüßt hatte; sie war sauber gekleidet und trug einen hohen rot und gelben Turban auf dem Kopf, den Eva ihr soeben geschenkt und eigenhändig umgebunden hatte. »Mammy«, sprach St. Clare, »ich vertraue dir diese Dame an; sie ist müde und soll sich ausruhen. Führe sie auf ihr Zimmer und sieh zu, daß sie alle Bequemlichkeiten findet«, und Miß Ophelia begab sich unter Mammys Fittiche.

16. Kapitel

Toms neue Herrin und ihre Ansichten

»Und jetzt, Marie«, sagte St. Clare, »werden goldene Tage für dich anbrechen. Jetzt ist unsere praktische, geschäftstüchtige Kusine aus New England da und wird dir alle Sorgen abnehmen. Da kannst du dich erholen und jung und schön bleiben.«

Es war wenige Tage nach Miß Ophelias Ankunft, als St. Clare am Frühstückstisch diese Ankündigung machte.

»Das soll mir nur recht sein«, erwiderte Marie und stützte leidend den Kopf auf die Hand. »Vermutlich wird sie als erstes feststellen, daß hierzulande die Hausfrauen wahre Sklaven sind.«

»Oh, gewiß wird sie das feststellen und zweifellos noch manche andere treffende Wahrheit obendrein«, antwortete St. Clare.

»Da reden sie, daß wir Sklaven halten, als täten wir das zu unserer eigenen Bequemlichkeit«, sagte Marie. »Wenn es danach ginge, könnten wir sie alle sofort freilassen.«

Evangeline heftete ihre großen, ernsten Augen mit einem forschenden und erstaunten Ausdruck auf das Gesicht der Mutter und fragte kindlich: »Warum hältst du sie denn, Mama?«

»Das weiß ich auch nicht, wahrscheinlich zur eigenen Plage; sie sind die Plage meines Lebens. Wahrscheinlich geht mein ganzes Leiden nur auf sie zurück. Und unsere Leute sind die schlimmsten, mit denen man gestraft sein kann.«

»Oh, nicht doch, Marie, du bist verstimmt heute morgen«, sagte St. Clare. »Du weißt, das trifft nicht zu. Nimm zum Beispiel Mam–my, die beste Seele der Welt — was wolltest du ohne sie anfangen?«

»Mammy ist bestimmt die beste, und doch auch Mammy ist selbstsüchtig — entsetzlich selbstsüchtig; das ist ein Fehler der ganzen Rasse.«

»Selbstsucht ist ein schrecklicher Fehler«, sagte St. Clare ernsthaft.

»Bleiben wir bei Mammy«, sagte Marie, »es ist doch selbstsüchtig von ihr, so fest des Nachts zu schlafen; sie weiß doch, daß ich ihrer Dienste beinahe stündlich bedarf, wenn es mir sehr schlimm geht. Sie ist aber kaum wachzukriegen. Heute morgen geht es mir deshalb so schlecht, weil ich solche Mühe hatte, sie in der Nacht wachzurütteln.«

»Hat sie nicht kürzlich mehrere Nächte bei dir gewacht, Mama?« frage Eva.

»Woher willst du das wissen?« fragte Marie scharf. »Wahrscheinlich hat sie sich beklagt.«

»Sie hat sich nicht beklagt; sie hat mir nur erzählt, was du für unruhige Nächte hattest.«

»Warum läßt du nicht Jane oder Rosa einmal an ihre Stelle treten«, sagte St. Clare, »damit sie sich ausruhen kann?«

»Wie kannst du mir das zumuten? St. Clare, du bist wirklich zu rücksichtslos. Ich bin so nervös, der kleinste Atemzug stört mich; und eine fremde Hand in meiner Nähe würde mich unbedingt rasend machen. Wenn Mammy das richtige Interesse an mir hätte, würde sie leichter aufwachen — ganz bestimmt. Ich habe mir von anderen Leuten sagen lassen, welches Glück sie mit ihren Dienstboten haben; das war mir nie beschert«, und Marie seufzte.

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1

Erste Form der Photographie.